foursquare:
Vom Location-Service zum
Manager für das reale Leben

Im Schatten von Facebook Places sucht Check-In-Pionier foursquare nach einer neuen Bestimmung. Eine Kooperation mit der Fitness-App RunKeeper zeigt, wohin die Reise gehen könnte.

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foursquare ist auf der Suche nach einer neuen Bestimmung. Selbst wenn die ersten Wochen nach dem Launch von Facebook Places in den USA (sowie Großbritannien und Japan) nicht zu einem Einbruch der Useraktivitäten bei dem New Yorker Trend-Startup geführt haben, so liegt es auf der Hand, dass mit der Check-In-Funktionalität allein keine Pokale mehr geholt werden können.

Facebook wird Places Schritt für Schritt in weiteren Märkten verfügbar machen und allein durch seine enorme Dominanz einen Großteil des Check-In-Potenzials abschöpfen. Differenzierung tut Not. Vor wenigen Tagen veröffentlichte foursquare seine überarbeitete iPhone-Applikation, welche die Tipps- und ToDo-Features rund um Orte deutlicher hervorhebt, sowie einen Button für Websites, um deren Besuchern das “Bookmarken” von Locations über foursquare zu ermöglichen.

Das ist ein guter Anfang, aber sicher nicht genug. Ein aktueller Blogbeitrag zu einer neuen Kooperation jedoch lässt erahnen, auf welche Weise foursquare zukünftig versuchen könnte, sich von Facebook Places und anderen Location Based Services abzuheben: Durch eine Transformation hin zu einem “Real Life Manager”. Was rätselhaft klingt, dürfte klarer werden, betrachtet man die gerade von foursquare bekannt gegebene Zusammenarbeit mit RunKeeper.

RunKeeper ist eine mobile App für iPhone und Android, mit der man seine Fitness- und Jogging-Leistung überwachen kann. RunKeeper nutzt den GPS-Empfänger, um die Distanz einer Laufrunde festzustellen.

Marathon-Badge (26,2 Meilen)
Marathon-Badge (26,2 Meilen)
Benutzer, die RunKeeper einsetzen, haben ab sofort die Möglichkeit, bei foursquare Badges für ihre sportlichen Aktivitäten zu erhalten. Ohne irgenwo einchecken zu müssen. Stattdessen belohnt RunKeeper seine User mit Badgets, wenn diese bestimmte Aufgaben erfüllt oder Ziele erreicht haben. Beispielsweise gibt es ein schickes foursquare-Abzeichen, wenn man sich durch einen Marathon gequält hat (meine Wortwahl, nicht die von RunKeeper oder foursquare).

Die Zusammenarbeit mit RunKeeper markiert einen Sinneswandel bei foursquare – bisher gab es die eigentlich völlig belanglosen, aber dennoch den Spiele- und Wettkamptrieb herausfordernden Badges ausschließlich für Check-Ins. Abzeichen für erfüllte Tasks sind neu. Und, wenn man darüber nachdenkt, eine richtig gute Idee. Denn damit befreit sich foursquare nicht nur aus dem unangenehmen Facebook-Würgegriff, sondern spricht schlagartig eine völlig neue Nutzerschaft an: Die große Gruppe der Prokrastinierer, also Personen, die ständig Dinge aufschieben (unser Schwesterblog imgriff.com beschäftigt sich intensiv mit diesem Phänomen).

Wer chronisch prokrastiniert, braucht Hilfe in Form von Anreizen, um eine ungeliebte, aber dennoch notwendige Tätigkeit zu erledigen, statt Videos bei YouTube zu schauen oder den ganzen Tag die Twitter-Timeline im Auge zu behalten. Dass bunte von foursquare verliehene Abzeichen einen solchen Anreiz darstellen könnten, klingt vielleicht absurd. Wenn man aber bedenkt, dass passionierte foursquare-Nutzer regelmäßig an Bahnhöfen oder beim Lidl um die Ecke einchecken, wird deutlich, dass der Konkurrenzkampf um “Mayorships” und Badges tatsächlich Suchtpotenzial entwicklen kann.

foursquare hat nicht erklärt, inwieweit es an weiteren Partnerschaften (oder eigenen Features) arbeitet, um seinen Schwerpunkt von spezifischen Location-Check-Ins auf ein breiter gefasstes Spektrum von Aufgaben, Tätigkeiten und ToDos zu verlagern. In einem Tweet verriet Gründer Dennis Crowley jedoch, dass er die Idee mag, Badges als Belohnung für Spenden zu verteilen. Er scheint also offen dafür zu sein, aus foursquare ein Tool zu machen, das durch das Ansprechen von Spiel- und Wettkampfinstinkten User für unterschiedlichste Aktionen belohnt – seien es die Präsenz an Orten, sportliche oder soziale Leistungen, gekaufte Produkte, konsumierte Medieninhalte, durchgeführte Reisen usw… ja, plötzlich erscheint die Zukunft von foursquare wieder sehr viel rosiger. Sofern der Dienst dem eingeschlagenen Pfad folgt.

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2 Kommentare

  1. Manfred
    schrieb am 24. September 2010 um 15:52 Uhr (#)

    Was zerbrecht ihr euch den Kopf von Foursquare, Facebook und anderen Milliardären? :)

  2. Holger
    schrieb am 24. September 2010 um 20:29 Uhr (#)

    Ich brauche definitiv eine “Hat seine Steuererklärung abgegeben”-Badge!! … sonst klappt das nie!

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