E-Books:
Warum es von jedem Fachbuch eine digitale Version geben sollte

Anders als Unterhaltungsliteratur dienen Fachbücher nur einem Zweck: Wissen zu vermitteln. Leider geschieht dies heutzutage noch immer primär in Papierform.

Wir haben in den Kommentaren zu diesem und diesem Artikel ausgiebig über das Potenzial und die Probleme von E-Books diskutiert. Selbst wenn es mir schwerfällt, dem gedruckten Buch als Massenprodukt noch mehr als 15 Jahre zu geben, kann ich verstehen, dass der Aspekt der Haptik sowie die geringe Störanfälligkeit und hohe Flexibilitiät eines Printprodukts in den Augen mancher Konsumenten eine sehr große Bedeutung haben.

Was Unterhaltungsliteratur betrifft, scheint ergo der Wunsch verbreitet zu sein, auch in Zukunft noch Papierbücher erwerben zu können, da es um mehr geht als nur um die nüchterne Aneinanderreihung von Buchstaben zur Vermittlung von Zusammenhängen. Ob dieser Wunsch am Ende von Autoren und Verlagen immer erfüllt wird, ist damit zwar nicht garantiert, aber so lange eine hinreichend große Nachfrage nach Literatur auf Papier besteht, wird das Printbuch wohl nicht zum Museumsstück werden.

Keinerlei Verständnis für ein prinzipielles Festhalten an Print habe ich jedoch, was den Bereich der Fachbücher betrifft. Momentan muss ich selbst feststellen, was es bedeutet, auf spezifisches Lehrmaterial nicht in elektronischer Form zugreifen zu können.

In Kürze beginne ich ein berufsbegleitendes Fernstudium im Masterstudiengang “Informationslogistik”. Für den ersten Kurs benötige ich fünf Bücher, die sich alle um den Themenkomplex Projekt-/Informationsmanagement drehen. Leider gibt es nur zwei davon als E-Book im Netz.

Das Problem: Ich reise momentan häufiger und will die Literatur mitnehmen, aber durch fünf dicke Wälzer nicht sofort mein maximales Gepäcklimit am Flughafen ausreizen – ganz davon abgesehen, dass es auch überhaupt keinen Spaß macht, mehr Gewicht mit sich herumzutragen als notwendig.

Wenn ich nun anmerke, dass mir die Haptik und der Papiergeruch bei Sach- und Fachliteratur erst recht völlig egal sind, dann hat das vermutlich nur wenig Überzeugungskraft, immerhin befürworte ich E-Books ja ohnehin. Aber ich vermute, dass auch Print-Fürsprecher bei Literatur, die nicht der Unterhaltung sondern der Bildung dient und damit andere Anforderungen erfüllen muss, dem E-Book gegenüber sehr viel offener eingestellt sind.

Auch meine Freundin studiert momentan per Fernstudium. Anders als ich hat sie jedoch überhaupt keine Probleme, sämtliche für ihre Kurse relevanten Materialen in elektronischer Form zu beschaffen, da sie eine IT-Richtung gewählt hat und in diesem Sektor zumindest im englischsprachigen Raum mittlerweile offenbar fast alle Titel auch als E-Books publiziert werden.

Nun ist die Frage nach Print- oder elektronischem Buch aus Lesersicht kein Wunschkonzert, immerhin wollen Autor und Verlag Geld verdienen. Aber gerade hier liegen ja die Vorteile von E-Books, die sich zu deutlich niedrigeren Kosten veröffentlichen lassen. Meine Ansprüche sind derartig gering, dass ich mich mit einer ganz simplen, grafisch anspruchslosen PDF-Datei abfinden würde. Die Mehrarbeit für den Verlag wäre minimal, ich jedoch würde mir nicht den Kopf darüber zerbrechen müssen, wie ich nun an die drei nicht als E-Book existierenden Bücher gelange.

