Kostenloses Betriebssystem für Netbooks:
Jolicloud bringt die Cloud
auf den Desktop

Wer ein Netbook besitzt, nutzt dies mit großer Wahrscheinlichkeit primär zum Surfen im Web. Das kostenlose Betriebssystem Jolicloud bringt die Cloud auf den Desktop.

Allzu lange dürfte es nicht mehr dauern, bis Google sein Cloud-Betriebssystem Chrome OS an den Start schicken wird. Bisher wurde stets der Herbst 2010 als Launchtermin genannt. Doch wer nicht mehr warten will oder sich bewusst von einem weiteren Tool aus dem Hause Google fernhalten möchte, hat mit Jolicloud bereits heute eine Alternative.

Jolicloud ist ein kostenloses Cloud-Betriebssystem des gleichnamigen französischen Unternehmens. 2008 hatte Netvibes-Gründer Tariq Krim die Idee zu einem OS mit enger Integration des Webs. Mitte Juli wurde der offizielle Startschuss für die finale Version 1.0 des auf Linux basierenden OS gegeben, die jeder Nutzer eines Netbooks ab sofort gratis herunterladen und installieren kann.

Eine Übersicht der unterstützen Geräte gibt es hier. Jolicloud weist darauf hin, dass der Einsatz des Tools auch auf anderen Netbooks und Notebooks möglich ist, in diesem Fall werde jedoch kein Support geleistet.

Gestern habe ich Jolicloud zum ersten Mal im Einsatz gesehen und war sofort begeistert. Dem Jolicloud-Team ist es gelungen, die von herkömmlichen Betriebssystemen bekannte Komplexität nahezu vollständig zu entfernen.

Als iPhone-Nutzer fühlte ich mich sofort auf der mit HTML5 erstellten Oberfläche heimisch: Applikationen werden mit großen, am Raster ausgerichteten Icons dargestellt und über mehrere Bildschirme verteilt, zwischen denen man am unteren Seitenrand navigieren kann. Auch andere grafische Elemente erinnern an moderne Smartphone-Betriebssysteme.

Als Cloud-OS sieht Jolicloud es als seine primäre Aufgabe an, Anwendern schnellen und unkomplizierten Zugang zu Onlinediensten zu verschaffen. Diese erreicht man entweder über den vorinstallierten Chromium-Browser (quasi Chrome ohne Google-Branding), oder über eine von 700 eigenständigen Applikationen, die über ein integriertes App-Verzeichnis erreicht werden. Ähnlich wie beim iPhone lassen sich Anwendungen mit einem Klick installieren oder entfernen.

Leider bietet Jolicloud keine Auflistung der angebotenen Anwendungen, aber so wie ich dies überblicken könnte, sind ein Großteil der populärsten Apps verfügbar (Skype, Dropbox, Seesmic, Evernote usw.).

Die Mehrzahl der Apps haben einen klaren Onlinebezug, einige lokale, Linux-basierte Anwendungen wie beispielsweise OpenOffice gibt es aber auch. Kostenpflichtige Applikationen sind mir nicht begegnet, aber als Teil von Joliclouds zukünftigem Geschäftsmodell sicher nicht auszuschließen. Auch das Installieren von weiterer Linux- und Windows-Software (letzteres mit Hilfe der Applikation “Wine”) soll möglich sein. Als Zusatzfeature bietet Jolicloud auch eine soziale Komponente, die neue Apps von Jolicoud-Kontakten anzeigt.

Nun beschränkte sich meine Jolicloud-Erfahrung gestern auf einige Minuten des Ausprobierens und kann somit nicht als ausführlicher Test gewertet werden. Dennoch erhielt ich den Eindruck eines sehr intuitiven, übersichtlichen und äußerst attraktiven Betriebssystems, das nicht nur ideal für internetaffine Netbook-Besitzer ist, sondern aufgrund seiner Simplizität und des Fehlens unnötiger Optionsmenüs auch für weniger versierte Computerbenutzer in Frage kommen könnte.

Ich würde behaupten, dass jeder, der sich auf dem iPhone zu Hause fühlt, auch bei Jolicloud schnell heimisch wird.

