Zunahme der Textkommunikation:
Der Tod des Telefonats

Mit der Zunahme der digitalen Textkommunikation verlieren Telefonate an Bedeutung. Sie haben ohnehin nur wenige Vorteile.

Bei einem früheren Arbeitgeber gab es ein inoffizielles Credo, das gerne und oft von Führungskräften in Besprechungen und auf Konferenzen zitiert wurde: Man sollte öfter den Telefonhörer in die Hand nehmen, hieß es, statt sich auf die Kommunikation via E-Mail zu fokussieren. Jedes Mal, wenn ich dies hörte, wäre ich am liebsten sofort in eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit eines solchen Ratschlags eingestiegen.

Seit langem versuche ich, die Zahl meiner Telefonate so weit wie nur möglich zu minimieren. Während auch ich in einigen spezifischen Situationen ein Gespräch am Hörer der schriftlichen Kommunikation vorziehe, so hat sich in 90 Prozent der Fälle, in denen ich vor 15 Jahren ein Telefonat geführt hätte, eine Konversation über SMS, E-Mail, Instant Messenger, Twitter oder ein Social Network als sehr viel effizienter erwiesen.

Das traditionelle Telefonat hat für mich so stark an Bedeutung verloren, dass ich durchaus vom Tod der Telefonie sprechen könnte. Deutlich wird dies immer dann, wenn ich mir im Ausland eine SIM-Karte für mein Mobiltelefon zulegen möchte und meine komplette Aufmerksamkeit den Konditionen für mobiles Internet widme. Die Preise für Telefonate schau ich mir gar nicht mehr an.

Offenbar bin ich auch nicht der einzige, für den herkömmliche Telefonie kaum noch ein Thema ist. Dieser Wired-Artikel (via) geht in die gleiche Richtung und verweist auf eine leider nicht verlinkte Nielsen-Untersuchung, laut der die durchschnittliche Anzahl an Telefonaten über Mobiltelefone seit 2007 rückläufig ist. Dass ich selbst schon lange keinen Festnetzanschluss mehr besitze, muss ich vermutlich kaum erwähnen.

Doch wie kommt es dazu, dass bei Wired-Autor Clive Thompson genau wie bei mir und mit Sicherheit auch bei einem Teil unserer Leser der Bedarf an Telefongesprächen abnimmt, sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich? Veranschaulichen lässt sich der Wandel durch einen Blick auf die unterschiedlichen Szenarien, in denen man bis vor einigen Jahren nicht um einen Griff zum Hörer herumkam:

Informationsbeschaffung
In der Zeit vor dem Internet war jedes Einholen elementarer Informationen (zum Beispiel zu Öffnungszeiten) mit der Notwendigkeit eines kurzen Telefonats verbunden. Und wer wie Journalisten in Berufen tätig war, deren Kern das Sammeln von Informationen ist, der hing vermutlich den halben Tag an der Strippe. Heutzutage sind alle Informationen dieser Welt nur einige Klicks entfernt. Man gelangt an sie nicht nur schneller, sondern benötigt dafür auch nicht mehr die Hilfe und Zeit einer anderen Person.

Fragen
Taucht im aktuellen Projekt eine Unklarheit auf? Will man kurz nachfragen, ob sich unter den am Abend erwarteten Gästen Vegetarier befinden? Wartet man auf die Bestätigung einer Freundin oder eines Freundes, um den geplanten Flug buchen zu können? Früher griff man zum Hörer, heute hat man diverse andere Alternativen, um seine Frage zu stellen, und wählt das Kommunikationsmittel ausgehend davon, wie viel Zeit man besitzt, wie dringend man eine Antwort benötigt und wie die Verfügbarkeit der anderen Person(en) aussieht. Oft reicht eine SMS, E-Mail oder Facebook-Nachricht aus – gerade dann, wenn man den für ein Telefonat typischen Small Talk vermeiden möchte.

Verabredungen
Während Verabredungen und Besprechungen in der Prä-Internet-Zeit entweder persönlich oder telefonisch ausgemacht wurden, tut es heutzutage die schriftliche Kommunikation über die bereits beschriebenen Wege oder der Einsatz eines extra für die Planung von Terminen geschaffenen Tools wie Outlooks Einladungsfunktion oder Doodle.

“Wie geht’s”-Kommunikation
Je mehr Menschen in sozialen Netzwerken aktiv sind, desto geringer ist der Bedarf an kurzen “Ich wollte nur mal hören wie es dir geht”- oder “Ich habe schon so lange nichts mehr von dir gehört – lebst du noch?”-Telefonaten. Denn von dem grundsätzlichen Wohlbefinden einer anderen Person kann man sich heutzutage sehr gut über Status Updates, Blogeinträge oder Twitter-Nachrichten überzeugen. Meine Mutter beispielsweise abonniert meine Tweets per RSS und erhält somit einen grundsätzlichen Überblick über mein Leben, selbst wenn wir uns einmal längere Zeit nicht persönlich gesprochen haben. Geschriebene Status-Kommunikation im Push-Verfahren ersetzt in gewissem Maß das telefonische Beschaffen derartiger Informationen im Pull-Verfahren.

Nun höre ich sie schon, die kritischen Stimmen, die erwidern, dass ein gelegentliches Gespräch am Telefon wichtig für das persönliche Verhältnis und deutlich sozialer ist als eine unpersönliche Textnachricht, dass man auf Mails nicht immer eine Antwort bekommt, dass nicht alle Menschen per Facebook-Nachricht erreichbar sind oder dass man in einer SMS (hier beziehe ich auch datenbasierte SMS-artige Services wie Ping Chat mit ein) zu wenig Platz hat.

All das stimmt natürlich und sorgt dafür, dass die herkömmliche Telefonfunktionalität wohl noch einige Zeit in Smartphones enthalten bleiben wird, zumal mit VoIP ohnehin eine kostengünstigere, Telefonie mit den Stärken der schriftlichen Kommunikation kombinierende Alternative (wie bei Skype) existiert.

Doch dass ändert nichts an der Tatsache, dass für viele Menschen die Notwendigkeit von Telefonaten abnimmt. Und manchmal – gerade wenn ich Parolen höre wie die am Artikelanfang zitierte – wünsche ich mir, die jeweilige Person würde erkennen, dass ein bewusstes Festhalten an Anrufen in Situationen, in denen es Textkommunikation auch tun würde, immer auch einen Tick egoistisch ist. Denn während der Gegenüber bei einer geschriebenen Nachricht eigenständig über den Zeitpunkt der Antwort entscheiden kann, hat er diese Wahlmöglichkeit bei einem Anruf nicht – es sei denn, er geht gar nicht erst ran.

