placeboard:
Jeder Ort ein Schwarzes Brett

Das Berliner Startup placeboard überträgt das Prinzip des Schwarzen Bretts in der Nachbarschaft ins Internet.

Ihr kennt das vielleicht: Überall an den Laternen in eurer Umgebung hängen Papierfetzen mit Wohnungsangeboten, Hinweisen zu Yogakursen oder Beschreibungen entlaufener Haustiere. Und der nahegelegene Supermarkt bietet extra ein Schwarzes Bett für derartige Zwecke, an dem sich von Hand beschriebene Zettel, allerlei Flyer und Webeprospekten drängen.

Der interessierte Internetfreund denkt sich beim Blick auf dieses Zettel-Chaos womöglich, dass derartige Aushänge mit Hilfe eines Webangebots eigentlich sehr viel besser und effektiver umzusetzen sein müssten – genau diesen Gedanken hatten auch Thomas Herr und Markus Schüler, die daraufhin mit placeboard eine mögliche Lösung entwickelten. Das Startup aus Berlin hat nach einigen Monaten in der geschlossenen Beta-Phase dieser Tage den Startschuss für sein Schwarzes Brett im Internet gegeben.

Bei placeboard kann jeder kostenfrei einen ortsbezogenen digitalen Aushangzettel veröffentlichen und auf diesem Weg die Nachbarschaft über Gesuche, Angebote, Tauschgeschäfte, Fragen, Ausschreibungen, Mitteilungen oder Veranstaltungen informieren.

Statt placeboard als klassische Kleinanzeigenplattform aufzubauen, zielt der Dienst darauf ab, den persönlichen Charme eines lokalen Schwarzen Bretts beizubehalten, dies jedoch mit den Vorzügen der digitalen Welt zu kombinieren. Jede Straße, jede Postleitzahl, jeder Stadteil und jede Stadt erhält bei placeboard einen eigenen virtuellen Platz für die Botschaften der User.

Zu jedem gewählten Ort zeigt placeboard anschließend aktuelle Aushänge an – sowohl solche, die exakt zum gewählten Standort passen, als auch die aus naheliegenden Straßen und Postleitzahlen. Nutzer können entweder direkt nach einzelnen Orten suchen, bestimmte Orte dauerhaft speichern (z.B. ihren Wohnort) oder die Standortbestimmung des Browser verwenden, um sich das Schwarze Brett ihres aktuellen Standorts anzeigen zu lassen.

Virtuelle Aushangzettel können eine bis zu 140 Zeichen zählende Beschreibung, eine fakultative Detailbeschreibung sowie Fotos enthalten. Dargestellt werden sie in einer fröhlich-bunten Rasterform, wobei die unterschiedlichen Botschafts-Arten durch eigene Farben gekennzeichnet werden. Wer auf einen Aushang reagieren will, kann via placeboard den Verfasser kontaktieren. Jede Botschaft lässt sich außerdem merken und per E-Mail-Empfehlen.

Dem physischen Aushangzettel ganz abgeschworen haben die placeboard-Macher allerdings doch nicht: Selbst erstellte Botschaften können mit einem Klick als druckfertiges PDF heruntergeladen werden (Beispiel), um damit die Nachbarschaft zu tapezieren. Statt einer Telefonnummer enthält der Zettel die URLs zum Aushang sowie Nutzerprofil bei placeboard. Wer die Adressen nicht manuell eintippen möchte, kann mit seinem Smartphone auch den enthaltenen QR-Code scannen.

Applikationen für Smartphones gibt es bisher nicht, und auch eine spezifische mobile Website scheint noch nicht zu existieren, was die Navigation auf der Site mit mobilen Browsern etwas erschwert. Es würde mich jedoch sehr wundern, wenn nicht bereits an einer mobilen Lösung gearbeitet wird – immerhin ließen sich so auch von unterwegs spontan Botschaften aufgeben und abrufen.

Geld verdienen möchten die Berliner zu Beginn mit gesponsorten Botschaften, welche optisch hervorgehoben werden können und sich mit zusätzlichen Informationen versehen lassen.

Man merkt beim Ausprobieren, dass placeboard noch der finale Schliff fehlt. Davon abgesehen macht der Service jedoch schon jetzt einen sehr sympathischen Eindruck und befriedigt mit seiner Weiterentwicklung des klassischen Schwarzen Bretts eine Nachfrage, die vergleichsweise resistent gegen Trend- und Konjunkturschwankungen ist. Die Herausforderung besteht nun vor allem darin, eine kritische Masse zu erreichen und möglichst einige Social-Web-Elemente zu integrieren, um das Weiterempfehlen von placeboards und Botschaften zu erleichtern. Wobei mit den ausdruckbaren Zetteln bereits eine gute Grundlage dafür geschaffen wurde, placeboard in den Wohnvierteln der Bundesrepublik ins Gespräch zu bringen.

Einen ähnlichen Ansatz wie placeboard verfolgt der US-Dienst BlockChalk, allerdings eher mit dem Schwerpunkt auf nicht zweckgebundener ortsabhängiger Interaktion.

Link: placeboard

via http://twitter.com/StefanW

2 Kommentare

  1. Markus
    schrieb am 2. Dezember 2010 um 23:58 Uhr (#)

    Hallo Herr Weigert,
    auch auf diesem Wege nochmals Dank für den gelungenen Artikel! Wir schleifen hart am board, um bald nochmals für noch positivere Nachrichten gut zu sein…
    Beste Grüße und Danke!

    Markus Schüler

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 3. Dezember 2010 um 03:23 Uhr (#)

    Gern geschehen!

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