Personalisierte Newsreader:
Genieo geht unter die Kuratoren

Genieo, der personalisierte Newsreader für Windows, setzt auf den aktuellen Trend der Kuration: Anwender können die Nachrichten von ihrer individuellen Startseite nun in Magazinform im Social Web verbreiten.

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Kuration und Aggregation sind angesagte Trends der Stunde. “Content Is No Longer King: Curation Is King” – “Inhalt ist nicht mehr das Entscheidende, sonder Kuration”, so formulierte es Business Insider kürzlich. Angesichts der Menge an Informationen, die im Minutentakt auf uns einprasseln, bedarf es Maßnahmen, um als Nutzer Inhalte filtern, sichten, bearbeiten und neu zusammenstellen zu können – für sich selbst oder zum Weiterempfehlen im Netz.

Personalisierte Onlinezeitungen mit Links aus dem eigenen Social-Web-Stream wie paper.liThe Twitter Time.es oder in abgewandelter Form auch MyTweetMag treffen auf neuartige Services wie bagtheweb, keepstream oder curated.by, mit denen sich aus Tweets, Status-Updates und anderen im Netz gefundenen Onlineinhalten neue Contentsammlungen kreieren lassen.

Obwohl immer mehr Menschen das Internet nutzen, bleibt die Zahl derjenigen, die Content produzieren, konstant. Die Schere zwischen Produzenten und Konsumenten im sozialen Internet öffnet sich also, wie eine aktuelle Untersuchung von Forrester Research belegt. Dass sehr wenige User aktiv Inhalte ins Netz stellen, die anschließend von vielen Anwender konsumiert werden, ist dabei ein altbekanntes Phänomen.

Kuration bedeutet, eine Brücke zu bauen. Es führt zwar nicht zur Kreation originärer Inhalte, aber es bindet Anwender immerhin als Filter in die Contentdistribution mit ein. Genieo, der personalisierte Newsreader, den wir in der vergangenen Woche vorgestellt haben, möchte seine Benutzer nun ebenfalls zu Kuratoren machen und hat dazu eine “Personal Magazine”-Funktion veröffentlicht.

Genieo bezeichnet sein neues Feature selbst als “Auto-Blogging-Tool für alle, die etwas publizieren möchten, aber keine Idee haben, was”. Genieo, der als Windows-App angebotene Service aus Israel, stellt Usern eine ständig aktualisierte, dynamische, lokale Browser-Startseite mit Inhalten von Websites bereit, die man in der Vergangenheit besucht hat. Genieo legt großen Wert auf die Wahrung der Privatsphäre seiner Anwender – das System arbeitet vollständig auf den Rechnern der User, keine Informationen zum Surfverhalten werden übermittelt. Auch eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Das neue “Personal Magazine” erstellt aus den Artikeln der persönlichen Genieo-Browserstartseite eine an das Layout eines Magazins angelehnte Titelseite mit fünf Schlagzeilen. Nutzer können aus einer Reihe aktueller Beiträge wählen – die Wahl der Titelstory bestimmt auch das Hintergrundbild, welches aus dem jeweiligen Artikel importiert wird. Anschließend lässt sich das Cover mit den persönlichen Top-Stories des Tages per Twitter, Facebook oder E-Mail weiterempfehlen (hier ist mein “Magazin” von heute früh). Jede Ausgabe des “Magazins” kann kommentiert werden, Genieo nutzt dafür das Kommentarsystem von Disqus. Um die neue Funktion nutzen zu können, ist ein Login via Facebook Connect notwendig.

Ich bezweifele, dass ich das neue Feature regelmäßig verwenden werde. Meine persönlicher Bedarf an aktiver Kuration ist durch das Bloggen bei netzwertig.com, durch gelegentliche Link-Empfehlungen bei Twitter sowie vor allem durch das Sharen von lesenswerten Artikeln im Google Reader gedeckt. Ein Blick auf die zunehmende Zahl an paper.li- bzw. Twitter-Times-Tweets in meinem Twitter-Stream legt jedoch nahe, dass bei vielen Nutzern das Interesse an Lösungen zur Kuration der eingehenden Informationen in einem kompakten, optisch ansprechenden Format groß ist.

