Geoblocking:
Ein Zaun mit Löchern

Geoblocking ist ein Ärgernis für viele Internetnutzer, die gerne Medieninhalte im Netz konsumieren. Doch VPN-Dienste machen den virtuellen Zaun um einzelne Länder löchrig.

Wer viel im Netz surft und gerne Medieninhalte online konsumiert, wird früher oder später mit Geoblocking konfrontiert. So nennt sich ein Verfahren, durch das Aussperren spezifischer IP-Adressen User aus bestimmten Ländern den Zugriff auf eine Website zu verweigern. In der Regel kommt Geoblocking auf Sites zum Einsatz, die urheberrechtlich geschütztes Material anbieten, jedoch nur die Rechte für ausgewählte Länder besitzen.

Bekannte und populäre Dienste, die auf Geoblocking setzen und ihre Services nur in einzelnen Märkten verfügbar machen, sind z.B. Hulu, Netflix, Pandora, Spotify, Zattoo (in D-A-CH jedoch verfügbar), nello (nur CH), Voddler, rdio oder bei einzelnen Videos auch YouTube.

Ein zunehmend eingesetzter Weg, Geoblocking zu umgehen und sich Zugang zu im eigenen Land eigentlich nicht verfügbaren Inhalten zu verschaffen, sind kostenpflichtige VPN-Dienste, welche die Internetverbindung über ein externes Netzwerk leiten und Usern eine dazugehörige (ausländische) IP-Adresse spendieren.

Auf diesem Weg können sich beispielsweise Anwender aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine US-IP-Adresse zulegen und somit auf Hulu oder Pandora zugreifen.

Zwar gibt es auch Gratisanbieter, die entsprechende VPN-Lösungen bereitstellen, wie Hotspot Shield oder Free VPN, aber deren Angebote sind in der Regel mit störenden Werbeeinblendungen verbunden und agieren teilweise nur im Schneckentempo, was wenig Spaß bereit und zudem keine gute Voraussetzung ist, um beispielsweise trafficintensive Videostreams anzuschauen.

Kostenpflichtige VPN-Services existieren zwar schon lange, aber zumindest mein subjektiver Eindruck ist, dass diese in letzter Zeit wie Pilze aus dem Boden schießen, was ein deutliches Indiz dafür ist, dass immer mehr User entsprechende Leistungen nachfragen, um sich der virtuellen Grenzziehung im Internet zu widersetzen – zumal die Verbindung via VPN legal ist, selbst wenn betroffene Webanbieter mitunter versuchen, derartige Zugriffe zu unterbinden.

So blockiert der TV-Streaming-Service Zattoo beispielsweise die IP-Adressen des VPN-Dienstes SwissVPN. Dennoch hat mir ein Konto bei dem Schweizer Anbieter im Sommer gute Dienste geleistet, da ich so in Kombination mit der iPhone-Applikation von BlickTV die WM-Spiele auf meinem iPhone und iPad streamen konnte (hier in Schweden gibt es keine entsprechende TV-App).

Häufiger erwähnt wurde in der deutschen Blogwelt jüngst auch BlackVPN (hier und hier gibt es Rabatt-Codes), das unter anderem britische und US-IPs im Angebot hat und damit Video- bzw. Musikkonsum über Hulu, Netflix oder Pandora genauso möglich macht wie Streaming über den BBC iPlayer.

Neben BlackVPN gibt es mittlerweile Dutzende ähnliche Services, wie eine Google-Suche nach “vpn services” offenbart. Für manche Nutzer von Interesse könnten auch die zwei VPN-Tools Ipredator und relakks sein, die Usern eine schwedische IP-Adresse überstülpen und somit Zugriff auf den Musikdienst Spotify (der auch über britische IPs erreichbar ist) und den Videoservice Voddler erlauben.

Dass Anbieter von Streamingdiensten auf Geoblocking setzen, ist nachvollziehbar, basieren ihre Verträge mit den Rechteinhabern doch darauf, dass das Streaming lediglich in den vereinbarten Märkten erfolgt. Würden sie dem nicht Folge leisten, wären sie vermutlich schnell ihre Rechte los. Dass es aber überhaupt zu einer Begrenzung der Onlinerechte auf bestimmte Länder kommt, ist eine Ärgernis für viele User und widerspricht der globalen Struktur des Internets.

