Licorize:
Wenn Bookmarks und Aufgaben
eins werden

Bookmarks sind häufig nicht nur isolierte Links, sondern Teil von Aufgaben, Ideen und Projekten. Licorize vereint Aufgabenverwaltung und Social Bookmarking in einem Onlinedienst.

Task-Manager für das Verwalten von To-Do-Listen gibt es viele (Remember The Milk, TheDeadline, Producteev, um einige Beispiele zu nennen). Gleiches gilt für Social-Bookmarking-Dienste (wie delicious, Mister Wong oder Diigo). Bei der erstgenannten Kategorie von Services stehen Aufgaben im Mittelpunkt, bei der zweiten Websites.

Je mehr wir jedoch mit und innerhalb der Cloud arbeiten, desto häufiger sind Websites Teil unserer To-Dos – entweder weil sich auf ihnen Informationen zu einer anstehenden Tätigkeit finden, oder aber weil wir durch sie Inspirationen und Ideen erhalten, die zu neuen Aufgaben führen. Bookmarks werden zu Tasks und Tasks drehen sich um Bookmarks. Mit diesem Grundgedanken wurde Licorize entwickelt, ein neues, kürzlich in offener Beta-Phase gestartetes Produktivitätswerkzeug aus dem italienischen Florenz.

Licorize folgt dem Motto “No bookmark is an island” (“Kein Bookmark ist eine Insel”). Statt Websites isoliert zu betrachten und maximal mit Schlagworten organsierbar zu machen, sind URLs bei dem Service Teil von Aufgaben oder Projekten mit entsprechenden Zusatzfunktionen, was Möglichkeiten zur Organisation und zum Sharing betrifft.

Die Nutzung von Licorize beginnt wie bei allen Social-Bookmarking-Tools mit dem Import existierender Bookmark-Listen sowie der Installation von Browser-Bookmarklets bzw. -Erweiterungen, um fortan beliebige Websites bequem und mit wenigen Klicks bei Licorize abspeichern zu können. Zudem ist das Verknüpfen von Licorize mit den persönlichen Konten bei Evernote, Twitter und LinkedIn möglich – damit werden Status-Updates sowie neue bei Evernote gespeicherte Notizen in den chronologischen Licorize-Stream importiert.

Der Stream zeigt sämtliche gespeicherten Links sowie importierten Updates in der Reihenfolge an, in der sie eintreffen. Jedes Element (im Licorize-Slang “Strip” genannt) enthält seine eigene Menüleiste mit verschiedenen Befehlen: Neben der üblichen Verschlagwortung können Objekten zusätzlich Eigenschaften wie “idea”, “to-do”, “goal” oder “reminder” geben werden. Über die “Types”-Übersicht auf der Licorize-Homepage lassen sich so auf einen Blick bestimmte Arten von Bookmarks/Elementen ein- und ausblenden.

Sämtliche Strips können Projekten zugeordnet, mit Notizen und einem Zeitstempel (wenn erledigt) versehen, per Pin-Funktion ganz oben im Stream verankert sowie dubliziert werden. Über den zentral platzierten Kalender kann im Bookmark- und Status-Stream an einen beliebigen Zeitpunkt der Vergangenheit gesprungen werden.

Projekte sind ein zentrales Element von Licorize. Projekte können eine Vielzahl von Bookmarks und Objekten enthalten, mit anderen Licorize-Nutzern gemeinsam bearbeitet sowie auf Wunsch öffentlich gemacht werden. Hier beispielsweise ist ein öffentliches Projekt, das ich erstellt habe: http://licorize.com/projects/martinweigert/netzwertig.com. Licorize nennt solche Projekte “Booklets”, da sie ähnlich wie ein Buch mit Titelseite und Folgeseiten dargestellt werden. Einzelne Strips werden mit Vorschaubildern und Textanrissen präsentiert, was ein wenig an den populären iPad-Newsreader Flipboard erinnert.

Eine Wochenübersicht soll Anwendern dabei helfen, den Status von Projekten sowie die Umwandlung von Strips in Projekte und Tasks zu überwachen. Um die Aktivität seiner Benutzer zu erhöhen, setzt Licorize im foursquare-Stil auf Badges (“Manic work logger”, “Hyperactive”, “Chaos generator” und mehr) und Punkte. Eine Ruhmeshalle präsentiert die fleißigsten Licorize-User.

