Task-Management-Tools:
Wie Remember The Milk versucht,
sein Geschäftsmodell zu retten

Remember The Milk ist das wahrscheinlich bekannteste Webwerkzeug für To-Do-Listen. Doch durch neue Konkurrenz gerät das restriktive Freemium-Modell des Dienstes ins Wanken.

Es ist eine komfortable Situation: Einem Webdienst ist es gelungen, sich als der populärste Anbieter in seinem Bereich zu etablieren. Konkurrenten gibt es zwar, aber diese kennt kaum jemand. Und weil das so ist, kann es sich das Startup leisten, den Funktionsumfang seines Gratisangebots stark zu beschneiden und selbst essentielle Features nur als Teil des kostenpflichtigen Premiumkontos anzubieten.

Ungefähr so verliefen die vergangenen Jahre für Remember The Milk, ein 2005 gestartetes Task-Management-Tool aus Australien, das lange Zeit eine Autorität war, was webbasierte Services zum Verwalten von To-Do-Listen betraf.

Was mir bei dem Service immer missfiel und mich von einer Nutzung abhielt: Die Free-Version beinhaltete lediglich Zugriff auf die herkömmliche Browseroberfläche. Apps für iPhone und Android standen nur Premium-Anwendern zur Verfügung, die dafür 25 Dollar pro Jahr zahlen.

Ein Tool zur Aufgabenverwaltung hilft mir jedoch nur dann, wenn ich meine Tasks auch von unterwegs aus einsehen und bearbeiten kann. Doch trotz der vielen Raffinessen, die Remember The Milk mit sich bringt, sind To-Do-Listen für mich nichts anderes als ein paar Zeichen in Listenform. Im Gegensatz zu Cloud-, Musik- oder Videoservices entstehen dem australischen Startup durch die User nur minimale Kosten für Traffic und Server – zumindest wenn man den Dienst so einsetzt, wie ich dies machen würde.

Aus diesem Grund halte ich es für unangemessen, für das Verwalten von geschätzten 2 Kilobyte schweren ToDos in Stichpunktform zu bezahlen, wenn andere, sehr viel anspruchsvollere Arten von Content und Funktionalität im Web kostenlos oder zu vergleichbaren Preisen angeboten werden.

Doch in letzter Zeit hat sich das Marktumfeld verändert. Die Zahl der Wettbewerber nimmt zu, und mittlerweile erhalten Freunde von To-Do-Listen an anderer Stelle nahezu die komplette Funktionalität von Remember The Milk, ohne dafür Geld auf den Tisch legen zu müssen. Speziell denke ich hier an Producteev, das wir vor einer Woche vorgestellt haben und das ich seitdem auch aktiv einsetze.

Wie es scheint, spürt Remember The Milk den durch die junge Konkurrenz verursachten Druck: Ab sofort stellt der Dienst seine iPhone-Applikation auch allen Usern der Gratisvariante zur Verfügung. In einem eher kläglichen Versuch, die Produktdifferenzierung zwischen Free- und Pro-Konto im Bezug auf die iPhone-App aufrecht zu erhalten, können Nutzer, die nicht zahlen, lediglich einmal täglich ihre Aufgaben zwischen iPhone und Remember The Milk-Server synchronisieren.

Es ist nachvollziehbar und legitim, dass der Service aus Down Under nicht einfach so die Basis seines Geschäftsmodelles aufgeben möchte. Dennoch wirkt der Ansatz, die iPhone-App für Gratisnutzer zwar anzubieten, aber zu verstümmeln, verzweifelt. Der Service zieht damit weiterhin den Kürzeren gegen Wettbewerber, die keinerlei Hürden in ihre iPhone-Apps eingebaut haben. Gleichzeitig zerstört er Sympathien bei Besitzern von Android-Smartphones, die weiterhin einen kostenpflichtigen Account benötigen, um Remember The Milk mobil verwenden zu können, und sich wie User zweiter Klasse fühlen müssen.

Was Remember The Milk stattdessen tun sollte: Die mobilen Apps uneingeschränkt freigeben, Umsätze durch eine Werbevermarktung erhöhen (auf Basis der Inhalte aus den To-Do-Listen gibt es doch ausgezeichnete Targeting-Möglichkeiten) und darüber nachdenken, welche zusätzlichen Features es in das kostenpflichtige Angebot integrieren könnte, die eine Zahlung rechtfertigen.

