Facebooks neue “Friendship Pages”:
Wer spricht mit wem

Facebook startet mit Friendship Pages spezielle Profilseiten, die Interaktionen zwischen zwei Kontakten aggregieren. Die Neuerung erinnert an die zu Anfang kritisierte Einführung des Newsfeeds im Jahr 2006.

Als Facebook im Herbst 2006 ein neues Feature einführte, das Mitgliedern in einem chronologischen Stream Änderungen und Aktivitäten der eigenen Kontakte anzeigte, sorgte dies bei einem Teil des knapp 10 Millionen User zählenden Social Networks für Proteststürme. Angeblich traten bis zu 500.000 Nutzer Gruppen gegen die neue Funktion bei, von der erwartet wurde, dass sie Stalking erleichtern und Anwendern die Kontrolle über ihre Daten entreißen würde.

Die Rede ist natürlich vom Newsfeed, seit langem das Herzstück des nun über 500 Millionen Anwender zählenden Dienstes, und mittlerweile auch Standard-Feature bei zahlreichen anderen Social-Web-Services. Wie so oft dauerte es eine Weile, bis User sich an eine signifikante Veränderung der Funktionsweise des Netzwerkdienstes gewöhnt hatten.

Es würde mich sehr wundern, wenn ein derzeit sukzessive für alle Facebook-Nutzer ausgerolltes neues Feature nicht zu ähnlichen Reaktionen führt. “Friendship Pages”, also “Freundesseiten” nennt sich die Neuerung, die sämtliche Interaktionen zwischen zwei Facebook-Kontakten auf einer speziellen Profilseite aggregiert.

Friendship Pages zeigen unter anderem Pinnwandeinträge und -kommentare mit Beteiligung beider Personen, gemeinsam besuchte Events sowie Fotos und Videos, in denen die zwei Nutzer getaggt wurden.

Die Funktion ermöglicht sowohl die aggregierte Darstellung der persönlichen Facebook-Interaktion mit den eigenen Kontakten als auch die zwischen zwei anderen Personen, sofern man mit mindestens einer davon bei Facebook befreundet ist und sofern der andere “Fremde” die Sichtbarkeit seines Profils mindestens für “Freunde der Freunde” freigegeben hat.

Links zu Friendship Pages werden unterhalb der Profilfotos von Freunden sowie im Kontext zu einzelnen Ereignissen im Newsfeed platziert. Wie man zu Friendship Pages gelangt, die Interaktionen zwischen zwei anderen Personen anzeigt, ist noch unklar.

Die Parallele zwischen dem Newsfeed und den neuen Friendship Pages ist offensichtlich: In beiden Fällen greift Facebook ausschließlich auf bereits im Rahmen der individuellen Datenschutzfestlegungen einsehbare Informationen zurück, stellt diese jedoch auf eine alternative Art dar, welche Zusammenhänge und soziale Verbindungen unterstreicht, deren Vorhandensein zuvor weniger eindeutig war.

Während die neue Funktion das Facebook-Erlebnis einmal mehr um eine neue, vermutlich sehr unterhaltsame und potenziell nützliche Facette erweitert, kann die aggregierte Offenlegung von zwar auch vorher öffentlichen, aber dennoch unbeachtet gebliebenen Interaktionen zwischen zwei Personen soziale Verbindungen in einem neuen Lichte erscheinen lassen. Man denke nur an eine nicht offiziell verkündete LIebesbeziehung, die bei einem Blick auf die Friendship Page der zwei Turteltauben für jeden sofort offensichtlich wäre.

Letztlich verdeutlicht die Neuerung allerdings nur, was ohnehin schon immer galt: Ungeachtet des gewählten Niveaus bei den persönlichen Privatsphäre-Einstellungen sollte man seine Aktivität bei dem Social Network auf das beschränken, wozu man im Nachhinein auch in anderen Zusammenhängen offen stehen kann.

Welche Gedanken gehen euch zu Facebooks Friendship Pages durch den Kopf?

