Digitale Welt:
Abhängig von den Launen der Natur
Die Digitalisierung bietet der Menschheit unzählige Chancen. Sie macht uns aber auch noch abhängiger von den Launen der Natur.
Ich befinde mich gerade auf der thailändischen Insel Koh Samui, und wie weite Teile Thailands steht auch diese seit gestern unter Wasser. Nach zwei Tagen mit fast ununterbrochenem Regen, kombiniert mit Sturm und Gewitter, wurde sowohl für die Insel als auch für zahlreiche andere Regionen in Thailand der Notstand ausgerufen. Und meine Freundin und ich sind mitten drin.
Direkt von dem Hochwasser betroffen sind wir zwar nicht, da sich unser Appartment glücklicherweise etwas weiter oben an einem Hang befindet. Dem über siebenstündigen Strom- und ganztägigen Breitbandausfall konnten wir damit dennoch nicht entgehen.
Gestern Nachmittag wollten wir irgendwo eine Mahlzeit zu uns nehmen, kamen allerdings nur einige hundert Meter, weil die Hauptstraße unter Wasser stand und viele Geschäfte und Restaurants notgedrungen schließen mussten.
Für mich war dies das erste Hochwasser in meinem Leben. In meiner Heimatstadt Berlin sind derartige Zustände glücklicherweise selten. Anderswo in Deutschland sieht die Lage bekanntlich etwas anders aus.
So traurig Erlebnisse wie diese für die Tausenden von Menschen sind, deren Häuser, Wohnungen und Geschäfte unter Wasser stehen, so lehrreich und erhellend sind sie für die eigene Sichtweise auf den technischen Fortschritt:
All die spannenden Themen, mit denen wir Freunde der Digitalisierung uns täglich beschäftigen, von Social Networking bis virtuelle Güter, von Microblogging bis Videostreaming, von VoIP bis Microblogging usw – all das ist abhängig von den Launen der Natur. Wenn das Wetter nicht mitspielt, wenn Unwetter, Vulkanausbrüche, Erdbeben o.ä. für Ausfälle der Netze sorgen, dann bleiben die von uns geliebten Kanäle stumm.
Plötzlich sehen wir uns mit viel grundlegenderen Fragen konfrontiert als der, wie man aus dem Ausland am besten Zugang zu Hulu bekommt: Wie stelle ich sicher, dass nicht irgendwo Wasser ins Haus eindringt? Was mache ich, wenn wegen eines Stromausfalls das Essen im Kühlschrank schlecht wird, oder wenn kein Wasser mehr aus der Leitung kommt? Wie besorge ich Lebensmittel, wenn Straßen und Geschäfte unter Wasser stehen? Wie verhalte ich mich, wenn plötzlich ein Notfall eintritt, aber der Weg ins Krankenhaus versperrt ist?
Als passionierter Blogger habe ich selbstverständlich für Krisenfälle vorgesorgt: Mein iPhone verwende ich (dank Jailbreak) als WiFi-Hotspot (die langsame EDGE-Verbindung erwies sich bisher als extrem zuverlässig, selbst als auf der gesamten Insel der Strom weg war), zudem trage ich einen externen Akku (Affiliate-Link)mit mir herum, mit dem ich Smartphones oder andere USB-Geräte bis zu dreimal aufladen kann. Aber natürlich ist selbst mit diesem “mobilen Büro” nur ein eingeschränktes Arbeiten möglich.
Beim zu VentureBeat gehörenden Green-Tech-Blog GreenBeat bin ich heute auf einen Artikel gestoßen, der mit der Schlagzeile “Warum Wetterdaten das nächste große Ding im Energietechnologie-Sektor sind” eröffnet. Zwar steht in dem Beitrag das Potenzial von besseren, algorithmen-gestützten Systemen zur Wettervorhersage für das Energiemanagement in intelligenten Stromnetzen im Vordergrund, aber natürlich spielen neuartige Technologien zur Prognose von Wetter- und Unwetterentwicklungen auch für Präventiv- und Rettungsmaßnahmen eine große Rolle – sowohl, was die rechtzeitige Warnung der Bevölkerung betrifft, aber auch in Hinsicht auf die Planung von Krankenhäusern, Feuerwehr, Rettungsorganisationen, Geschäften, Tankstellen und Telekommunikationsanbietern. Im Falle der aktuellen Flut in Südthailand geben sich Behörden und Rettungskräfte vollkommen überrascht.
Die digitale Welt bietet millionenfache Chancen für die Menschheit, was Austausch, Kommunikation und Zusammenarbeit betrifft. Aber sie macht uns auch noch abhängiger von den Launen der Natur – die, sofern man Forschern glauben darf, in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch unberechenbarer und zerstörerischer werden.
Lösungen für dieses sich anbahnende Spannungsfeld sind bessere Systeme zur Erkennung von und Warnung vor bevorstehenden Wetterkapriolen, Geräte, die effizienter mit Energie umgehen, signifikant größere Speicherkapazitäten für Batterien und Akkus und natürlich schnelle mobile Datenverbindungen, die nach meinen aktuellen Erfahrungen offenbar deutlich weniger störanfällig sind als stationäre Breitbandanschlüsse (ich nehme an, die Mobilfunkmasten hier haben eigene Stromgeneratoren).
Ich bin nicht informiert über den aktuellen Forschungs- und Entwicklungstand in diesen Bereichen. Ich hoffe aber, dass diese entsprechende Aufmerksamkeit und Ressourcen erhalten. Nicht nur eine globale Industrie ist von Fortschritten in den genannten Sektoren abhängig. Ein stetig größer werdender Teil der Menschheit ist es auch.
(Foto: stock.xchng)
























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Na ich hoffe es passieren keine weiteren schlimmen dinge dort unten. Ich bin auch auf dem Weg, allerdings Westküste um Krabi und hoffe das dort die sintflutartigen Regengüsse eher ausbleiben und die Menschen nicht ihr Hab und Gut verlieren.
Sehr paradoxer Titel, hat mich erwägt deinen Artikel zu lesen, sehr schön geschrieben, herzlichen Danke.