Xing:
Fehlende Drittanbieter-Verknüpfungen werden zum Handicap

Xing steht eine herausfordernde Zukunft bevor. Doch während sich der Hamburger Dienst verstärkt auf seine Kernmärkte fokussiert, sollte er einen Aspekt nicht vergessen: Die Integration in externe Dienste. LinkedIn ist da Meilen voraus.

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In der vergangenen Woche stieß ich auf diesen Artikel mit dem Titel “Kippt Xing?”, in dem Blogger Enno Park die Frage aufwirft, ob sich die Marktsituation für das im deutschsprachigen Raum und einigen europäischen Ländern führende soziale Netzwerk für Geschäftskontakte zunehmend verschlechtert.

Enno Park führt als Gründe für seine (rhetorische) Frage nicht nur die steigende Zahl von Kontaktanfragen an, die er beim Wettbewerber LinkedIn (von Personen aus dem deutschen Sprachraum) erhält, sondern argumentiert auch mit einem (nur bedingt aussagekräftigen) Alexa-Graph, der den globalen Aufstieg von LinkedIn visualisiert – was angesichts von über 70 Millionen LinkedIn-Mitgliedern und etwas über neun Millionen Xing-Usern auch nicht verwunderlich ist.

Auch die Facebook-Dominanz sieht Park als potenzielle Gefahr, nicht nur für die Zukunft von Xing, sondern für das Fortbestehen von speziell für den professionellen Bereich gedachten Netzwerken generell.

Ich teile Parks Argumentation, dass die kommenden Monate und Jahre für Xing zu einer Herausforderung werden, auch wenn ich der Überzeugung bin, dass der Lock-In-Effekt in den Kernmärkten groß genug ist, um auch länger gegen die direkte US-Konkurrenz sowie gegen eventuelle Vorstöße von Facebook in den Business-Bereich zu bestehen.

International ist der Zug ohnehin abgefahren, viele Wahlmöglichkeiten bezüglich seiner Strategie bleiben dem Hamburger Unternehmen somit ohnehin nicht. Es muss ganz einfach alles daran setzen, die bestehenden (sowie neuen) Mitglieder in den Kernmärkten bei Laune zu halten und ihnen das Gefühl zu geben, bei Xing gut aufgehoben zu sein.

Mein persönlicher Eindruck ist, dass dies in vielerlei Hinsicht auch gut klappt. In einem Punkt jedoch verspüre ich immer öfter eine Frustration und eine große Unzufriedenheit mit Xing: Die fehlende Integration des Netzwerks bei Drittanbietern.

Heute wollte ich beispielsweise Silentale ausprobieren, einen französischen Service, um Kontakte von verschiedenen Social-Web-Diensten unter einem virtuellen Dach zu vereinen. Das Erstellen einer Verbindung mit LinkedIn war natürlich möglich, mit Xing leider nicht.

Gleiches gilt für den virtuellen Visitenkartendienst flavors.me, den beliebten Miniblog-Service Posterous, den Profilaggregator chi.mp, den Onlinespeicher- und Kollaborationsdienst Box.net sowie für die führenden Twitter-Clients Seesmic und TweetDeck: Alle erlauben die Integration von LinkedIn-Funktionen oder den Import von LinkedIn-Kontakten, lassen Xing-Mitglieder jedoch enttäuscht zurück. Und das waren nur einige Beispiele, es ließen sich mit Sicherheit Dutzende weitere finden.

Nun ist die Tatsache, dass für internationale Startups eine Unterstützung von LinkedIn höhere Priorität hat als die des deutlich kleineren Konkurrenten Xing, keine Überraschung. Und Lichtblicke gibt es mit der Xing-Implementierung in das großartige Outlook-Plugin Xobni (wobei LinkedIn früher mit an Bord war) oder direkt in den Outlook Social Connector ja.

Dennoch frage ich mich, wieso Xing sich nicht stärker ins Zeug legt, um bei möglichst vielen, auch außerhalb der Kernmärkte aktiven Applikationen eingebunden zu werden – die Xobni-Funktion inklusive OAuth-Autorisierung zeigt ja, dass die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen sind.

Womöglich sind die strengen deutschen Datenschutzgesetze ein Grund. Andererseits: Was mit Xobni geht, sollte auch an anderer Stelle machbar sein.

Für mich sieht der Fall so aus: Mit jedem Dienst, der mir den Zugriff auf LinkedIn erlaubt, aber Xing nicht einmal kennt, werde ich ein Stück näher zu dem US-Netzwerk gezogen, obwohl mein Herz eigentlich für den Hamburger Konkurrenten schlägt.

Doch das Internet ist nun einmal global und viele Xing-Mitglieder werden auch die ein oder andere Webanwendung einsetzen, die nicht aus einem der Xing-Länder stammt. Sehen sie dort stets nur den Button von LinkedIn aber keinen von Xing, ist dies der beste Weg, um sie dem US-Anbieter direkt in die Hände zu spielen.