Mit der zunehmenden Verbreitung von VPN-Services erhält der um einzelne Länder gezogene digitale Zaun jedenfalls immer mehr Löcher. Während die Anbieter die IP-Adressen auffällig gewordener VPN-Provider zwar sperren können, vermittelt allein die große Zahl solcher Dienste den Eindruck eines Kampfes gegen Windmühlen.

Der dadurch entstehende Druck auf Rechteinhaber, ihren Content global verfügbar zu machen, ist zu begrüßen. Die Globalisierung macht vor Medieninhalten nicht halt. Was bei klassischen Fernseh- und Radiosendern mit regionaler oder nationaler Beschränkung noch probemlos möglich war, erscheint im digitalen Zeitalter einfach nicht mehr zeitgemäß – und drängt User nicht nur in die Kriminalität (Stichwort illegale Downloads), sondern ist auch eine verpasste Umsatzchance.

Ein Beleg dafür: Vor zwei Wochen verhalf ich zwei Bekannten aus Deutschland zu jeweils einem halben Jahr Spotify-Premium und zahlte dafür 120 Euro, die sie mir überwiesen. Zuvor hatten sie wochenlang vergeblich versucht, die Beschränkung auf Zahlungswege aus den sieben Spotify-Ländern zu umgehen. Im Klartext: Sie wollten jeweils 60 Euro für sechs Monate Musikstreaming bei Spotify zahlen, durften dies aber nicht…

(Foto: stock.xchng)

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

Mehr lesen

Linkwertig: Hulu, Drohnen, Post Privacy, Webvideopreis

28.5.2013, 0 KommentareLinkwertig:
Hulu, Drohnen, Post Privacy, Webvideopreis

Die Deutsche Bahn will Graffiti-Sprüher mit Drohnen jagen und mehr.

Linkwertig: Netzneutralität, Hulu, Fan Fiction, YouTube

27.5.2013, 0 KommentareLinkwertig:
Netzneutralität, Hulu, Fan Fiction, YouTube

Yahoo bleibt in Kauflaune und hat als nächstes Hulu ins Visier genommen und mehr.

21.1.2013, 8 Kommentare"Mega"-Rückkehr:
Die Chance der TV-Sender, Kim Dotcom diesmal einfach auszukontern

Ein Jahr nach der vorübergehenden Festnahme von Kim Dotcom und dem vorläufigen Ende seines Dienstes Megaupload hat die Unterhaltungsindustrie immer noch wenig aus ihren Fehlern gelernt - und findet keine Antwort auf den Neustart des Cloud-Speichers Mega.

Musikstreaming: Der Preiskampf von Spotify und Apple ist eine gute Nachricht für Musik

21.10.2014, 8 KommentareMusikstreaming:
Der Preiskampf von Spotify und Apple ist eine gute Nachricht für Musik

Mit dem nun angekündigten „Familientarif“ senkt Spotify de facto seine Preise. Von Apple ist derweil zu hören, dass sie den Monatstarif für ihren angekauften Dienst „Beats Music“ halbieren wollen – dem müssen allerdings die Musiklabels zustimmen. Was wie ein harter Preiskampf aussieht, ist in Wirklichkeit eine notwendige Korrektur.

Feature Overload: Spotify sollte seine App entbündeln

16.9.2014, 6 KommentareFeature Overload:
Spotify sollte seine App entbündeln

Die Ausgliederung einzelner Funktionen in separate Apps ist derzeit in Mode und kommt bei Nutzern nicht immer gut an. Im Bereich der Musik-Streaming-Apps aber wäre eine solche Strategie für alle involvierten Parteien eine Bereicherung.

