Social Web:
Wenn individuelle Schicksalsschläge öffentlich werden

Mit den Möglichkeiten des Social Web wächst unser Netzwerk. Je mehr lose Verbindungen wir besitzen, desto häufiger werden wir “Zeuge” von individuellen Schicksalsschlägen.

Über die Qualität der Kontakte im Web lässt sich vortrefflich streiten. Weitgehender Konsen besteht hingegen zu dem Aspekt, dass die Zahl der Verbindungen, die Menschen mit Hilfe von Social Networks und anderen digitalen Tools eingehen und pflegen, deutlich größer ist als in der Prä-Internet-Ära, in der es schlicht nicht möglich war, mit Hunderten von Menschen in Kontakt zu bleiben, ohne sich aus den Augen zu verlieren.

Thomas Knüwer hatte dieses Phänomen und die Folgen für Mensch und Gesellschaft Ende Juli sehr schön in dem Artikel “Der Sieg der schwachen Verbindungen” erklärt.

Doch das enorme Netzwerk, das aktive User von Facebook, Twitter, Xing, LinkedIn und anderen Services besitzen und das ihnen in verschiedensten Lebenslagen mit Rat, Tat und Unterstützung zur Seite stehen kann, bringt gleichzeitig eine neue Herausfordung mit sich: Nämlich die, sehr viel häufiger mit persönlichen Schicksalsschlägen konfrontiert zu werden und damit richtig umzugehen.

Es ist einfachste Statistik: Je mehr Kontakte unterschiedlichster Stärke man besitzt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer dieser Personen etwas Unvorhersehbares geschieht, von dem man anschließend per Status-Update, Tweet oder Blogeintrag erfährt.

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Chrome Web Store:
Warten auf die nächste
Google-Innovation

Bereits im Oktober will Google seinen Chrome Web Store starten, der das von Smartphones bekannte App-Prinzip auf den Browser überträgt. Mit einer extrem niedrigen Umsatzprovision will das Unternehmen Entwickler animieren, Chrome-Apps zu programmieren.

Das Jahr 2010 hat noch etwas mehr als fünf Monate. In dieser Zeit wird sicher der ein oder andere attraktive Webservice an den Start gehen. Die Innovation, auf deren Launch ich mich aber am meisten freue, ist der Chrome Web Store von Google.

Im Mai berichteten wir erstmals über das Vorhaben des Internetkonzerns, einen App Store für den Browser zu entwickeln. Wie von Mobiltelefonen gewöhnt soll es so möglich sein, nach Kategorien geordnete, kostenlose sowie kostenpflichtige Anwendungen auszuwählen und innerhalb des Chrome-Browsers zu installieren.

Allerdings kommt es nicht zu einer tatsächlichen Installation von Software auf der Festplatte. Stattdessen wird lediglich eine Verknüfpung zu der jeweiligen Online-App angelegt, die auf gängigen Standards basiert (HTML5, JavaScript, Flash), jedoch eine größere Funktionsfreiheit als eine herkömmliche Website erhält, mit dem Browser zu interagieren.

Meine Vorfreude auf den Chrome Web Store basiert nicht unbedingt auf einer Erwartung, mit Chrome-Apps sensationelle Dinge anstellen zu können. Spannend an dem Vorhaben ist meines Erachtens nach vor allem die Tatsache, dass Google hier als Pionier agiert und erstmalig das von allen Smartphone-Nutzern verinnerlichte App-Prinzip in den Browser bringt, ohne dabei einen “Walled Garden” oder einen manuellen Freigabeprozess zu errichten und Entwickler in ein geschlossenes Ökosystem zu locken. Denn jede App kann als Website auch für andere Browsern wie Firefox oder Internet Explorer zur Verfügung gestellt werden.

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Linkwertig:
Web, Öffentlichkeit, Yahoo, Onlineshops

Grabrede
Wired erklärt das Web für tot. Die Logik des Kapitalismus hat im Internet lukrativere und kontrollierbarere Modelle entdeckt, die die Nachfolge antreten werden.

