Seesmic Desktop 2:
“Die erste Plattform für Plattformen”

Der beliebte Twitter-Client Seesmic veröffentlicht mit Seesmic Desktop 2 eine Art Schweizer Messer für Social Networks. Über 40 Plugins verschiedenster Services stehen zum Start zur Verfügung. Entwickler können weitere Addons programmieren.

Als Blog mit einem Schwerpunkt auf dem Social Web gehen wir davon aus, dass 99,9 Prozent unserer Leser mindestens einen gängigen Social-Networking-, Microblogging-, News-Reader- oder Bloggingservice einsetzen. Alles andere würde uns sehr verwundern. Entsprechend relevant dürfte für die meisten von euch die Frage sein, wie sich die verwendeten Dienste am besten unter einen Hut bringen lassen.

In der Nacht wurde Seesmic Desktop 2 gelauncht, die zweite Variante des bekannten Twitter-Clients vom aus Frankreich stammenden Wahl-Amerikaner Loic LeMeur, der sich in der US-Internetbranche mittlerweile einen derartigen Bekanntheitsstatus erworben hat, dass sich ReadWriteWeb neulich zu folgendem amüsanten Zitat hinreißen ließ: “France, a country probably best-known as the one-time home of Seesmic founder Loic LeMeur.”

Mit der zweiten Version seines Desktop-Clients liefert Seesmic eine Art “Schweizer Messer für Social Networks“. Denn statt sich wie bisher auf Twitter und einige wenige weitere Social-Web-Dienste zu konzentrieren, können in der überarbeiteten Software zum Start über 40 bekannte Services hinzugefügt und verwaltet werden.

Das US-Startup, das im Januar mit der Übernahme des Social-Network-Update-Werkzeugs ping.fm von sich reden machte, positioniert sich im Rahmen des Planes, seine Abhängigkeit von Twitter zu verringern, ab sofort selbst als Plattform für externe Apps (Zitat LeMeur: “Wir wollen die erste Plattform für Plattformen werden.”)

Auf dem Marketplace, einer Art App Store, finden User sämtliche zur Zeit mit Seesmic einsetzbaren Social-Services, die in Form von “Plugins” zu dem persönlichen Seesmic-Dashboard hinzugefügt werden. Entwickler können weitere Plugins für auf der Seesmic Plattform fehlende Dienste programmieren.

Jedes Plugin verfügt über individuelle Funktionalität. Abgesehen von den “üblichen Verdächtigen” wie Twitter, Facebook, LinkedIn oder Google Buzz finden sich auch verschiedene “exotischere” Plugins wie Ning, Klout oder Last.fm. Das Last.fm-Plugin beispielsweise erlaubt das Abspielen personalisierter Radiostationen direkt aus der Seesmic-App heraus. Auch ein YouTube-Plugin gibt es.

Zu meiner Überraschung stieß ich sogar auf ein Plugin von Loved.by, dem kürzlich gestarteten Hamburger Dienst zur Monetarisierung von Produktempfehlungen im Social Web. Das Plugin integriert Loved.by in die Liste der in Seesmic verfügbaren Kurz-URLs.

Für RSS-Freunde wie mich (und über 17.000 netzwertig.com-Leser) von besonderem Interesse ist auch das Plugin für den Google Reader, welches die wichtigsten Funktionen von Googles beliebtem RSS-Reader zu Seesmic bringt.

Leider ist es mir nicht gelungen, den Google Reader oder andere Plugins aus dem webbasierten Marketplace zu installieren (innerhalb von Seesmic wird Nutzern lediglich eine kleine Auswahl empfohlener Services zur Installation präsentiert). Womöglich hat dies mit der Tatsache zu tun, dass Seesmic Desktop 2 unerfreulicherweise die Installation von Microsoft Silverlight erfordert. Um Seesmics Client überhaupt installieren zu können, war ich gezwungen, Seesmics Website mit dem Internet Explorer anzusteuern – mit Chrome lief nichts.

Doch auch mit dem IE scheine ich momentan nicht in der Lage zu sein, Plugins zu aktivieren. Stattdessen erhalte ich stets den Hinweis, dass Seesmic Desktop eingeschaltet sein muss, um Plugins zu installieren. Das ist es jedoch.

Persönlich hätte ich es lieber gesehen, wenn Seesmic auf Adobe AIR statt auf Silverlight gesetzt hätte. Einfach deshalb, weil ich bereits diverse andere AIR-Apps verwende. Zudem zwingt mich AIR nicht dazu, den Internet Explorer zu entstauben. Davon und von anfänglichen Kinderkrankheiten wie dem unkomfortablen Plugin-Installationsprozess abgesehen wirkt Seesmic Desktop 2 wie ein Service mit viel Potenzial, der speziell für Social-Web-Intensivnutzer eine smarte Lösung darstellen kann, so viele Dienste wie möglich mit einem einzigen Tool zu managen.