In manchen Situationen ist es natürlich genau das damit verbundene Fehlen von Bedenkzeit, das der Initiator der Kommunikation erreichen möchte. Nicht ohne Grund erfreuen sich im Vertrieb Telefonate ungebrochener Popularität. Häufig gibt es jedoch keine Notwendigkeit, die Gegenseite mit einem Anruf bei ihrer aktuellen Tätigkeit zu stören, nur um eine spontante Frage zu stellen oder einen nicht zeitkritischen Lagebericht einzuholen.

Alle, die angesichts dieser Lobpreisungen auf die zugegebenermaßen in ihrer Tiefe und Emotionalität begrenzte Textkommunikation eine weitere Isolierung und Vereinsamung von Menschen befürchten, kann ich beruhigen: Denn ähnlich wie es auch Clive Thompson bei Wired feststellt, sinkt zwar meine Gesamtzahl an Telefonaten, doch betrifft dies vorrangig die Alltagstelefonie.

Längere Gespräche (über Skype) führe ich nach wie vor, zudem verzichte ich häufig speziell dann auf Telefonate, wenn ich eine Person ohnehin kurze Zeit später persönlich treffen werden. Und dank Status-Kommunikation weiß ich dann trotzdem von dem neuen Auto oder dem gelungenen Urlaub und habe somit einen perfekten Einstieg ins Gespräch.

Telefoniert ihr auch weniger als früher?

(Illustration: stock.xchng)

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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59 Kommentare

  1. Hallo!

    Interessanter Standpunkt! Ich habe mich letzte Woche in meinem Weblog mit einem ähnlichen Thema auseinandergesetzt. http://taragramm.wordpres…/schreib-mal-wieder/
    Da plädiere ich eigentlich mehr dafür, auch mal wieder das Telefon in die Hand zu nehmen.

    Ich denke, eigentlich muss das jeder selbst bestimmen, wie er es mit der persönlichen Kommunikation hält. Pauschalurteile, wie “nur noch E-Mail” oder “nur noch Telefon” halte ich für wenig zielführend. Gut finde ich, wenn man auf der Kontaktseite angeben kann, wie man am liebsten kontaktiert wird. Also per E-Mail, Telefon oder sonstwie. So kann die kontaktaufnehmende Person zumindest einschätzen, wie das Kommunikationsverhalten des Gegenübers ist und sich darauf einstellen.

    Viele Grüße,

    Tamara

  2. Du beschreibst die definitiv vorhandenen Tücken der geschriebenen Kombination. Diese lassen sich auch nicht von der Hand weisen.

    Ich denke, Kommunikation ist immer eine Kunst, egal ob geschrieben oder gesprochen.

    Gut finde ich, wenn man auf der Kontaktseite angeben kann, wie man am liebsten kontaktiert wird.

    In der Tat, das hilft sehr!

  3. Hallo,

    so sehr ich auf Social Media und webbasierte Kommunikation stehe, ist ein Telefonat besonders mit Kunden immer noch effizienter als etwas rein Webbasiertes. Gerne nutze ich aber auch die Mischung aus Live-Telefonat und -ScreenSharing am Rechner.

    Texten ziehe ich dem Telefonieren zwar auch vor, aber vom Tod des Telefonats zu sprechen, ist höchstens gut als Schlagzeile oder eben Überschrift ;)

    LG,
    - Alex

  4. Man könnte aber jetzt auch sagen, dass das Telefonat nur die schlechte Alternative zum persönlichen Gespräch mit dem Kunden ist, oder? ;)

    Texten ziehe ich dem Telefonieren zwar auch vor, aber vom Tod des Telefonats zu sprechen, ist höchstens gut als Schlagzeile oder eben Überschrift ;)

    Das bestreite ich nicht ;) Es soll aber zumindest zeigen, in welche Richtung der Trend geht.

    • Ja, das stimmt. Bei allen hier beschriebenen Möglichkeiten der Kommunikation geht es ja um Alternativen zum persönlichen Gespräch.

      Dass du jetzt das Telefonat als schlechte Alternative betonst, liegt wohl daran, dass du ja konsequenterweise deiner Überzeugung im Artikel treu bleiben musst, ne?!

      E-Mail ist perfekt, um Dinge nachvollziehen zu können. Oft fasse ich telefonisch Besprochenes per E-Mail zusammen. Das ist meine persönliche Killer-Kombination und praktische für beide Seiten, wenn auch zeitaufwändig(er).

      Telefon ist – wie Jürgen und Thorstena es auch schreiben – was die Unmittelbarkeit angeht, ungeschlagen! Eben wenn’s mal schnell gehen muss. Das kann natürlich – und da hast du Martin auch Recht – dem Partner auf der Gegenseite ganz schön auf die Ketten gehen.

      Meine These lautet: Das Telefonat stirbt nicht, nur die Technologie mit der wir telefonieren, wird sich ändern (sprich: ersetzt aka sterben).

      gr., Alex

  5. Ich muss fast kritiklos zustimmen, gerade weil du auch erwähnst, dass ein persönliches Gespräch meist eine ganz andere soziale Bedeutung hat und wichtig bleibt. Eins hast du m.E. jedoch außer Acht gelassen: Die direkte Kommunikation ohne Verzögerungszeit ist in vielen Bereichen des Lebens ein Vorteil des Telefons, den Textnachrichten nicht aufwiegen können. Wähle ich den Notruf, dann will ich, dass der Rettungswagen SOFORT kommt. Fehlt mir noch eine wichtige Umsatzzahl für meinen Vortrag, den ich in 15 Minuten halten muss, dann erreichte ich die Buchhaltung per Telefon SOFORT. Schriebe ich eine Nachricht, bekäme ich wohl erst nach dem Vortrag die gewünschte Antwort. Was Zeitkritisches anbelangt, bleibt das Telefon wichtig. Aber es wird die Ausnahme werden, da stimme ich dir zu. Guter Beitrag!

  6. Meine Güte, Martin! Muss es denn immer gleich der Tod von irgendetwas sein? Bücher, Telefonate – was wird als nächstes dahinsiechen?

    Ich kann aus meiner beruflichen Erfahrung nur sagen, dass die Effizienz schriftlicher Kommunikation in der Regel meilenweit hinter der eines Telefonates hinterherhinkt (wenn man mal von der Klärung z.B. von Detailfragen absieht, nachdem man zuvor miteinander telefoniert hat). So ähnlich wie ein Telefonat ein persönliches Gespräch von Angesicht zu Angesicht nur schwer ersetzen kann.

    Es sei denn, es passiert die seltene Ausnahme, dass man mit jemanden schriftlichen Austausch pflegt, der sowohl auf der gleichen Wellenlänge liegt als auch ungefähr die gleichen Erfahrungswerte in Sachen Schriftaustausch hat.

    Weitaus auffallender ist aber die Tendenz, dass Unsympathen und Feiglinge für anstehende unbequeme Gespräche vom Telefon auf die Mail umsteigen, weil sie nicht den Arsch in der Hose haben, es (was auch immer) einem direkt zu sagen.

