Twitters neue Weboberfläche:
RSS lebt? Nicht,
wenn man Twitter fragt!

Twitter-Streams lassen sich auch per RSS abonnieren. Mit der neuen Benutzeroberfläche von twitter.com tut der Dienst jedoch alles, damit Nutzer dies nicht erfahren.

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Noch immer warten die meisten von uns auf die neue, in der vergangenen Woche angekündigte Twitter-Weboberfläche – nicht nur in der (womöglich illusorischen) Hoffnung, dass diese weniger anfällig für Sicherheitslücken ist. Doch zumindest einige US-Blogger haben bereits Zugang zum überarbeiteten twitter.com und berichten über ihre ersten Erfahrungen mit dem neuen, moderneren und Medieninhalte integrierenden Interface.

Eine Beobachtung von Blogger Jesse Stay gibt Grund zur Beunruhigung. Wie er in diesem Posting (und den dazugehörigen Kommentaren) beschreibt, scheint das neue Twitter Usern deutlich weniger Hilfestellung darin zu geben, RSS-Feeds von einzelnen Twitter-Streams zu abonnieren.

Bisher sahen bei Twitter eingeloggte User auf den Profilseiten von Benutzern in der rechten Menüleiste unten einen mit dem orangenen RSS-Logo versehenen Link zum jeweiligen RSS-Feed. Wie Jesse Stay aufmerksam macht, fehlt dieser Hinweis auf der überarbeiteten twitter.com-Oberfläche. Er wollte wissen, ob dies absichtlich oder versehentlich geschah, und nahm Kontakt mit Twitter auf.

Bisheriges Twitter-Profil inklusive RSS-Link
Bisheriges Twitter-Profil inklusive RSS-Link

Neues Twitter-Profil ohne RSS-Link
Neues Twitter-Profil ohne RSS-Link

Twitter Product Manager Isaac Hepworth antwortete auf die Anfrage von Blogger Stay – kurioserweise nicht per Mail oder Kommentar sondern via Google Buzz. Demnach wurde der RSS-Link von den Profilseiten entfernt, um der dem Microbloggingdienst zugrunde liegenden Prämisse “keep Twitter simple” gerecht zu werden. Die meisten gängigen Browser würden heute alles dafür tun, um Anwender auf die Verfügbarkeit von RSS-Links hinzuweisen (meine persönliche Erfahrung sieht anders aus). Daher braucht es auf den Twitter-Profilseiten keinen spezifischen Link zum Feed, so Hepworth.

Der Twitter-Mitarbeiter erklärte auch, dass ein anderer von Jesse Stay monierter Punkt, nämlich das Fehlen des RSS-Feeds im HTML-Quellcode der Profilseiten, ein Versehen sei und behoben wird.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass jedes Twitter-Konto weiterhin über einen eigenen RSS-Feed verfügt. Der Link zum Feed wird (demnächst) wieder im Quelltext untergebracht, so dass er von Browsern automatisch erkannt wird. Wer Feeds mit dem Google Reader konsumiert, kann einen Twitter-Feed weiterhin allein durch die Eingabe der Profil-URL abonnieren (z.B. www.twitter.com/netzwertig_feed). Außerdem wird der RSS-Feed auch in der neuen Twitter-Version dann auf den Profilseiten angezeigt, wenn User nicht eingeloggt sind. Verschwunden ist er dagegen, sobald sie sich mit ihrem Benutzername und Passwort authentifiziert haben.

Twitters Argumentation, man hätte den Hinweis zum Feed von den Profilen entfernt, um den Service wie bisher so einfach wie möglich zu gestalten, ist meines Erachtens nach ein Witz. Es gibt kaum etwas Unscheinbareres als das kleine RSS-Icon. Dieses zu entfernen, bringt eine Website nicht einen Millimeter näher an angestrebte Simplizität.

Worum es Twitter eigentlich geht, ist offensichtlich: Das beliebte Startup aus San Francisco möchte nicht, dass registrierte Mitglieder die Streams einzelner Nutzer per RSS abonnieren – denn dadurch würden Twitter Informationen über die Interessen und Präferenzen dieser Mitglieder entgehen, an denen es zum Zwecke der Werbevermarktung so brennend interessiert ist.

Zudem wird die Zahl an RSS-Abos eines Twitter-Accounts nirgendwo angezeigt. Während also ein “Follow” via Twitter aus quantitativen Gesichtspunkten zählt und für alle sichtbar ist, geschieht die RSS-Nutzung von Twitter im Verborgenen und zudem ohne dass User (abgesehen vom einmaligen Abonnieren) dafür mit twitter.com oder externen Twitter-Apps in Kontakt kommen.