Xing wäre gut beraten, dafür zu sorgen, bei möglichst vielen beliebten Social-Web-Services einen Integrationspunkt zu schaffen. Sonst besteht tatsächlich die Gefahr, dass Xing kippt. Nämlich dann, wenn es die Bedürfnisse seiner Mitglieder aus den Augen verliert, sobald diese bei Xing auf “Ausloggen” klicken.

Update:
Xing hat uns prompt folgende Stellungnahme geschickt:

Wir sind uns darüber im Klaren, dass es wichtig ist, das Business-Netzwerk dort anzubieten, wo der Nutzer sich in seinem geschäftlichen Alltag aufhält. Zum Beispiel im Outlook (das XING-Outlook-Plugin gibt es schon lange, das Plugin für den Social Connector kommt bald, Xobni-Integration seit Mai) oder auch mit neuen respektive überarbeiten Versionen für mobile Endgeräte. Diesen Kurs werden wir auch weiter fortsetzen.

Wir wissen, dass für unsere Nutzer XING als sicheres Netzwerk von höchster Bedeutung ist und wir nehmen das Thema Sicherheit & Datenschutz daher sehr ernst.  Nicht zuletzt deswegen haben wir einen anderen Weg gewählt, als unsere API-Dokumentation einfach offenzulegen. Sinnvolle Anfragen an die entsprechende E-Mail-Adresse bearbeiten wir natürlich grundsätzlich, Teil jeder Kooperation ist aber auch immer ein ausführliches Review im XING Sicherheitsrat, wo u.a. Operations, QA und auch der Datenschutzbeauftragte des Unternehmens vertreten sind.

Das heißt aber nicht, dass wir nicht systematisch eine Öffnung der Plattform an bestimmten Punkten in Angriff nehmen. Der kürzlich gestartete Share-on-XING-Button wäre dafür ein Beispiel; es folgen demnächst weitere.

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12 Kommentare

  1. Stefan63
    schrieb am 3. August 2010 um 15:06 Uhr (#)

    Sehe ich sehr ähnlich. Xing lässt den Zug abfahren, die ständig Newsletter und Promotionnachrichten nerven nur, die Foren schlafen ein.

    Ich bin unterdessen weitgehend in meinen Blog, auf Facebook und in andere Communities ausgewandert.

    siehe Endlich: XING stellt Empfehlungs-Button zur Verfügung – Aber das kann nur der Anfang sein

  2. Thilo Specht
    schrieb am 3. August 2010 um 15:19 Uhr (#)

    Ja, LinkedIn ist besser vernetzt.
    Dafür ist es, rein auf den deutschen Markt bezogen, zu teuer, zu unübersichtlich (Navigation ist ein Albtraum), zu irrelevant. Das weiß Xing.

    Das Unternehmen arbeitet zudem an der Vernetzung. So wurde kürzlich das Äquivalent zum FB-Like-Button eingeführt. Problem: Das war wieder einmal nichts ganzes und nichts halbes, kompliziert in der Handhabung, unfertig und bisher nur für Geeks interessant (Wen es interessiert: Habe die Funktionalität in cluetrainpr.de eingebaut, zu finden unter jedem Posting).

    Was fehlt sind aus meiner Sicht ordentliche Clients für Smartphones. Nehmen wir WebOS: Ok, geringer Marktanteil, dafür relativ “leicht” zu entwickeln, weil Webtechnologie. Das Synergiekonzept hätte für Xing perfekt gegriffen. LinkedIn war – konsequent – von Anfang an integriert, Xing ist auch nach diversen Updates nicht drauf. Blöd. Es wäre ein Killerfeature, die Kontaktinformationen immer aktuell im Adressbuch, sowie Xing-Events schon im Kalender eingetragen zu haben.

    Auch die seit gestern (?) verfügbare Android-App scheint noch einige Probleme zu machen und langsam zu sein. Das ist nicht gut.

    Für Xing ist es noch nicht zu spät, solange LinkedIn nicht kräftig an der eigenen Plattform nachbessert und das pricing überdenkt. Sollte das geschehen, könnte es die Zeitenwende einläuten.

  3. Joachim Graf
    schrieb am 3. August 2010 um 15:20 Uhr (#)

    Das Zur-Verfügung-Stellen der API ist bei Xing so restriktiv, dass man manchmal meint, in der Dienstleistungsrealität der DDR zurück gekehrt zu sein: Ist man nicht GROSS und WICHTIG, dann muss man mehr als nur betteln, um gnädig akzeptiert zu werden. Von einem offenen System ist Xing weit entfernt. Das kann dazu führen, dass irgendwann sich auch die Wohlmeinenden abwenden

  4. Tim
    schrieb am 3. August 2010 um 15:23 Uhr (#)

    Ich bin sehr froh darüber, dass meine Daten, die ich in Xing gespeichert habe, dort bleiben und nicht auf anderen Webseiten auftauchen. Falls ich das möchte, kann ich das immer noch selber dort speichern.
    Xing sehe ich hier im Gegensatz zur Datenschutz-Katastrophe Facebook … und so sollte es auch bleiben.

  5. Thomas
    schrieb am 3. August 2010 um 15:47 Uhr (#)

    Jeder ist selber verantwortlich wie er mit seinen Daten umgeht. Auch bei Facebook kann alles eingestellt werden.