Laut diesem Bericht ist es in Japan mittlerweile üblich, seine eigene Büchersammlung manuell einzuscannen, um sie anschließend in digitaler Form lesen und überall hin mitnehmen zu können. Angeblich haben 20 Prozent der japanischen iPad-Besitzer dies schon mindestens einmal getan.

Auch ich überlegte kurz, ob ich nicht ein Unternehmen aufspüren soll, dem ich die drei nicht in digitaler Form erhältlichen Bücher schicken könnte, um sie anschließend eingescannt als PDF oder EPUB-Dokument in Empfang zu nehmen. Aber abgesehen von der Frage nach der Legalität würde dies ziemlich teuer werden.

Mein Studium wird voraussichtlich zwei Jahre dauern. Ich hoffe, dass ich in dieser Zeit erlebe, wie Lehrmaterialien noch stärker als heute als E-Books angeboten werden. Rund jedes zweite Fachbuch erscheint derzeit auch in elektronischer Form. Es besteht also noch deutlicher Verbesserungsbedarf.

Mit PaperC existiert ein sehr spannendes deutsches Startup, das Fachbücher kostenlos im Internet zur Verfügung stellt. Gegen Bezahlung lassen sich Titel, Kapitel oder Seiten herunterladen oder als Print-on-Demand-Buch nach Hause schicken. Auch der auf Fachbücher spezialisierte US-E-Book-Shop CourseSmart sieht sehr vielversprechend aus, selbst wenn ich dort dieses Mal nicht fündig wurde. Und dann ist ja da noch Amazons Kindle Store

Für mich steht fest, dass (neue) Literatur, deren Zweck darin besteht, Wissen zu vermitteln, in gedruckter Form keine Chance mehr hat. Studenten sind in der Regel jung, mobil und offen für neue Technologien. Ein erster Schritt wäre es, wenn alle Verlage für Fachliteratur grundsätzlich eine gedruckte und eine elektronische Variante ihrer Publikationen vertreiben würden. Papierliebhabern ermöglicht dies, eine physische Kopie zu erwerben und darin Notizen und Anmerkungen machen zu können, und Menschen wie mir hilft es, unnötigen Ballast von sich fern zu halten und das Material in der Cloud zu speichern, um von beliebigen Geräten und Orten darauf Zugriff zu haben.

(Foto: stock.xchng)

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14 Kommentare

  1. Meeresbiologe
    schrieb am 3. September 2010 um 14:18 Uhr (#)

    Bei Fachbüchern ist die Digitalisierung in der Tat nur eine Frage der Zeit der technischen und der Marktentwicklung, da Wissenschaftler, Studenten u.ä. sowieso mit irgendwelchen Computergeräten zu tun haben. Darauf drängen kann man als Kunde sicher, es anordnen in einer freien Marktwirtschaft leider eher nicht. Diese Entwicklung kann wohl “leider” nur dem Markt und den Verlagen überlassen werden.

  2. Pallazo
    schrieb am 3. September 2010 um 14:55 Uhr (#)

    Lieber Martin Weigert,

    selten so herzlich gelacht.
    1. Empfehlung: Einfach mal mit Urheberrechten befassen.
    2. Empfehlung: Einfach mal mit Geschäftsmodellen befassen.
    3. Empfehlung: Ihre Faulheit ablegen und einfach mal ein (Fach-)Buch LESEN. Nicht nur mit einem Reader nach Stichworten abcrawlen.

    Aber immerhin: Ihre Erkenntnis, daß in Fachbüchern “Wissen” zu finden ist, daß im Zweifel im Netz noch nicht zu finden ist, noch nicht illegal weiterverbreitet wird, noch nicht am Urheber vorbei ausgewertet wird und noch nicht tausendfach per copy & paste in irgendwelche studentische Hausarbeiten einkopiert wurde – sehr gut. Das ist der erste Weg in die richtige Richtung.