» The Web Is Dead. Long Live the Internet

 

Öffentlichkeit
Nicht zuletzt die Debatte rund um Googles Street View macht deutlich spürbar, wie das Web die Sphären Privates und Öffentliches dekonstruiert. Mspro überdenkt die übliche Grundannahme, dass das Private das gegenüber dem Öffentlichen zu verteidigende Gut ist, und fordert einen neuen Begriff von Öffentlichkeit.

» Von der Notwendigkeit eines neuen Begriffs von Öffentlichkeit

 

Yahoo
Yahoo nennt die Dienste, die dem Such-Deal mit Microsoft zum Opfer fallen werden. SearchMonkey wird erwartbarerweise eingestellt. Die Zukunft von MyBlogLog bleibt ungewiss, die API wird aber nur noch bis Ende des Jahres unterstützt.

» Important API Updates and Changes

 

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Task-Management-Tools:
Produktiv mit Producteev

Das Angebot an Webdiensten zur Aufgabenverwaltung ist enorm, den idealen Task-Manager zu finden, aber nicht leicht. Das für Privatpersonen kostenlose Producteev besticht durch seinen Funktionsreichtum.

Für viele Menschen, die im oder mit dem Internet arbeiten, gehört eine Task-Management-Anwendung zur Verwaltung von To-Do-Listen zum Grundwerkzeug. Wer mit Begeisterung und Spaß sein digitales Leben organisiert, wird sich mit einer Zettelwirtschaft oder einem Taschenkalender nicht begnügen wollen.

Die Auswahl an Webservices rund um To-Do-Listen ist groß. Eigentlich zu groß, wie zum Beispiel eine kurze Suche nach “todo” im Apple App Store verdeutlicht. Die Qual der Wahl.

Die wohl bekannteste Onlineanwendung für effizientes Task-Management heißt Remember The Milk. Ich hingegen habe seit einem Jahr auf das aus China stammende Tool Doit.im gesetzt, das sich ganz im Stile der chinesischen Kopiertradition eng an die kostenpflichtige Mac-Software Things anlehnt.

Bisher war ich mit Doit.im recht zufrieden. Doch seit einiger Zeit funktioniert das Synchronisieren zwischen der iPhone- und Desktop-Applikation nicht mehr richtig. Nachdem ich erst versuchte, geduldig zu bleiben, habe ich Doit.im heute morgen von meinem Rechner entfernt und bin damit wieder auf der Suche nach einem neuen Task-Manager.

Eventuell bleibt es aber bei einer kurzen Suche. Denn nachdem ich den Schlussstrich unter Doit.im gezogen hatte, schaute ich mich zum zweiten Mal bei Producteev um, einem Online-Task-Manager aus New York. Producteev hat wie Doit.im und anders als zum Beispiel Remember The Milk den Vorteil, Privatpersonen sämtliche Funktionalität inklusive mobilem Zugriff gratis bereitzustellen.

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FriendCaller:
Das deutsche Skype

FriendCaller aus Werl bei Dortmund erlaubt kostenlose VoIP-Gespräche sowie günstige Telefonate in Fest- und Mobilfunknetze. In einigen Punkten hebt sich der Dienst sehr positiv vom großen Wettbewerber Skype ab.

Es gehört schon eine gewisse Portion Mut dazu, einen auf private Nutzer abzielenden VoIP-Service zu starten, mit dem vom heimischen Computer aus sowohl kostenlose Gespräche mit Freunden als auch günstige Anrufe in internationale Fest- und Mobilfunknetze möglich sind. Denn genau das macht Skype, der globale Marktführer unter den VoIP-Diensten mit 560 Millionen registrierten Konten und 124 Millionen aktiven Anwendern monatlich.

Doch das hat ein junges Unternehmen aus Werl in Nordrhein-Westfalen nicht daran gehindert, mit FriendCaller einen eigenen Skype-Konkurrenten an den Start zu schicken. Und offensichtlich glauben neben den Gründern auch Investoren an das Vorhaben: Gestern berichtete deutsche-startups.de, dass der Dienst rund zwei Millionen Dollar an frischem Kapital erhalten hat (warum die Summe in Dollar und nicht in Euro angegeben wird, ist unklar).

