Facebook:
Vormarsch im mobilen Internet

Facebook hat eine Reihe von Neuerungen für seine mobile Plattform vorgestellt: Neben einem Single-Sign-On-System für mobile Apps sowie Schnittstellen zur vollständigen Integration von Places lanciert das Social Network auch ein sehr attraktives “Deals”-Feature.

Für alle, die noch immer nicht wahrhaben wollen, dass Facebook in vielerlei Hinsicht dabei ist, in Sphären vorzustoßen, die in den vergangenen zehn Jahren für Google reserviert waren, so kommt hier ein weiteres Indiz: Mittlerweile veröffentlicht das Social Network neue weitreichende Produktneuheiten im Wochentakt – so wie man es bisher nur von Google kennt.

Allein im Monat Oktober machte das soziale Netzwerk mit dem Launch der Location-Funktion “Orte” in Deutschland und der Schweiz, der neuen Gruppenfunktion, der Social-Search-Kooperation mit Bing sowie den frisch gestarteten Friendship Pages von sich reden.

Am Mittwochabend präsentierte Facebook-CEO Mark Zuckerberg vor versammelter Presse am Unternehmenssitz im kalifornischen Palo Alto zwar kein Facebook-Handy, aber den nächsten Teil seines jüngsten Innovationsfeuerwerks: Dieses Mal stand die mobile Plattform im Vordergrund, die mittlerweile von mehr als 200 Millionen der über 500 Millionen aktiven Facebook-Benutzer verwendet wird.

Auf dem Event stand kein einzelnes spezifisches Feature im Vordergrund. Stattdessen wurden zusammen mit Updates für Facebooks iOS- und Android-App (bei Letztgenannter gibt es nun auch die Places-Funktion) gleich eine Reihe von Produktlancierungen verkündet, die wir im Folgenden zusammenfassen:

1. Single Sign On für iPhone- und Android-Apps
Facebook übertragt das aus dem stationären Web bekannte Connect-Prinzip, mit dem sich Nutzer auf externen Websites mit ihren Facebook-Benutzerdaten anmelden können, auf mobile Applikationen. Solange ein User bei der mobilen Facebook-Applikation angemeldet ist, können sich Single Sign On unterstützende Anwendungen dies zunutze machen und Benutzern das Einloggen mit einem eigenen Benutzernamen und Passwort ersparen. Stattdessen reicht ein Klick auf den eingeblendeten “Login”-Button.

Damit dies funktioniert, muss ein Smartphone Multitasking beherrschen, weshalb Single Sign On vorerst nur für Android und iOS-4-Geräte angeboten wird. Besitzer von Android-Mobiltelefonen können, nachdem sie die neueste Facebook-App installiert haben, die neue Funktion mit folgenden Apps ausprobieren: Flixster, Groupon, Loopt, SCVNGR, Yelp und Zynga Poker. Für iOS sollen in Kürze erste Anwendungen mit Single-Sign-On bereitstehen.

2. Belohnungen und Sonderangebote (“Deals”) für Facebook Check-Ins
Bisher fehlte Facebook Check-In-Feature Places (Facebook Orte) die Möglichkeit, für Check-Ins bei Restaurants sowie Geschäften Belohnungen zu erhalten. Mit der neuen, in Places integrierten Deals-Option ändert sich dies. Unternehmen können ab sofort Rabatte, Freebies und andere Check-In-Anreize definieren und an Nutzer ausloben, die bei ihnen einchecken. Eine Gebühr verlangt Facebook dafür nicht.

Anwender sehen in der Übersicht der in der Nähe liegenden Locations, welche Lokalitäten entsprechende Deals für sie bereithalten. Neben dem jeweiligen Ort taucht dann ein entsprechendes Icon auf. Die Profilseite des Ortes informiert über die Details des Deals. Nach dem Check-In zeigen User die Profilseite mit dem erfolgten Check-In auf ihrem Smartphone an der Kasse vor, um das jeweilige Sonderangebot in Anspruch zu nehmen.

Screenshot: insidefacebook.com
Screenshot: insidefacebook.com

Deals sind vorerst auf die USA begrenzt. In einem Blogeintrag präsentiert Facebook eine lange Liste von Partnern, die Anwender für Check-Ins belohnen – von Gap, das an die ersten 10.000 eincheckenden Nutzer eine kostenlose Jeans verschenkt, bis zu H&M, das bei einem Check-In 20 Prozent Rabatt auf erworbene Waren gewährt.