    Ich prophezeihe: Am Ende werden Sie noch mehr verstehen.
    Beste Grüße

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 3. September 2010 um 18:07 Uhr (#)

      Wie kommt es, dass unangemessene, sich im Ton vergreifende Kommentare fast immer mit “Lieber Vorname Nachname” beginnen?

      Was ist Ihr Problem? Es geht hier nicht um illegale Inhalte.

    2. Meeresbiologe
      schrieb am 4. September 2010 um 09:10 Uhr (#)

      Das Urheberrecht ist zwar durchaus ein Problem bei digitalen Büchern – aber, wie ich glaube, nicht das entscheidende. Die fortschreitende Digitalisierung (insbesondere die Weiterentwicklung neuer Lesegeräte)und die allmählich zunehmende Verbreitung digitalisierter Fachbücher dürfte auch auf die Fachbuchverlage eine derart starke Sogwirkung ausüben, dass am Ende die überwiegende Zahl von Fachbüchern auch in irgend einer digitalen Form erscheinen könnte/dürfte. Allein deswegen, weil der Wegfall der ganzen physischen Papier-, Druck- und Vertriebskette einen enormen Kosten- und Preisvorteil für die Leser mit sich bringt. An Kosten verbleiben nur noch Autorentantiemen und digitale Produktion und Vertrieb – mit einem Bruchteil bisheriger Arbeitskräfte und Kosten.

    3. hathead
      schrieb am 5. September 2010 um 11:02 Uhr (#)

      Wo kommen in letzter Zeit eigetlich immer diese Sarrazins her? Hier muss irgendwo ein Nest sein :-)

    4. sprain
      schrieb am 6. September 2010 um 09:15 Uhr (#)

      @Martin Weigert
      Da hat sich doch niemand im Ton vergriffen. Ist nur eine ganz andere Meinung, als du vertrittst. Take it easy! :)

  3. _caal_
    schrieb am 3. September 2010 um 18:42 Uhr (#)

    bei vielen sachbüchern sehe ich nicht die notwendigkeit sie auf papier zu drucken…
    …das tausendste buch zu flash oder photoshop sollte nicht wirklich auf dem rohstoff papier erscheinen. diese literatur benutzt man zum arbeiten und danach braucht man sie (fast) nie wieder.

    haptik, geruch und form finde ich bei belletristik aber wichtig und würde nie auf das gedruckte buch, in diesem fall verzichten.

  4. HaensF
    schrieb am 3. September 2010 um 19:30 Uhr (#)

    Bezogen auf die Fachbücher bin ich ebenfalls der Meinung, dass das EBook dazu gehört.
    Das normale Buch ist praktisch und gewohnt und man kann fein reinmalen – und ich meine nicht nur Textmarker :-)
    Ich mag das Papier im Zug viel leiber als irgend ein Reader – noch zumindest.

    Gerade heute habe ich ein Fachbuch gekauft für mehr als 100 CHF und musste entscheiden welches der Beiden möglichen ich nehme. Variante 1 hatte eine Demoversion der Software dabei die 3mal länger läuft als die Herunterladbare und das andere Buchhat das EBook desselben dabei. Vernünftigerweise wählte ich die Version mit der elektronischen Form als Goodie.

    Es ist einfach praktischer so und viele Vorteile hats nebenbei.

  5. Markus
    schrieb am 4. September 2010 um 01:47 Uhr (#)

    Fachliteratur auch in elektronischer Form zur Ausleihe bereit zu stellen, ist für Bibliotheken ein wichtiges Thema. Hab neulich im Stabi-Blog das E-Book-Angebot der Stabi Hamburg vorgestellt. Wir haben bei der Möglichkeit der Bibliothek Bücher zum Erwerb vorzuschlagen vor Kurzem die Option eingeführt, dass unsere Nutzer angeben können, ob sie das Buch – sofern vorhanden – lieber als E-Book lesen möchten.