(Screenshot: All Facebook)

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10 Kommentare

  1. kadekmedien
    schrieb am 29. Oktober 2010 um 06:52 Uhr (#)

    Hallo Martin,

    Deine beiden letzten Absätze bringen es auf den Punkt: es werden *nur* ohnehin bekannte Informationen anders aufbereitet, was sie in einem anderen Licht erscheinen lassen kann.

    Und selbstverständlich sollte der User (prinzipiell, nicht nur auf Facebook) sich vorher ein paar Gedanken machen. Schließlich handelt es sich um *veröffentlichte* Information, und es darf also kein Problem bereiten, dass sie morgen schon woanders in anderen Zusammenhängen erscheint.

    Ich erwarte mittlerweile schon mit Sehnsucht solche intelligent filternde Aggregate (siehe dazu meinen letzten Blogpost: http://goo.gl/b21b). Aber ich fürchte, Facebook setzt dieses Feature – wie auch bereits vorhandene, z.B. Listen – so ein, dass der User noch mehr Zeit verbraucht, um an diese Infos zu kommen. Also keine Spur von Effektivität. (Die Listen hat es immer wieder woanders hingepackt und v.a. auch die Möglichkeit, Pages auf Listen zu sortieren,, sang- und klanglos verschwinden lassen. Mir ist schon klar, dass nur 5% aller User überhaupt Listen nutzen. Aber gerade im Zusammenhang mit Pages eignet sich FB nun nicht mehr effektiv zur Informationsgewinnung. Ich gehe lieber zum Google Reader, um einen netzwertig.com-Artikel zu lesen, als darauf zu spekulieren, dass ich ihn schon irgendwie in meinem Newsfeed finden werde ;)

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 29. Oktober 2010 um 07:32 Uhr (#)

      … und das finde ich persönlich auch besser so ;)

  2. Catrin Figge
    schrieb am 29. Oktober 2010 um 06:56 Uhr (#)

    Die Twitter-App erlaubt das ansehen von Dialogen, die man sonst nicht mitbekäme, ja schon länger. Es zeigt sich vor allem mal wieder, dass die Nutzer sich bei Facebook, Twitter und Co. quasi in die Hände Fremder begeben, von denen niemand Arzt- oder Beicht-Geheimnis verpflichtet ist ;-)

  3. Andreas
    schrieb am 29. Oktober 2010 um 07:41 Uhr (#)

    “Welche Gedanken gehen euch zu Facebooks Friendship Pages durch den Kopf?”

    Wer braucht sowas? Meiner Meinung nach so überflüssig wie ein Kropf!

  4. Phil v. Sassen
    schrieb am 29. Oktober 2010 um 14:48 Uhr (#)

    Naja, wenn man den Gedanken weiterführt, könnte man daraus eine interessante CRM-Funktion für private Kontakte bauen.

  5. Martin tippselt
    schrieb am 29. Oktober 2010 um 17:31 Uhr (#)

    zu …irgendwie in meinem Newsfeed finden werde ;)
    kommt mir auch irgendwie bekannt vor – find manchmal auch nix wieder.

  6. Jan
    schrieb am 29. Oktober 2010 um 18:58 Uhr (#)

    Facebook ist nach 10 Minuten sowieso Zeitverschwendung, da ändern auch Friendship Pages nichts. Immer wieder “Freunde” aus der Timeline kicken weil es unglaublich langweilig wird zu lesen was sie schreiben um das dann bei Friendship Pages doch wieder lesen zu können?
    Ein Grund mehr sich mal dort auszuloggen um sich mit sinnvollen Sachen zu beschäftigen anstatt mit “dem Leben anderer”.

  7. Andreas
    schrieb am 31. Oktober 2010 um 22:40 Uhr (#)

    Wann erorbert facebook die gesamte Welt? Irgendwie erinnert mich alles an Orson Welles mit seinem Film “1984″.

  8. Andreas
    schrieb am 1. November 2010 um 12:58 Uhr (#)

    ” Irgendwie erinnert mich alles an Orson Welles mit seinem Film “1984″ “.

    Auch wenn ich den Zusammenhang nicht so ganz erkenne, vermute ich, du meintest George Orwell? ;)

  9. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 1. November 2010 um 13:02 Uhr (#)

    Der war echt nicht schlecht :)

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