    Kommunikation besteht nicht nur aus dem Austausch von Fakten – man kann sich bekanntlich auch zu Tode rationalisieren. (Das wäre doch ein interessantes Thema: Der Tod des Rationalisierungswahns ;-))

    • Dein letzter Absatz ist ganz groß, wirklich! Denn ich habe mich erst letztens bei einem reinen Mailaustausch mit einem Kunden so verrationalisiert, dass ich mich selbst fast nicht mehr verstanden haben. Ich denke auch, das WIE sollte so wichtig bleiben/sein wie das WAS – sonst könnte ich mich ja auch mit einem Telefon/E-Mail-Roboter austauschen *g. – “Tod des Rationalisierungswahns” *thumps up* :)

    • Thorsten, blogge doch mal über den Tod des Rationalisierungswahns ;)

  7. @ Jürgen
    Danke und du hast natürlich recht – in dringenden Fällen kann ein Telefonat der beste Weg sein. Muss aber nicht, wenn nämlich die andere Person gar keine Zeit hat, sich so kurzfristig mit deinem Anliegen zu beschäftigen ;)

    @ Thorstena
    Komm schon, du bist dir doch über die Funktion von Überschriften bewusst. Davon abgesehen: Für mich ist das Telefonat tatsächlich so gut wie tot (von erwähnten längeren Skype-Sessions mit Freunden oder Familie abgesehen – aber auch da bevorzuge ich lieber persönliche Treffen).

    dass die Effizienz schriftlicher Kommunikation in der Regel meilenweit hinter der eines Telefonates hinterherhinkt.

    Da haben wir sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Gut, dass wir nicht in irgendeinem Projekt zusammenarbeiten ;)

  8. Ich halte das Telefon für dringende Angelegenheiten für nützlich. Leider wird es von einigen wenigen, aber nervigen Kunden missbraucht. Die telefonieren anscheinend gerne und rufen wegen jeder Kleinigkeit an. Die können mich so mehrmals pro Stunde von der Arbeit ablenken. Besser wäre, sie würden sich zuerst überlegen was sie wollen und dann einmal anrufen oder eine Mail schreiben.

    Mails halte ich für effizienter als Telefonate, zumindest bei klaren Sachen wie kleineren Aufträgen und Wünschen. Es ist nicht effizient wenn jemand anruft und sagt er hätte gerne gelegentlich eine neue Maus. Das muss ich dann für den Techniker aufschreiben, eine Mail hingegen könnte ich nur weiterleiten.

  9. Ich stimme mit dem Autor weitestgehend überein. Mein Kommunikationsverhalten sieht so aus, wie im Artikel beschrieben.
    Einen Festnetzanschluß haben wir nur noch, weil er für DSL nötig ist. Die Nummer steht aber nicht im Telefonbuch.
    Gefühlte 90% der Anrufe auf dem Handy sind Müll, sprich Werbung, Verkaufsversuche, allgemein Leute mit denen ich nix zu tun haben will und werden von meiner Seite sofort abgewürgt.
    Die alltägliche Kommunikation im privaten und geschäftlichen Bereich findet per Email oder neuerdings per Twitter statt.
    Daneben gibt es natürlich immer noch Gelegenheiten, bei denen ich mal ‘ne Stunde telefoniere. Aber das ist die Ausnahme und auf wenige Leute beschränkt.
    Längere Gespräche mit Kunden führe ich nach Möglichkeit von Angesicht zu Angesicht, bei einer Tasse Kaffee.
    Das größte Ärgernis sind im Moment die Leute, die versuchen mich über meinen Schwiegervater, der im selben Haus lebt und im Telefonbuch steht, zu erreichen (Ich trage den Familiennamen meiner Frau).
    Dem alten Mann ist nicht beizubringen, daß solche Gesprächsversuche grundsätzlich falsch verbunden sind.
    Das führt immer wieder zu Streit, da ich mich weigere mit den Leuten zu reden und er dann die Peinlichkeit an der Backe hat, sie abzuwimmeln.

  10. @ Manuel & Michael
    Ich kann mich gut in eure Situation hineinversetzen. ;)

    • Und ich bin Dir dankbar hast Du das Thema angesprochen. Bis jetzt dachte ich meine Telefon-Feindlichkeit liege an meiner nerdigen Sozialphobie. ;-)

  11. Immer diese drastisch-totalen Übertreibungen. Ich würde zwar auch für mich zustimmen, dass bei mir Telefonate abgenommen haben. Nichtsdestotrotz habe ich weiterhin ein Handy und telefoniere für bestimmte direkte Absprachen auch – zur Einsparung von Kosten sogar auch noch vom guten alten Münzapparat.
    Neue direkte Textmedien wie SMS und E-Mail, die ja mehr und weniger auch Telekommunikation sind, verdrängen eben andere direkte sprachliche Kommunikation wie Telefonie oder auch weniger direkte schriftliche Kommunikation wie den Brief.
    Interessant ist sicher, wie sich die weitere Verbreitung von E-Mails und SMS auf die Entwicklung der Telefonie auswirkt. Telefonie wird schon deswegen garantiert nicht aussterben, weil es Frauen gibt. Die trotz SMS und Mail auch weiterhin stundenlang miteinander quasseln (können). Telefonie wird auch wegen der billigen Internettelefonie (inkl. Möglichkeit zur Videotelefonie) nicht aussterben.

  12. Telefonie wird schon deswegen garantiert nicht aussterben, weil es Frauen gibt

    Ich übertreibe, du denkst in Schubladen ;)

  13. Ich sehe es auch so dass der Anteil Telefonate generell abgenommen hat, einen Punkt sollte man jedoch nicht unbeachtet lassen. Wenn ich mit jemandem telefoniere können sich innerhalb von Sekunden Meinungsverschiedenheiten und Misverständnisse aufklären, die in Emails und anderen Textnachrichten oft hin- und her-diskutiert werden. Deshalb rufe ich bis heute lieber jemanden an, wenn ich eine Frage klären will bei der mit unterschiedlichen Meinungen zu rechnen ist, bevor ich 10 SMS schreibe. Gerade bei den kurzen Nachrichten liegt man gerne mal nicht ganz mit dem Empfänger auf einer Wellenlänge und er interpretiert etwas ganz anderes hinein. Da rufe ich lieber 2 MIiuten an.

    Klar gibt es viele Menschen die einen am Telefon dann aufhalten möchten, aber letzten Endes ist es immer die Entscheidung des Angerufenen auch jederzeit auflegen zu können. Wer das Auflegen auf der anderen Seite als persönliche Ablehnung interpretiert der würde das auch beim ewigen Warten auf eine Textnachricht als Antwort tun. Das Gefühl eine Textnachricht länger warten lassen zu können und beim Telefon immer reagieren zu müssen kann ich also nicht ganz nachvollziehen, denn wenn ich keine Zeit habe kann ich das auch am Telefon sagen ohne mich dabei schlecht zu fühlen.