Ich habe mich für diesen Review ungefähr eine Stunde mit Licorize beschäftigt, was mir nicht nur aufgrund der durchdachten Funktionalität leicht fiel, sondern auch aufgrund der sehr ästethischen Oberfläche. Nur in wenigen Fällen ließen sich Aktionen nicht oder nur schwerfälig durchführen, weshalb ich fast vergaß, dass sich Licorize noch im Beta-Status befindet.

Derzeit setze ich auf Diigo als meinen bevorzugten Social-Bookmarking-Dienst. Licorize sieht definitiv besser aus. Ob es die Chance hat, Diigo für mich zu ersetzen, darüber kann ich aktuell noch nicht urteilen. Ich werde dem Service auf jeden Fall die Chance geben, sich einen festen Platz in meinem Workflow zu verschaffen. Die Import-Funktion von Twitter (sowie Evernote), das Festsetzen von Strips oberhalb des Streams, die Kategorisierung von Strips (über die herkömmliche Verschlagwortung hinaus) sowie das Projekt-Feature in Kombination mit einem sehr ansehnlichen Design sprechen auf jeden Fall für Licorize.

Für die finale Version von Licorize sind iPhone-, iPad- und Android-Apps geplant. Nachdem das Beta-Label verschwunden ist, wollen die Italiener eine Free- und eine Premium-Version anbieten. Das Anlegen von Projekten ist dann nur in der kostenpflichtigen Edition enthalten. Wer sich aber jetzt für die Beta registriert, erhält ein Premium-Konto mit Gültigkeit bis zum Jahr 2140.

Meine Vermutung: Licorize wird sehr schnell sehr viele Fans finden.

Link: Licorize

Ein Dank für den Hinweis geht an Runkle.

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6 Kommentare

  1. Meeresbiologe
    schrieb am 27. September 2010 um 11:40 Uhr (#)

    Interessantes Angebot, von dem es viel mehr, auch in Deutschland geben müßte. Internetnutzung ist ja überwiegend Lesen von Texten. Wenn man sich so während des Lesens direkt interessante Passagen herausziehen und online wie heute schon Bookmarks ablegen kann, ist das eine feine Sache. Oder gibt es solche Anwendungen auch zur Nutzung auf dem eigenen PC? Das ganze Management solcher Aufgaben des Bookmarkings und Extrahierens steckt leider noch ziemlich in den Anfängen.
    Die Gefahr bei solchen Diensten kleiner unbekannter Firmen ist nur leider die des möglichen Datenverlustes, nicht nur wenn sie mal ihren Dienst wieder aufgeben. Gibt es sowas auch von bekannteren größeren Firmen, etwa von Google o.ä.?

  2. Meeresbiologe
    schrieb am 27. September 2010 um 12:02 Uhr (#)

    Nachtrag: In Google Lesezeichen kann man einzelne Textpassagen ins Hinweisfenster hineinkopieren und die Links erscheinen dann mit vollständigem Text in der Linkliste. Ist aber nur ein indirekter Weg mit mehreren Zusatzschritten (Kopieren + Einfügen).
    Damit kann man zumindest auch ganz gut Textlisten zu bestimmten Themen, auch zu einzelnen Projekten anlegen. Ich bleibe aber leider dabei, das Fehlen der Möglichkeit von Unterordnern ist das entscheidende Manko für eine effektive Nutzung von Bookmarkdiensten. Ich würde sogar soweit gehen, dass Bookmarkdienste ohne Unterordner für eine umfangreichere Nutzung weitgehend sinnlos und wertlos sind. Weil man das, wozu sie da sind, nämlich u.a. zur Ordnung, mit ihnen kaum bewerkstelligen kann.

  3. honki
    schrieb am 27. September 2010 um 12:04 Uhr (#)

    sieht sehr interessant aus und der ansatz colaborativ bookmarks projektbasierend zu vermarkten hört sich wirklich gut an. werde es die woche mal ausprobieren. vielen dank für den tipp!

  4. Elke Fleing
    schrieb am 25. Oktober 2010 um 08:08 Uhr (#)

    Der Link zu deinem öffentlichen Licorize-Projekt funktioniert nicht: User does not exist…

  5. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 25. Oktober 2010 um 08:31 Uhr (#)

    Danke für den Hinweis. Licorize hat einfach mal die Pfadstruktur geändert…

    Hier der neue Link: http://licorize.com/proje…igert/netzwertig.com

  6. The Gold Rush
    schrieb am 31. Dezember 2010 um 10:17 Uhr (#)

    The gold rush download movie

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