Portabilität der Daten:
Wer hat recht – Google
oder Facebook?

Google und Facebook streiten sich über die Portabilität von Kontaktdaten der Nutzer. Wir wollen von euch wissen, für welche Position ihr mehr Verständnis habt!

Google und Facebook befinden sich seit kurzem in einem recht unterhaltsamen und womöglich richtungsweisenden Zwist rund um die Portabilität von Nutzerdaten (wir haben es bereits in Linkwertig erwähnt). Der Konflikt entfaltete sich, als Google vor einer Woche die Geschäftsbedingungen seiner Contacts API modifizierte und seitdem nur noch solchen Drittanbietern den Import der Google-Kontakte gestattet, die ihrerseits eine Schnittstelle für den Export von Kontakten anbieten.

Es ist ein offenes Geheiminis, dass Googles Motivation allein darin bestand, Facebook den Zugriff auf die Gmail-Adressbücher seiner Nutzer zu untersagen – Facebook bietet Dritten anders als Google keinen API-Zugriff auf die Kontakte und deren E-Mail-Adressen.

Facebook reagierte, indem es seinen Mitgliedern kurzum einen alternativen Weg anbot, einen Kontaktabgleich mit Gmail durchzuführen, und zwar in Form eines Links zu der Google-Seite, bei dem jeder dort registrierte Nutzer eine CSV-Datei mit den E-Mail-Adressen aus dem Google-Adressbuch herunterladen kann. Facebook fordert seine Nutzer dazu auf, diese Datei bei dem Social Network hochzuladen, um anschließend überprüfen zu können, welche der Google-Kontakte bereits bei Facebook sind.

Google zeigte sich im Hinblick auf das Manöver zwar enttäuscht, scheint jedoch keine Pläne zu hegen, Modifikationen an seiner Exportfunktion für Kontakte vorzunehmen. Update: Google lässt es sich jedoch nicht nehmen, User darüber in Kenntnis zu setzen, was es heißt, die exportierten Kontaktdaten bei einem anderen Anbieter “einzuschließen”.

Unterdessen äußerte sich der Facebook-Programmierer Mike Vernal in einem Kommentar bei TechCrunch zu dem Streit zwischen den zwei Webgiganten, erinnerte an einen in der Vergangenheit liegenden Vorfall, bei dem Google den CSV-Export der Kontakte aus seinem in Brasilien und Indien populären Social Network Orkut erschwerte – angeblich, um die Abwanderung von Orkut-Nutzern zu Facebook zu stoppen.

Vernal erläuterte außerdem, welchen Unterschied es zwischen der Notwendigkeit zur Datenportabilität zwischen Social Networks (Facebook) und E-Mail (Gmail) gebe: E-Mail-Adressbücher würden von einer Person eigenhändig gepflegt, wogegen bei sozialen Netzwerken die Freunde ihre Kontaktinformationen bereitstellen und über deren Verwendung bestimmen. Aus diesem Grund hält es Facebook für gerechtfertigt, dass E-Mail-Anbieter einen Export des Adressbuchs erlauben, Social-Networking-Betreiber hingegegen einen Export von Freundeslisten (wie bei Facebook Connect).

Die Hintergründe des Dramas lassen sich folgendermaßen beschreiben: Google ist zwar an und für sich vergleichsweise offen, arbeitet aber gerade an seinem eigenen Social Network und sieht es nicht gern, wenn Facebook-Nutzer zu leicht ihre Google-Kontakte abgleichen können. Immerhin verbessert sich das Benutzererlebnis bei Facebook, je mehr Kontakte man hat. Je länger sich User bei Facebook aufhalten, desto weniger besuchen sie Google-Sites und sehen von Google vermarktete Werbeeinblendungen.

Facebook hingegen weiß, dass der Lock-In-Effekt und die Abhängigkeit seiner Mitglieder vom dem Dienst die beste Garantie dafür sind, eine massenhafte Abwanderung von Usern zu verhindern. Wenn Mitglieder mit einem Klick sämtliche Facebook-Kontakte zu einem anderen Anbieter mitnehmen können, verliert es diese Sicherheit (Ausnahmen scheint das Social Network zu machen, wenn es sich um Partner handelt, von denen wenig Gefahr ausgeht, zu einer Konkurrenz zu werden). Und während es gleichzeitig den vollständigen Export der Kontakte verhindert, nutzt es dankbar jede Gelegenheit, um Adressbücher und Kontakte aus anderen Sites zu importieren.

Einige Artikel zum Thema findet ihr hier, hier und hier.

Während völlig offen ist, in welche Richtung sich dieser Streit zwischen den zwei ohnehin immer stärker in Konkurrenz zueinander stehenden Internetfirmen entwickeln wird, zeigt sich, wie zentral die Frage der Portabilität von Daten im Netz ist und welche strategische Bedeutung das Thema für die führenden Webunternehmen besitzt.

