Plattform für digitale Fachbücher:
PaperC plant internationale Expansion

Knapp ein Jahr nach dem Launch nutzen 60.000 User – vorrangig Studenten – PaperC, um fast 5.500 Fachbücher kostenlos zu lesen. Jetzt will das Leipziger Startup international expandieren.

Als PaperC, ein Startup aus Leipzig, das Nutzern das kostenlose Lesen von Fachbüchern ermöglicht, vor ungefähr einem Jahr an den Start ging, hatten wir einige Verbesserungsvorschläge. Es freute uns sehr, dass diese nicht nur sehr sportlich vom PaperC-Team in den Kommentaren zum Artikel aufgenommen, sondern in den darauf folgenden Monaten auch Schritt für Schritt umgesetzt wurden.

Im April landete das Unternehmen auf unserer Liste von 33 Diensten aus dem deutschsprachigen Raum, die man im Auge behalten sollte. Und nachdem ich nun selbst einen persönlichen Bedarf an digitalen Fachbüchern entwickelt habe, hoffe ich natürlich, dass PaperC – das als eines der wenigen aufstrebenden deutschen Startups keine Nachahmung eines US-Anbieters ist – seine bereits guten Ansätze weiter ausbaut.

Vor einigen Tagen habe ich mich per Skype mit PaperC-Mitbegründer Martin Fröhlich unterhalten. Mein Ziel war es, ihm wie zuvor schon anderen Startups (wie mite und Cobocards) Firmeninterna zu entlocken.

Ich hatte Glück: Jungunternehmer Fröhlich zeigte sich offen und gab mir freizügig Einblick in aktuelle Kennzahlen rund um Entwicklung von PaperC.

Martin Fröhlich
Martin Fröhlich
Seit dem Start im September 2009 haben sich 60.000 Nutzer bei PaperC registriert. Täglich kommen 200 bis 500 hinzu. Eine Registrierung ist Voraussetzung, um kostenlos in einem der fast 5.500 unterschiedlichen Fachbücher von mittlerweile 40 Verlagen zu lesen. Täglich besuchen rund 3.500 eindeutige User die Website. Ein Großteil der Nutzerschaft sind Studenten (aus dem deutschsprachigen Raum), die restlichen Anwender sind Praktiker, die PaperC entweder beruflich oder aus Freizeitinteresse nutzen.

Bis Ende des Jahres will PaperC die Marke von 100.000 registrierten Mitgliedern sowie 10.000 Fachbüchern erreichen. Offenbar waren die ursprünglichen Prognosen etwas zu optimistisch, denn bereits im Oktober 2009 war von 100.000 registrierten Nutzern bis Ende 2009 die Rede – was bei nur zwei Monaten schon ein kleines Wunder gewesen wäre.

Angesichts von 2,2 Millionen Studenten allein im deutschen Sprachraum ist das Wachstumspotenzial jedoch definitiv groß, zumal sich die auch auf Englisch verfügbare Site zunehmend international etablieren möchte. Aus diesem Grund strebt das Startup, das neben einem Gründer-Stipendium auch Kapital von Business Angels sowie eine sechsstellige Summe vom Technologiegründerfonds Sachsen erhalten hat, jetzt eine “Series A”-Finanzierungsrunde mit einem internationalen Investor an, um optimale Voraussetzungen für eine globalen Expansion zu schaffen.

PaperC basiert auf einem Freemium-Modell: Während das bloße Betrachten der Fachbücher im Browser kostenlos ist, zahlen Nutzer für Zusatzfunktionen wie das Ausdrucken und Speichern von Seiten, Kapiteln oder ganzen Büchern. Der Umsatz aus diesen Premium-Funktionen verdopplt sich von Monat zu Monat, der durchschnittliche Umsatz pro zahlendem Anwender liegt bei acht Euro monatlich, so Martin Fröhlich. Angestrebt werden fünf bis zehn Prozent zahlungsfähige Nutzer. Kostenpflichtig erworbene Dokumente lassen sich im Rahmen einer Kooperation mit der Berliner E-Book-Plattform txtr auch auf dem iPhone und iPad lesen.

Was die Gespräche mit den Verlagen betrifft, profitiert PaperC laut Martin Fröhlich mittlerweile von der gestiegenen Bekanntheit des Dienstes sowie von der Tatsache, bereits eine Reihe namhafter Verlage als Partner mit an Bord zu haben. Verleger wollen häufig erst dann über eine Zusammenarbeit mit dem Leipziger Unternehmen nachdenken, wenn bereits ein anderes Verlagshaus aus dem selben Themenspektrum dabei ist. Je mehr Partner PaperC vorweisen kann, desto einfacher gestaltet sich die zukünftige Akquise.

Auf der Roadmap für die kommenden Monate steht bei PaperC unter anderem eine Verbesserung der Sichtbarkeit für Verlage und Autoren sowie Administrationswerkzeuge für den eigenständigen Upload und das Verwalten der Fachbücher durch die Verlage. Außerdem wolle man sich mit den Partnern an einen Tisch setzen und über ein Flatrate-Modell sprechen, das gegen eine monatliche Pauschalgebühr sämtliche Premium-Features in unbegrenztem Maße zur Verfügung stellt. Martin Fröhlich unterstreicht, dass dies nur mit dem Einverständnis der Inhaltelieferanten machbar ist.