  14. Für mich seit langer Zeit, ein wichtiger Grund, textbasierte Wege zu bevorzugen:
    Ein Telefonanruf reisst das Gegenüber genau in dem Moment des Anrufs aus seiner aktuellen Tätigkeit heraus. Mein Anliegen kann aber oft durchaus ein paar Minuten, Stunden, Tage warten, bis ich eine Antwort brauche. Weshalb sollte ich da jemand aus seiner Arbeit herausreissen?

  15. Genau so denke ich nämlich auch.

  16. Mal ehrlich wer ruft bei mir noch an?

    Die Eltern und vielleicht noch der Versicherungsmakler/Bankmitarbeiter der mir irgendwas aufschwatzen will.

    Oder Leute die “ganz dringend” irgendwas von mir JETZT brauchen (sei es nun Geld, Informationen oder körperliche Hilfe). Und sonst natürlich NIE anrufen.

    Die Leute wollen sich alle möglichen Optionen offen halten, deswegen ist eMail/Facebook/ICQ optimal. Man muss nicht antworten oder so tun als sei man “away”.

    Früher hab ich einfach Freunde angerufen ob sie mit weggehen.

    Jetzt muss man ja schon froh sein, wenn überhaupt mal jemand an sein Handy geht (dazu war es doch eigentlich gedacht, dass man “immer” und “überall” erreichbar ist).

    Früher mußte man auch anrufen wenn man dann doch NICHT mitkommt (kein Bock, Kopfschmerzen, …). Jetzt kommt entweder nur noch eine SMS mit der Absage oder gar nichts mehr.

    Das Telefonat ist nicht tot, es wird bald wieder sein Revivial erfahren. Die Leute werden alle irgendwann kapieren, dass “sprachlose” Formen der Kommunikation einfach nicht das “Wahre” sind.

    Übrigens:

    Gerade jetzt wo fast jeder eine Telefon-Flatrate hat, wird diese kaum in Anspruch genommen. Jetzt könnte man unbeschwert stundenlang quasseln, aber tut es nicht.

    So, ich greif jetzt einfach mal zum Hören… ;)

    • Es gibt kein Gerät, von dem ich mich zwingen lasse, “immer und überall erreichbar” zu sein. Dass sich so viele Menschen freiwillig in Handy-Sklaverei begeben, war mir immer schon ein Rätsel!

      Unangekündigte Telefonate sind immer auch ein Einbruch in die Autonomie des Gegenübers: es sollte einen guten Grund geben, ihn/sie aus der aktuellen Konzentration zu reissen!

      Würde ich mit allen telefonieren, mit denen ich Textbotschaften austausche, würde ich den ganzen Tag nicht vom Hörer weg kommen.

      Ein Segen, dass das nicht mehr sein muss!

    • Unangekündigte Telefonate sind immer auch ein Einbruch in die Autonomie des Gegenübers: es sollte einen guten Grund geben, ihn/sie aus der aktuellen Konzentration zu reissen!

      Niemand telefoniert ohne Grund. Und wer über ein Telefon verfügt und sich aus der Konzentration reissen lässt, sollte dringend im Handbuch nachschlagen, wie er sein Telefon auf «stumm» schalten kann – so bleiben unangekündigte Telefone zwar nicht aus, sind aber nicht mehr störend.

  17. Da ich eine Handy Flatrate habe, telefoniere ich eher häufiger als früher. Wobei daß nicht heißt, daß sich meine Nutzung von e-mails reduziert hat. Immerhin kommuniziert man dort eine Botschaft schwarz auf weiß. Das Telefonat ermöglicht es meines Erachtens besser, abzuchecken ob eine Botschaft beim Empfänger auch so ankommen, wie sie gedacht war (Worte sind eben nicht immer eineindeutig). Aber das hängt auch viel vom eigenen Kommunikationsstill und davon ab welche Kommunikationsform einem mehr liegt.

  18. Wie die meisten von Euch auch sagen: jedes Medium ist für bestimmte Zwecke geeignet.

    Ich fasse mal zusammen und ergänze ein bisschen

    Vorteil Telefon:
    - viel besser geeignet für Abstimmungsprozesse (und bidirektionalen Austausch von Infos)
    - direkte Antwort
    - fühlt sich “persönlicher” an, man spürt Befindlichkeiten des anderen eher
    - bei heiklen oder potentiell missverständlichen Themen kann der Tonfall wichtig sein (z.B. dass etwas nicht als Sarkasmus verstanden wird), sowie auch dieses “ich hör dir zu und widme dir meine Zeit”-Gefühl

    Vorteil Text:
    - der Text “wartet”, bis der Rezipient Zeit hat, man muss nicht stören oder “hinterhertelefonieren”
    - man hat die Informationen schwarz auf weiß (d.h. 1. kann man beweisen, dass sie gelandet sind und 2. wird so nichts vergessen, was bei faktenreichen Telefonaten vorkommt)
    - man kann auf einmal mehrere Leute benachrichtigen (geht auch mit Telko, aber da muss man erstmal alle zusammentrommeln)
    - Text kann man problemlos vervielfältigen, weiterleiten, ausdrucken, etc
    - Effizienz ist umso größer, je mehr der Empfänger zum Quatschen neigt ;)

  19. Kann ich nicht so unterschreiben – im Gegenteil. E-Mail und Telefon haben wir mich eine gleichbereichtigte Bedeutung.

    Im Job:
    - E-Mail für Informationen, die nachlesbar sein sollen oder an mehrere Personen gehen.
    - Telefon für allgemeine Informationseinholung, Verabredungen, Rückfragen, …

    Allgemeine Rückfragen per Mail zu stellen wäre wesentlich umständlicher. E-Mail hin – zurück – hin – zurück – danke – danke. Gerade in der unternehmensinternen Kommunikation geht ein Telefonat deutlich schneller.

    Privat nutze ich beide Möglichkeiten. Bei Verabredungen nutze ich auch oft den Chat von Social Networks, Dateien verteile ich per Mail. Aber wenn es wirklich was zu erzählen gibt, greife ich auch zum Hörer.

    Meine These: Das Telefon ist in der täglichen Kommunikation sehr wichtig – und hat immernoch bedeutende Vorteile in manchen Anwendungsbereichen gegenüber der Mail.

    Bei machen Sachen gehe ich natürlich recht: Öffnungszeiten, Adressen, etc. gucke ich schnell und bequem im Netz nach.

  20. Telefoniert wird ironischerweise dann besonders viel, wenn man weiß, dass der Gesprächspartner im Auto sitzt und daher nur unter größten Sicherheitsrisiken auf seine Mails antworten kann, selbst wenn er E-Mailpush aktiviert hat ;-)

    Darüber hinaus erledigt Facebook und ab und zu SMS die private Kommunikation, E-Mails und Skype die berufliche. Achja, Eltern sollte man trotzdem von Zeit zu Zeit anrufen ;-)

  21. Hallo,

    grundsätzlich wird das Telefon sicherlich zum Teil durch andere Kommunikationsmittel abgelöst, doch vom Tod des Telefonats zu reden ist m.E. nach Humbug. Das Telefon wird mit den heutigen Mitteln sicherlich nie vollständig ersetzt.

