Facebook Places:
Das Wichtigste zu Facebooks Location-Dienst (startet heute in den USA)

Facebook hat in der Nacht seinen lange erwarteten Location-Dienst Places vorgestellt, der noch heute für Nutzer aus den USA scharf geschaltet wird. Services wie foursquare, Gowalla und Yelp sitzen mit im Boot.

Aktualisiert 10:00 Uhr

Es ist eine der größten Produktinnovationen innerhalb der Facebook-Plattform seit langem, wenn man vom Open-Graph-Protokoll absieht: Facebook Places, der Location-Dienst des Social Networks, über dessen bevorstehenden Launch wir vor einer Woche berichteten. In der Nacht bereitete Facebook allen Gerüchten rund um Places ein Ende und stellte den Service, an dem acht Monate lang gearbeitet wurde, auf einer Veranstaltung am Firmensitz im kalifornischen Palo Alto offiziell vor.

Places soll laut Facebook-CEO Mark Zuckerberg drei Zwecke erfüllen: Es hilft Nutzern dabei, ihren Freunden mitzuteilen, wo sie sind, wer sich ebenfalls in der Nähe aufhält und was in der unmittelbaren Umgebung geschieht. Erreicht werden soll dies durch eine eigene Check-In-Funktionalität innerhalb von Facebook sowie durch eine neue, für Schreibrechte anfänglich geschlossene API für andere Location Based Services, um deren Nutzeraktivitäten bei Facebook integrieren zu können.

Für alle Facebook-Nutzer in den USA wird das neue Feature im Laufe des Tages zur Verfügung stehen – entweder über die Smartphone-Website http://touch.facebook.com oder über eine aktualisierte iPhone-Applikation. Besitzer anderer Mobiltelefone sowie Facebook-Anwender in Europa müssen sich hingegen noch etwas gedulden, sind aber in der Lage, die Check-Ins von US-Freunden zu sehen.

An einem beliebigen Ort eingecheckt wird über das neue “Places”-Menü, das einen Überblick über die jüngsten Check-Ins der eigenen Kontakte sowie existierende Orte in der Umgebung gibt. Der Check-In-Prozess läuft ähnlich wie von anderen ortsbasierten mobilen Diensten gewohnt über einen entsprechenden Check-In-Button. Jeder Ort besitzt eine eigene Profilseite. Einzelhändler, Gastronomen und andere physische Einrichtungen können eine von Nutzern angelegte Places-Profilseite beanspruchen. Nach einer Verifizierung erhalten sie die Möglichkeit, ihre bestehende Facebook Page mit der Places-Profilseite zu vereinen (mehr dazu hier).

Facebook Places auf dem iPad (Quelle: TechCrunch)

Check-Ins sind in der Standardeinstellung (mit einer Ausnahme) nur für Freunde sichtbar und erscheinen im Newsfeed auf der eigenen Profilseite, in den Aktivitätsfeeds der Facebook-Freunde sowie – das ist die Ausnahme – auf der Profilseite der Location in einer Übersicht über User, die sich aktuell gerade am jeweiligen Ort aufhalten. Wer hier nicht auftauchen möchte, kann dies in den Privatsphäre-Einstellungen deaktivieren.

Wer mit Freunden unterwegs ist, die nicht selbst mit ihrem Mobiltelefon einchecken, kann diese während eines Check-Ins taggen. Jedes Mal, wenn man auf diese Weise von anderen getaggt wird, erhalt man eine entsprechende Benachrichtigung. Das Einchecken von Freunden an Orten funktioniert nur dann, wenn man dort selbst ebenfalls den Check-In-Button betätigt hat. User, die sich unwohl dabei fühlen, wenn Freunde ihren Aufenthaltsort veröffentlichen, können dies vollständig deaktivieren.

Abgesehen von der Möglichkeit, Freunde zu taggen, lehnt sich Facebooks Check-In-Modus stark an der Funktionalität bestehender Location Based Services an. Als Nutzer von foursquare und Gowalla kommt mir die Funktionalität daher sehr vertraut vor.

Um sich User, die bereits Erfahrungen mit derartigen Check-In-Angeboten gemacht haben, als “Early Adopters” und Unterstützer des neuen Features zu Nutze zu machen, integriert Facebook zum Start von Places eine Reihe von Location-Startups wie die genannten foursquare und Gowalla, aber auch Yelp und Booyah (MyTown). Aus der Ferne ist es zwar schwierig, die genaue Art der Implementation für die einzelnen Services zu analysieren, aber das finale Ziel ist es, dass über diese Applikationen getätigte Check-Ins im Rahmen von Facebook Places dargestellt werden können.

Wenn ich also mit Gowalla in meinem Lieblingscafé einchecke, dann soll diese Aktivität auch auf der Places-Profil-Seite des Cafés bei Facebook erscheinen. Unklar ist mir momentan noch, ob umgedreht auch ein Facebook-Check-In bei dem Café als Check-In bei Gowalla übernommen wird. Der vorletzte Absatz in diesem Posting auf dem Facebook-Blog legt diese Schluss allerdings nahe und weist auch darauf hin, dass mir eine externe Location-App auch die Check-Ins meiner Facebook-Kontakte präsentieren kann.

