Gemeinsam gegen Facebook:
Das Potenzial einer Partnerschaft
von Google und diaspora

diaspora hat sein Versprechen gehalten und 2010 die Grundlagen für sein dezentrales soziales Netzwerk geliefert. Was das Projekt nun benötigt, ist einen starken Partner. Wie wäre es mit Google?!

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Was das klassische Social Networking betrifft, hat sich 2010 sehr wenig getan. Facebook breitete sich rund um den Globus aus, während sämtliche Konkurrenten – sowohl auf globaler Basis als auch in nationalen Märkten – kräftig absackten, was die Nutzeraktivität betraf. Einziger Lichtblick war diaspora, das dezentrale soziale Netzwerk, das sich im Fahrwasser der besonders in der ersten Hälfte des Jahres tobenden Privatsphären-Diskussion rund um Facebook als Alternative zu dem Marktführer positionierte und für enorme Aufmerksamkeit sorgte.

Seit einigen Wochen nun befindet sich diaspora als von den Machern des Projekts selbst gehostete Plattform in der geschlossenen Alpha-Phase. Wer möchte, kann den Quellcode auch auf seinem eigenen Server installieren und so diaspora auf die Art und Weise einsetzen, wie es gedacht ist – ohne Mittler, der die Daten der Nutzer kontrolliert – oder aber ebenfalls einen gehosteten diaspora-Service für andere User bereitstellen, wie es z.B. Geraspora aus Deutschland macht.

Was diaspora 2011 benötigt, sind wachsende Benutzerzahlen (die Zahl der Alpha-Tester dürfte maximal im fünfstelligen Bereich liegen) und neue Funktionen – der derzeitige Featureumfang lässt sich am besten mit “minimalistisch” beschreiben. Angesichts der noch frühzeitigen Entwicklungsstufe ist dies jedoch kein Kritikpunkt. Da kann sich im kommenden Jahr viel tun.

Dennoch glaube ich, dass diaspora zukünfitg einen starken Partner braucht, der das Vorhaben vorantreibt, einen eigenen diaspora-Server aufsetzt und diesen aktiv bewirbt. Einen Partner, der alles dafür tun würde, um Facebook an der weiteren Expansion zu hindern. Einen Partner, der selbst keinen Fuß im Social-Networking-Bereich hat und dessen verzweifelter (und gerade verschobener) Versuch darin besteht, eine soziale Toolbar zu lancieren, die ein Sammelsurium an von Anwendern mit unterschiedlichsten Intentionen besuchten Webdiensten fragwürdigerweise verknüpfen soll.

Natürlich gibt es nur ein Unternehmen, auf das diese Beschreibung passt: Google.

Vor einigen Wochen kam mir zum ersten Mal der Gedanke, dass Google diaspora unterstützen könnte, indem es im Rahmen einer Kooperation seine scheinbar unbegrenzte Rechenpower für einen von diaspora-Server sowie weitere Entwicklerressourcen bereitstellt.

Welches Interesse hätte Google an einem gestärkten diaspora? Für das eigene Geschäft gäbe es kurzfristig vermutlich wenige Vorteile. Sollte diaspora jedoch durch Googles Unterstützung eine kritische Masse erreichen, könnte der Internetriese damit ein Stöckchen in die Räder der schnurrenden Facebook-Maschinerie stecken. Google hat aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs um die Aufmerksamkeit der User und die Werbegelder der Anzeigenkunden ein großes Interesse daran, Facebook zu schwächen. Mit diaspora könnte dies gelingen.

Selbst Google-Kritiker hätten bei einer entsprechende Kooperation Probleme, den Haken an der Sache zu finden – zumindest dann, wenn gemäß dem diaspora-Prinzip eine Portabilität der Daten gewährleistet und ein Wechsel des Servers inklusive aller Daten ermöglicht wird. Dann hätten User jederzeit die Option, sich von Google zu verabschieden und auf einen anderen diaspora-Server zu ziehen.