Anwender für ihre Check-Ins zu belohnen, ist ohne Zweifel der beste Weg, bisher nicht an Facebook Places interessierte Nutzer auf die neue Funktion aufmerksam zu machen. Auch zahlreiche Location-Startups wie foursquare, Gowalla oder in Deutschland friendticker versuchen, Händler und Gastronomen dazu zu animieren, sich bei eincheckenden Usern mit Goodies und kleinen Geschenken für ihre Loyalität zu bedanken.

Mit seiner enormen Anwenderzahl und vielfach höheren Bekanntheit ist Facebook hier jedoch auf Dauer klar im Vorteil. Für andere Check-In-Dienste, denen keine echte Differenzierung gelingt, wird es damit in Zukunft noch schwerer, sich gegen das übermächtige Social Network zu behaupten.

3. Öffnung der Schreib-API für Facebook Places
Facebook öffnet die Schreibfunktion seiner Places API für alle Entwickler. Bisher konnten lediglich eine Handvoll Location-Apps wie z.B. Yelp oder SVCNGR die Check-Ins ihrer Nutzer direkt innerhalb von Facebook Places publizieren. Nun hat jeder externe Dienst die Möglichkeit, sich in beide Richtungen (Lese- und Schreibrechte) mit Places zu verknüpfen. Ein Check-In bei einer externen App würde somit auch als Check-In innerhalb von Facebook Places auftauchen.

Außerdem stellt Facebook eine Search API bereit, welche für Dritte die Suche nach Orten in unmittelbarer Umgebung möglich macht, ohne dass dafür der Betrieb einer eigenen Location-Datenbank erforderlich ist.

Während Facebook mit den Schnittstellen eine attraktive Option für junge Internetfirmen bietet, ortsbezogene Funktionalität in ihre Services zu integrieren, baut es sich gleichzeitig als die zentrale Datenbank für Orte auf, bei der sämtliche Stränge zusammenlaufen – und erhöht so natürlich die Abhängigkeit einzelner Internetakteure von Facebook weiter.

Google bietet Entwicklern mit der Google Places API übrigens ähnliche Funktionalität – aber natürlich ohne die Integration von Facebooks Social Graph.

Fazit
Wenn nicht etwas Unvorhersehbares geschieht, wird Facebook speziell durch die Deals-Option nicht nur sehr schnell den Check-In zu einer der beliebtesten Funktionen bei Smartphone-Besitzern machen, sondern auch dafür sorgen, dass bei einigen Location Based Services demnächst die Lichter ausgehen (während gleichzeitig neue hinzukommen). Möglich ist zudem, dass die Integration von Deals in Places zu einer ernsthaften Bedrohung für Rabatt- und Coupon-Services sowie für Shopping-Dienste wie Groupon oder LivingSocial (“Ein Angebot pro Stadt und Tag”) wird.

Facebooks Vormarsch scheint zur Zeit unaufhaltsam.

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2 Kommentare

  1. Michael
    schrieb am 4. November 2010 um 08:09 Uhr (#)

    In der Tat ein spannender Beitrag. Ich meine der Weg von FB, wie er durch zahlreiche Toolls und Features beschrieben ist, ist nur schwer aufhaltbar. Vor etwa einem Jahr habe ich schon daran gedacht, was denn aus LBS noch so alles hervor kommt. Mit dem Einstieg in die “Deals” sieht man nun, wie mächtig die Facebook-Plattform ist und immer stärkeren Einfluss in der Web-Welt hat.

  2. Marco
    schrieb am 4. November 2010 um 17:58 Uhr (#)

    Ich war zeitweise Facebook Nutzer, aber habe mich letzen Endes gegen den Dienst entschieden.Um ehrlich zu sein, ohne ihn lebt es sich besser. ^^ Ich hänge nicht mehr oft im Internet herum sondern telefoniere und unternehme mehr. Wir haben sogar im Regal Fotoalben aus Papier! ^^. Bin zieeemlich oft online gewesen. Ich hatte mich dann mit den Nutzungsbedingungen des Dienstes auseinander gesetzt und diese waren für mich persönlich einfach eine zu große Einschränkung.

    Ich finde die Sache bedenklich mit “Jetzt wissen die Leute nicht mehr nur was du machst, sondern auch mit wem du es machst”, wie es auf der Veranstaltung gesagt wurde. Das ganze könnte größere Eingriffe in die Privatssphäre bedeuten, als auf den ersten Blick angenommen. Wenn man sich gegen das Sharen ausspricht, kann Facebook trotzdem theoretisch durch GPS und die eingeloggten Facebook apps sehen, wer mit wem wann und wo war bzw. ist. Unter gewissen (engen) Umständen ist Facebook auch verpflichtet dies weiterzugeben. Weiter bleibt ein Missbrauch Dritter auch möglich.
    Aber mich soll es nicht stören, ^^ es gibt sicher viele Menschen denen ist das alles ziemlich egal.

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