Und sofern der Dienst zu keinem Ergebnis kommt, dann bleibt eben nur die Erkenntnis, dass man Nutzer im Web nicht für jedes Feature zur Kasse bitten sollte. Speziell dann nicht, wenn die eigenen Kosten niedrig sind (oder dies zumindest sein sollten).

Mehr lesen

Ein Jahr Wunderlist: Eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte

14.11.2011, 27 KommentareEin Jahr Wunderlist:
Eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte

Dem Berliner Startup 6Wunderkinder ist mit seinem Dienst Wunderlist innerhalb eines Jahres das Kunststück gelungen, To-Do-Listen sexy zu machen und sich eine weltweite Anhängerschaft zu erarbeiten. Nun steht der Launch von Wunderkit bevor.

Taskmanagement: Wunderlist launcht Webanwendung

14.3.2011, 4 KommentareTaskmanagement:
Wunderlist launcht Webanwendung

wunderlist, dem Newcomer im Markt für digitale Taskmanager, fehlte bisher eine browserbasierte Oberfläche. Seit einigen Tagen jedoch gibt es den Dienst aus Berlin auch als Webanwendung sowie als App für Android.

wunderlist: Der steile Aufstieg  eines Taskmanagers

4.2.2011, 14 Kommentarewunderlist:
Der steile Aufstieg eines Taskmanagers

Innerhalb von drei Monaten hat der Taskmanager wunderlist des Berliner Startups '6 Wunderkinder' fast 300.000 Nutzer gewinnen können, ein Großteil davon in den USA. Eine beachtliche Entwicklung.

\

18.1.2012, 0 Kommentare"Egotracking":
TwentyFeet erreicht 100.000 Nutzer

TwentyFeet, ein Statistikdienst für Social-Web-Konten, hat die Marke von 100.000 registrierten Nutzern durchbrochen. Jetzt streben die Wiesbadener die Profitabilität an.

Neue Preisdifferenzierung und Einschnitte beim Gratis-Angebot: simfy folgt Spotify

16.9.2011, 7 KommentareNeue Preisdifferenzierung und Einschnitte beim Gratis-Angebot:
simfy folgt Spotify

Das Kölner Musikstartup simfy beschneidet seine Gratisversion und bietet nur noch 20 Stunden Streaming pro Monat. Die ab sofort gültige Produkt- und Preispalette ist dem des Konkurrenten Spotify sehr ähnlich.

\

23.8.2011, 7 Kommentare"Zahle, so viel du willst":
Zootool gibt Einblicke in sein Freemium-Experiment

Der deutsche Social-Bookmarking-Dienst Zootool hat kürzlich eine kostenpflichtige Pro-Funktion veröffentlicht. Über den Preis können Nutzer selbst entscheiden. Jetzt berichten die Zootool-Macher über den Verlauf des Experiments.

Facebook und Twitter: Die Kasse klingelt ja doch

1.2.2012, 2 KommentareFacebook und Twitter:
Die Kasse klingelt ja doch

Lange galten Facebook und Twitter als typische Beispiele für Internetstartups ohne ernstzunehmende Geschäftsmodelle und Umsätze. Doch dieses Klischee entspricht nicht mehr der Realität.

\

18.1.2012, 0 Kommentare"Egotracking":
TwentyFeet erreicht 100.000 Nutzer

TwentyFeet, ein Statistikdienst für Social-Web-Konten, hat die Marke von 100.000 registrierten Nutzern durchbrochen. Jetzt streben die Wiesbadener die Profitabilität an.

Der Businessplan ist (fast) tot: Lang lebe das Geschäftsmodell!

12.1.2012, 9 KommentareDer Businessplan ist (fast) tot:
Lang lebe das Geschäftsmodell!

Businesspläne rauben dynamischen Gründer/innen viel Zeit, werden nur selten von den richtigen Leuten gelesen und garantieren kein funktionierendes Geschäftsmodell.

Springpad: Digitales Notizbuch und  Aufgabenverwaltung in einem

28.12.2010, 17 KommentareSpringpad:
Digitales Notizbuch und Aufgabenverwaltung in einem

Springpad ist eine Mischung aus Onlinenotizbuch und Aufgabenverwaltung. Der bereits länger existierende US-Dienst überzeugt durch eine intuitive Benutzerführung, ein angenehmes Design und eine bemerkenswerte Schnelligkeit.