Der signifikanteste Unterschied zu Skype besteht darin, dass FriendCaller keine Desktop-Software erfordert sondern über ein Java-Aplett direkt im Browser funktioniert. Wer Java auf seinem Rechner installiert hat, kann nach der Registrierung sofort mit FriendCaller telefonieren und muss nicht extra einen VoIP-Client herunterladen. Anrufe zu anderen FriendCaller-Nutzern sind gratis, zum Start erhält man außerdem 10 Cent für einen Testanruf auf einen Fest- oder Mobilfunkanschluss.

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Linkwertig:
Like.com, Hulu, prettymaps, Gmail

Like.com
Google bleibt in Kauflaune und übernimmt die visuelle (Shopping-) Suchmaschine Like.com für 100 Millionen Dollar.

» Google to buy visual search firm Like.com for more than $100M

 

Hulu
Nach Skype bereitet auch Hulu einen Börsengang vor. Laut Mashable liefert Hulu immerhin 3x mehr Ads als YouTube aus.

» Video site Hulu prepping for IPO that values company at $2B
» Hulu Serving 3x as Many Video Ads as YouTube

 

OpenStreetMap
Es muss nicht immer ein Google Maps-Mashup sein: Mit prettymaps hat Stamen Design ein sehr nettes Mashup auf Basis der OpenStreetMap realisiert.

» prettymaps
» Stamen makes experimental prettymaps

 

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Kompatibilität von iPhone-Apps:
Die Fragmentierung des
iPhone-Ökosystems

Mit iPhone 4 und iOS 4 erhalten App-Entwickler neue Funktionalität für ihre Anwendungen. Erste Fälle von App-Inkompatibilität mit älteren iOS-Versionen deuten gleichzeitig auf eine unerfreuliche Fragmentierung hin.

Mittlerweile hat sich die erste Euphorie (und auch Kritikwelle) rund um das iPhone 4 gelegt. Zwar scheinen Lieferengpässe nach wie vor für längere Wartezeiten zu sorgen, aber spätestens in einigen Monaten wird sich die vierte Generation des Apple-Smartphones fest im Markt etabliert haben. Für App-Entwickler steigen dadurch auch die Anreize, die Features der mit dem iPhone 4 veröffentlichten neuen Version des iPhone-Betriebssystems (iOS 4) auszunutzen – primär natürlich im Hinblick auf Multitasking, das mit iOS 4 möglich geworden ist.

Zwar fehlen mir aktuelle Zahlen zur Verbreitung von iOS 4, aber es ist davon auszugehen, dass ein Großteil der im Markt befindlichen iPhone 3Gs mittlerweile ebenfalls per Firmware-Update auf iOS 4 aktualisiert wurde. Was übrig bleibt, sind iPhones der ersten Generation (gut möglich, dass diese kaum noch im Einsatz sind) sowie das iPhone 3G, das sich zwar auf iOS 4 aktualisieren lässt, aber dadurch unglaublich langsam wird (auch wenn angeblich eine Lösung unterwegs ist)

Ich gehöre zu den Menschen, die noch immer ein iPhone 3G im Einsatz haben. Seit einem Jailbreak kürzlich bin ich vollkommen zufrieden mit dem Gerät und plane aktuell keine Erneuerung (auch wenn ich kurze Zeit mit einem Wechsel zu Android liebäugelte). Ein Upgrade auf iOS 4 steht aufgrund des oben erwähnten Problems auch nicht an.

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Die Zukunft des Buches:
Schallplatten knistern,
Papierbücher rascheln

65 Prozent der Teilnehmer unserer Umfrage zur Zukunft des gedruckten Buches erwarten, dass dieses niemals als Massenprodukt verschwinden wird. Wunschtraum oder realistische Prognose?

Stellt euch vor, wir befänden uns im Jahr 2060. Mittlerweile sieht die Welt aus wie in einem Science-Fiction-Film aus vergangener Zeit. Viele Menschen besitzen ein kleines, mit Solarstrom betriebenes Fluggerät. Egal ob zu Hause oder in öffentlichen Gebäuden – überall stößt man auf riesige Touch-Bildschirme.