Für die visuelle Darstellung von Standorten setzt Facebook auf Bing Maps von Microsoft und nicht auf das im Web sonst stärker verbreitete Google Maps (auch wenn der aus dem Facebook-Blog stammende Screenshot ganz oben rätselhafterweise eine Google-Karte zeigt). Verwunderlich ist dies angesichts einer strategischen Minderheitsbeteiligung von Microsoft an Facebook nicht.

Facebook Places scheint von der Funktionalität her das zu bieten, was man sich im Vorfeld erwarten konnte. Und während die Idee, seinen aktuellen Standort sämtlichen Freunden gegenüber offenzulegen, für einen Großteil der 500 Millionen Facebook-Nutzer sicherlich gewöhnungsbedürftig sein wird, wirkt es, als hätte Facebook (endlich!) aus Fehlern früherer Produkt-Lancierungen gelernt und als böte es, soweit sich das aus der Distanz beurteilen lässt, alle notwendigen Einstellungen, um größere Versäumnisse in puncto Datenschutz zu vermeiden (allerdings gibt es hierzu auch andere Meinungen).

Facebook wird die Art der Interaktion zwischen Menschen verändern sowie die Zahl spontaner Treffen mit losen Kontakten, die zufällig gerade in der Nähe sind, erhöhen – etwas, das mit den existierenden mobilen Netzwerkdiensten aufgrund ihrer geringen Anwenderzahlen nur selten eintraf, sofern man sich nicht rund um die Uhr in Berlin-Mitte oder an anderen Geek-Hotspots aufhielt. Ich bleibe daher bei meiner früher gemachten Aussage: Facebook Places ist der Durchbruch für Location Based Services.

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18 Kommentare

  1. Swen Wacker
    schrieb am 19. August 2010 um 07:17 Uhr (#)

    Warum ist oben in dem Bild eine google-Maps-Karte zu sehen, wenn der Dienst mit Bing daherkommen soll?

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 19. August 2010 um 07:24 Uhr (#)

    Eine berechtigte Frage, auf die ich leider keine gute Antwort habe. Bzgl. der Bing-Integration siehe hier.

    Der Screen ist aus dem Facebook-Blog. Entweder ist es ein Mockup und Facebook hat geschlafen, oder es war ursprünglich Google Maps integriert.

    1. Aaron
      schrieb am 19. August 2010 um 07:32 Uhr (#)

      wahrscheinlich wollen das iPhone und Bing maps nicht so recht zusammenarbeiten. Ich denke mal sonst überall wird dann auf Bing gesetzt.

  3. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 19. August 2010 um 07:44 Uhr (#)

    Sprich, Google Maps auf dem iPhone, Bing Maps bei Zugriff über herkömmliche Rechner? Möglich, wobei es dann ja doch nur eine halbe Integration von Bing Maps wäre…

  4. zatrix
    schrieb am 19. August 2010 um 08:28 Uhr (#)

    Ich schätze mal in der iPhone-App wird Google Maps genutzt, da es in iOS perfekt integriert ist. Bing zu implementieren auf eigene Faust ist wahrscheinlich sehr aufwändig könnte ich mir vorstellen.

  5. Sean Kollak
    schrieb am 19. August 2010 um 10:52 Uhr (#)

    Ich frage mich, warum mein letzter Kommentar (vom iPhone gesendet) nicht veröffentlicht wurde. Habe ich etwas falsch gemacht oder war er zu kritisch?

  6. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 19. August 2010 um 11:04 Uhr (#)

    Kommentare werden bei uns nicht gelöscht, weil sie kritisch sind. Ich habe noch einmal im Spam-Filter nachgeschaut – da hängt nichts. Ich weiß also nicht, was mit deinem Kommentar geschehen ist bzw. wieso er nicht veröffentlicht wurde.

    Eventuell ist es ein Bug des iPhone-Interfaces. Wir werden das mal checken.

    1. rob d
      schrieb am 19. August 2010 um 13:54 Uhr (#)

      Kann ich bestätigen. Habe schon mehrmals versucht vom iPhone aus zu posten. Beim Klick auf “Senden” ist aber nie was passiert. Noch nichtmal ne Meldung dass es nicht geklappt hat o.ä.
      Echt ärgerlich wenn man minutenlang am Handy-Display tippt und am Ende alles für die Katz war.

    2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 19. August 2010 um 14:03 Uhr (#)

      Danke, ich hab’s an die Technik weitergeleitet.