Es ist völlig nachvollziehbar, dass das aufstrebende Unternehmen ein Interesse daran hat, Anwender zum Einsatz der Twitter-Werkzeuge (in diesem Fall “Follow”) zu bewegen, statt den Weg über das RSS-Format zu gehen. Dennoch sollte man diese Entscheidung den Usern überlassen und nicht durch subtile Umbauten die Zugänglichkeit des alternativen Twitter-Abos erschweren. Den Link zum RSS-Feed von den Profilseiten zu entfernen, heißt, diese Funktionalität hinter einem Vorhang zu verstecken, hinter den nur sehr wenige Anwender schauen. Ein solches Verhalten ist zwar in der Wirtschaft nicht unüblich, aber steht speziell Twitter nicht gut zu Gesicht, das sich in den vergangenen vier Jahren durch einen offenen, benutzerfreundlichen und fairen Stil einen Namen gemacht hat (im Gegensatz zu Facebook).

Der aktuelle Schritt schadet diesem Ruf, passt aber sehr gut in das Bild des neuen Twitter, das nach vier Jahren ohne nennenswerte Umsätze auf das Gaspedal tritt, was die Monetarisierungsanstrengungen betrifft. Dazu gehört offenbar auch, an Funktionalität abzuspecken, die lediglich den Benutzern, aber nicht Twitter selbst nutzt. Das ist sehr schade!

(Screenshot #2 via)

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18 Kommentare

  1. Martin Rack
    schrieb am 23. September 2010 um 09:35 Uhr (#)

    Nanana, das kann man dem Browser aber wirklich überlassen kann ohne gleich nach einem Grund suchen zu müssen.

    Aber cleverer Artikel, den ich nur gelesen habe, weil es auf den ersten Blick danach aussag, als würde es die Feeds bald nicht mehr geben. So generiert man Pageviews ;p

  2. andi
    schrieb am 23. September 2010 um 10:02 Uhr (#)

    Ich hatte jetzt auch zuerst gedacht der RSS Feed soll etwa aussterben. Aber ich denke das wird nie der Fall sein, das ist genau so wie bei der Diskussion wo es darum geht ob Blogs komplett aussterben wegen Twitter oder Facebook. Aber man sieht ja immer wieder RSS und auch Blogs werden weiterhin genutzt.

  3. Matthias
    schrieb am 23. September 2010 um 11:29 Uhr (#)

    Ist die Aufregung nicht ein bisschen übertrieben? Einem Twitter-Account via RSS zu folgen ist eine vermutlich nur von wenigen Spezialisten geübte Praxis, während der Mainstream mit RSS ohnehin nichts anfangen kann und bei Twitter das (normale) Following nutzt.

    Dass beim Twitter-Relaunch RSS mehr oder weniger unter den Tisch zu fallen scheint, ist eher ein Beleg dafür, dass sich diese Technologie einfach nicht durchgesetzt hat (leider) und man ihr deshalb auch bei Twitter nicht mehr viel Aufmerksamkeit schenkt.

  4. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 23. September 2010 um 11:45 Uhr (#)

    Das muss sicher jeder selbst entscheiden, ob das übertrieben ist.

    Ich finde es nicht, auch in Hinblick auf das Ergebnis unserer RSS-Umfrage.

    RSS ist heute nicht weniger relevant als vor einigen Jahren sondern eher mehr. Insofern geht der Schritt imo in die falsche Richtung.

  5. rob d
    schrieb am 23. September 2010 um 13:19 Uhr (#)

    Kann mich Matthias’ Meinung nur anschließen.
    Viel Aufregung um nichts hier.
    Ein Randthema eines Randthemas dass bestimmt keine 3 Artikel innerhalb einer Woche wert sein sollte.

    Es sei denn man ist natürlich auf Pageviews aus..

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 23. September 2010 um 13:32 Uhr (#)

      Mit einem angeblichen Randthema auf Pageview-Jagd? Deine Logik verstehe ich nicht.

  6. Falk Ebert
    schrieb am 23. September 2010 um 13:55 Uhr (#)

    Für mich ist das grundlose Aufregung.

    a) Wird das Feature wenig genutzt.
    b) Sind weniger Social-Konfetti Buttons besser als mehr.
    c) Zeigt doch jeder Browser das RSS-Icon deutlich an.

    Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass die (technikaffinen) RSS-Nutzer die Feeds eher über das vom Browser bereitgestellte Icon bzw. eine Automatik des Readers als über einen Link auf der Seite beziehen.

  7. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 23. September 2010 um 15:01 Uhr (#)

    Weder Chrome noch Internet Explorer (9 Beta) zeigen das RSS-Icon in der Standardeinstellung deutlich an. Oder bin ich blind?

  8. rob d
    schrieb am 23. September 2010 um 15:06 Uhr (#)

    Was gibt es daran nicht zu verstehen Martin?
    Kleinvieh macht eben auch Mist.
    Und wenn man innerhalb weniger Tage gleich 3 Artikel zu einem wirklichen Randthema schreibt (die geringe Relevanz bestätigen ja auch die anderen Kommentatoren hier), dann ist doch der Verdacht auf die Erhöhung von PageViews doch nicht ganz abwegig, oder?

  9. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 23. September 2010 um 15:28 Uhr (#)

    Die RSS-Umfrage hatte für uns eine Rekordbeteiligung. Insofern ein schönes Zeichen für die Relevanz.

    Und wenn es nur um die PageViews ginge, dann würden wir jeden Tag Artikel wie “10 Dinge, die ihr noch nicht über Social Media wusstet” bringen. Die ziehen nämlich ausgezeichnet.

