Chrome Web Store:
Warten auf die nächste
Google-Innovation
Bereits im Oktober will Google seinen Chrome Web Store starten, der das von Smartphones bekannte App-Prinzip auf den Browser überträgt. Mit einer extrem niedrigen Umsatzprovision will das Unternehmen Entwickler animieren, Chrome-Apps zu programmieren.
Im Mai berichteten wir erstmals über das Vorhaben des Internetkonzerns, einen App Store für den Browser zu entwickeln. Wie von Mobiltelefonen gewöhnt soll es so möglich sein, nach Kategorien geordnete, kostenlose sowie kostenpflichtige Anwendungen auszuwählen und innerhalb des Chrome-Browsers zu installieren.
Allerdings kommt es nicht zu einer tatsächlichen Installation von Software auf der Festplatte. Stattdessen wird lediglich eine Verknüfpung zu der jeweiligen Online-App angelegt, die auf gängigen Standards basiert (HTML5, JavaScript, Flash), jedoch eine größere Funktionsfreiheit als eine herkömmliche Website erhält, mit dem Browser zu interagieren.
Meine Vorfreude auf den Chrome Web Store basiert nicht unbedingt auf einer Erwartung, mit Chrome-Apps sensationelle Dinge anstellen zu können. Spannend an dem Vorhaben ist meines Erachtens nach vor allem die Tatsache, dass Google hier als Pionier agiert und erstmalig das von allen Smartphone-Nutzern verinnerlichte App-Prinzip in den Browser bringt, ohne dabei einen “Walled Garden” oder einen manuellen Freigabeprozess zu errichten und Entwickler in ein geschlossenes Ökosystem zu locken. Denn jede App kann als Website auch für andere Browsern wie Firefox oder Internet Explorer zur Verfügung gestellt werden.

Im Rahmen der derzeit in Köln stattfindenden Games Developer Conference wurden nun weitere Details zum Web Store bekannt. Die wichtigste Information: Bereits im Oktober soll das Projekt launchen, im September erhalten Entwickler notwendige Instruktionen.
Sehr überraschend kommt zudem die Nachricht, Google fordere lediglich fünf Prozent des Umsatzes der im Store verkauften Applikationen. Damit verabschiedet sich das Unternehmen von den im Apple App Store, aber auch im Android Market üblichen 30 Prozent und legt gleichzeitig die Basis für ein reges Interesse auf Entwicklerseite. Denn immerhin können diese bei einem Umsatz von 1000 Euro nun nicht 700 Euro sondern 950 Euro einbehalten.
Mit dieser äußerst niedrigen Provision signalisiert Google, dass das Entwickeln von in Browsern lauffähigen Web-Apps belohnt wird. Das Unternehmen nimmt sogar in Kauf, dadurch eine Attitude bei Programmiern zu fördern, die am Ende selbst dem eigenen Android Market schaden könnte. Wobei natürlich niemand ausschließen kann, dass Google auch dort die Umsatzbeteiligung von 30 auf fünf Prozent verringert. Für Apple wäre es ein Schlag ins Gesicht.

Wie erwartet kommt zur Abrechnung von kostenpflichtigen Applikationen Google eigenes Bezahlsystem Checkout zum Einsatz. Im ersten Halbjahr 2011 sollen zudem “In-App-Käufe” möglich gemacht werden, die angeblich auch andere Zahlungswege beinhalten.
Der Chrome Web Store kann zu einem großen Erfolg werden und Googles Browser Millionen neue Nutzer bescheren (was sicher einer der Beweggründe hinter dem Vorhaben ist). Er kann aber auch floppen, nämlich dann, wenn die Unterschiede zwischen einer Chrome-Applikation und dem Aufrufen der dazugehörigen Website zu gering sind, also wenn Usern kein echter Vorteil daraus entsteht, eine Anwendung zu “installieren”.

Leider hat Google mit seiner frühzeitigen Aufgabe der Weiterentwicklung von Google Wave ein bisheriges Privileg von Google-Diensten beerdigt, nämlich dass sich User einigermaßen sicher sein können, neue Services des Such- und Internetgiganten auf lange Zeit hin verwenden zu können.
Bisher war dies einer der großen Vorteile von Google-Angeboten im Vergleich zu kleineren Konkurrenten. Doch die neue Kurzatmigkeit hat den unangenehmen Nebeneffekt, dass zumindest ich mir jetzt schon vorab die Frage stelle, wie lange Google dem Chrome Web Store Zeit geben wird, um sich zu bewähren. Sechs Monate? Ein Jahr? Länger?
Mein Bauchgefühl sagt mir, dass der Chrome Web Store speziell in Kombination mit Googles anstehendem Betriebssystem Chrome OS sowie aufgrund des Vorhandenseins eines bequemen Zahlungssystems eine richtig runde Sache werden wird. Sicher bin ich mir jedoch noch nicht. In zwei Monaten, wenn die ersten Apps zur Verfügung stehen und somit nachvollziehbar ist, wo aus Anwendersicht die Vorteile von Apps gegenüber Websites liegen, wird man eine genauere Prognose über das Potenzial des Dienstes abgeben können. Bis dahin heißt es, geduldig zu sein!
Trotz meiner Vorfreude und des grundsätzlich offenen Ansatzes von Googles App Store will eine Frage aus meinem Kopf jedoch nicht verschwinden: Ist eine an einen speziellen Browser gebundene App-Lösung wirklich gut für die Zukunft des Internets? Immerhin entstünde so bei einem Erfolg des Chrome Web Stores ein erheblicher Lock-In-Effekt, der Nutzern die freie Browserwahl erschweren würde. Wünschenswerte wäre es somit eigentlich, wenn Google den Web Store auch für andere Browser zur Verfügung stellen würde. Was meint ihr?


