    Bei mir ist es einfach ein Mix aus Telefon, E-Mail, Instant Messenger und SMS. Wobei ich SMS eigentlich überhaupt nicht mag – zu teuer, zu anstrengend und 160 Zeichen sind irgendwie rückständig. Für jedes Mittel gibt es bestimmte Situationen, für die es am besten geeignet ist.

    E-Mail kann auch ganz schön problematisch sein. Wie oft habe ich schon irgendwelche Unternehmen angeschrieben, der Kontakt ich von ihrer Webseite hatte, und nie eine Antwort bekommen. Außerdem gibt es Menschen, die einfach nicht richtig E-Mails bearbeiten können und es auch nie lernen werden. Da schreibt man zwei Fragen, bekommt aber auf nur eine eine Antwort und diese muss noch nicht einmal zu einer der beiden Frage passen.

    Wie gesagt, verschiedene Mittel für verschiedene Situationen. Sterben wird das Telefon lange nicht.

  22. E-Mail und Telefon haben jeweils ihre Berechtigung. Ich bevorzuge auch E-Mail, habe aber gelernt, dass sich gewisse Dinge per Telefon ungleich schneller und vor allem ohne lästige Missverständnisse erledigen lassen.

  23. Hi,
    interessante Diskussion. Statt vom “Tod” würde ich eher von der “Marginalisierung” des Telefonats sprechen – aber das ist nicht catchy. ;O) Als Blogger würde ich auch “Tod” schreiben.
    zum Thema:
    Email: Wichtig um Sachen klar, deutlich und “schwarz-auf-weiß” zu kommunizieren (geschäftlich). Privat nutze ich Email heute überhaupt nicht mehr. Höchstens wenn ich eine Einladung etc. an absolute Facebook/Twitter-Ignoranten verschicken muss. Weil sie über SM immer noch nicht erreichbar sind.
    Telefon: Würde ich aus meinem Arbeitsleben am liebsten verbannen. Denn meine Firma betreibt hauptsächlich webbasierte Kommunikation. Und am Telefon über Inhalte zu sprechen, die auch als Website, PDF, Online Service etc. da sind… ist so mühselig. Wenn Kunden aus Indien erstmal ihre Email-Adresse buchstabieren müssen, damit ich ihnen weiterhelfen kann… umständlich. Ich rufe auch nicht gerne Geschäftskunden an. Weil ich denke, dass ich sie aus ihrer Arbeit herausreiße. Privat ist das Telefonat für mich so eine Art Luxus-Kommunikation: Wenn ich abends 2h mit Freunden/Familie telefoniere ist das etwas Besonderes.
    SMS: Gut für eine kurze Ja/Nein-Info-Kommunikation. Komplexere Sachen will ich aber nicht simsen…das ist doch nervig.
    Facebook: Perfekt um einen lockeren, wenn auch oberflächlichen Überblick über die Freunde zu behalten. Ideal um auf aktuelle Lieblings-Distinktionen zu verweisen (Song, Film, Blog-Artikel etc). Der Facebook-Chat ist für mich so ein Zwischending aus Email/Posting und Telefonat.
    Twitter: schnell, kurz & knackig. Aber halt auch total öffentlich. (Noch) nutzen das zuwenige in meinem Umfeld. Für private Kommunikation daher für mich unbrauchbar.
    Sorry, doch etwas viel Senf von mir dazu..;O)

  24. Telefonkommunikation ist durch nichts ersetzbar!
    Du hast in allem Recht, was Du schreibst, Martin.
    Auch ich telefoniere deutlich weniger als früher.
    Aber es gibt Situationen, da bin ich froh, zum Hörer greifen zu können:

    Wenn ich mit meinen Kunden telefoniere und Bedürfnisse heraushöre, die ich in neue Aufträge verwandle.(Bin selbständige Beraterin & Trainerin für Unternehmenskommunikation)

    Wenn Entscheidungen bei einem Kunden für mich nicht nachvollziehbar getroffen werden und ich nur mündlich, niemals schriftlich!, Dinge erfahre, die niemand geäußert haben will und die für mich für´s Verständnis der Situation wichtig und wertvoll sind.

    Wenn ich unterwegs bin und einfach Sehnsucht nach der Stimme meines Liebsten habe oder meine Kinder nah am Ohr haben will.

    Wenn ich Kontakt zu meinen Großeltern halten will, die viel zu weit weg wohnen.

    Gleichzeitig habe ich manchmal auch schlicht keine Lust, zu sprechen. Ich darf / muss mich bei meiner Arbeit sehr intensiv auf Gespräche mit Menschen konzentrieren. Wenn dann zu Hause meine 5 Kinder alle wild durcheinander reden, brauche ich keine zusätzlichen, akustischen Reize. Da kann´s dann schon mal passieren, dass Anrufer auf der Mailbox landen. (Also ruft mich bitte nie zwischen 17:00 und 20:30 Uhr an!)

    Ich finde übrigens nicht, dass ein Anrufer “egoistisch” handelt. Ich kann doch entscheiden, ob ich ran gehe oder nicht. (Und bei “unbekannter Anrufer” habe ich sehr oft keine Lust, ranzugehen.) Das sollten vielleicht wieder mehr Menschen lernen: das Telefon beim Essen oder in Meetings zu ignorieren, sich auf bewusste “Sprechzeiten” konzentrieren.

    Es gibt so viele Wege der Kommunikation. Als Dienstleister sehe ich es auch als meine Aufgabe an, den Weg zu wählen, der meinem Kunden am angenehmsten ist. Mit einigen maile ich, mit anderen spreche ich öfter oder skype. Es gibt sogar einige, mit denen ich mich am leichtesten via direct message bei Twitter austauschen kann.

    Das Telefon ist tot. Es lebe das Telefon!

  25. Natürlich hat man die Freiheit, nicht ranzugehen. Nimmt dies jedoch Überhand, ist es doch der beste Beleg für die Schwäche des Telefongesprächs ;)

  26. Ich brauche das Telefon. Allein, um einmal die Woche meine Mama anzurufen. Die hat keinen Twitter-Scheiss, geschweige den Internet.