Task-Management-Tools: Produktiv mit Producteev

17.8.2010, 26 KommentareTask-Management-Tools:
Produktiv mit Producteev

Den idealen Task-Manager zu finden, ist nicht leicht. Das für Privatpersonen kostenlose Producteev besticht durch seinen Funktionsreichtum.

Artikelempfehlungen: Hojoki integriert den Google Reader

31.1.2012, 2 KommentareArtikelempfehlungen:
Hojoki integriert den Google Reader

Hojoki, das diverse Cloud-Dienste einbeziehende Projektmanagement- und Produktivitätswerkzeug aus Chemnitz, integriert den Google Reader.

Wunderkit: Über 100.000 Nutzer  warten auf einen Beta-Zugang

18.1.2012, 3 KommentareWunderkit:
Über 100.000 Nutzer warten auf einen Beta-Zugang

Der Ansturm auf die Beta-Version des Produktivitätswerkzeugs Wunderkit war erwartungsgemäß groß. Ganz ohne Faux pas verlief der Start allerdings nicht.

Wunderkit startet Beta-Phase: Das Facebook für Produktivität

17.1.2012, 43 KommentareWunderkit startet Beta-Phase:
Das Facebook für Produktivität

Lange hat das Berliner Startup 6Wunderkinder den Launch der Produktivitätssuite Wunderkit angekündigt. Nun beginnt offiziell die geschlossene Beta-Phase. Das Resultat kann sich sehen lassen!

30 Kommentare

  1. Meeresbiologe
    schrieb am 27. August 2010 um 10:06 Uhr (#)

    Extra Software für To-Do-Listen finde ich auf den ersten Blick etwas abartig. Dafür reicht ja eine einfache Textsoftware. Oder haben die weitere Funktionen und entscheidende Vorteile? Einziger Vorteil, den ich mr denken könnte, wäre eine Erinnerunsfunktion für Termine. Außerdem: Gibts das nur für iPhone oder auch für andere Geräte?

    1. Meeresbiologe
      schrieb am 27. August 2010 um 10:26 Uhr (#)

      Das hier ist vielleicht auch eine Anregung wert.

    2. Steffen
      schrieb am 12. September 2010 um 20:25 Uhr (#)

      Solche Webdienste sind für mich wertvoll, da ich nach GTD bzw. ZenToDone Kontext-Listen anlege. Das Tagging und das Sortieren nach Kontexten ist hier sehr komfortabel möglich, mit einer einfachen Textverarbeitung hingegen nicht.

  2. Matthias Denkmaier
    schrieb am 27. August 2010 um 10:15 Uhr (#)

    Bin selber seit Wochen auf der Suche nach einer Lösung für Android, konnte aber bisher einfach nichts passendes finden. Ich will gratis einfache Listen Online, Android & iPhone. Ich zahle für Team-Features, Reminder, mehrere Content-Types, Sharing, Integration in Outlook, Thunderbird etc.!
    Das angesprochene Freemium Modell von RTM finde ich eigenartig, da es auf “Entzug von Nutzen” der Gratis Features setzt. Eventuell wäre eine positiviere Besetzung durch Hervorhebung des “Preium-Nutzens” besser geeignet.
    producteev gefällt mir sehr gut, kannte ich auch noch nicht, hat leider keine Android App. Aber so in die Richtung stelle ich mir derartige Lösungen vor.
    Nur um das klarzustellen: Schon der Basis-Betrieb derartiger Dienste kostet einfach Geld, egal wieviele Daten gehostet werden und welcher Traffic anfällt, nur halte ich $ 25,- für eindeutig zu hoch für den gebotenen Leistungsumfang und Nutzen bei RTM. Ich könnte mir vorstellen das ein Markt-Preis für die Pro-Variante von ca. $ 1,- / Monat viele zahlende Nutzer anlocken würde. Dann würden auch die angesprochenen Vermarktungs-Chancen entsprechend attraktiver werden. Man stelle sich nur tausende zahlende RTM-Kunden und deren gespeicherte Einkaufszettel vor, kombiniere dies mit Online und vorallem Mobile-Marketing-Massnahmen…

    1. Martin
      schrieb am 27. August 2010 um 11:06 Uhr (#)

      Ich hab es noch nicht ausprobiert, aber ich glaube Astrid für Android kann auch mit RTM-Basis Accounts synchronisieren.