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Bin auch schon sehr gespannt, ob es den Entwicklern gelingen wird, zu kleinen Preisen Apps mit einem deutlichen Mehrwert gegenüber freien Websites anzubieten.
Ohne die anderen Browser kann ich mir einen Erfolg nur schwer vorstellen. Ich würde für sowas jedenfalls nicht meinen Browser wechseln (Chrome ist einfach zu gut).
an die kollegen von netzwertig bezüglich der debatte um onlinejournalismus und dem copy/paste/link/ua problemen ;)
http://www.tomscott.com/warnings/
-> weiter unten im text findet ihr neben der schöneren englischen version auch eine deutsche! ^^
Ich verstehe nicht, worauf du hinaus willst.
vor einiger zeit gab es dächte hier eine diskussion um das verhalten einiger autoren hinsichtlich deren umgang mit: quellenangaben, verlinken, copy paste usw von inhalten fremder personen.
viele texte könnte man mit diesen stickern brandmarken ;)
Stimmt. Gut, ich dachte schon, du wolltest hier unterschwellig etwas mitteilen…
Thx für den Link.
keine angst ;) kann bzw konnte dir damals in allen von dir angeführten punkten zustimmen!
Nein, das mit den anderen Browsern geht aus einem bestimmten Grund nicht und dieser ist HTML5.
Das schlimme ist W3C ist langsamer als die Realität und die Ratifizierung ist erst 2022 fertig. So lange kann die Internetwirtschaft nicht auf neue Funktionen warten.
Adobe würde für komplexe Mediale Funktionen weiterhin ein Monopol haben.
Wenn man aber sicher ist, dass der Nutzer Chrome einsetzt kann man viel früher auf die neuen Technologien setzen.
Ich wünsche mir daher eine Vormachstellung von Chrome, außerdem kann der Lock-In dann mit Chromium (BSD-Lizenz) umgangen werden.
Windows war auch eine Zeit lang ein Segen weil man wusste was der Nutzer einsetzt. Google kann aber diese Position nicht wie damals Microsoft missbrauchen.
mfg tolap
Ist denn sicher, dass der Web Store auch mit Chromium funktionieren wird? Wenn ja, dann hättest du natürlich recht – dann gäbe es ja immer eine Alternative zu Googles eigenem Browser, die Zugriff auf sämtliche Apps erlaubt.
Was HTML5 betrifft, ist ja wohl davon auszugehen, dass in Kürze alle führenden Browser einigermaßen auf einem einheitlichen Stand sind, oder? Sie hätten ja dann sogar einen Anreiz, nämlich, nur dann den Chrome Web Store integrieren zu können (der eventuell irgendwann von einem Großteil der User nachgefragt wird, sofern er zum Erfolg wird).
Genau das passiert ja gerade nicht, jeder macht wieder wie es ihm lustig ist.
Google Chrome: Momentan am weitesten, man muss sich nur mal chromeexperiments.com anschauen.
Mozilla Firefox: Fängt an Funktionen zu implementieren, scheint aber etwas träge.
Internet Explorer: Neueste Version soll HTML können, ist aber noch nicht auf dem Markt. Macht auch viel wie es Microsoft eben in den Kram passt (wie immer, halten sich ja nie an Standards).
Safari: Soll auch tolle HTML5 funktionen haben, die Beispiele auf Apple.com gehen aber bisher ausschließlich mit Safari (typisch Apple).
Opera: Weiß ich nix genaues drüber aber ähnlicher Sachverhalt vermutlich.
Google hatte ja genau auf dieses Theater keine lust mehr und hat daher einen eigenen Browser auf den Markt gebracht. Gerade in Sachen Speed wollte man ja zuerst die anderen unter Druck setzen. Microsoft und Apple (mit ihren Apps) hatten ja bisher ein Interesse daran, dass Browseranwendungen nicht konkurrenzfähig zu klassischen Applikationen sind.
mfg tonlap
Die meisten Beispiele auf chromeexperiments.com gehen auch im Opera 10.6
So beeindruckend ich den Umfang und die Vielfalt Googles zwar finde, viel mehr warte ich auf Verbesserungen und Erneuerungen der bereits bestehenden Google-Innovationen: Etwa auf die Möglichkeit zu Unterordnern in Google Lesezeichen. Oder auf die auch für Normalsterbliche einsehbare Möglichkeit, Videos in Playlists von Youtube zu löschen. Mit der aktuellen Umstellung von Youtube komme ich nämlich partout nicht mehr darauf, wie das geht. Ich habe mittlerweile leider den Eindruck, dass die hohe Zahl ständig neuer Dienste Googles zu Lasten der Sorgfalt bei ihrer Entwicklung und Weiterentwicklung geht.
Hi,
Kenne ein paar wichtige Leute bei M$ etc und keiner inkl mir versteht warum nach den tollen erfolgen mit android jetzt chrome os kommt. ” how can one so stupid to develop two systems….” ich verstehe es nicht weil es waere der grosse showdown und so faehrt man das ding an die wand …..
Die Frage ist, wie viel die Meinung von wichtigen Leuten bei Microsoft im Bezug auf Chrome Web Store und Chrome OS wert ist ;)