Alles ist vernetzt. In der Hosentasche trägt man eine hauchdünne, zusammenfaltbare Scheibe mit sich herum, eine Kombination aus Smartphone und Notebook. Über das Gerät hat jeder Zugriff auf alle jemals veröffentlichten Informationen und Inhalte, egal ob Filme, Bücher oder Musik. Mit Hilfe einer Funkverbindung lassen sich Inhalte auf eine 3D-Brille übertragen, so dass der heimische Fernseher überflüssig geworden ist.

Doch allen technologischen Entwicklungen zum Trotz: Sobald die Bürger dieser Zukunftsgesellschaft sich eine Stunde zurücklehnen und mit einer Lektüre entspannen wollen, gehen sie zu dem einmal pro Woche von der Haushaltshilfe sorgfältig entstaubten Regal mit Papierbüchern, wählen einen Titel aus, nehmen auf ihrem bequemen Sofa platz und genießen das Rascheln der Seiten und den Geruch von gedrucktem Papier. Wenn sie irgendwo hinfahren, kommt nicht nur der 100 g leichte Faltcomputer mit, sondern auch mindestens ein Taschenbuch. Manchmal auch zwei oder drei.

Ungefähr so könnte die Welt in 50 Jahren aussehen, wenn es nach 65 Prozent der Teilnehmer an unserer Umfrage zur Zukunft von Print-Büchern geht. Auf die Frage, wie viel Zeit dem gedruckten Buch als Massenprodukt bleibt, wählten nämlich 191 Leserinnen und Leser die Antwortalternative “Printbücher werden nicht verschwinden”.

25 Prozent der 294 Umfrageteilnehmer sind hingegen der Überzeugung, dass Papierbücher in spätestens 25 Jahren als Massenprodukt abgelöst worden sind.

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Linkwertig:
Twitter, PayPal, jQuery, Android

Twitter
Twitter versucht weiterhin emsig, den sozialen Graph zu verdichten. Recht nützlich: Auf den Profilen anderer User wird nun angezeigt, welche gemeinsamen Freunde man hat.

» Twitter Rolling Out You Both Follow Feature

 

PayPal
PayPal könnte noch in diesem Jahr eine eigene Lösung für Micropayments vorstellen. Ihr Bekanntheitsgrad dürfte ihnen in diesem kompetitiven Bereich nicht zum Nachteil gereichen.

» PayPal to Offer Micropayment Service by Year’s End

 

jQuery
Nach Yahoos YUI lanciert nun auch jQuery eine Version für mobile Gerätschaften. Das Framework wird alle relevanten mobile Plattformen unterstützen.

» Announcing the jQuery Mobile Project

 

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Debatte um Google Street View:
Herr Westerwelle, Sie sind
ein schlechtes Vorbild

Die Haltung einer Gesellschaft wird stark durch Äußerungen und Handlungen von Politikern geprägt. Die Street-View-Debatte zeigt, dass Deutschlands Politiker-Elite gute Vorbilder fehlen.

Die Diskussion rund um die Lancierung von Google Street View in Deutschland hält an. Kaum jemand hätte sich wohl vor einer Woche vorstellen können, zu welcher Hysterie und Panikmache die Pläne von Google führen würden, den Dienst noch in diesem Jahr in 20 deutschen Städten zu starten.

Aus Blogger-Sicht war es eine anstrengende Woche. Es sorgt nicht gerade für gute Laune, jeden Morgen aufs Neue vom peinlichen Street-View-Aktionismus der hiesigen Politiker lesen zu müssen. Statt die Aufmerksamkeit auf Themen richten zu können, die Menschen, Wirtschaft und Gesellschaft voranbringen, sind Hunderttausende damit beschäftigt, sich an einer populistischen, unsachlichen und rückwärtsgewandten Diskussion zu beteiligen, die niemandem nützt.

Anfänglich suchte ich die Schuld für die vergiftete Street-View-Debatte bei den Bürgern selbst, von denen ein signifikanter Teil in Deutschland seit jeher äußerst zurückhaltend agiert, was das Ausprobieren neuer Web-Technologien und -Dienste betrifft. Doch spätestens nachdem ich diesen Blogbeitrag von Alvar Freude gelesen hatte, wurde mir klar, dass die meisten Menschen gar nichts für ihre ablehnende Grundhaltung können. » weiterlesen