Womöglich gibt es andere Aspekte, die ich in meiner Betrachtung ignoriert habe, und die ein Google-diaspora-Techtelmechtel unwahrscheinlich oder unrealistisch erscheinen lassen. Doch mich lässt die Idee nicht mehr los und erscheint mir deutlich vielversprechender als der Plan einer sozialen Toolbar, die mich fortan bei meinen Google-Aktivitäten begleitet.

Was haltet ihr von der Vorstellung eines von Google angetriebenen diaspora-Servers?

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17 Kommentare

  1. Max
    schrieb am 22. Dezember 2010 um 13:45 Uhr (#)

    Wenn man wegen Privacy Bedenken von Facebook zu einem auf Google (od. M$ od. Amazon) gehosteten Diaspora Dienst wechselt, dann tauscht man imho auch nur Teufel gegen Belzebub ;-)

    1. Christian
      schrieb am 22. Dezember 2010 um 13:56 Uhr (#)

      Stimmt so nicht ganz… Das Konzept hinter Diaspora ist ja eben, seine Daten Portabel zu haben und jederzeit umziehen zu können und die volle Kontrolle über seine Daten zu haben.

      Klar, keiner hinter Google dann daran, eine Schnittstelle an die Diaspora-Server zu hängen, die die Daten dort abzwacken und mir ihren Daten zu verknüpfen. Aber in erster Linie sollte Googles Ziel doch sein, Facebook wieder etwas kleiner zu bekommen oder zumindest das Wachstum einzudämmen.

      Andererseits: wer kennt schon die wahren Beweggründe und Ziele von Google?

  2. Christian
    schrieb am 22. Dezember 2010 um 13:52 Uhr (#)

    Du hast nicht ernsthaft Google verlinkt, oder? oO

    Ich halte es für sehr sinnvoll. Das geht mir aber mit allem so, das Facebook gegensteuert. Ich persönlich benutze Facebook nicht. Aber viele meiner Freunde, Bekannten und Familienmitglieder. Und ich sehe, wie sie es “benutzen”. Leider hilft da auch keinerlei Aufklärungsversuch. Ich bezweifle, dass so schnell ein komplett neuer Dienst aus dem Boden gestampft werden kann, der von selbst groß genug wird, um eine sinnvolle Alternative zu Facebook zu werden. Im Moment sieht es wirklich so aus, als könnte nur Google in Zusammenarbeit mit Diaspora etwas auf die Beine stellen. Und selbst bezweifle ich, dass es damit zu einem 50/50 Marketshare kommen kann. Es kommt einfach auf einen Versuch an. Das schöne dabei ist: Google hat doch nichts zu verlieren. Wo ist der Link zur Petition an Google? ^^

  3. tin
    schrieb am 22. Dezember 2010 um 14:25 Uhr (#)

    So lange wird es wahrscheinlich gar nicht mehr gehen, bis Facebook von einem grossen geschluckt wird – vielleicht gerade von Google…

  4. Pamka
    schrieb am 22. Dezember 2010 um 16:17 Uhr (#)

    Ich sehe das ähnlich kritisch wie Max. Klar, Google hätte Vorteile. Aber will Diaspora so eine Kooperation? Wollen Menschen, die wegen Datenschutz-Sorgen von Facebook wegbleiben auf einen Google-Server? Ich glaube gerade die, die Diaspora jetzt nutzen würden – in der Alpha-Phase und ohne große Nutzermasse – gerade die wollen lieber nicht zu Google.

  5. Marcel Weiß
    schrieb am 22. Dezember 2010 um 16:25 Uhr (#)

    Dein ungebrochener Diaspora-Optimismus ehrt Dich, aber: Es ergibt mMn keinen Sinn, dass ausgerechnet dieses Netzwerk der von dir erhoffte Facebook-Killer wird. Weder dort verwendete Technik noch verwendete Lizenzen machen das möglich.

    Gerade die von Diaspora verwendeten Lizenzen verunmöglichen eine Google-Instanz: Man darf keine kommerziellen Instanzen betreiben. (Wenn das nicht mittlerweile geändert wurde. Verfolge das nicht im Detail und finde auf Anhieb auch den Artikel dazu nicht mehr. Das hätte man aber im Artikel ansprechen können.)

