Springpad:
Digitales Notizbuch und
Aufgabenverwaltung in einem

Springpad ist eine Mischung aus Onlinenotizbuch und Aufgabenverwaltung. Der bereits länger existierende US-Dienst überzeugt durch eine intuitive Benutzerführung, ein angenehmes Design und eine bemerkenswerte Schnelligkeit.

Das Jahr hat 365 Tage, und auch wenn viele Netzbeobachter mental (oder öffentlich) bereits Anfang Dezember ihr persönliches Fazit in Bezug auf Lieblingsanwendungen ziehen, kann sich die persönliche Favoritenliste kurz vor dem Jahreswechsel noch einmal ändern. Genau das scheint mir gerade zu passieren.

Twitter-Nutzer Alexander Kaiser hat mir vor wenigen Tagen Springpad empfohlen, einen bereits im Jahr 2008 gegründeten US-Dienst zum smarten Verwalten von Notizen, Aufgaben und im Web gefundenen Inhalten. Bei den meisten von euch klingelt es beim Stichwort “Notizen” sicher sofort: Richtig, Springpad befindet sich damit im gleichen Sektor wie Evernote, Clipmarks oder die zwei Schweizer Dienste Memonic (netzwertig.com-Sponsor) sowie useKit.

Bevor ich berichte, warum es mir Springpad angetan hat, möchte ich trotz der thematischen Verwandtschaft auf die Unterschiede zwischen den genannten Services hinweisen: Evernote und Memonic zeichnen sich durch eine große Vielseitigkeit der Anwendungsgebiete aus und bieten Tools für den Desktop. Bei Clipmarks steht das Sharing von im Netz aufgefundenen Texten und Medieninhalten im Vordergrund. useKit fokussiert sich auf den kollaborativen Ansatz und den Einsatz bei der Arbeit in Teams.

Überschneidungen gibt es zwischen allen Services, die Benutzerführung, das Design und die mobile Verfügbarkeit unterscheiden sich jedoch stark.

Memonic verwende ich seit einiger Zeit, um im Netz gefundene, besonders gute Infografiken (die leicht in der Masse von völlig sinnlosen Kreationen untergehen) sowie schlagfertige Zitate mit dem Browser-Bookmarklet auszuschneiden und online zu speichern. Mit Evernote hingegen habe ich mich nie richtig anfreunden können. Während der Service von vielen nach maximaler Produktivität strebenden Usern in höchsten Tönen gelobt wird, erscheint er mir seit jeher etwas zu behäbig und hakelig in der Anwendung – auch auf dem iPhone.


Zurück zu Springpad: Die grundlegende Idee des Dienstes ähnelt der der anderen Services. Im Gegensatz zur Konkurrenz dient Springpad aber nicht nur dem Aufnehmen von Content und Bookmarks aus dem Web, sondern beinhaltet auch einen Task Manager, um über das Browserinterface oder die iPad-, iPhone- bzw. Android-App neben Notizen auch Aufgabe zu verwalten. Innerhalb weniger Tage hat Springpad damit meinen bisher bevorzugten Aufgabenverwalter Producteev abgelöst – primär deshalb, weil die Springpad-iPhone-App nicht nur blitzschnell ist, sondern neu angelegte Todos automatisch im Hintergrund synchronisiert – in beiden Punkten ist Springpad Producteev deutlich überlegen.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal von Springpad ist die automatische Anreicherung von gespeicherten Notizen oder Inhalten mit Zusatzinformationen aus dem Netz. Wer beispielsweise eine Pizza backen möchte, verwendet die “Look it up”-Funktion und erhält damit zu der Pizza-Notiz passende Rezepte, Bücher, Restaurants, Weine usw. Ob sich dieses Feature im Alltag bewährt, kann ich noch nicht sagen, aber es ist auf jeden Fall eine vielversprechende Weiterentwicklung des digitalen Notizbuchkonzepts.

Ausschlaggebend für meinen positiven ersten Eindruck ist letztendlich die Usability und Benutzerführung. Springpad ist blitzschnell, hat eine hervorragende Chrome-Erweiterung und sieht sehr gut aus. Alle Funktionen sitzen dort, wo man sie erwarten würde. Es macht ganz einfach Spaß, den Service zu nutzen – eine Aspekt, der nicht immer rationell erklärt werden kann, aber meines Erachtens nach einen hohen Stellenwert hat.