  10. rob d
    schrieb am 23. September 2010 um 16:12 Uhr (#)

    Klar kann man mit Artikeln wie “10 Dinge, die ihr noch nicht über Social Media wusstet” die Sache nochmal auf die Spitze treiben.
    Aber mit 3 Artikeln über ein einziges Thema eben auch. Vor allem wenn es sich um ein unwichtiges Thema handelt.
    (Ich glaub das letzte mal habt ihr zur Vorstellung des iPads 3 Artikel rausgehauen! Also bitte..)

    btw: 4 von 5 Kommentatoren halten den Artikel hier für übertrieben. Das sollte dir dann vielleicht auch zu denken geben statt krampfhaft an deiner Meinung zu beharren und weiterhin von der Wichtigkeit dieses Themas auszugehen.

    (übrigens hängt die Beteiligung einer Umfrage nicht nur von deren Wichtigkeit ab, sondern vor allem auch von der Häufigkeit der erhobenen Umfragen. Poste mal die Umfragen in immer kleineren Abständen und du wirst sehen dass die Beteilung pro Umfrage rapide sinken wird. Egal wie wichtig das Thema auch sein mag.)

  11. Flokass
    schrieb am 23. September 2010 um 19:35 Uhr (#)

    Ist mir noch gar nicht aufgefallen… (Bin seit etwa einer Woche mit NewTwitter ausgestattet)

    BOOOO!

  12. René Fischer
    schrieb am 23. September 2010 um 20:31 Uhr (#)

    Sehe da kein Problem und kann das Geschrei ebenfalls nicht nachvollziehen. Diejenigen die wissen was RSS ist, wissen wie sie an die Feeds auf den diversen Webangeboten kommen, auch ohne irgendein Icon. Ich selbst habe die RSS-Icons sogar auf meinem Blog entfernt und vertraue darauf, das die Browser oder eben intelligente Feedreader das schon richten. Und wenn nicht, who cares?

  13. Meeresbiologe
    schrieb am 24. September 2010 um 12:04 Uhr (#)

    Öh, sicher ist das Thema nicht weltbewegend wichtig – aber gänzlich unwichtig für den gemeinen Surfer auch nicht. Aufgabe von Spezialblogs wie diesem fürs Internet ist es auch, auf kleine Änderungen und Spezialitäten am Rande hinzuweisen. Jedenfalls hätte ich ohne diesen Artikel garnicht erfahren, dass es im neuen Twitter angeblich (?) keinen RSS-Feed mehr gibt.
    Wozu ich das neue Twitter ohnehin erstmal kriegen muß. Am Twitter-RSS-Feed fand ich bisher mangelhaft, dass die Fotos oder andere Avatare nie in meinem Feed mit erschienen sind. RSS-Feeds verbreiten sich im übrigen nicht ganz so massenhaft, weil sie natürlich vor allem ein Gerät für die zwar kleine, aber nicht ganz unmaßgebliche Gruppe der Internet-Vielnutzer sind.

  14. Markus Schlegel
    schrieb am 25. September 2010 um 19:38 Uhr (#)

    Twitter will nicht, dass ein Twitter-Stream wie ein Blog genutzt wird. Tweets sind innerhalb von zehn Minuten nicht mehr aktuell. Dennoch RSS anzubieten, war wahrscheinlich eher für Drittanwendungen gedacht, weniger für die eigentlichen Nutzer. Twitter will nun aber die eigene API stärken und sprechen deshalb dem RSS-Feed jegliche Daseinsberechtigung ab. Zurecht!

    Es lässt sich gar nicht ausdrücken, wie absurd das hier ist.

  15. ego maniac
    schrieb am 26. September 2010 um 17:13 Uhr (#)

    Was mich am meisten interessieren würde ist, wie man geschützte Twitterfeeds per RSS abonnieren kann. Seit OAuth geht das bei mir nämlich nicht mehr.

  16. Der Abt
    schrieb am 7. Dezember 2010 um 12:55 Uhr (#)

    Man konnte bisher den per Auth geschützten Feed (und zwar den, wo man “die anderen” lesen kann) mit Google Reader über freemyfeed.com abonnieren. Das geht nun nicht mehr. Hat twitter nun den feed-URL geändert oder den Dienst tatsächlich abgeschaltet?
    Wie lautet denn der nun versteckte feed-URL?

  17. Klaus Wolfrum
    schrieb am 6. April 2011 um 09:50 Uhr (#)

    Ohne die vorherigen Kommentare gelesen zu haben. Martin hat da absolut recht: twitter könnte es mit einem RSS-Button schon ein wenig erleichtern, den RSS eines twitter-Accounts auf diese Art und Weise zu finden, selbst zu abonnieren oder z.B. auf anderen Medien/Netzwerken zu integrieren. Ohne zuvor in den Quelltext des jeweiligen twitter-feeds zu lunzen. Denn da steht er ja. Ich habe so meinen eigenen mit “rss” hierfür http://kulturhallenuernbe…profile/KlausWolfrum gesucht und gefunden.

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