Studie zu Social Networks:
8,7 Prozent der deutschen Internetnutzer sind bei Twitter

Eine Umfrage unter deutschen Internetnutzern zeigt: Über 60 Prozent nutzen mindestens ein Social Network und haben im Durchschnitt 56,8 Freunde. Facebook liegt mittlerweile vor der VZ-Gruppe und immerhin fast jeder zehnte User besitzt ein Konto bei Twitter.

Wie verwenden Internetnutzer in Deutschland Social Networks? Auf diese Frage wollte der Direktmarketingspezialist eCircle eine Antwort haben und hat im Rahmen des “Europäischen Social Media und E-Mail Monitor” im August 1000 repräsentativ ausgewählte User aus Deutschland zwischen 14 und 69 Jahren an einer Online-Untersuchung teilnehmen lassen (ein zusätzlicher Vermerk zur Methode befindet sich am Artikelende). Die Kollegen von facebookbiz.de wiesen gestern auf die Studie hin.

Ein Teil der Untersuchung thematisiert die Typologie der in Deutschland relevanten Netzwerke. Unter anderem wurden die Studien-Teilnehmer dazu befragt, wie viele Mitgliedschaften bei Social Networks sie besitzen. Von den 1000 Befragten gaben 663 an, zumindest bei einem Anbieter ein Konto zu haben. Damit sind 66,3 Prozent der deutschen Internetnutzer bei einem sozialen Netzwerk aktiv (Hinweis: An anderer Stelle im eCircle-Bericht ist von 61 Prozent die Rede, was bei 663 von 1000 Befragten jedoch nicht stimmig ist).

Von Anwendern derartiger Dienste sind 35 Prozent Mitglied bei lediglich einem Social Network, 32 Prozent bei zwei, 18 Prozent bei drei, neun Prozent bei vier, vier Prozent bei fünf und zwei Prozent bei mehr als fünf Diensten. Der Durchschnitt des deutschen Social Networkers liegt bei 2,2 Mitgliedschaften.

Die offene Frage nach der Aktivität außer Acht lassend zeigt sich damit, dass es für einen Großteil der Netzwerker kein Problem zu sein scheint, mindestens zwei Mitgliedschaften zu pflegen. Selbst bei einer weiteren Vereinnahmung des hiesigen Marktes durch Facebook bleibt daher zumindest ein gewisser Spielraum Raum für Wettbewerber (wenn auch mit Sicherheit nicht für alle).

Interessant ist die Zahl der Kontakte bei Social Networks: 17 Prozent der User haben im favorisierten Netzwerk weniger als zehn “Freunde”. zwei Prozent besitzen mehr als 500 Kontakte. Der Durchschnitt liegt bei 56,8 Freunden, was deutlich unter dem von Facebook angegebenen Mittelwert von 130 Kontakten liegt.

Die Befragung gibt auch Erkenntnisse über die Verbreitung unterschiedlicher Social-Web-Angebote in Deutschland:

  • 394 Studienteilnehmer (= 39,4 Prozent der deutschen User) sind Mitglied bei Facebook.
  • 312 Studienteilnehmer (=31,2 Prozent der deutschen User) sind Mitglied bei einem der drei VZ-Netzwerke.
  • 87 Studienteilnehmer (= 8,7 Prozent der deutschen User) sind Mitglied bei Twitter.
  • 6 Studienteilnehmer (= 0,6 Prozent der deutschen User) sind Mitglied bei foursquare.
    -
  • 125 Studienteilnehmer (=12,5 Prozent der deutschen User) sind Mitglied bei Xing.
  • 14 Studienteilnehmer (= 1,4 Prozent der deutschen User) sind Mitglied bei LinkedIn (Hinweis: Dieser Wert erscheint im Vergleich zu Xing unangemessen niedrig)

Die Studie unterstreicht außerdem den Unterschied zwischen Facebook und Twitter, was die verschiedenen Tätigkeiten der Nutzer auf den zwei Plattformen betrifft: Jeweils 50 Prozent der Twitter-Mitglieder informieren sich über Firmen/Produkte und veröffentlichen Links zu Inhalten im Netz. Unter den Facebook-Anwendern praktizieren dies jeweils nur 31 Prozent der Befragten.

Der Bericht bricht nebenbei mit der verbreiteten Annahme, E-Mail würde durch den Social-Web-Boom an Bedeutung verlieren: 99 Prozent aller Befragten setzen auf die E-Mail als Kommunikationskanal. Möglich, dass sich das restliche Prozent überproportional auf die Studieteilnehmer zwischen 14 und 20 Jahren verteilt. Dennoch besteht vorerst in Deutschland kein Anlass, der E-Mail das baldige Ende vorherzusagen.

Ein PDF mit den erwähnten und zahlreichen weiteren Charts (mit Fokus auf Social Media Marketing) kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

Anmerkung: eCircle schreibt bei der Angabe zur Grundgesamtheit “Erwachsene 14-69 Jahre (internetrepräsentativ)” und bei der Methode “Online-Befragung im OnlinePanel”. Als Nicht-Statistiker schließe ich daraus, dass eine gewisse Repräsentativität existiert, dass jedoch durch den Einsatz eines Online-Panels Verzerrungen entstanden sein können.

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13 Kommentare

  1. Brenrhad
    schrieb am 3. Dezember 2010 um 08:47 Uhr (#)

    UI, jetzt war ich aber erschrocken: in der URL steht “87-prozent”, die SEF-Komponente schmeißt wohl das Komma raus.