    2. Steffen
      schrieb am 12. September 2010 um 20:27 Uhr (#)

      Ich empfehle
      http://www.toodledo.com

      Grüße
      Steffen

  3. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 27. August 2010 um 10:24 Uhr (#)

    @ Meeresbiologe
    Ja der Vorteil ist eine besseren Benutzeroberfläche, Reminder, Zugriff von diversen Geräten usw – wer aber ohnehin wenig mit To-Do-Listen arbeitet, ist mit einer txt-Datei auf dem Desktop sicher auch zufrieden.

    @ Matthias
    Android-App für Producteev soll innerhalb der nächsten Wochen kommen.

    Klar kostet der Basisbetrieb Geld (bei RTM sind das primär die Entwicklungs- und Fixkosten). Aber im Internet heißt das eben nicht automatisch, dass man deshalb auch Geld von seinen Usern verlangen sollte. Manche Dienste fahren besser, wenn sie die Einstiegshürden niedrig halten und dann lieber auf Vermarktung setzen. Andere nicht.

    Solange RTM keine nennenswerte Konkurrenz hatte, funktionierte deren Ansatz gut. Nun zeigen sich seine Schwächen – da Wettbewerber quasi das gleiche gratis anbieten können (Producteev will sein Geld mit Geschäftskunden/Unternehmen verdienen, was ich für den klügeren Ansatz halte).

  4. Andreas
    schrieb am 27. August 2010 um 10:24 Uhr (#)

    “Aus diesem Grund halte ich es für unangemessen, für das Verwalten von geschätzten 2 Kilobyte schweren ToDos in Stichpunktform zu bezahlen”

    Dann nimm doch Notepad oder einen Editor deiner Wahl, um deine paar ToDos zu verwalten. Und wieso benötigst du übrigens mehr kostenlose Funktionen in der iPhone App für die paar ToDos, die du damit gerne verwalten möchtest?

    Nee nee, also ich kann dieses “alles muss kostenfrei sein” nicht mehr hören.

    Da reissen sich Entwickler den Arsch auf und bringen ein Werkzeug heraus, was bereits in der Basisversion mächtiger ist als der meiste andere Schrott, und dann wird doch nur gejammert, das man ja nicht alles kostenfrei nutzen kann (was man vielleicht nicht mal braucht).

    RTM schneidet mit Abstand immer am Besten ab und es bietet so viele Funktionen, das ich immer wieder zu RTM zurückgekehrt bin. Und ich habe mir VIELE ToDo-Tools angeschaut.

    Achso, Werbung in einem ToDo-Tool halte ich für die schlechteste Idee, die es gibt. Denn ich möchte mich in dieser Umgebung auf meine ToDos fokusieren und nicht auf irgendwelche blöde Werbeanzeigen.

    Just my 2 cents…

  5. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 27. August 2010 um 10:28 Uhr (#)

    Andreas: Ich zahle monatlich für meine E-Mail, für Skype, ab und an für Spotify, für einen VPN-Anbieter, für Video on Demand…

    Was ich damit sagen will: Es geht nicht um “alles muss kostenfrei sein”.

    Es geht max darum “Nicht für jeden Pipifax sollte man die User zum Zahlen zwingen” ;)

    RTM konnte das bisher, und das ist ihr Glück. Nun kommt Konkurrenz, die sich die Vorteile der niedrigen Kostenstruktur im Internet zu Nutze macht, und nun wird deutlich, dass RTM im Marktvergleich zu viel verlangt – zumindest zu viel, um für alle ToDo-Freunde attraktiv zu sein.

    Und wenn du dennoch RTM treu bleibst: Bitteschön. Dann findest du den Preis für die gebotene Leistung in Ordnung und dann ist das gut so.

    Kostenfrei heißt außerdem nicht, dass die Armen Entwickler hungern müssen. Bestes Beispiel Facebook. Insofern ist es wohl eher an der Zeit, damit aufzuhören, kostenlos als etwas Negatives zu bezeichnen. Sowohl Paid als auch Free hat seine Berechtigung. Zudem ist Free nicht Free, sondern man zahlt mit seinen Daten/Informationen, die dann indirekt durch Werbung monetarisiert werden. Das findet nicht jeder gut, und in manchen Situationen bezahle ich auch lieber. Aber in diesem Fall nicht.