Jetzt die Frage an euch: Wer hat recht? Handelt Google korrekt, wenn es das eigene Prinzip der Offenheit gegenüber Wettbewerbern einschränkt, welche diese Offenheit vermissen lassen? Oder haltet ihr es mit Facebook, das E-Mail-Adressbüchern eine andere Funktion zumisst als Social-Network-Kontakten, und das zudem der Meinung ist, dass Google im Falle von Orkut genau auf die Art agiert hat, die es nun bei Facebook kritisiert?

Wir sind gespannt, welcher der zwei Streithähne von den netzwertig.com-Lesern mehr Verständnis erhält.

Hier geht’s zum Zwischenstand.

(Für RSS-Leser ist es unter Umständen notwendig, den Artikel in einem neuen Fenster zu öffnen, um abstimmen zu können.)

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14 Kommentare

  1. Marco
    schrieb am 10. November 2010 um 10:00 Uhr (#)

    Das kommt drauf an, wie diese Email Datenbanken verwendet werden. Wenn dadurch wieder Spam an Dritte geschickt wird, die noch nicht angemeldet sind, bin ich gegen die Integration von Adressbüchern an Facebook. Am besten speichern diese dann noch meine Handynummer und Adresse -.-, sodass ein findiger Programmierer diese dann aus deren Datenbank schön auslesen und weiterreichen kann, wenn nicht gar Facebook selber das macht. Facebook hat so schöne Geschäftsbedingungen, dass man fast alle Rechte an den eigenen hochgeladenen dingen aufgibt. Jetzt weiß Facebook auch, wer mit wem Kontakt hat/ hatte auch wenn dieser nicht angemeldet ist.

    Aber Zuckerberg sagte ja schon, dass Privatsphäre, seiner Ansicht nach, nicht mehr zeitgemäß ist. ^^

    Priniziell ist klar, dass wenn dann Datenfluss in beide Richtungen geschehen sollte. Googles Standpunkt ist schon nachvollziehbar. Facebook hat solch eine Machtstellung, dass sie im Grunde keinerlei Bedenken haben sollte, dass Google die Adressbücher erlangt.

    Wie bereits erwähnt, bin ich gegen den Tausch, deshalb habe ich für “keiner von beiden” gestimmt.

  2. Dominik Belca
    schrieb am 10. November 2010 um 10:06 Uhr (#)

    Es ist mir ehrlich gesagt echt egal, wer von beiden die “besseren” Motive hat. Was im Mittelpunkt stehen sollte, ist der User. Eigentlich sollten die Daten – mit denen man in gewisser Weise ja bezahlt, die also einen Wert darstellen – zumindest für mich verfügbar sein.

    Das Facebook kein Interesse daran haben kann, anderen Diensten einen wohlgeformten Datensatz zu liefern, kann ich gut verstehen.

    Nur hätte ich meine Daten ganz gerne für eigene Zwecke, egal von welchem Anbieter.

  3. hathead
    schrieb am 10. November 2010 um 10:21 Uhr (#)

    Die Daten die ich irgendwo hinschreibe sollten grundätzlich meiner Kontrolle unterliegen. Das betrifft nicht nur die Datenlöschung, sondern insbesondere den Export. Das Lock-In macht einen auf Dauer nur unbeliebt.

  4. Max
    schrieb am 10. November 2010 um 11:38 Uhr (#)

    Google gehört zu den Guten!

    Facebook stinkt

  5. Ralf Bendrath
    schrieb am 10. November 2010 um 12:45 Uhr (#)

    Der User sollte das selber kontrollieren können. In diese Richtung (user-centric data portability) geht interessanterweise auch der aktuelle Vorschlag der EU-Kommission für die Reform der Datenschutzrichtlinie (pdf).

  6. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 10. November 2010 um 13:54 Uhr (#)

    Ich bezweifel, dass irgendeine EU-Richtlinie es am Ende schafft, die Rahmenbedingungen für die User zu verbessern, ohne dabei unrealistische Anforderungen und Innovation hemmende Regeln für Webunternehmen aufzustellen. Erst recht, weil die meisten betroffenen Firmen aus den USA stammen.

    Mehr Bürokratie und Gesetz ist imo nicht die Lösung. Das hat der hiesigen Internetwirtschaft schon genug Potenzial gekostet.

    Anyway, vielleicht und hoffentlich irre ich mich bzgl. der Datenschutzrichtlinie.

  7. thorsten
    schrieb am 10. November 2010 um 15:55 Uhr (#)

    Facebook bietet dem User nicht wirklich Mehrwert und stellt sich nicht der Konkurrenz. Das ist der einzige Grund warum Facebook erfolg hat. Google hatte von Anfang an die Konkurrenz einen Klick entfernt. Wenn sich jemand über einen “Monopolisten” beschwert, dann ist das eindeutig Facebook. Das Geschäftsgebaren finde ich sogar noch schlimmer als Microsoft damals, es ist lediglich weniger Geld im Spiel.

  8. Garganea
    schrieb am 10. November 2010 um 19:47 Uhr (#)

    Seit der Timberlake nicht mehr so richtig bei Facebook ist – ist Facebook ein bissl uncooler.

