Deal des Jahres:
Die Dimensionen einer Übernahme von Groupon durch Google

Wird Groupon das von Google unterbreitete Übernahme-Angebot akzeptieren oder nicht? Die Spannung steigt! Ein besiegelter Deal hätte unterschiedlichste Auswirkungen.

Google steht vor der bisher größten Akquisition seiner Firmengeschichte: Der Internetgigant soll Groupon, dem zwei Jahre alten Shooting-Star der E-Commerce-Branche, ein Übernahmeangebot von bis zu 6 Milliarden Dollar gemacht haben. Meldungen zufolge wollte sich das Groupon-Management am Mittwoch über die Akzeptanz oder Ablehnung eines entsprechenden Angebots beraten. Eine Entscheidung könnte demnach bereits gefallen sein. Womöglich werden wir sehr bald erfahren, ob Groupon sich für oder gegen Google entschieden hat.

Viele lesenswerte Artikel und Gedanken rund um eine mögliche Akquisition wurden in den vergangenen Tagen publiziert. Hier sind einige besonders interessante Aspekte und Meinungen zum potenziellen Deal des Jahres:

Google würde das Vierfache von Groupons erwartetem Jahresumsatz (2011) zahlen – bei Doubleclick war es das Zehnfache
Laut Analysten-Schätzungen könnte Groupons Umsatz im kommenden Jahr auf 1,5 Milliarden Dollar ansteigen. Bei einem Kaufpreis von 6 Milliarden Dollar würde Google damit den vierfachen Jahresumsatz des Schnäppchendienstes zahlen. Für Doubleclick hingegen legte Google vor drei Jahren das Zehnfache der Jahreserlöse auf den Tisch (Kaufpreis 3,1 Milliarden Dollar). Und YouTube, das sich der Such- und Anzeigenriese 2006 für 1,6 Milliarden Dollar einverleibte, verzeichnete im selben Jahr einen Umsatz von weniger als 11 Millionen Dollar.

Wall-Street-Analysten halten eine Groupon-Übernahme für sinnvoll
Analysten von der Wall Street sehen für Google in einem Kauf von Groupon die Möglichkeit, sich besseren und direkteren Zugang zu stationären Händlern und Gastronomen rund um den Globus zu verschaffen, was mittelfristig den Markt lokaler Angebote verändern könnte. In den Augen der Beobachter könnte Google seine Position durch die Integration von Groupon gleich in drei Sektoren stärken: im lokalen, sozialen und mobilen Internet.

Forrester-Research-Analystin: Groupons Bewertung ist absurd und das Geschäftsmodell hat zahlreiche Schwächen
Forrester-Research-Analystin Sucharita Mulpuru hingegen bezeichnet einen möglichen Google-Groupon-Deal als “verrückt” und zählt eine ganze Reihe von Schwächen auf, die Groupons Potenzial einschränken und die kolportierte Übernahmesumme absurd erscheinen lassen: Groupon habe unzählige Wettbewerber, von direkten Konkurrenten bis hin zu Gelbe-Seiten-Anbietern und Social Networks, ziehe falsche (weil zu sparsame) Kunden an, sähe sich mit einer abwartenden Haltung der attraktivsten Händler konfrontiert (diejenigen, die daher auch ungern enorme Rabatte gewähren wollen) und agiere in einem kleineren Markt als ursprünglich angenommen. Sämtliche ihrer Kritikpunkte gibt es hier.

Wie die Samwer-Brüder von dem Deal profitieren würden
Gründerszene beleuchtet, wieso sich die Samwer-Brüder – Deutschlands bekannteste Internet-Investoren – über den Deal freuen würden: Im Mai hatte Groupon nämlich seinen deutschen Klon CityDeal für eine Summe im dreistelligen Millionenbereich übernommen. Die CityDeal-Investoren, zu denen unter anderem die Samwer-Brüder gehörten, sollen einen Teil des zu zahlenden Betrags in Groupon-Anteilen erhalten haben. Dieser würde durch eine eventuelle Google-Akquisition nun zu barem Geld (oder Google-Aktien).

Eine Akquisition könnte sich negativ auf die Werbeeinnahmen von Websites auswirken
Rabattportale im Groupon-Stil gehören zu den eifrigsten Werbekunden von Googles Werbesystem AdSense. Allen Stern von CenterNetworks sieht die Gefahr, dass Betreiber von Websites nach einer Übernahme von Groupon durch Google weniger Geld einnehmen könnten, weil einer der aktivsten Werbekunden von AdSense plötzlich selbst zu Google gehört, was zur Folge hätte, dass Google Groupon anderweitig anpreist (genug Kanäle besitzt es ja). Letztendlich bestünde das Risiko, dass ein wichtiger Spender aus dem AdWords-Ökosystem verschwinden (Siehe dazu auch dieser Artikel über die Probleme mit Google-eigenen Anzeigen im AdSense-System).

Im Lichte der Übernahmepläne liebäugelt Amazon mit einer Beteiligung an Groupon-Konkurrent LivingSocial
Das nach Groupon zweitgrößte Schnäppchenportal LivingSocial befindet sich angeblich in Gesprächen mit Amazon über eine signifikante strategische Beteiligung des Onlinehändlers an dem Startup aus Washington, D.C.. Von einer Bewertung des Groupon-Konkurrenten von mehreren Milliarden Dollar ist die Rede. Amazon wolle so (über das aufgekaufte Woot hinaus) im lukrativen Ein-Deal-pro-Tag-Markt Fuß fassen. Angesichts der möglichen Google-Groupon-Liaison dürften die offenbar schon über Wochen anhaltenden Überlegungen zu einem Investment nun von Amazon noch intensiver verfolgt werden. Google den Markt zu überlassen, könnte sich für den Handelsriesen irgendwann als Problem herausstellen. Update: Jetzt ist es offiziell: Amazon beteiligt sich mit 175 Millionen Dollar an LivingSocial.

Groupon wurde im November 2008 in Chicago gestartet.

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