  6. Hami
    schrieb am 27. August 2010 um 10:37 Uhr (#)

    Das mag eine Sicht der Dinge sein, wenn die beruflichen und privaten Umstände es nicht erfordern, ein derartiges Produktivitäts-Tool (Toodledo und Konsorten sind ja deutlich mehr als banale Erfasser von kurzen Textschnipseln) in den täglichen Ablauf zu integrieren. Dann benötige zumindest ich nämlich ZUVERLÄSSIGE zeitnahe Synchronisierung über alle Plattformen (Mac privat/PC Büro/iPhone/Web). Hier muss sicherlich jeder seinen Bedarf für eine sinnvolle Funktionstiefe herausfinden und wird sicherlich nicht immmer alle Funktionen benötigen. Für zeitgenaue Alarme, mehrstufige Projekte und reibunglosen Sync zahle ich gerne, bevor mir wichtige Sachen durchgehen. Datenmenge ist m.E. nicht das einzige Argument für Premium-Modelle.

  7. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 27. August 2010 um 10:39 Uhr (#)

    Hami, ja vermutlich bin ich einfach nicht To-Do-Listen verrückt genug. Und bisher scheint es so, als wollte RTM solche Nutzer wie mich auch gar nicht haben. Was ein kluger Schritt sein kann.

    Die Änderung in Bezug auf die iPhone-App lässt mich deshalb etwas ratlos zurück. Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes.

  8. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 27. August 2010 um 10:50 Uhr (#)

    Ich habe gerade noch einmal darüber nachgedacht:

    Offenbar haben viele RTM-Nutzer sehr fortgeschrittene Ansprüche an den Dienst, bekommen sie dort erfüllt und zahlen gerne 25 Dollar pro Jahr.

    Dann gibt es solche wie mich, die wirklich nur grundlegende Listenfunktionalität verwenden und als einzigen Ansprüch die Freiheit haben, auf diese von beliebigen Geräten aus bequem zugreifen zu können. Aufgrund dieses relativ simplen Bedürfnisses ist meine Zahlungsbereitschaft entsprechend gering (was wenig mit “Ich will alles kostenlos haben” zu tun hat)

    RTM hat somit zwei Strategien:
    1. Solche wie mich ignorieren (wie bisher) und durch die Transaktionen der Pro-User Geld verdienen.
    2. Solche wie mich auf die Plattform holen, in dem sie mir zwar die gratis Freiheit beim Zugriff geben, aber den Funktionsumfang auf das Grundlegende beschränken (in der Hoffnung, dass ich nach einiger Zeit doch fortgeschrittenen Bedarf entwickle und zu Pro wechsele).

    Und was macht RTM jetzt gerade? Eine Mischung aus beidem. Stuck in the Middle oder so. I.d.R. keine gute Wahl, besonders auch in Hinblick auf Gratis-Konkurrenz für User mit nicht fortgeschrittenen Ansprüchen.

    1. Hami
      schrieb am 27. August 2010 um 11:29 Uhr (#)

      I.d.R. keine gute Wahl, besonders auch in Hinblick auf Gratis-Konkurrenz für User mit nicht fortgeschrittenen Ansprüchen.

      RTM schwächelt m.E. seit einiger Zeit auch noch in anderen Punkten, deshalb habe ich meinen Pro-Account zu Toodledo geswitcht. Auch in Bezug auf die Mobilfunktionalität ist man dort einfach klarer: mobil geht auch mit Free-Variante, aber nur in Pro gibt es z.B. mehrstufige Tasks, die eben nicht jeder benötigt. Und falls doch: Pro kostet – siehe oben – 1 Euro im Monat. Wer darüber bei diesem Funktionsumfang noch meckert, der hat wirklich nicht begriffen, dass Alles-Umsonst nicht immer geht.
      Den Vergleich von Free und Pro und einen übersichtlichen Vergleich mit anderen ToDo-Tools gibt es direkt unter www. toodledo.com