    Gott-sei-Dank, es sind nur 8,7. Wir sind noch weg vom allgemeinen Produktivitäts-GAU :)

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 3. Dezember 2010 um 08:57 Uhr (#)

    Oha… interessantes Detail! Das sieht in der Tat gewaltig aus ;)

  3. Jürgen Braatz
    schrieb am 3. Dezember 2010 um 10:31 Uhr (#)

    Die Studie ist grundsätzlich sinnvoll, aber durch das Design zwangsläufig nicht repräsentativ. Nie im Leben sind 8,7 % aller Internet-User bei Twitter. Nach anderen Studien sind nämlich fast 100 % der Bevölkerung im Internet. Die Verzerrung (auch bei den LinkedIn-Usern) liegt an der Methode Online-Befragung. Daran nehmen unterschiedliche Gruppen (nehmen wir z.B. Sinus-Mileus) unterschiedlich stark teil.

    1. Martin
      schrieb am 3. Dezember 2010 um 19:33 Uhr (#)

      Ich habe im Rahmen meiner Abschlussarbeit eine Umfrage gemacht, habe fast identische Zahlen – maximale Differenz 3%! Hatte aber nur 250 Teilnehmer. Also im Bezug auf Representativität, scheint das schon ganz gut hinzukommen. :-)

  4. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 3. Dezember 2010 um 10:42 Uhr (#)

    Die 100 Prozent sind mir neu.

    Laut ARD/ZDF-Onlinestudie sind rund 50 Millionen Deutsche gelegentlich online, also knapp 70 Prozent. http://carta.info/32162/p…eutsche-sind-online/

    8,7 Prozent von 50 Millionen sind etwas mehr als 4 Millionen Twitter-Nutzer in Deutschland. Das liegt sicherlich auch noch über sonstigen Angaben zu Zahl der Twitter-Accounts in DE. Aber womöglich kommt man zu den 8,7 Prozent, wenn man nur die regelmäßigen Internetnutzer betrachtet (ggf. muss man davon ausgehen, dass bei einem Onlinepanel ausschließlich regelmäßige User dabei sind)

  5. Jürgen Braatz
    schrieb am 3. Dezember 2010 um 10:58 Uhr (#)

    Stimmt, mein Fehler, 70 Prozent, es gab allerdings Meldungen, die es so darstellten, als ob es fast 100 % wären, die find ich jetzt auf die Schnelle nicht. Gefunden habe ich aber eine andere Studie von April 2009 (n=545), angeblich repräsentativ, nach der nur 1 (ein) Prozent auf Twitter ist. Das scheint mir realistischer.
    Hier der Link: http://blog.newsmark.de/2…r-in-aber-ohne-user/

  6. Jürgen Braatz
    schrieb am 3. Dezember 2010 um 11:02 Uhr (#)

    Noch was, frisch aus Twitter:
    “Mehrheit der Bevölkerung noch nicht in der digitalen Welt angekommen” http://haufe.de/acquisa/n…newsID=1291368917.44

  7. Uli
    schrieb am 3. Dezember 2010 um 11:03 Uhr (#)

    Die Aussage “Der Bericht bricht nebenbei mit der verbreiteten Annahme, E-Mail würde durch den Social-Web-Boom an Bedeutung verlieren: 99 Prozent aller Befragten setzen auf die E-Mail als Kommunikationskanal.”

    wird dadurch relativitiert, dass eCircle ein email/Newsletterdienstleister ist. eCircle lebt also vom email-Business und möchte wohl auch seine Kunden bei der Stange halten?

  8. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 3. Dezember 2010 um 11:22 Uhr (#)

    @ Uli
    Ist das wirklich eine Relativierung? Diese Aussage hätte ja nur dann Bestand, wenn man eCircle vorwirft, die Zahlen in irgendeiner Form gefälscht zu haben. Denn an und für sich macht die Untersuchung (im Gegensatz zu anderen “in eigener Sache”-Studien einen recht soliden Eindruck).

    @ Jürgen
    Zwischen April 2009 und August 2010 hat sich aber Twitter-mäßig durchaus etwas getan, was die Bekanntheit und Nutzung in DE betrifft.

    1. Uli
      schrieb am 3. Dezember 2010 um 12:25 Uhr (#)

      Nein, die Daten sind sicher nicht gefälscht.

      Durch eine entsprechende Fragestellung kann man aber
      einen gewissen Einfluss auf die Antworten nehmen….

  9. Astrid
    schrieb am 3. Dezember 2010 um 13:42 Uhr (#)

    @ Jürgen: Hier noch die Studie im Original dazu.

    http://tns-infratest.com/…gesellschaft2010.pdf

    Finde es ehrlich gesagt ziemlich erschreckend, wie weit die Deutschen im internationalen Vergleich hinterher hinken. Leider haben die Gesetzgeber in Deutschland auch keinen Schimmer und schränken mit ihren seltsamen Versuchen den Datenschutz zu wahren nur noch mehr ein und verunsichern die Bevölkerung. Siehe die Streetview-Debatte oder die aktuelle Verunsicherung durch den JMStV.
    So schießen wir uns doch nur dauerhaft ins Aus.

  10. Jürgen Braatz
    schrieb am 3. Dezember 2010 um 15:22 Uhr (#)

    Zitat von Astrid: “Finde es ehrlich gesagt ziemlich erschreckend, wie weit die Deutschen im internationalen Vergleich hinterher hinken.” Das lese ich oft, frage mich aber immer wen’s juckt. Sind wir deshalb ärmer, unglücklicher als andere Nationen, sind unser Wohlstand und unsere Zukunft in Gefahr?

  11. Georgios Sotiriou
    schrieb am 16. Dezember 2010 um 01:11 Uhr (#)

    Ich kann zu diesem ganzen “Social Network”-Zeugs nur eins sagen:
    “Soziale Netzwerke basieren in der Realität und nicht virtuell”
    Eigentlich schon fast traurig, dass Leute von heute sich mehr mit dem Internet, als mit der echten Welt befassen.

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