  27. Dazu gibs doch sicher auch paar Studien. Wäre noch seriöser und fundierter und zudem interessant gewesen, eine steile These wie die vom (egal ob gegenwärtigen oder zukünftigen) Tod des Telefons mit statistischen Zahlen zu unterlegen.
    Höh, aber womöglich ist das unterlassen worden, weil das die Zahlen garnicht hergeben? (hihi)
    Die Diagnose scheint mir gerade auch angesichts überall mit Handy an der Backe herumlaufender Leute recht abwegig. Ich würde dem äußeren Straßenbild nach zu urteilen eher von Telefonitis (Tellefonwahn) und von allgegenwärtiger Verschmelzung der Leute mit dem Handy sprechen – also von dem prallen Leben, statt vom Tod des Telefons. Man hat den Eindruck, dass viele Leute garnicht mehr ohne Handy leben können. In jeder Situation, beim Laufen auf der Straße, im öffentlichen Verkehrsmittel, im Supermarkt usw. das Ding am Ohr. Insofern würde ich eher vermuten, dass der Herr Autor zu sehr und unzutreffend von eigenen Erfahrungen verallgemeinert (wissenschaftlich: extrapoliert) hat. Ein purer Abgleich mit dem Leben hätte ihn eines besseren belehrt. (g)
    Zumal das Handy ja auch fester Bestandteil des vielbeklagten Information Overloads ist.

  28. Weist du, ich sehe es als eine Aufgabe von uns an, Gedankenanstöße zu geben und auf mögliche Trends hinzuweisen, bevor sie Gegenstand von Untersuchungen werden. Das solltest du als regelmäßiger Leser und Kommentator wissen.

    Die Resonanz auf den Artikel sowie die teilweise meine These bestätigenden Kommentare zeigen, das ich durchaus einen Nerv getroffen habe.

    Du bist jemand, der hier erst vor wenigen Wochen in einem Kommentar ewig lange die Bedeutung von Facebook angezweifelt hat und selbst dort kein Konto hatte (anders als 500 Mio Nutzer). Insofern frage ich mich, ob du überhaupt in der Lage bist, zu dem hier diskutierten Thema etwas Konstruktives beizutragen.

    Denk mal drüber nach. Zudem solltest du nicht so viel extrapolieren. Die Leute mit dem Handy an der Backe sind sicherlich keine statistisch korrekte Art, um davon auf die zukünftige Entwicklung und Bedeutung der Telefonie zu schließen..

    • Ja, und ich sehe es als meine (als eine meiner) Aufgabe(n) an (habe es mir zur Aufgabe gemacht), Gedanken auf ihre Richtigkeit abzuklopfen und sie nicht ungeprüft zu übernehmen. Wer Gedankenanstöße und Trendauffassungen in die Welt (ins Internet) setzt, muß genau damit leben, dass das die Leser seiner Anstöße tun. Wer Gedankenanstöße in die Welt setzt, setzt sie der Diskussion und damit auch dem Zweifel aus und sollte auch mit Zweifeln an ihnen besser, d.h. sachlicher, objektiver, neutraler, unvoreingenommener und weniger empfindlich umgehen.
      Die hiesige Resonanz auf den Artikel von z.Zt. gerademal knapp 40 Beiträgen muß zu dessen Richtigkeit nicht unbedingt viel aussagen, weil es sich um die Resonanz einer recht speziellen Klientel von Internetfreaks und Internetarbeitern handelt, die vom Leben über solche recht speziellen Internetinteressen hinaus vielleicht auch nicht unbedingt soviel oder gar alles mitkriegen – und seien es nur Massen von überall und an jedem Ort telefonierenden Menschen. Manchmal hat man einfach Tomaten auf den Augen und sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht, um mal gleich zwei Sprichwörter in einem Satz unterzubringen. Dann kann man sich auch einfach mal locker auf die Stirn hauen und sagen “Stimmt, hast recht”, zumindest in dieser Hinsicht, anstatt empfindlich aufzuheulen. Mag sein, dass solche Hinweise auf die Wirklichkeit wehtun – aber so ist das eben manchmal mit der Wirklichkeit. Manchmal sollte man, wenn man grundlegend Allgemeines über die Wirklichkeit äußert, auch etwas ausgiebiger und umfassender auf die selbige gucken. (g)

      Bei Facebook habe ich sehr wohl ein Konto, wie sollte ich es sonst auch kennen. Ich nutze es nur recht wenig und unterentwickelt, weil ich damit aus eigener Erfahrung wenig anfangen kann und es auch ziemlich unhandlich finde. Mit dem Thema hat das garnichts zu tun.
      Wenn überall Leute mit Handy rumrennen und kaum von ihm loskommen, ist das selbstverständlich auch eine Form von Statistik – eine zwar recht grobe, aber nichtsdestotrotz erdrückende Statistik der puren Wirklichkeit. Zumindest sehr viel mehr Statistik als gar keine oder 37 Kommentare in einem Forum. Wenn überall Leute mit Handy herumlaufen sagt das auch für die Zukunft der Telefonie momentan zumindest soviel aus, dass deren baldiges Ende garantiert nicht ansteht, sondern dass Telefonieren vorerst voll im Trend steht.
      Was sicher daran liegt, dass das Handy und mit ihm weitgehend die Telefonie zu großen Teilen ein mobiles Kommunikationsmittel unterwegs der “Unterwegs-Kommunikation” ist. Wäre interessant zu wissen, wie mittlerweile das Verhältnis von Telefonie unterwegs zu Telefonie in eigenen oder geschäftlichen festen Wänden ist – was allerdings dadurch erschwert wird, dass auch in vier Wänden mittlerweile großteils mit Handys telefoniert wird.
      Mag sein, dass in den eigenen vier Wänden und im Büro seit Mail und SMS etwas weniger telefoniert wird. Ich würde vermuten, dass gewisse Verschiebungen von Telefonie zu direkter Textkommunikation vor allem ein Phänomen eines oberen intellektuellen Drittels bis Fünftels von Intellektuellen, Akademikern, Geschäftsleuten, Juristen, Wissenschaftlern, Führungskräften (“Entscheidern”) auf allen Ebenen, Journalisten (sic), Internetarbeitern (sic) und ähnlichen Leuten sind, die mehr mit Text zu tun haben. Die große Masse der Arbeiter, Angestellten, Handwerker usw. quasselt trotz SMS und Mail weiterhin auch direkt wie eh und je per Telefon. Außerdem ist es eine Frage des Typs (Temperament, Charakter) und der Beziehung, ob jemand lieber schreibt oder spricht. Ob jemand besonders gesprächig ist und wie eng oder unkompliziert Beziehungen sind, dass man lieber spricht als schreibt.

    • Ich gehe empfindlich mit der Art deines Kommentars um, nicht primär mit dem Inhalt (und das nicht zum ersten Mal).

      Insofern würde ich eher vermuten, dass der Herr Autor zu sehr und unzutreffend von eigenen Erfahrungen verallgemeinert (wissenschaftlich: extrapoliert) hat. Ein purer Abgleich mit dem Leben hätte ihn eines besseren belehrt.

      Wer so einen Kritikpunkt formuliert, will provozieren und legt damit die Grundlage dafür, nicht ernst genommen zu werden.