  9. Andreas
    schrieb am 27. August 2010 um 11:19 Uhr (#)

    Ich denke, das die meisten User das gar nicht so tief reflektieren. Bestehende User freuen sich über ein neues Goodie, was für die Basics wahrscheinlich völlig ausreichend ist. Für die, die mehr benötigen, wird es ein Teaser sein, um vielleicht doch die kostenpflichtige Variante zu abonnieren. Und neue User werden durch eine kostenlose iPhone App mit Sicherheit auch angezogen, die Potential bieten, irgendwann von Freemium auf Premium gewandelt werden zu können. Ich denke, RTM kann hierdurch nur gewinnen…

  10. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 27. August 2010 um 11:20 Uhr (#)

    Hehe es ist mein Job, mehr zu reflektieren als andere ;)

  11. Andreas
    schrieb am 27. August 2010 um 11:58 Uhr (#)

    @Martin: Ja, das ist ja auch ok und gut so. Aber warum gleich mit so einem reißerischen Titel “Wie Remember The Milk versucht, sein Geschäftsmodell zu retten”? Dieser impliziert nämlich, das RTM kurz vor dem Untergang wäre. Gibt es dafür irgendwelche Anhaltspunkte?

  12. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 27. August 2010 um 12:10 Uhr (#)

    Weil bei einer Überschrift à la “Remember The Milk passt sein Geschäftsmodell an” niemand den Artikel liest. ;)

    Zudem sehe ich den Schritt wie im Artikel beschrieben in der Tat als ein Zeichen, dass RTM tatsächlich Probleme dabei hat, sein bisheriges Geschäftsmodell weiterzuführen. Die Überschrift spiegelt das wieder.

    1. Wolf
      schrieb am 27. August 2010 um 14:21 Uhr (#)

      Da wäre ich vorsichtig. Ich persönlich lese die Artikel, die mich interessieren, mache das aber nicht an der Überschrift fest. Die nehme ich tatsächlich kaum war, bzw. war mir die reißerische Überschrift zu diesem Artikel gar nicht bewusst, bis sie hier in den Kommentaren angesprochen wurde. Nötig finde ich das allerdings nicht – zumindest als Feed-Abonnent. Dass in den Aggregatoren und Filtern wie rivva, twitter, bimmel etc. Eyecatcher adäquat sein mögen, erkenne ich an.

      Und zum Thema: bin begeisterter und zahlender RTM-Kunde – was mich indes auch davon abhält, andere Dienste überhaupt zu testen.

  13. Andreas
    schrieb am 27. August 2010 um 12:52 Uhr (#)

    “Zudem sehe ich den Schritt wie im Artikel beschrieben in der Tat als ein Zeichen, dass RTM tatsächlich Probleme dabei hat, sein bisheriges Geschäftsmodell weiterzuführen. Die Überschrift spiegelt das wieder.”

    Das sind reine subjektive Vermutungen, die sich in deinem Kopf abspielen. Für mich hat dein Artikel sowas von “Sensations-Bloggerismus”…ob’s gefällt muss jeder für sich selbst entscheiden, ich finde es unseriös! ;)

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 27. August 2010 um 13:10 Uhr (#)

      Da du offenbar ein großer Fan von RTM bist, ist es ja nicht gerade verwunderlich, dass du so auf den Artikel reagierst, wie du reagierst ;)

      Ich deute nur die Zeichen, basierend auf Erfahrung und gesundem Menschenverstand.

  14. Andreas
    schrieb am 27. August 2010 um 12:54 Uhr (#)

    @Hami: Also für “mehrstufige Tasks” Geld zu verlangen kann man genauso verteufeln wie es Martin tut, wenn RTM eine kostenfreie iPhone App auf den Markt wirft, oder? Ich kann über sowas jedenfalls immer nur den Kopf schütteln und schaue mir solche Tools dann auch nicht weiter an. Aber ich bin ja eh happy mit RTM Free… ;)

  15. Michael Praetorius
    schrieb am 27. August 2010 um 13:56 Uhr (#)

    Hallo Martin,

    da bin ich komplett gegenteiliger Meinung. Ich habe einen Premium-Account bei Remember The Milk und bin bereit dafür zu bezahlen. ich sage dir auch warum. Ich finde es eine großartige Idee ein kostenlose Website mit Sync-Funktionen zu Google, Outlook oder RSS-Feeds anzubieten. Ich nutze RTM auf dem iPhone und sehe darin einen großen Vorteil.