Die Telekom und die Spotify-Trafficbefreiung: Warum einfach, wenn es auch richtig kompliziert geht

23.7.2014, 9 KommentareDie Telekom und die Spotify-Trafficbefreiung:
Warum einfach, wenn es auch richtig kompliziert geht

Telekom-Nutzer mit einem entsprechenden Tarif glaubten, bei der Nutzung von Spotify ihr Inklusiv-Datenvolumen nicht anzutasten. Sie kannten die verschiedenen Ausnahmen nicht, die es seitens der Telekom gibt. Der Konzern scheint nicht anders zu können, als Produkte unnötig zu verkomplizieren.

Berliner Security-Startup im Rausch: ZenMate debütiert mobile Apps, erreicht 5 Millionen Nutzer, steht vor Kapitalspritze

29.8.2014, 5 KommentareBerliner Security-Startup im Rausch:
ZenMate debütiert mobile Apps, erreicht 5 Millionen Nutzer, steht vor Kapitalspritze

ZenMate bietet Usern eine unkomplizierte Lösung, um sich mit erhöhter Sicherheit und Anonymität im Netz zu bewegen. Ab jetzt steht der bisher nur für Chrome und Opera angebotene Service als App für iOS und Android bereit. Auch sonst läuft es gut für die Berliner.

Simon Specka von ZenMate: \

28.4.2014, 1 KommentareSimon Specka von ZenMate:
"Wir wollen das Norton Antivirus für den Online-Schutz werden"

Derzeit bietet der aus Berlin stammende Dienst ZenMate nur ein Chrome-Plugin zum anonymen und verschlüsselten Surfen. Doch das Startup hat eine große Vision: Es will mindestens 100 Millionen Nutzer erreichen und sich als eine der bekanntesten Marken im Segment von Online-Privacy und -Security etablieren.

ZenMate startet erfolgreich: 17.000 Nutzer verschlüsseln 1.300 Gbyte Daten am Tag

30.7.2013, 13 KommentareZenMate startet erfolgreich:
17.000 Nutzer verschlüsseln 1.300 Gbyte Daten am Tag

Das Debüt des Berliner Startups ZenMate ist gelungen. 1.300 Gbyte an Daten wurden am gestrigen Montag mittels der bislang 25 Server an fünf Standorten weltweit verschlüsselt. Marketing machen die Hauptstädter keins.

Privatsender-Lizenzen kosten zu viel: Magine begrenzt erwartungsgemäß das Gratis-Angebot

5.9.2014, 2 KommentarePrivatsender-Lizenzen kosten zu viel:
Magine begrenzt erwartungsgemäß das Gratis-Angebot

Seit dem Start im April 2014 bot der Internet-TV-Dienst Magine in Deutschland das gesamte Senderpaket kostenfrei an, inklusive der großen Privatsender. Jetzt ist damit Schluss. Künftig muss bezahlen, wer mehr als die öffentlich-rechtlichen Kanäle schauen möchte.

\

23.7.2014, 3 Kommentare"Blue Button":
Schweizer Werbe- und Startup-Allianz will TV-Spots aus der Steinzeit holen

Millionen Menschen schauen Fernsehprogramme mittlerweile über das Internet. Doch in den Werbeblöcken wird das sich daraus ergebende Potenzial bislang komplett vernachlässigt. In der Schweiz soll sich das jetzt ändern: Ein Technologie-Startup, der führende Werbevermarkter sowie drei Streaming-Services machen dazu gemeinsame Sache.

Kein Verstoß gegen die Netzneutralität: Wenn man über etwas jubelt, das eigentlich selbstverständlich ist

28.5.2014, 4 KommentareKein Verstoß gegen die Netzneutralität:
Wenn man über etwas jubelt, das eigentlich selbstverständlich ist

In Chile dürfen Mobilfunkprovider ihren Kunden nicht mehr kostenfreien Zugang zu spezifischen Apps bieten. Und Zattoos Kooperation mit E-Plus in Deutschland verzichtet auf eine Befreiung vom Datenverkehr. In einer Ära, in der die Netzneutralität stetig unter Druck steht, freut man sich schon über Selbstverständlichkeiten.