Genieos Client befindet sich bei mir auch nach über einer Woche noch im Einsatz und ich habe keine Pläne, daran etwas zu ändern. Mittlerweile überwacht das Tool für mich 571 Feeds von 277 von mir besuchten Websites. Besonders beeindruckt hat mich, dass es mir auch Tweets, ausgewählte Status-Updates meiner Facebook-Freunde sowie Artikel aus Corporate Blogs serviert, die zu Sites gehören, die ich einmal besucht habe – so lange, wie Genieo glaubt, dass die Inhalte für mich relevant sind. Insgesamt klappt dies bisher ganz gut.

Link: Genieo

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10 Kommentare

  1. Andreas
    schrieb am 8. Oktober 2010 um 09:46 Uhr (#)

    Das “My Magazine” Feature ist für mich auch nicht besonders interessant. Aber trotz allem finde ich solche Erweiterungen des an sich schon genialen Genieo-Dienstes eine gute Idee, ebenso wie z.B. das Feature “Create your day in pictures”, das auch neuerdings auf der Genieo Startseite verfügbar ist.

    Bin auf die zukünftige Entwicklung von Genieo sehr gespannt.

  2. Sebastian
    schrieb am 8. Oktober 2010 um 20:05 Uhr (#)

    Sieht erst einmal sehr schick aus, finde ich. Nett fande ich auch das Konzept von FriendShuffle, dass RRW gerade kurz vorgestellt hat. So oder so spannend, welche Blüten die Symbiose aus Nachrichten- und Empfehlungssystemen gerade so treibt …

  3. Ulrike Langer
    schrieb am 8. Oktober 2010 um 20:59 Uhr (#)

    Der gesamte Text ist hier abgegriffen worden – inklusive der Textanzeige:

    http://violett-magazin.at…unter-die-kuratoren/

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 9. Oktober 2010 um 04:52 Uhr (#)

      Ja die leechen gerade jeden unserer Artikel, sogar die Advertorials. Unsere Werbekunden werden sich freuen…

  4. Andreas
    schrieb am 8. Oktober 2010 um 21:35 Uhr (#)

    “So oder so spannend, welche Blüten die Symbiose aus Nachrichten- und Empfehlungssystemen gerade so treibt …”

    Das zeigt mir, das die Informationsflut für viele nicht mehr zu bewältigen ist, und damit Tools benötigt werden, die nur noch genau das zu mir liefern, was mich auch wirklich interessiert. Ein Fluch des Internets, ein Segen für Firmen, die sich aktuell auf dieses Thema spezialisieren.

  5. tux.
    schrieb am 10. Oktober 2010 um 16:44 Uhr (#)

    “Newsreader”? Nein, nein und nochmals nein. Ein “Newsreader” ist ein Client für das NNTP-Protokoll. (“Usenet”, anyone?)
    Das, was hier gemeint ist, ist bestenfalls ein Feed-Aggregator.

  6. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 11. Oktober 2010 um 01:58 Uhr (#)

    Ja und auch in 100 Jahren darf der Begriff leider für nichts anderes angewendet werden, weil er ja von einem Client für das NNTP-Protokoll “gesichert” wurde…

    Als ob es ein Monopol auf den Begriff des Newsreaders gäbe.

    1. tux.
      schrieb am 11. Oktober 2010 um 02:02 Uhr (#)

      Gibt es nicht, aber ist es nicht ein wenig doof, zwei völlig unterschiedliche Dinge mit dem gleichen Begriff zu bezeichnen? Ich hatte unter dieser Überschrift auf etwas ganz anderes gehofft.

  7. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 11. Oktober 2010 um 03:00 Uhr (#)

    Ich denke, in einem Markt, in der durch den technologischen Fortschritt permanent neue Entwicklungen und Services entstehen, ist eine genaue Abgrenzung von generischen Begriffen schwierig. Newsreader ist meines Erachtens nach zu allgemein, um als Begriff spezifisch für eine einzige Diensteart reserviert zu sein.

    Feed-Aggregator z.B. wäre imo eine irreführende Bezeichnung für Genieo, denn selbst wenn im Hintergrund RSS-Feeds zum Einsatz kommen, so kommt der Anwender nicht in direkten Kontakt mit selbigen und muss diese nicht wie bei einem RSS-Reader abonnieren.

    Es ist ja genau das Fehlen einer einfachen Bezeichnung für und Anwendungsweisefür von RSS-Feeds, die als Grund für den fehlenden Massenanklang des Formats gelten.

    1. tux.
      schrieb am 11. Oktober 2010 um 10:12 Uhr (#)

      Na ja, Aggregatoren sind ja keine bloßen Feedleser, sondern eben etwas, das Feeds gebündelt ausgibt…

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