Dieser Artikel ist kein ausführlicher Vergleich. Womöglich würden sich leidenschaftliche Nutzer eines anderen Notiz- oder ToDo-Dienstes bei Springpad gar nicht zu Hause fühlen, sich an der dezent platzierten Werbung stören (der Service ist kostenlos und bringt keine Einschränkungen mit sich) oder bestimmte Features vermissen. Und vielleicht habe ich in einigen Monaten schon wieder einen besseren Service gefunden. Vorerst jedoch werde ich Springpad als Taskmanager meiner Wahl einsetzen und parallel die Notizfunktionen ausprobieren und einsetzen, um zu evaluieren, in welcher Weise der Dienst meinen digitalen Workflow erleichtern und verbessern kann.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

Mehr lesen

Aufgabenmanager: Wunderlist wird schneller, schöner - und bleibt sonst fast wie es ist

10.7.2014, 1 KommentareAufgabenmanager:
Wunderlist wird schneller, schöner - und bleibt sonst fast wie es ist

Das Berliner Produktivitäts-Startup 6Wunderkinder wird in wenigen Wochen die neue Version seines von sechs Millionen Menschen genutzten Aufgabenmanagers Wunderlist veröffentlichen. Gut so, denn die bisherige App wirkt nicht mehr ganz frisch.

Organisation des digitalen Lebens: Wunderlist, das andere Evernote

22.1.2014, 8 KommentareOrganisation des digitalen Lebens:
Wunderlist, das andere Evernote

Wunderlist begann als Aufgabenmanager, aber lässt sich heute auch als Alternative zu Evernote einsetzen. Diese Parallele bietet den notwendigen Kontext, um die jüngste Millionenfinanzierung sowie die überdurchschnittliche Aufmerksamkeit für das Startup zu verstehen.

Datei-Anhänge: Wunderlist mausert sich zum Dropbox-Wettbewerber

25.7.2013, 4 KommentareDatei-Anhänge:
Wunderlist mausert sich zum Dropbox-Wettbewerber

Das Berliner Startup 6Wunderkinder erweitert das kostenpflichtige Angebot seiner To-Do-App Wunderlist um einen Dateianhang. Eine schöne Erweiterung, die den Dienst in die Nähe von Dropbox rückt.

Linkwertig: Vergessen, RSS, NYT, Evernote

14.5.2014, 0 KommentareLinkwertig:
Vergessen, RSS, NYT, Evernote

Evernote gratuliert sich zu 100 Millionen Benutzern und mehr.

Organisation des digitalen Lebens: Wunderlist, das andere Evernote

22.1.2014, 8 KommentareOrganisation des digitalen Lebens:
Wunderlist, das andere Evernote

Wunderlist begann als Aufgabenmanager, aber lässt sich heute auch als Alternative zu Evernote einsetzen. Diese Parallele bietet den notwendigen Kontext, um die jüngste Millionenfinanzierung sowie die überdurchschnittliche Aufmerksamkeit für das Startup zu verstehen.

Evernote: Das etwas andere Internetunternehmen

12.12.2013, 4 KommentareEvernote:
Das etwas andere Internetunternehmen

In vielen Punkten unterscheiden sich Evernote und dessen CEO Phil Libin von anderen Akteuren der Internetbranche. Da passt es, dass das US-Unternehmen mittlerweile fast ein Drittel seines Umsatzes mit physischen Produkten erwirtschaftet.

25.11.2011, 2 KommentareLinkwertig:
Memonic, Staatstrojaner, Ubuntu, PressBooks

Die Schweiz bekommt einen Staatstrojaner, Ubuntu rutscht von Platz 1 auf Platz 4 und mehr.

1.9.2011, 0 KommentareLinkwertig:
Spotify, Gmail, Memonic, Zite

Spotify kann in iOS-Apps integriert werden, Memonic Clipper wurde von Salesforce als zweitbeste Anwendung ausgezeichnet und mehr.