8 Kommentare

  1. Die Formulierung “drängt User nicht nur in die Kriminalität” stößt mir sauer auf. Ich halte Geoblocking und nur regionale Lizenzierung zwar auch für unzeitgemäß, aber deshalb muss ich mich dennoch an Gesetze halten.

    Mal im Ernst, in die Kriminalität wird dadurch keiner “gedrängt”. Wenn jemand stiehlt, um nicht hungern zu müssen, dann passt die Formulierung. Aber doch nicht bei Musik und TV-Serien! <– Und beides ist mir wirklich wichtig.

    Ergänzen sollte man noch, dass VPN-Dienste gerade für Nutzer öffentlicher WLANs (etwa in Cafés) interessant sind. Verschlüsselte Datenverbindungen sorgen dafür, dass Dritte dort den Datenstrom nicht auslesen und etwa Passwörter stehen können. Bei der Gelegenheit: Über den Leichtsinn bei der Nutzung von öffentlichen WLANs sollte mal ein eigener Artikel veröffentlicht werden.

  2. Die BBC nicht zu vergessen, die ihr exzellentes Online-Angebot weitgehend nur für Briten zugänglich macht.

  3. Für gesperrte Videos (also in Deutschland gesperrte Videos) auf YouTueb benutze ich normalerweise einfach nur einen einfachen Web-Proxy. ;)

    greez

    • Und wie oft plagst du dich mit Geschwindigkeits-Problemen herum, bzw. wie oft musst du den Proxy wechseln, weil er nicht mehr funktioniert?

      Oder du hast einen echten Glücksfall gelandet. Meine Erfahrungen mit über einschlägige Sites auffindbaren Proxies sind sehr schlecht.

  4. Es ist ein Zeichen der Unfähigkeit der Manager. Wenn Teenager eine Anleitung erstellen wie man iTunes US außerhalb der USA nutzen kann, sollten sie aufwachen. Man will bezahlen darf aber nicht. Vielleicht sollte mancher von Harvard sein Geld zurück fordern.

    BlackVPN funktioniert für mich aus irgendeinen Grund nicht.

  5. Am traurigsten an der Sache ist ja, dass User bezahlen wollen, aber das Produkt trotzdem nicht bekommen können. Wenn mans trotzdem haben will, bleiben nur “illegale” Methoden übrig. Analog auch der Android Market.

  6. Mir fällt auf, dass gesperrte Internetvideos in diesem Zusammenhang am häufigsten genannt werden. Wundert mich nicht – ist das erste, woran ich selbst gedacht habe. Dann erinnere ich mich an frühere Zeiten zurück, in denen man noch schön “in der ganzen Welt” rumsurfen konnte, ohne dass es zu irgendwelchen Sperren kamm. Ich habe allerdings die Befürchtung, dass dieser Trend noch lange anhält und es auf lange Sicht daher schlimmer wird.

6 Pingbacks

  1. [...] seinen Rechner verloren und verliert ebenfalls jede Privatsphäre. (tags: copyright p2p hadopi) Geoblocking: Ein Zaun mit Löchern « Geoblocking ist ein Ärgernis für viele Internetnutzer, die gerne Medieninhalte im Netz [...]

  2. [...] – Geoblocking: Ein Zaun mit Löchern (tags: geoblocking [...]

  3. [...] Geoblocking: Ein Zaun mit Löchern [...]

  4. [...] mir an dieser Stelle, denn dazu hat Mitte der Woche erst Martin Weigert von netzwertig.com einen lesenswerten Artikel geschrieben. Nur so viel: Bei Hinweisen wie “Dieses Video ist in Deinem Land nicht [...]

  5. [...] Daten sollten über sämtliche Zugangsanbieter (zumindest in einem geografischen Markt – obwohl Geoblocking sehr unerfreulich ist) erreichbar sein und weder von Providerseite noch von Anbieterseite (wie im aktuellen Beispiel) [...]

  6. [...] VPN-Dienste für nur in spezifischen Ländern angebotene Onlineinhalte erledigen (Stichwort “Geoblocking“), versucht BringWasMit.de mit physischen Produkten.Nutzer, die an einem spezifischen, in [...]