      Dass du da kein “Hast recht” bekommst, sollte dich nicht verwundern.

    • Nun ja, Autoren eines Onlinemagazins sollten auch mit spitz formulierter Kritik umgehen können, wenn sie selbst spitze Thesen in die Welt setzen. Bei der Kommentierung von Beiträgen bleibt es nicht aus, dass man über Hintergründe einzelner Gedanken des Autors mutmaßt. Die Kritik ist sicher recht spitz formuliert. Aber die spitze Formulierung ergibt sich leider wesentlich aus dem äußerst schroffen Widerspruch zwischen der These des Artikels und der mit ihm beschriebenen Wirklichkeit. Die Schroffheit ist also nicht wesentlich eine meiner Formulierung, sondern die des besagten Widerspruchs von Aussage und Wirklichkeit. Manche Widersprüche sind leider so schroff, dass auch der bloße Hinweis auf sie nur noch schroff wirken kann. Die Formulierung “eines besseren belehrt” finde ich der Schroffheit dieses diametralen Widerspruchs von Todes-Prognose und erdrückend lebendiger Wirklichkeit des Gegenstands durchaus bis völlig angemessen.
      Und seit wann ist Provokation denn kein wesentlicher Bestandteil von Diskussion? (wo gerade unlängst ein großer Provokateur gestorben ist …). Auch Du hast mit einer steilen These wie “Tod des Telefonats” in äußerstem Maße provoziert, u.a. mich. Dein Auftreten in diesem Artikel ist in höchstem Maße provokant! (g) Und hat mich eben zu dieser etwas schroffen Gegenprovokation provoziert. (hihi). Wer selbst provoziert, sollte auch mit Gegenprovokationen leben und umgehen können. Oder darf hier nur einer provozieren?

      Apropos, ich ahne Schlimmes.
      http://bundestag.de/dokum…w35_interviewpolenz/

    • Natürlich nicht. Ich bitte dich einfach für zukünftige Kommentare, höflich und möglichst ohne Überheblichkeit zu provozieren.

      Den Autor eines Artikels (egal ob hier oder woanders) im übertragenen Sinne als weltfremd darszustellen (” Ein purer Abgleich mit dem Leben hätte ihn eines besseren belehrt”), ist ganz einfach der schlechteste Weg, um in irgendeiner Form eine gute Diskussion zu führen.

      Und gerade von Stammkommentatoren erwarte ich, dass sie grundlegende Kommentarregeln beherzigen.

      Danke!

    • Hier ist noch ein Ratgeber Provokation.

      Das ist das Schöne am Internet. Man hat das Meiste immer sofort zur Hand.

    • Tut mir leid, aber manche Thesen sind schlicht so weltfremd, dass man sie mit einem Hinweis auf die Welt leider nicht anders als das umschreiben kann. Ich diskutiere gerne über das Internet und lese deswegen auch dieses Magazin hier gerne. Aber gerade deswegen sollte man Weltfremdes ganz sachlich mit puren, harmlosen Hinweisen auf die Welt auch so umschreiben können. Oder sind neuerdings schon Hinweise auf die Welt und Wirklichkeit bei der Beschreibung derselben verboten?
      Bei den Verschiebungen von Telefonie zu Textkommunikation handelt es sich allenfalls um Verschiebungen bei speziellen Gruppen, und zwar bei den besonders textaffinen Berufsgruppen und bei besonders gesprächsabgeneigten Menschentypen. Das kann man nicht ernsthaft zum Tod des Telefonats verallgemeinern und hochrechnen, wenn alle Welt weiterhin massenhaft sichtbar fröhlich telefoniert.

    • “besonders textaffinen Berufsgruppen und bei besonders gesprächsabgeneigten Menschentypen”

      Mhhh… 500 Millionen Facebook-Nutzer weltweit. Über 10 Millionen in Deutschland, bei denen Kommunikation immer stärker in Schriftform stattfindet.

      Klar, kannst du ja nicht wissen, nutzt es ja nicht. Bist du bei Twitter?

    • 10 Millionen mehr oder weniger regelmäßige Facebook-Nutzer sind gerademal 12% der Bevölkerung. Also eher ein Jugend-, Internetfreak-, Künstler- und Intellektuellenphänomen als bereits ein Massenphänomen. Und selbst diese 12% telefonieren trotzdem weiter auf “Deibel komm raus”. Insbesondere dann, wenn sie gerade kein Facebook dabei haben. Es wäre eben zu untersuchen, ob und in welchem Maße die Textkommunikation die Telefonie verdrängt. Persönliche Beobachtungen von technikaffinen Internetarbeitern bei sich selbst allein sind dazu leider wenig aussagekräftig.
      Twitter legt zwar weiter zu, spielt aber, wie neulich im SPIEGEL zu lesen, in der direkten Kommunikation eher eine untergeordnete Rolle. Das ist wohl vor allem ein Medium für Leute, die sich gerne mit allem möglichen sinnvollen und sinnlosen Zeug exhibitionieren (ausstellen) – sowie für die Information.

    • @Martin

      >>Wer so einen Kritikpunkt formuliert, will provozieren >>und legt damit die Grundlage dafür, nicht ernst genommen zu werden.

      Letztlich provozierst Du ja auch mit Deinen Überschriften (“Tod des…”), um eine Diskussion anzustossen. Warum sollte es der Meeresbiologe nicht auch? Er bleibt nach meiner Einschätzung auf der sachlichen Ebene.

      Ich muss ihm auch Recht geben – die Leserschaft (inkl. der Beiträge und Aussagen) hier ist nicht repräsentativ für die deutsche Gesellschaft. Ebensowenig wie die Frühstücksrunde von Bauarbeitern (“Internet braucht man nicht”).

    • Ich verstehe einfach nicht, dass es so schwierg ist, Artikel wie diesen als interessanten Gedankenanstoss und möglichen Indikator eines neues Trends aufzufassen (die von mir gebrachten Argumente sind ja nun auch nicht soo abwegig).

      Einen anderen Anspruch hat ein solches Posting hier nicht. Was bei uns heute diskutiert wird, steht eventuell in einem halben Jahr bei Spiegel Online. Oder auch nicht.

      Zudem dient eine Überschrift dazu, Aufmerksamkeit zu generieren. Im Artikel wird meines Erachtens nach sehr wohl deutlich, dass es hier um Beobachtungen geht, nicht um wissenschaftlich belegte Statistiken, und dass der endgültige Tod des Telefonats natürlich noch nicht eingetreten ist.

      netzwertig.com ist trotz allem in Kern noch ein Blog, das sollte man nicht vergessen ;) Wer sich nicht wohlfühlt mit einem Mix aus Trends und eigenen Gedanken, wer keinen Wert darin sieht, dies zur eigenen Reflexion zu nutzen, wird nicht zum Lesen gezwungen.