  6. Wenke Richter
    schrieb am 4. September 2010 um 14:03 Uhr (#)

    Ohne Zweifel werden Ebooks im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens an Bedeutung zunehmen. Ein Aber muß ich jedoch hineinschieben. Das größte Problem mit Ebooks (was heißt das eigentlich genau: Pdf, das ich online lese oder auf dem Laptop oder auf einem externen Gerät?) oder besser gesagt mit elektronischen Texten habe ich bei der Aufnahmefähigkeit während des Lesens längerer Texte. Kurze Blogeinträge, Rezensionen etc. kann ich gut am Bildschirm lesen, den Text nehme ich auf. Hingegen möchte ich keine 50 Seiten oder mehr auf einem Bildschirm lesen. Da hört die Aufnahmefähigkeit, ein grundlegender Baustein für das Textverständnis auf. Übrigens wurde dies auch durch Studien nachgewiesen. Wichtig ist also meiner Meinung nach, was ich mit diesen Texten will: längeres Lesen kaum möglich (deswegen empfinden viele Leser das E-Ink angenehm), jedoch mit Textteilen arbeiten, also anstreichen, kommentieren etc. ist wohl arbeitseinfacher. Zudem ist nicht jedes Format für das wissenschaftliche Arbeiten geeignet, nämlich dann nicht, wenn eine Zitierung nicht mehr möglich ist. Dies schränkt die Arbeit im Sinne unbegrenzter elektronischer Vielfalt ein. Im Kommentar von Pallazo steckte schon ein wichtiger Hinweis. Es besteht die Gefahr, daß elektronische Texte Schüler/Studenten stärker zu Copy&Paste verleiten… So mancher Dozent kann da ein Lied singen.

  7. hathead
    schrieb am 5. September 2010 um 11:01 Uhr (#)

    Das mit den Fachbüchern ist so eine Sache. Ich persönlich stehe nicht so auf E-Book-Reader. Wenn ich Sie benutzten würde, dann allen falls für die o.g. Unterhaltungsliteratur. Das ganze hat bei mir aber einen spezifischen Grund. Meine Fachbücher handeln in der Regel von Softwareentwicklung. Ich kann also allenfalls was mit einem PDF anfangen, aus dem ich mal eben was rauskopieren kann. Ein Buch mit Codebeispielen würde man jedenfalls eher nicht auf reisen lesen. Außer vielleicht auf dem Notebook um es dann direkt auszuprobieren. Das Haptikargument ist mir eigentlich ziemlich egal. Aktualität ist ein interessanter Faktor. Fachbücher, insbesondere im IT-Bereich sind mit Drucklegung bereits veraltet. Der Manning-Verlag hat sich hierfür was nettes überlegt. Das ManningEarlyAccessProgram. Hierbei kann man das Buch Online kaufen während es geschrieben wird. Dabei wird man permanent mit PDF-Update versorgt. Eine feine Sache. Dumm nur wenn die Bücher nach Drucklegung nicht mehr aktualisiert werden.

  8. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 5. September 2010 um 15:08 Uhr (#)

    Stimmt, kluger Ansatz, das spätere Aktualisieren von eBooks durch neue Inhalte. Definitiv ein enormer Vorteil gegenüber Printtiteln.

  9. Till
    schrieb am 6. September 2010 um 09:53 Uhr (#)

    Ich bin auch ein großer Verfechter für Fachliteratur als ebook. Die wären im Zweifel immer und überall verfügbar und das nicht nur um zu konsumieren sondern auch im Bezug. Mein Studium ist jetzt schon etwas länger her, aber wenn ich überlege wieviel Zeit ich hätte anders nutzen können …

    @Martin, eine spannende Abschlußarbeit für dein Studium ;-)

  10. jan krone
    schrieb am 21. Oktober 2011 um 22:35 Uhr (#)

    ein später nachtrag zum urheberrecht ;-)

    http://heise.de/newsticke…-Lehrer-1358590.html

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