Produktivitätseinbruch erwartet:
Street View in Deutschland gestartet
Seit heute ist der umstrittene 3D-Kartendienst Google Street View für 20 deutsche Städte verfügbar. Hiesige Arbeitgeber müssen sich auf einen temporären Produktivitätseinbruch gefasst machen.

Hätte es im Sommer nicht den größten Aufstand in der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik gegen Googles 3D-Kartendienst Street View gegeben, würden wir den heutigen Launch wohl maximal mit einem Link in unserer Rubrik “Linkwertig” erwähnen.
Doch durch die enorme Aufmerksamkeitswelle, die das Google-Vorhaben in den letzten Monaten erhalten hat, sieht die Situation nun ganz anders aus: In den nächsten Tagen werden Millionen und Abermillionen Bundesbürger http://maps.google.de ansteuern und überprüfen, ob ihr Wohnhaus verpixelt wurde oder nicht. Und je nach Ergebnis und persönlicher Haltung zu dem Dienst wird es zu Reaktionen kommen, die von Freude über Enttäuschung bis hin zu Bestürzung und Wut reichen.
Mit etwas Glück wird aber schon nach einigen Tagen wieder Normalität einkehren – wenn die Menschen merken, dass auch nach dem fünften Aufrufen ihres Hauses bei Street View noch immer das selbe, ein Jahr alte Foto auftaucht, und wenn sie erkennen, dass die allgemeine Aufregung am Ende vielleicht doch nicht ganz angemessen war.
Wir verbringen die nächsten Stunden nun auch erst einmal mit Street View, sind gespannt, ob tatsächlich jedes zehnte Wohnhaus unkenntlich gemacht wurde, warten auf die programmierte Kritik von Deutschlands obersten Datenschutzbewahrern (irgendwas ist sicher schiefgelaufen) und die ersten kuriosen Funde von lustigen, peinlichen oder dramatischen Schnappschüssen.
Und wer den heutigen Tag besonders würdigen möchte, kann sich eine dieser bildhübschen Street-View-Postkarten ausdrucken und an die Liebsten verschicken.
Solltet ihr bei eurem virtuellen Spaziergang einen sehenswerten Fund machen, freuen für uns über einen entsprechenden Kommentar.
Update: Verpixelungen sehen übrigens so aus: Beispiel Berlin, Beispiel Stuttgart.
Die 20 Street-View-Städte: Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal.
Twitter-Kommentare zum Street-View-Start:


















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Ohje, in meiner Fensterbank sieht man mein Bügeleisen. Denke ernsthaft darüber nach das Fenster, oder gleich das ganze Haus verpixeln zu lassen.-)
Was ist denn da los? Ich wohne in Bielefeld und genau der Abschnitt meiner Straße in dem ich wohne wurde komplett nicht erfasst von Street View. Was soll das denn? :(
Ausgerechnet Bielefeld ;)
Du sagst es >:(
Na toll.
Damals stand mein Rad noch vor der Tür.
Das wurde inzwischen leider geklaut :-(
Diese verpixelten Häuser erscheinen wie ein hässliches Mahnmal für die Rückständigkeit Deutschlands. Ich schäme mich dafür.
Ich auch
Und ich mich erst! Bin heute nicht mal einkaufen gegangen, so sehr habe ich mich geschämt. 65 Jahre lang haben wir Deutschland wieder aufgebaut. Und dann kommen diese Pixelspießer und machen alles kaputt … :-(
Eine Medienrevolution wie Street View nur als Link in Linkwertig? Halte ich für eine starke Untertreibung und Unterschätzung des Dienstes. Street View bedeutet ein Stück völlig neue digitaler Wahrnehmung der Welt, was die Georecherche wesentlich erweitert – fast so wichtig wie die Verbreitung des WWW selbst. Auf alle Fälle ist Street View ein Meilenstein der Internetentwicklung.
@Meeresbiologe: Ja, aber Streetview ist nicht revolutionär – bloss interessierte sich bislang kaum jemand in Deutschland für Dienste dieser. Es brauchte erst den deutschen Anti-Google-Reflex um diese Art von Wahrnehmung zu erzielen …
Wenn mit Street Views totaler fotografischer Abbildung öffentlicher Räume quasi ein weiteres neues Medium (im Medium Google und Internet) geschaffen wird, kann man das schon als Medienrevolution ansehen.
Und wieso nun ausgerechnet der Dienst von Google und nicht andere bereits besehende Dienste in Deutschland (und anderswo)?
Street View ist meines Wissens der bisher einzige Anbieter von in diesem Ausmaß fast flächendeckenden 360-Grad-Panoramabildern. Andere Anbieter wie Sightwalk bieten sowas nur für winzige ausgewählte Punkte und nicht flächendeckend an und sind damit keine umfassenden Medien in diesem Bereich. Google ist m.W. der weltweit einzige Anbieter, der weite Teile öffentlicher Räume Land für Land total fotografisch ablichtet.
Wobei ich es bedauerlich finde, dass wichtige Fußgängerzonen und wichtige Wege ohne Straßenverkehr hierbei vorerst ausgespart bleiben. Langfristig wird es wohl auf eine weitgehende “Vollfotografierung” der Welt, also auch inklusive wichtiger Wege hinauslaufen.
Ist bekannt, wieso Google unerwünschte Streetview-Bilder in Deutschland verpixelt und nicht schwärzt?
Letzteres ist in der Schweiz der Fall – Bilder, die als unerwünscht gemeldet werden, erscheinen gar nicht mehr beziehungsweise als schwarze Fläche. Naheliegend wäre für Deutschland selbstverständlich, dass angesichts der grossen Zahl an Beschwerden ein Schwärzen beziehungsweise vollständiges Ausblenden von Bildern die Streetview-Darstellung erheblich beeinträchtigt hätte.
Ja ich nehme an, dabei handelt es sich primär um ästhetische Gründe. Aber interessante Frage.