    Ich finde es schade das Xing nicht mehr tut. Das zeigt aber auch wieder die Arroganz von deutschen Unternehmen. “Wir suchen uns aus, mit wem wir arbeiten” Traurig, und wenn es so weiter geht wird es auch bald der Untergang von Xing sein. Ich bin jetzt schon kaum noch aktiv auf Xing würde es aber sicher wieder verstärkt nutzen wenn ich meine anderen Aktivitäten mit Xing kombinieren könnte. Ein “share on xing” Button tut es da nicht.

  6. Dominik
    schrieb am 3. August 2010 um 17:30 Uhr (#)

    Das Thema hatte ich schon auf der ersten re:publica vor drei Jahren mit einem Entwickler von Xing besprochen. So wie das damals klang (und es auch das Geschrei mit der xwitter-Xing/Twitter-API bestätigt hat) scheint innerhalb der Firma ein Gezerre zwischen den “OMG Datenschutz!” und den Leuten, die eine offene API begrüßen würden, zu geben.

    Tatsächlich ist das ja auch in den Kommentaren immer wieder zu sehen, die zu den Themen in den Blogs auftauchen – die beiden Positionen gibt es dann auch außerhalb. Es ist trotzdem erstaunlich, daß gerade die, die am lautesten “Datenschutz!” schreien, es trotzdem ganz toll finden, ihre LinkedIn-Kontakte mit dem iPhone synchronisieren zu können.

  7. Stephan
    schrieb am 3. August 2010 um 20:20 Uhr (#)

    …ich würde das Handicap eher darin sehen, worin die Tools wie XiButler ihren Nutzen ziehen: Der digitale Umgang mit Kaltkontakten. So kann jeder jeden (als Recruiter) bis zu 50 Nachrichten an alle senden, die den PN Versand nicht unterbunden haben. Und ich kann kontakten, bis ich stolz an der 10.000er Marke bin. Daraus ergibt sich die Flut von Eventeinladungen und ähnliches, die man erst bekämpfen muss. Und nicht jeder möchte das.

    Die technischen Vorteile von LinkedIn brauche ich nicht zu erwähnen.

    Im Bezug zu dem Post fällt mir noch Amazon und WordPress ein. besonders den Blog auf der Seite zu haben finde ich sehr nett.

    @ Dominik: Ich glaube kaum, dass das Geschrei in den Foren als empirische Grundlage dienen kann. Sind doch irgendwie dieselben 50 – 100 Mann, die als PowerUser kaum als Basis für 9 Mio. Mitglieder stehen können.

    Insgesamt interessante Tendenzen.
    Liebe Grüße

    Stephan

  8. Walter
    schrieb am 3. August 2010 um 22:09 Uhr (#)

    “Gefühlt” erhalte ich zunehmend Anfragen über LinkedIn. Man hat den Eindruck, als würden sich die vorausschauenden User schon mal in Richtung des langfristig stabileren und v.a. offeneren Netzwerks verschieben.

    Den Lock-In eines Business-Netzwerks halte ich für relativ klein: Ist man nicht gerade auf Stellensuche oder im Vertrieb, dann kann man einen Wechsel wohl relativ schmerzlos verkraften.

  9. andy lenz
    schrieb am 4. August 2010 um 18:45 Uhr (#)

    ClosedBC halt ;)

    interessant auch, dass es sogar dienste gibt die xing-kontakte per screenscraping aus der schweiz auslesen, um diese dann im eigenen crm oder adressebuch anzeigen zu können. bei jeder infrastrukturänderung ärgern sich die scrapper natürlich, weil sie den crawler umbauen müssen ;)

    ich schätze xing wird seine closed-policy bedingt durch userforderungen, sich häufende firmenanfragen, posts wie diese und den linkedin wachstum in D. bald lösen.

  10. Stephan
    schrieb am 9. August 2010 um 11:07 Uhr (#)

    Nach Sinnert, Park und Netzwertig nimmt Gründerszene das Thema jetzt auf.

    Genauso wie ich findet Gründerszene, dass die rigideren Einstellungen zur Privatsspäre Mitauslöser sind.

    Parallel versuche ich die zwei Running Gags, zu teuer und mangelnde Ergonomie aufzubereiten, die immer wieder genannt werden.

    Liebe Grüße
    Stephan

  11. Alexander Stocker
    schrieb am 9. August 2010 um 23:24 Uhr (#)

    Was mich an Xing besonders stört ist die Tatsache, dass man bei allen Gruppenaktivitäten keine Statistiken auf einen Blick angezeigt bekommt. Das machen Scribd und Slideshare viel besser – wär mir kurzfristig viel lieber, als Integration in andere Dienste.
    Wenn ich nicht messen kann, wieviele Aufmerksamkeit meine Beiträge haben, warum soll ich dann Beiträge schreiben…

  12. Peter
    schrieb am 17. Januar 2011 um 17:34 Uhr (#)

    Mit Elepost gibt es ein neues Tool, das die Xing-Nutzung automatisiert und mit dem man Profile in eine eigene Datenbank laden kann – nicht nur zur Sicherung

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