      Nur ein kleines Beispiel: Als ich in Artikel im Jahr 2007 zig mal angekündigt habe, dass Facebook in Deutschland irgendwann eine Macht werden und studiVZ & Co vom Tron stoßen wird, hat mir niemand geglaubt, und mir wurde vorgeworfen, ich wäre mit meiner Ansicht nicht repräsentativ. Das stimme damals auch. Aber das heißt ja nicht, dass es nicht möglich ist, gewisse Trends entstehen zu sehen und zu diskutieren, bevor sie ein Phänomen der Masse werden.

    • @Martin
      Ich finde Deinen Blog erfrischend, mit (zum Teil) anderen Meinungen und Lebenseinstellungen. Einige Anregungen habe ich für mich übernommen, andere nicht.
      Aber so soll es ja sein :-)

    • Danke, und genau so soll es auch sein. Ich weiß schon, dass Leser über den ein oder anderen Beitrag den Kopf schütteln. Aber das ist ok. Alles andere wäre seltsam ;)

  29. Ich glaube, einer der größten Vorteile der Text-Kommunikation wurde noch gar nicht genannt: Am Ende hat man alles schriftlich.

    Sofern man sich klar ausdrückt, lassen sich Ergebnisse eines Gesprächs (das kann auch eine simple Verabredung zum Kino sein) nachlesen und man muss sie nicht aus dem Gedächtnis heraus “erraten”.

    Einen Telefonmitschnitt auszuwerten, wäre viel aufwendiger (beim derzeitigen technischen Stand). Abgesehen davon dürften die meisten Gesprächspartner nicht damit einverstanden sein, das Gespräch aufzuzeichnen. Im Halbschlaf oder Vollrausch verschickte SMS bleiben dem Kommunikationspartner ja auch für immer erhalten.

    Der zweite ganze große Vorteil schriftlicher Kommunikation: Es wird mehr nachgedacht, bevor etwas getippt wird. Eventuell (vielleicht auch: im Idealfall) wird es vor dem Abschicken beim Kontrolllesen sogar noch einmal kritisch überdacht.

  30. Habe hierzu noch ein schönes Stückchen Text aus einem der letzten SPIEGEL-Hefte zum Thema Internet gefunden:

    Das Magazin “Wirtschaftswoche” berichtet von einem Manager, der sein Handy verlor und daraufhin kollabierte. Er war auf einer Art kaltem Entzug und musste im Krankenhaus mit Beruhigungsmitteln behandelt werden. Mit dem Handy war zu viel Leben verschwunden. Wissenschaftler sprechen schon vom Krankheitsbild der “Nomophobie”, der Angst, ohne Mobiltelefonkontakt zu sein.

  31. Du bist dir aber schon darüber im Klaren, dass man mit Mobiltelefonen heute auch noch andere Dinge machen kann als telefonieren, richtig? ;)

    Mir würde es wohl auch nicht gut gehen, wenn mir mein iPhone abhanden käme. Aber nicht, weil ich dann nicht mehr telefonieren kann, sondern weil ich dann offline wäre.

    Irgendwo las ich dazu auch mal den Begriff “digitale Amputation”

  32. Ah, das kommt mir gerade gelegen:
    http://gigaom.com/2010/08/24/voice-who-needs-it/

    Noch jemand, der den gleichen Trend sieht – zudem gibt es neue Nielsen-Zahlen, die schön illustrieren, wie gerade bei jungen Leuten die Zahl der Gesprächsminuten sinkt (Siehe Grafik “Average Voice Minutes Used by Age”

    • In Form einer leichten Abflachung im Spitzenbereich. Was vorerst nur für minimale Verschiebungen und Verluste der Telefonie spricht. Junge Menschen telefonieren weiterhin am meisten, nur etwas weniger als vorher. Die älteren Altersgruppen telefonieren weiterhin ungefähr genauso viel wie vorher.
      Darüber, wie sich diese Abflachung weiter entwickelt, kann man nur spekulieren. Ich denke, sie wird sich spätestens auf einem mittleren Niveau stabilisieren. Ich halte die These vom Tod der Telefonie mit Verlaub für eine aberwitzige. Das muß einem doch, Entschuldigung, vom gesunden Menschenverstand her klar sein, dass ein Grundkommunikationsmittel wie das Telefon, mit dem Menschen direkt miteinander sprechen können, niemals aussterben wird. Es wird in seiner Bedeutung beim einen etwas mehr, beim anderen weniger abnehmen. Aber aussterben niemals. Oder war die Überschrift nur ein Gag?
      Ich halte Telefon für sowas wie früher das “Rote Telefon” zwischen Ost-West für wichtige Sachen, die sich nur im direkten Gespräch klären lassen. Und die wird es auch mit Mail und SMS typabhängig weiter in Mengen geben. Tendenziell wird Telefonie im Zuge der weiteren Digitalisierung und Vernetzung vielleicht weiter abnehmen, aber niemals aussterben. Weil das gesprochene Wort die direkteste Form der Kommunikation ist.

  33. Die Flut von emails oder social Msg. führt dazu dass man noch weniger Zeit hat (sofern man diese wirklich bearbeitet) -Telefon ist direkt, persönlicher und mit Reaktionszeiten die kürzer sind – die Kombination mit email ist jedoch sinnvoll

  34. Habe hier noch eine ganz interessante Statistik zum bevorstehenden Tod des Telefonats gefunden. (g) Manchmal kann man statt in der Welt auch einfach auf Wikipedia nachgucken. (g)

  35. Ich glaube, dass sich das Spektrum der Kommunikationsmöglichkeiten erweitert und man vor der Herausforderung steht, diese Tools zu beherrschen. Dass das Telefon tot ist bezweifle ich daher stark. Telefonate haben auch wesentliche Vorteile gegenüber Geschriebenem. Dabei denke ich etwa an die Stimmung oder die Stimme, die nicht per Text übermittelbar sind. Geschriebenes hat auch in manchen Situationen durchaus Nachteile gegenüber Gesprochenem. Telefonate können zum Beispiel nicht so einfach weitergeleitet werden und auch der “schriftliche Beweis” können sich zum Nachteil entwickeln. Social Media ist da natürlich das krasse Gegenteil – es gibt meiner Meinung für jede “Anwendung” das passende Tool und das Telefon ist eines davon und wird es auch noch lange bleiben.

  36. Viel naheliegender als der in meinen Augen ziemlich unwahrscheinliche Tod des Telefonats ist das Siechtum des Festnetztelefons mit der weiteren Verbreitung von Handys, Surfsticks und Smartphone. Denn wozu sich doppelte Infrastrukturen für den selben Zweck leisten, wenn man eine hat. Ein möglicher Nachteil davon wäre allerdings der weiter zunehmende Elektrosmog. Das Festnetz könnte dann vielleicht nur noch als “Notnetz” bei Ausfällen dienen. Dieses Thema, seine Möglichkeiten und Aussichten wären mal eine ausgiebige Untersuchung wert.

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