  7. Stefan Wolpers
    schrieb am 19. August 2010 um 11:08 Uhr (#)

    Hallo Martin, vielen Dank für den Verweis; habe zurück verlinkt. :)

  8. Sean Kollak
    schrieb am 19. August 2010 um 12:11 Uhr (#)

    Hätte mich auch sehr gewundert. Dann also vom PC:

    “Places ist für Facebook sicher ein Meilenstein, für meine Timeline aber ein Rückschritt. Bald muss ich wieder alle verbergen oder entfreunden, die mich mit ihrem aktuellen Aufenthaltsort belästigen. Wenn es wirklich wichtig ist, informiere ich mein Netzwerk per Statusmeldung. Für Werbetreibende sind Location Based Services eine Goldgrube. Für Nutzer (außer den Rabattjägern) jedoch nur nervig.”

  9. marco
    schrieb am 19. August 2010 um 12:29 Uhr (#)

    Was ist Deiner Meinung nach die Konsquenz für bestehende Dienste, die genau das machen? Gibt es irgendein Grund dass diese überleben können?

    Was bringt die Integration Derer? Eine höhere Userzahl kann es ja nicht sein :)

  10. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 19. August 2010 um 12:31 Uhr (#)

    Dazu kommt gleich ein Artikel ;)

  11. Swen Wacker
    schrieb am 19. August 2010 um 12:38 Uhr (#)

    Zum Thema Datenschutz:

    Ich habe mein Facebook-Profil aktualisiert und den folgenden Text dort gepostet. Vielleicht gibt es Sinn, wenn andere das auch machen. Es ist schon ein wenig ärgerlich, dass Facebook hier mal wieder keine zurückhaltende Kultur an den Tag gelegt hat, sondern die default-Einstellungen auf partielle Nacktheit hinauslaufen. Gerade beim Fremdeinchecken finde ich das blöd. Den Beitrag habe ich ergänzt um einen Foto, das die Einstellungen zeigt: http://picasaweb.google.d…#5507058757980857042

    Das schrieb ich bei Facebook:

    Facebook wird auch in Deutschland demnächst “Places” einführen. Darüber könnt ihr z.B. hier was lesen: http://netzwertig.com/201…et-heute-in-den-usa/

    Schon jetzt hat Facebook seine Privatsphäre-Einstellungen verändert. Bitte denkt daran, die neuen Einstellungen Euren Wünschen anzupassen.

    Geht dazu auf Konto -> Privatspäre-Einstellungen und öffnet dort “Benutzerdefinierte Einstellungen”

    Entscheidet Euch nun, ob die Einstellungen

    Mich im ‘Personen, die jetzt hier sind’-Abschnitt anzeigen nachdem ich angegeben habe, wo ich mich befinde

    und

    Freunde können angeben, dass ich mich an einem Ort befinde

    Euren Wünschen entsprechen.

    Ich persönlich, als Foursquare-Nutzer, habe nichts dagegen, wenn die erste Option auf sichtbar bleibt. Jedoch kann ich mir nicht im Ansatz vorstellen, dass das Fremdeinchecken irgendeinen Sinn gibt und habe deshalb diese Möglichkeit gesperrt.

    1. Paul
      schrieb am 19. August 2010 um 13:23 Uhr (#)

      Im Facebook Blogeintrag zu Places steht eindeutig, dass man beim ersten Fremd-Checkin neben der üblichen Benachrichtigung auch noch die Auswahl bekommt, die Möglichkeit des Fremd-Checkins dauerhaft zu deaktivieren.
      Zudem soll man in dem “Personen die jetzt hier sind”-Abschnitt nur über einen relativ kurzen Zeitraum auftauchen.
      In diesem Fall hat Facebook meiner Meinung nach die Privatsphäre-Einstellungen also durchaus sinnvoll gewählt, sie laufen keinesfalls auf “partielle Nacktheit” hinaus.
      Voraussetzung ist natürlich, dass alles auch wie angekündigt funktioniert …

  12. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 19. August 2010 um 13:26 Uhr (#)

    Ja ich sehe hier auch kein wirklich großes Problem. Foto-Tags waren immer Opt-Out, und niemanden hat es wirklich gestört. Location-Tags sind nichts anderes. Beides kann peinlich werden, aber eine gewisse Anforderung zur Eigenverantwortung von Facebook-Nutzern sehe ich hier auch. Eine regelmäßige Profilpflege gehört eben dazu, wenn man sich dazu entscheidet, Tags nicht zu deaktivieren.

  13. marco
    schrieb am 19. August 2010 um 14:17 Uhr (#)

    Ist irgendwie schon witzig, alle wussten es kommt. Aber jetzt wo es da ist, wird man sich dem ganzen erst bewusst…

    Finde es schon ziemlich beängstigend, dass FB sone Marktmacht hat, dass sie es sich leisten konnten Startups vorauszuschicken um mit viel Aufwand ein schlaues Konzept zu erarbeiten, ohne Angst haben zu müssen sie könnnten auch nur ansatzweise Probleme damit bekommen!

    Der Zeitpunkt war genau richtig, es kristalisierte sich heraus, was die User wollen, aber keiner ist genug gross geworden um gekauft werden zu müssen lol

  14. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 19. August 2010 um 14:19 Uhr (#)

    Ja ganz genau so ist es!

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