Linkwertig: Gema, Facebook, Pandora, Memonic

16.6.2011, 2 KommentareLinkwertig:
Gema, Facebook, Pandora, Memonic

Keine Einigung zwischen YouTube und der Gema in Sicht, Memonic wird sozial und mehr.

Organisation des digitalen Lebens: Wunderlist, das andere Evernote

22.1.2014, 8 KommentareOrganisation des digitalen Lebens:
Wunderlist, das andere Evernote

Wunderlist begann als Aufgabenmanager, aber lässt sich heute auch als Alternative zu Evernote einsetzen. Diese Parallele bietet den notwendigen Kontext, um die jüngste Millionenfinanzierung sowie die überdurchschnittliche Aufmerksamkeit für das Startup zu verstehen.

\

20.4.2012, 8 Kommentare"Virtuelles Gedächtnis":
Evernote erreicht Milliardenbewertung

Der bei strukturierten, ordnungsliebenden Menschen populäre Onlinenotizbuchdienst Evernote wirkt manchmal wie der Fels in der hektischen Silicon-Valley-Brandung. In einer neuen Finanzierungsrunde wird das profitable Unternehmen erstmals mit einer Milliarde Dollar bewertet - und betritt damit einen elitären Club.

Gimme Bar: Formschöne Ablage  für Online-Inhalte

7.9.2011, 8 KommentareGimme Bar:
Formschöne Ablage für Online-Inhalte

Das New Yorker Startup Gimme Bar erlaubt das Speichern beliebiger Online-Inhalte. Der Dienst macht durch ein ansehnliches Design, eine unkonventionelle Benutzeroberfläche sowie eine Dropbox-Integration auf sich aufmerksam.

Task-Management-Tools: Wie Remember The Milk versucht,  sein Geschäftsmodell zu retten

27.8.2010, 33 KommentareTask-Management-Tools:
Wie Remember The Milk versucht, sein Geschäftsmodell zu retten

Remember The Milk ist das wahrscheinlich bekannteste Webwerkzeug für To-Do-Listen. Durch neue Konkurrenz gerät das Geschäftsmodell ins Wanken.

Task-Management-Tools: Produktiv mit Producteev

17.8.2010, 33 KommentareTask-Management-Tools:
Produktiv mit Producteev

Den idealen Task-Manager zu finden, ist nicht leicht. Das für Privatpersonen kostenlose Producteev besticht durch seinen Funktionsreichtum.

17 Kommentare

  1. Sehr interessanter Artikel – werde Springpad auf dem iPhone mal testen heute Abend. Mein Favorit ist im Moment, zumindest was Notizen und Aufgaben angeht: Awesome Note! Super übersichtlich und im Aussehen nahezu frei konfigurierbar. Backup und Abgleich mit Google Docs ist auch eingebaut. Bin total begeistert von Awesome Not – angucken kostet nichts :)

    Danke für den Tipp und eine schöne restliche Woche noch!

  2. Bist aber schon sehr sprunghaft in der Auswahl deines ToDo-Tools, was?

    • Ja gehört zum Job. Ständig untreu ;) (hat aber auch mit der Überschwemmung des Marktes mit Taskmanagern zu tun).

      Und der Kommentar von Marc zeigt, dass es schon wieder etwas auszuprobieren gibt…

    • Prokastrinatoren beschäftigen sich auch immer wieder mit neuen ToDo-Tools, und haben damit eine geniale Ausrede dafür, das man seine andere Arbeit nicht schafft… ;)

    • Und vor allem schnell, für meinen Geschmack zu schnell. Nach wenigen Tagen kann man eine Software doch noch gar nicht richtig beurteilen …

    • Endgültig nicht. Vorläufig aber schon.

  3. Nutze ich schon seit knapp einem Jahr und lege bspw. Notizbücher für Reisen an, in denen ich mögliche Ausflugsziele ablege. Dadurch dass es auf dem Handy offline verfügbar ist, brauch man sich im Ausland auch keine Gedanken um Roaminggebühren machen.

    Aber auch zum Ablegen von Bookmarks zu denen man mehr speichern will als nur die URL oder Rezepten, Weinen, etc. ist Springpad mehr als geeignet.