    Davon abgesehen: Warum sollte Google auf etwas setzen, dessen “Alpha-Tester [sich] maximal im fünfstelligen Bereich” befinden?
    Diaspora wird auf lange Zeit nicht einmal in die Größenordnung des Google-Netzwerks Orkut kommen.
    Wenn Google schon auf einen Ansatz setzen sollte, der heute bei Null anfängt, (was wirklich angesichts der Dimensionen und Netzwerkeffekte nicht sinnvoll ist) dann eher ein Dienst wie GNU Social oder die anderen besseren Alternativen. Siehe zu GNU Social hier:
    http://neunetz.com/2010/1…auf-statusnet-basis/

    Und zur Technik bei Diaspora hier:
    http://neunetz.com/2010/0…en-falschen-pferden/

    Diaspora hatte 2010 den Vorteil, dass sie ein bisschen Aufmerksamkeit in bestimmten Kreisen bekommen haben. Der Vorteil ist 2011 aber wieder weg und wiegt, selbst wenn das nicht der Fall wäre, die Nachteile nicht auf.

  6. Akron
    schrieb am 22. Dezember 2010 um 17:10 Uhr (#)

    Google würde davon profitieren, OStatus und darauf aufbauende Systeme zu unterstützen; und OpenID und OpenSocial zu promoten.
    Diaspora ist eine Plattform, die zu wenige Anknüpfungspunkte an andere Systeme bietet. Würden verstärkt offene Standards eingesetzt, ließen sich zahlreiche, interoperable Plattformen entwickeln, die jeder dann auch auf seinem PHP+MySQL SharedHoster laufen lassen könnte. Mit einer solchen Entwicklung würde Google eine für den Start einer Anti-Facebook-Offensive wichtigste Zielgruppe ansprechen: Freie Entwickler, denen das Prinzip von Diaspora gefällt, aber nicht unbedingt das interne Design, die Sprache, die Dependencies.

  7. Marcel
    schrieb am 22. Dezember 2010 um 18:13 Uhr (#)

    Also das, was da als letzte Public Beta von Diaspora zu sehen war, könnte ein Google Programmierer in der Mittagspause schreiben. Von daher bezweifel ich, das Google da ein Interesse hätte. Für mich bleibt Diaspora die größte Blase von 2010.

    1. Marco
      schrieb am 23. Dezember 2010 um 00:02 Uhr (#)

      Öhm ich denke du meinst private alpha…

  8. Scatterd
    schrieb am 22. Dezember 2010 um 22:24 Uhr (#)

    Also von der Idee her ist Diaspora doch super. Wie gesagt, fehlt nur noch ein wichtiger Verbündeter, der die Idee pusht. Und seien wir mal ehrlich: Google hätte sicher nur geringe Kosten für diese “Operation”; also im Prinzip nichts zu verlieren. Ein eigenes Social-Network hatte (oder hat) Google ja schon (orkut) – und es ist kläglich gescheitert. Also muss eine neue Lösung her – Diaspora scheint mir eine nette Lösung.

  9. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 23. Dezember 2010 um 00:51 Uhr (#)

    Danke für eure Meinungen.

    @ Marcel Weiß
    Guter Punkt, das mit den Instanzen – war mir nicht bekannt. Hieße, Google müsste einen eventuellen diaspora-Server losgelöst von seinem Kerngeschäft betreiben, im Rahmen irgendeiner Nonprofit-Initiative.

    Dass diasporas Aufmerkamkeitsvorsprung quasi nur kurzzeitig ein Vorteil war, dem stimme ich nicht zu. Ich glaube, man sollte den positiven Image-Faktor “junge unabhängiger IT’ler bauen mit all ihrer Naivität ein dezentrales Netzwerk, was bisher noch nie jemandem richtig gelungen ist” nicht unterschätzen. Gerade der Ansatz, ein SN selbst zu bauen, ist bei Google wiederholte Male ein die Hose gegangen.

    @ Akron
    OpenID und OpenSocial – zwei Formate, die seit X Jahren nicht wirklich aus dem Knick kommen (bzw. eher unsichtbar sind, auch wenn OpenID ja mittlerweile unter der Haube bei vielen Diensten durchaus präsent ist) – und das ist Kombination mit Social-Mauerblümchen Google… siehst du darin wirklich eine erfolgversprechende Kombination?