    Endlich einmal kam ein Anbieter auf die Idee keine generelle Paywall vor sein Angebot zu bauen oder die Anwendung durch Werbeeinblendungen unkonfortabel zu machen. Ich würde in dieser Anwendung keine Werbung klicken und würde ich auch nicht wollen, dass meine Aufgaben durchsucht und für die das Targeting von Werbung genutzt wird.

    Ich finde die Idee sehr spannend die unterschiedliche Nutzungsweise als Bezahlmodell zu erkennen. Die Musikindustrie hat mit Klingeltönen für Handies eine Menge Geld verdient. Nicht der Content war das teure, sondern die Bequemlichkeit, den Inhalt bereits als 30Sekünder geschnitten direkt auf das Handy zu bekommen. Wenn ich in ein Restaurant Essen gehe zahle ich auch nicht für den freuen Zugriff auf Zutaten, sondern für die Bequemlichkeit, ein warmes Abendessen zubereitet zu bekommen.

    Die Zahlungsbereitschaft für Communities und Websits ist sehr gering. Remember The Milk stand hier vor der Herausforderung das Mobiltelefon als Multiplikator zu nutzen, dass mehr Nutzer und eine stärkere Nutzung generiert und einem Tool, über das die Plattform geld verdient. Meiner Meinung nach hat Remember The Milk gerade sein Geschäftsmodell beerdigt. Ich würde mich für den Dienst freuen, wenn ich mich irre.

    Michael

  16. René Fischer
    schrieb am 27. August 2010 um 14:25 Uhr (#)

    Jau, Astrid für Android existiert, ist aber so ziemlich die beschissenste App die ich je gesehen habe (gleich danach kommt die originale von RTM). Ich verwende mittlerweile die Google Tasks. Unter Android kann man dafür wunderbar gTasks verwenden, das sogar Reminder und Recuring Events unterstützt. Klein, schnell und immer synchronisiert mit den Tasks bei Google. Ein Traum.

  17. Markus Jung
    schrieb am 27. August 2010 um 14:47 Uhr (#)

    Also ich nutze RTM auch seit langem und finde 25 Dollar pro Jahr nicht zu viel, wenn ich dafür ein zuverlässiges Tool bekomme. Und das ist mir bei einer Task-Verwaltung sehr wichtig – wenn diese längere Zeit ausfällt, beeinträchtigt mich dies erheblich und bei RTM habe ich bisher erst wenige und auch nur kurze Ausfälle erlebt. Und ich empfinde es als sehr angenehm, mal ein Webtool zu haben, in dem keine Werbung eingeblendet wird. Aber natürlich könnte man die Werbe-Version zumindest als Alternative anbieten, die man dann gegen Zahlung der Gebühren wieder abschalten kann. Im übrigen finde ich auch, dass selbst die aktuelle kostenlose Version schon einen erheblichen Nutzen bringt – nicht jeder ist ja intensiv unterwegs. Ich habe die Android-App, nutze diese aber auch eher selten.

  18. Klaus Wolfrum
    schrieb am 28. August 2010 um 00:21 Uhr (#)

    Wahrscheinlich wieder mal ein Beispiel, wie Cloud-Software als Freemiumkonzept nicht funktioniert. Leider. Der Anbieter läuft mit dem Launch der Free iPhone App derzeit Gefahr, seine bisher differenzierte Premiumstruktur unbegründet aufzuweichen. Für mich ein völlig falscher Weg.

    Offensichtlich hat der Anbieter ein klasse Produkt und sehr zufriedene Kunden (unter Kunden definiere ich immer die zuerst, die auch zahlen). Für die würde ich als Anbieter konsequent das Produkt selbst, die langfristige Produktverfügbarkeit und den Service weiterentwicklen. Insbesondere: Den Leistungsumfang anhand von Innovationen für zahlende Kunden weiter auszubauen (wenns schon unbedingt Freemium sein muss), statt Features für Free-Nutzer zu öffnen.

    >>
    Aus diesem Grund halte ich es für unangemessen, für das Verwalten von geschätzten 2 Kilobyte schweren ToDos in Stichpunktform zu bezahlen,
    >>

    Ich selbst bin kein RTM-Nutzer, aber ich habe den Eindruck, die Firma bietet schon eine ganze Runde mehr. Deren Unternehmenskommunikation spricht mich sehr gut an. Die sind ziemlich dran am Produkt und an ihren Kunden, sieht man.