  4. Kann es sein, das Springpad nicht für den deutschen Markt ausgelegt ist? Habe jedenfalls gerade versucht, nach deutschen Begriffen in Springpad zu suchen (unter “Look it up”), aber es werden dazu keine oder nur sehr dürftige Ergebnisse angezeigt (z.B. Suche nach “Düsseldorf”).

    Und was macht man mit seinen ganzen Evernotes oder Instapapers, wenn man auf Springpad umsteigen wollte?

  5. Interessanter Beitrag, aber ob mich das jetzt wirklich motiviert mein bestehendes System zu ändern … mal sehen. Jedenfalls bin ich für jeden Denkanstoß dankbar!

  6. Sehe ich das richtig, dass man einzelne Aufgaben in Springpad nicht hinundher schieben kann? Das fände ich dann leider dürftig.

  7. Von wo nach wo willst du eine Aufgabe verschieben? Ich versteh nicht ganz, was du meinst.

    • Bei Google Tasks z.B. und etlichen anderen kann man seine Aufgaben nach Priourität in der Reihenfolge hoch und runter schieben. Ohne das macht doch ein Taskplaner überhaupt keinen Sinn, finde ich. Prioritäten ändern sich ständig, bzw. es fällt später eine Aufgabe mit höherer Priourität an. Ich habe das bis jetzt für eine Grundfunktion von Anwendungen für Aufgabenverwaltung gehalten.

    • Vermutlich gehen durch die Kombination aus digitalem, intelligentem Notizbuch und Taskmanager ein paar speziellere Funktionen verloren.

      Ich nutze keine derartige Priorisierungen für ToDos, weshalb ich es hier auch nicht vermisse. Aber beim Thema Produktivität hat ja jeder seine eigenen Präferenzen.

      Eine Alternative wäre, zwei oder drei Ordner für “High Prio”, “Medium Prio” und “Low Prio” o.ä. einzurichten.

  8. Und wie ist jetzt so der Stand der Dinge Martin?
    Immer noch zufrieden mit Springpad, oder bereits auf eine Alternative gestoßen?

    Was hälst du eigentlich von catch.com?
    Scheint sowas ähnliches wie Springpad oder Evernote zu sein und hat anhand der Bewertungen im Android Market sehr gut abgeschnitten.
    http://market.android.com…om.threebanana.notes

    In eurer netzwertig-Suche konnte ich leider nichts zu der App finden. (Was mich eigentlich schon etwas wundert da sie eigentlich ziemlich bekannt und erfolgreich ist. Da habt ihr auch schonmal weit schlechtere und weniger bedeutende Services vorgestellt.)

    Gruß, rob d

    • Immer noch zufrieden mit Springpad, oder bereits auf eine Alternative gestoßen?

      Nee ich nutze es noch. Allerdings nicht täglich (spontane To-Dos speichere ich meist kurzzeitig im Kopf ;))

      Hab in der Tat noch nie was von catch.com gehört, aber schau’s mir mal an, danke!

  9. Kein Problem. Danke auch für die Antwort.
    Lass es mich mal wissen wenn du auf ne Alternative umgestiegen bist.

    Gruß, rob d

5 Pingbacks

  1. [...] von einem Blogbeitrag von Martin Weigert auf Netzwertig.com kommt hier eine kleine Review von meiner Lieblingsnotiz App auf dem iPhone. Viel Spaß beim [...]

  2. [...] bin ich selbst ein Freund entsprechender Anwendungen (mein aktueller Favorit ist Springpad, hier vorgestellt), aber wieso das Netz damit von Startups und Internetagenturen regelrecht überschüttet wird, [...]

  3. [...] bin ich selbst ein Freund entsprechender Anwendungen (mein aktueller Favorit ist Springpad, hier vorgestellt), aber wieso das Netz damit von Startups und Internetagenturen regelrecht überschüttet wird, [...]

  4. [...] zum bekannten und beliebten digitalen Notizdienst Evernote (und zum kleineren Wettbewerber Springpad). Der Vergleich David gegen Goliath liegt da nahe, und entsprechend groß ist die Herausforderung [...]

 
vgwort