  9. Marco
    schrieb am 10. November 2010 um 20:14 Uhr (#)

    @ Martin: Ich finde bei Datenschutz können die Anforderungen nicht hoch genug sein. Da könnte man auch ruhig mehr Standarts einführen, die zum Betrieb einer Plattform erfüllt sein müssen.
    Bei Urheberrecht ist es wieder etwas anderes, das ist auch meiner Meinung nach in Deutschland seit dem digitalen zeitalter, viel zu unstrukturiert bzw. nicht mehr zeitgemäß ^^.

  10. biffar1
    schrieb am 10. November 2010 um 21:00 Uhr (#)

    Man darf nicht vergessen, dass Google schon seit Jahren den Facebook-Konkurrenten Orkut betreibt, wenn auch ohne nennenswerten Erfolg. So war es also nur eine Frage der Zeit, bis Google zum Generalangriff angetreten ist. Da jedoch andererseits Facebook die gegen Google rivalisierende Suchmaschine Bing betreibt, bin ich einma sehr auf den “Machtkampf” gespannt.

  11. simon
    schrieb am 11. November 2010 um 08:50 Uhr (#)

    Grundsätzlich sollten die beiden doch im Sinne der User handeln. Nutzerfreundlich wäre m.E., wenn ich von beiden Portalen meine Kontakte exportieren und beliebig importieren könnte. Schliesslich sind es doch “meine” Freunde bzw. geissermassen meine Adresskartei.

    Mit Datenschutz hat dies – finde ich – nicht viel zu tun; einerseits bestimmen meine Facebook-Kontakte ja selber, wie viel Informationen sie mir gegenüber von sich preis geben, andererseits könnte ich sämtliche Informationen ja auch einzeln und manuell übertragen, was allerdings zu aufwändig wäre.

  12. Marco
    schrieb am 11. November 2010 um 09:20 Uhr (#)

    Mit Datenschutz hat das insofern zu tun, dass Facebook sich vorbehält diese Daten frei zu “Analysezwecken” zu verwerten. Ziel der Sache ist es sowohl weitere Nutzer zu werben, als auch Interessensprofile zu erstellen. Wenn man seinem Freund seine kompletten Kontaktdaten gibt, geht man nach Verkehrsauffassung sicherlich nicht davon aus, dass diese am Ende in einem CallCenter in Indien oder sonstigen Firmen landen ^^. Ich bin nicht gegen die Digitalisierung von Adressbüchern usw. sondern nur, dass Facebook sich so viele Rechte heraus nimmt, dass sie im Zweifelsfall legal mit deinen gesamten Daten machen können was sie wollen. Das betrifft dann nicht nur die eigentlichen Nutzer, sondern auch diejenigen die im Adressbuch von Nutzern sind.

  13. Kevin
    schrieb am 11. November 2010 um 11:21 Uhr (#)

    Wär ja zu schön, wenn Facebook nur die Daten aus freiwilligen Imports bekommen würde. Ich erinnere mal dadran:
    http://iphone-ticker.de/2…den-facebook-server/

  14. Markus Breuer
    schrieb am 11. November 2010 um 15:57 Uhr (#)

    Was wir hier sehen, ist ein ganz normaler “Corporate War”. Egal, welche Begründungen die Unternehmen liefern, im Prinzip geht es darum, dem Wettbewerber das Leben möglichst schwer zu machen. Die Begründung, die Mike Vernal bei Techcrunch abgegeben hat, ist alberner corporate sprekk (selbst wenn er authentisch daher kommt), der verzweifelt versucht, das Prinzip “Wenn zwei das Gleich tun ist es noch lange nicht das Selbe” als logisch darzulegen.

    Grundsätzlich sollte gelten, dass ich über die Daten, die ich in Online-Services einstelle, selbst bestimmen kann und mir der Plattformbetreiber keine Steine in den Weg legt, wenn ich damit woanders hinziehen möchte. Fairerweise muss man sagen, dass Google in dieser Hinsicht nahezu vorbildlich ist. Wenn Facebook behauptet, dass mein Social Graph mir nicht gehört, weil da ja andere Personen drin sind, ist das eine reine Nebelkerze. Ich sollte zumindest das Recht erhalten, den Graph (Namen und Email-Adressen etc.) zu exportieren. Die Daten an den Knoten dieses Graphen (die ja tatsächlich von anderen gepflegt werden), können dabei gerne ausgeschlossen werden – tatsächlich sollten sie das sogar!

    Google’s Retourkutsche, nun Facebook den GMail-Zugang zu sperren ist – abseits von Google’s normalerweise wegweisender Policy in Sachen Datenportabilität – keine wirklich zielführende Maßnahme. Hierdurch wird der Konflikt lediglich erkaliert und das Leben der Anwender erschwert. Oder – wie ich meinem Sohn immer wieder (vergeblich) versuche, zu erklären – der Mist, der er baut, wird nicht dadurch besser, dass es andere gibt, die den selben Mist bauen.

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