    Ich bin immer wieder davon überzeugt, dass auch selbst gleichwertige Angebote nur auf Grund weil sie nichts kosten einen paid service den Rang ablaufen. Man zahlt nicht nur für die Ware oder Dienstleistung, wie es Michael Praetorius anmerkte.

    Werberefinanzierung (Kundendatentargeting) wäre für RTM ein großer Quatsch und ziemlich das Falscheste, was sie machen könnten. Entweder, Sie binden sich den Klotz der Werbevermarktung unwirtschaftlich selbst ans Bein oder geben einem Targeter Zugriff auf sensible Kundendaten. Tödlich.

    Generell 90 Tage fully try & decide, statt 25$ -> 7,90$ p.a. statt Freemium wäre natürlich auch eine sehr begrüßenswerte Sache. Dann würde sich RTM zudem auch einige reisserischen Überschriften von Journalisten sparen (sorry, Martin;-) Und wer nach 90 Tagen einen Nutzen noch nicht begriffen hat, der darf doch wohin auch immer.

  19. Klaus Wolfrum
    schrieb am 28. August 2010 um 07:04 Uhr (#)

    hoppla, hier fehlte wichtigerweise ein “nicht”…

    >>
    Ich bin immer wieder davon überzeugt, dass auch selbst gleichwertige Angebote nur auf Grund weil sie nichts kosten einen paid service NICHT den Rang ablaufen.
    >>

  20. Kai
    schrieb am 28. August 2010 um 12:21 Uhr (#)

    Wenn du das so siehst, ist Basecamp auch nur ein Speicherplatz fuer ein bissel Text. Es kommt eben darauf an, welche Tools einem dafür zur Hand gelegt werden. Und da überzeugt RtM allemal, gibt es doch fuer alle Anwendungen Plugins, Add-Ons und native Anwendungen fuer unterschiedliche Platformen. Dafuer bezahlst du, nicht den 2 KB an Traffic.

  21. Mark S
    schrieb am 30. August 2010 um 18:52 Uhr (#)

    Ich bin Anfang des Jahres auf RTM gestoßen, habe es getestet und bin ziemlich schnell in die Bezahl-Fraktion gewechselt. Weil ich den Dienst wirklich mag und 25 Dollar pro Jahr nicht die Welt sind. Gute Ideen honoriere ich gern.

    Noch ein erfreulicher Nebenaspekt: Man bleibt sowohl von Werbung als auch von der Flattr-Button-Bettelei verschont. ;-)

  22. Torsten Schneider
    schrieb am 17. Februar 2011 um 20:28 Uhr (#)

    Ich nutze RTM seit einiger Zeit und bin hochzufrieden. Niemand verpflichtet irgendjemanden RTM zu buchen, genau so, wie es imho keine Verpflichtung für RTM gibt, ihren Dienst gratis anzubieten.
    Die 25$ / Jahr sind ja wirklich gering.
    Wem es zu teuer ist, der sollte es schlicht nicht buchen.
    Übrigens kann man RTM doch ohnehin in jeder Version auch von jedem Endgerät nutzen. Ok, nicht mit einer schicken App, aber die mobile Browser Version ist doch auch ok und erfüllt ihren Zweck komplett.
    Ich zahle für RTM weil ich es gut finde, noch nicht einmal, weil ich die App nutzen würde – was ich nicht tue, weil es für WinMobile (HTC HD2) keine gute App von RTM gibt, sondern nur die Sync. Aber mir reicht auch die Mobile Browser Version vollkommen aus.

    Gruß,

    Torsten

    1. Andreas
      schrieb am 18. Februar 2011 um 09:50 Uhr (#)

      Ich habe auch schon viel ausprobiert (sogar GTD über Evernote), kehre aber immer wieder zu RTM zurück, keine Ahnung warum. Und mit der Chrome Erweiterung “A Bit Better RTM” ist es noch tausend mal besser; würde mir wünschen, das diese Features auch irgendwann mal offiziell in die RTM-Oberfläche eingebaut werden. Überhaupt wäre es mal wieder Zeit für neue Funktionen oder Verbesserungen, die schon lange angefragt, aber bis heute nicht umgesetzt wurden (mein einziger Kritikpunkt an RTM).

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.