    @ Marcel
    Lies mal das
    http://netzwertig.com/201…s-schafft-nachfrage/

    Es spielt nicht immer eine Rolle, wie schnell jemand einen Dienst zusammencoden könnte. Erst recht, wenn wir von Google sprechen.

    1. Akron
      schrieb am 23. Dezember 2010 um 21:12 Uhr (#)

      Es sind Standards, die gut durchdacht und in stetiger Entwicklung sind (wenngleich vielleicht in zwei Jahren anders heißen …) – und in Kombination den schlagenden Vorteil gegenüber Facebook klar machen würde: Dezentralität. Bei Diaspora, selbst wenn es sich im günstigsten Fall behaupten würde, hätte man vermutlich nur wenige Hubs, die wiederum wegen der hohen Betriebskosten in kommerziellen Händen wären. Das wäre Dezentralität auf niedrigstem Niveau. Außerdem hätte man aufgrund der Ad-Hoc-Designs der Protokolle (zumindest für den Moment) kein interoperables System.
      Mit offenen Standards und einigen selbst zu hostenden Basiskomponenten (Identity Management etc.), ließen sich die Dienste von Google gut einbinden – und von Beginn an hätte man ein Widget-Portfolio, das nahezu an Facebook-Apps heranreichen könnte. So könnte man den Kampf mit Facebook aufnehmen, wenn man denn dem User etwas Gutes tun möchte. Insgeheim bin ich mir aber sicher, dass Google seinen Social Layer aufbauen und ähnlich abschließen wird wie Facebook.

  10. Andreas_P
    schrieb am 23. Dezember 2010 um 02:22 Uhr (#)

    Ich denke mal vorsichtig, wenn schon eine Cloud, dann ist das Diaspora mit Owncloud und Konsorten wesentlich besser aufgehoben… Buzz bekommen die auch so: Ich hab so das Gefühl, das jeder Geek/Nerd sich für Diaspora anmeldet. Und die bereiten den Weg für die anderen.

  11. Oliver Springer
    schrieb am 23. Dezember 2010 um 22:54 Uhr (#)

    Dass gerade viele derjenigen, die Facebook kritisch gegenüberstehen, nicht “zu Google” wollen, wurde ja schon angesprochen. Auch wenn Google das Datensammeln auf einem weit harmloseren Niveau betreibt, dürfte es dennoch daran scheitern.

    Wenn Google Facebook wirklich stören möchte, müsste schon auf einem höheren Niveau angesetzt werden. Das Beste Übernahmeziel wäre meiner Ansicht nach Twitter. Aber für einen “direkten Angriff” im Bereich Social Networks kommt eigentlich nur MySpace infrage.

    MySpace könnte mit Blogger.com zusammengeführt werden und durch eine geschickte Verknüpfung mit anderen Google-Diensten wie YouTube, Google Talk und Picasa wieder attraktiver werden. Nicht zuletzt hat das Thema Musik für Google dieses Jahr stark an Bedeutung gewonnen. Mit Google im Rücken könnte MySpace ein Comeback gelingen.

  12. The Gardener
    schrieb am 30. Dezember 2010 um 11:11 Uhr (#)

    Die Jungs von Google können noch so viele Oxbridge Studenten in ihre Kinderzimmerbüros abwerben, aber die DNA um das social zurück in “social media” zu bringen fehlt im Google Valley dennoch.

    Facebook ist nicht besser, wenn man bedenkt, dass ein jugendlicher rothaariger Schlacksi mit Kommunikationsschwierigkeiten zum anderen Geschlecht in erster Linie ein Stalking Netzwerk und Partnerbörse für Nerds erbauen wollte.

    http://sandrostark.com/so…google-und-diaspora/

  13. Nachfrager
    schrieb am 13. Mai 2011 um 10:15 Uhr (#)

    facebook gegen google tauschen? Wer den Artikel wohl bezahlt hat…

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 13. Mai 2011 um 10:23 Uhr (#)

      Niemand. Es gibt bei uns keine bezahlten, nicht eindeutig als Werbung gekennzeichneten Artikel.

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