Seesmic Desktop 2

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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14 Kommentare

  1. Ob man’s glaubt oder nicht, der Klick aufs Lesezeichen ist ein “Hindernis”, das mich oft vor Ablenkungen schützt… Von daher bin ich froh, nicht alles auf einen Blick zu haben. Dort würde ich möglicherweise sogar Services einbinden, die ich quasi nie nutze, bloß weil mich die Icon so nett anlachen.

  2. Jetzt das ganze noch webbasiert machen inkl. Offline-Funktionalitäten und die App wäre super – für mich.

  3. Hat Potential, sowas suche ich schon lange. Erinnert ihr euch noch an das Totiki Me Projekt (www.totiki.com), das hatte einen ähnlichen Ansatz, scheint aber tot zu sein. Installation von Seesmic Desktop 2 lief übrigens bei mir aus Google Chrome heraus ohne Probleme, der IE konnte da bleiben wo er ist, tiiiiief vergraben. ;)

  4. @ CarolinN
    Das glaub ich dir sofort ;)

    @ Andreas
    Wow, du erinnerst dich echt noch an Totiki Me? ;)
    Mhh gut für dich, dass das ohne IE lief. Evtl lags bei mir daran, dass ich den Rechner nach der Installation von Silverlight nicht neu gestartet hatte. Who knows.

    • Klar erinnere ich mich noch an Totiki Me. Ich hatte die sogar kürzlich noch angeschrieben, weil ich wissen wollte, ob das Projekt noch lebt. Leider keine Antwort, wahrscheinlich wußten die schon Bescheid über Seesmic Desktop 2. ;)

  5. Kein XING Plugin, buuuuuuuh…..

  6. Mir gefällt Tweetdeck nach wie vor besser. Sieht aufgeräumter aus und widmet den Feeds mehr Platz als Seesmic. Das Plattformprinzip hat sicher Potenzial, allerdings ist derzeit nichts für mich dabei: ein last.fm-Plugin lediglich zum starten von Radios brauch ich nicht und das Google Reader-Plugin fragt nach username und Passwort – so geht das nicht. Außerdem lässt sich Seesmic anscheinend nicht in diesen Iconbereich unten rechts (wie heißt das gleich?) minimieren. Find ich doof, ich will das nicht ständig in der Taskleiste sitzen haben.

    Die Installation einschließlich der von Silverlight aus Chrome heraus und ohne Neustart war hier allerdings auch kein Problem.

  7. Aufruf der Site und Installation von Silverlight und Seesmic Desktop 2 funktionierte bei mir mit Google Chrome auch problemlos. Genau so die Installation diverser Plugins.
    Martin, du solltest bei solchen Problemen vielleicht künftig die schwache Internetverbindung mit bedenken, die Du aktuell nutzt. Wird wahrscheinlich daran liegen.

  8. Einfach nur fantastisch;-)

  9. Was ich besonders toll finde an SD2, das ist die aggregierte Timeline unter “Home”. Dort werden alle Einzelfeeds zu einem Gesamtfeed zusammengefügt, sodaß man nur noch eine Timeline auf neue Nachrichten prüfen muss und nicht viele einzelne Feeds. Toll…

  10. @ Wolf
    Tray. Schön zu hören, dass außer mir noch jemand die Möglichkeit des Verfrachtens von aktiven Programmen in den Tray für so extrem wichtig hält.

    @ Marcel
    Ja kann man nicht ausschließen, wobei ich es nicht für wahrscheinlich halte. Ich schiebe es eher auf die Tatsache, dass ich SD2 ein paar Minuten nach dem Launch installieren wollte, und da einfach noch nicht alles rund lief.

    Jetzt funktioniert es auch, wie ich gerade getestet habe.

  11. Beste Grüße vom 0,1% Leser (außer Du zählst einen NNTP Client als Newsreader).
    Ich lese Dich unter anderem deshalb, damit ich über social Web informiert bin, ohne social zu sein und dieser Text war schon wieder viel zu social. ;)

3 Pingbacks

  1. [...] Netzwertig] Wenn du neu hier bist und dir das Blog gefällt, dann abonniere doch den RSS-Feed um keine [...]

  2. [...] nicht andere Blogposts verlinken würde und da habe ich in der Google Search diese entdeckt: Netzwertig.com hatte Seesmic Desktop ja auch im Auge behalten und berichtete etwas früher [...]

  3. [...] der beliebte Twitter-Client Seesmic vor einigen Tagen die neueste Version seiner Desktop-Software vorstellte, stand für das US-Startup vor allem eines im Mittelpunkt: Sich durch die Integration von über 40 [...]