Für alle Windows-Nutzer, die Jolicloud ausprobieren möchten, gibt es den Jolicloud Windows Installer, der das OS als virtuelle Festplatte auf der Windows-Partition installiert.

Link: Jolicloud

Es folgt ein Video, das Jolicloud in Aktion zeigt

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12 Kommentare

  1. gis
    schrieb am 12. August 2010 um 09:40 Uhr (#)

    Ah, doch noch ;) Beim Lesen ist mir übrigens aufgefallen, wie selbstverständlich ich die (übrigens in der Art erst seit der V1.0) so gestaltete GUI bediene. Ich glaube, man kann schon fast von einer “Smartphonisierung” sprechen. Wetten, dass demnächst viele Interfaces so aussehen werden – einfach, weil ein grosser Teil der User mit Android/iPhone usw. vertraut(er) sind. Die Chromium Builds, die ich angetestet habe, sehen nämlich ebenfalls so aus: grosse Icons, mehrere Bildschirme.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 12. August 2010 um 09:42 Uhr (#)

    Der Einfluss des iPhones ist überall zu sehen ;)

    Was meinst du mit “ah, doch noch”?

    1. gis
      schrieb am 12. August 2010 um 09:51 Uhr (#)

      Hatte ich Dir nicht in den kommentaren einmal Jolicloud empfohlen? Als Du nach einem neuen Notebook suchtest?

    2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 12. August 2010 um 09:52 Uhr (#)

      Ah :) Ja ich kannte ja Jolicloud schon vorher, hatte nur bisher keine Möglichkeit, es zu testen.

      Meine eigene Notebook-Kaufentscheidung habe ich auch noch nicht getroffen, aber ich glaube, es wird ein 13,3 Zoll-Gerät, also klein klassisches Netbook. Die sind mir einfach zu winzig.

  3. OleS
    schrieb am 12. August 2010 um 09:45 Uhr (#)

    Gerade bei langsamen Netbooks wäre mal interessant zu wissen wie flott das Betriebssystem ist. Das ist ja meiner Meinung nach das größte Manko an den Windows Systemen, ansonsten gibt es daran ja eigentlich nichts spezielles auszusetzen.

    1. gis
      schrieb am 12. August 2010 um 09:50 Uhr (#)

      Bootzeit auf meinem doch schon älteren Eee 901 +/- 60 Sek. – kommt drauf an, wie schnell ich bei der Passworteingabe bin ;) Ansonsten läuft Jolicloud recht flott, besser jedenfalls als alle Ubuntu- und Moblin-Distros, die ich vorher drauf hatte. Viel hängt dann logischerweise auch von der Qualität der Internet-Verbindung ab. Offline lassen sich logischerweise nur die paar lokal installierten Anwendungen wie Open Office oder VLC z.B. nutzen.

  4. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 12. August 2010 um 09:55 Uhr (#)

    Also bei dem Gerät, das ich gestern getestet habe, war die Geschwindigkeit von Jolicloud recht ähnlich der von Windows – könnte aber damit zu tun haben, dass es ja parallel installiert war.

    Allerdings erschien mir das Wechseln zwischen offenen Apps flotter als bei meinem Windows-Notebook (und das Testgerät war nen recht schwaches Compaq Netbook). Insofern war das recht positiv.

    Primär war es aber das Optische und die App-Funktionalität, die es mir angetan haben.

    1. OleS
      schrieb am 12. August 2010 um 10:15 Uhr (#)

      Welches Windows System hattest du denn zum Vergleich?

  5. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 12. August 2010 um 10:57 Uhr (#)

    XP

  6. Norman
    schrieb am 12. August 2010 um 13:54 Uhr (#)

    Sieht für mich der Netbook Edition von Ubuntu sehr ähnlich.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 12. August 2010 um 14:17 Uhr (#)

      Sieht auch gut aus!

  7. Herbie
    schrieb am 13. August 2010 um 13:35 Uhr (#)

    Ich hatte mir das mal auf mein altes Macbook gespielt (geht problemlos, trotz Netbook-untypischer 1280×800 Auflösung), gefiel mir ganz gut.

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