Im vierten Quartal dieses Jahres sollen zudem neue Features gelauncht werden, welche die Viralität von PaperC erhöhen. Indem Nutzer einzelne Seiten kommentieren, favorisieren und via Facebook und Twitter weiterempfehlen können, will das Unternehmen seinen Bekanntheitsgrad durch die existierenden Benutzer erhöhen lassen.

Die Zukunft des Buches sieht PaperC-Geschäftsführer Martin Fröhlich in der Interaktivität. Er rechnet mit einer Aufsplittung des Buches in einzelne Elemente. Das (digitale) Buch der Zukunft enthält nicht nur Text sondern auch Videos oder durch den Leser modifizierbare Diagramme und Tabellen.

Auch das kollaborative Publizieren von Büchern, bei denen Leser wie beim PaperC-Partnerverlag O’Reilly an der Weiterentwicklung des Manuskriptes mitarbeiten, hält Fröhlich für einen wegweisenden Trend. Was die Zukunft von PaperC betrifft, weiß er genau, wo die Reise hingeht: “PaperC soll DIE internationale Plattform für Fachbücher werden”.

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6 Kommentare

  1. Marga
    schrieb am 6. September 2010 um 14:48 Uhr (#)

    Als Studentin finde ich das onlinestellen von Büchern durchaus sinnvoll. Vor allem ersetzt dies das ständige in die Bib-Rennen und sich an Öffnungszeiten halten müssen.
    Zudem ist es meist nicht möglich die Bücher auszuleihen.
    Von daher: Lob!!

  2. Chris
    schrieb am 6. September 2010 um 16:28 Uhr (#)

    Lob? Willigen die Urheber den ein? vor allem für real writer startups kann dieses prinzip im literarischen sinne tödlich sein!

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 6. September 2010 um 17:36 Uhr (#)

      Hättest du den Artikel gelesen, wüsstest du, dass PaperC Buchtitel nur im Rahmen einer Vereinbarung mit den Verlagen online stellt. Sonst würden wir hier über den Service auch gar nicht berichten.

  3. Krani
    schrieb am 6. September 2010 um 20:14 Uhr (#)

    Ich kenne PaperC schon lange, habe mich aber erst vor kurzem angemeldet. Als Softwareentwickler lese ich viele Fachbücher, die ich bisher aber fast immer im Buchladen gekauft habe. Das hat seine Nachteile, weil diese a) Platz wegnehmen b) häufig teuer und c) nach einigen Jahren sowieso schon wieder veraltet sind.

    PaperC ist daher für mich durchaus eine interessante Alternative, die aber m.E. zu sehr auf Studenten ausgelegt ist. Ich möchte keine Seiten drucken, keine Zitate anlegen o.ä. Das Einzige was ich möchte ist Kopieren. Allerdings ist es mir zu viel 10 Cent zu zahlen, um zwei Zeilen Quelltext zu kopieren.
    Deswegen sollten die Gründer darüber nachdenken entweder eine unbeschränkte Kopieroption pro Buch für z.B. 3-5€ anzubieten oder eine einfachere Option, die das einmalige Kopieren einer Passage für 2-3 Cent erlaubt. Ich wäre bereit zu zahlen.

    Darüber hinaus fände ich es schön wenn ihr die Zahlungsoption Paysafecard anbieten würdet. Ich mag diese Zahlungsmethode einfach und sie wäre gerade für diesen Zweck super geeignet (Kleine Beträge ~5€). Paypal und Kreditkarte hab ich zwar auch aber ich meide beides so gut es geht.

    1. Grootie
      schrieb am 9. September 2010 um 10:14 Uhr (#)

      Wenn ich das wieder höre..

      Krani: “Allerdings ist es mir zu viel 10 Cent zu zahlen, um zwei Zeilen Quelltext zu kopieren.”

      Die Autoren/Verlage/PaperC machen das, um damit Geld zu verdienen! Du kannst auch gerne die Fachbücher wieder im Laden kaufen. Sag dem Besitzer dann dochmal, dass er dir das Buch statt für 35,- Euro doch für 4,- Euro verkaufen soll – dann wärst, wie du sagst, du auch bereit zu zahlen

      (Krani: “Deswegen sollten die Gründer darüber nachdenken entweder eine unbeschränkte Kopieroption pro Buch für z.B. 3-5€ anzubieten”).

      Leute wie du wollen am liebsten alles umsonst, die Arbeit muss schließlich nicht bezahlt werden. Hoffentlich sagt dein Chef irgendwann zu dir: “Krani, ich habe keine Lust, dir als Software-Entwickler weiterhin 2000,- Euro Gehalt zu zahlen, bin aber bereit, dich für 400 Euro einzustellen. Sollte doch kein Problem sein?”

      Unglaublich manchmal..

    2. PaperC Support (Christoph Harnoth)
      schrieb am 11. Oktober 2010 um 17:59 Uhr (#)

      Danke für deine Anmerkungen zu diesem Artikel und den Hinweisen zur Verbesserung von PaperC.

      Einige deiner Vorschläge werden wir mit Sicherheit veröffentlichen und darüber in unserem Newsletter und auf unserem Blog berichten.

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