“youropenbook.org”:
Jetzt könnt ihr Facebooks “Zensurfeature” selbst testen

In der vergangenen Woche blockierte Facebook kurzzeitig die Erwähnungen des Wortes “Lamebook” auf seiner Plattform. Ein Versehen, hieß es später. Die Website der Protestinitiative OpenBook ist dagegen noch immer verbannt.

Als wir vor einer Woche über die kurzzeitige Sperrung des Begriffs “lamebook” bei Facebook berichteten, haben nach dem Lesen sicher einige von euch selbst versucht, das erwähnte Wort oder die dazugehörige URL www.lamebook.com bei dem Social Network auf der Pinnwand zu veröffentlichen oder per Facebook-Nachricht zu verschicken. Wahrscheinlich problemlos, denn das Blacklisting, welches anschließend von Facebook als Versehen bezeichnet wurde, war nur für einige Stunden aktiv.

Nun bekommt ihr eine zweite Chance: netzwertig.com-Leser Lutz hat uns auf eine andere URL aufmerksam gemacht, die Facebook nicht auf seiner Plattform sehen will. Es handelt es ich um die Adresse von OpenBook, einem Projekt, das im Frühjahr dieses Jahres entstand und eine Möglichkeit bietet, öffentliche Status-Updates von Facebook-Nutzern zu durchsuchen, ohne dafür bei Facebook angemeldet zu sein.

Den OpenBook-Machern (welche die Website mittlerweile nicht mehr weiterentwickeln) ging es dabei nicht um die eigentliche Suchefunktion sondern darum, mit dem Tool auf die Folgen von Facebooks Transformation zu einem öffentlichen Netzwerk aufmerksam zu machen – nämlich dass von Anwendern publizierte Inhalte versehentlich für jeden zugänglich werden.

OpenBook war in erster Linie ein Protestprojekt und Facebook damit offenbar so sehr ein Dorn im Auge, dass man sich in Palo Alto entschied, die Erwähnung der Website komplett zu verhindern.

In meinen Tests war es mir nicht möglich, die URL youropenbook.org auf meiner Pinnwand zu publizieren. Auch eine private Nachricht ließ sich nicht verschicken, solange der Link zur Website enthalten war. Bei entsprechenden Versuchen tauchte der bereits vom Fall Lamebook her bekannte Hinweis auf, dass sich im Text als Spam oder Beleidigungen markierter Inhalt befände.

Während die Lamebook-Sperrung den Begriff als solches betraf und sich nicht nur auf die Adresse der Website beschränkte, kann der Begriff “youropenbook” problemlos publiziert werden, solange er nicht vom “.org” gefolgt wird. Damit ist anders als bei Lamebook explizit die URL zur Website gesperrt.

Dass Facebook hier eine Grenze überschreitet, die besser unangetastet bleiben sollte, muss wohl kaum erwähnt werden. OpenBook ist weder mit Spam noch mit Beleidigungen in Verbindung zu bringen (abgesehen von einem prominent platzierten Mark-Zuckerberg-Zitat vielleicht, welches aber von dem Facebook-Gründer selbst stammt). Die Site verfolgt das ethisch vollkommen korrekte Ziel, Nutzer über die Bedeutung der Privatsphäre-Einstellungen aufzuklären und sie für die Thematik zu sensibilisieren (was nicht heißt, dass öffentliches Publizieren grundsätzlich als negativ angesehen werden muss – wichtig ist jedoch, dass jeder Facebook-User die Entscheidung darüber selbst treffen kann, und genau dies hatte Facebook durch seine Änderungen im Winter/Frühjahr dieses Jahres erschwert), und indexiert über Facebooks API dafür lediglich solche Informationen, die öffentlich für jeden zugänglich sind.

Facebook sollte von seinem System zum Blacklisting von Wörtern oder URLs so selten wie möglich Gebrauch machen und nur dann, wenn es sich unmissverständlich um schädliche Inhalte handelt (wobei schon hier die Grenzziehung schwierig ist).

Ungeliebte, aber legitime und sogar pädagogisch wertvolle Websites zu sperren, bestärkt nur die Ressentiments, die manche gegenüber dem übermächtigen Social Network hegen. Und es wird die Zahl derjenigen noch erhöhen, die einen Blick auf diaspora werfen wollen.

Die Adresse einer vergleichbaren Suchmaschine für öffentliche Status-Updates, http://search.adtelligence.de, ist übrigens nicht von Facebook verbannt. Allerdings handelt es sich dabei auch nicht um eine Protestinitiative…

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