Startups:
CoboCards gewährt tiefe Einblicke

Der Aufruf zu mehr Transparenz bei Startups zeigt Wirkung: Das Aachener Startup CoboCards gibt tiefe Einblicke in die Entwicklung seines digitalen Karteikarten-Dienstes.

Ja, ich gebe es zu: Natürlich hegte ich die Hoffnung, dass sich nach meinem Appell an Startups, offener mit Kennzahlen umzugehen, junge Webunternehmen bei uns melden und einen transparenten Einblick in ihre Entwicklung geben würden. Schön, dass das geklappt hat!

Am schnellsten war CoboCards, ein Startup aus Aachen, dessen Dienst zum (gemeinsamen) Lernen mit digitalen Karteikarten wir im Januar 2009 hier vorstellten. Im September vergangenen Jahres hatte sich auch imgriff.com, unser Schwesterblog rund um Produktivitätsthemen, die Tools des Aachener Unternehmens näher angeschaut.

CoboCards-Geschäftsführer Ali Yildirim entschied sich nach dem Lesen meines Transparenz-Aufrufs dazu, den Lesern von netzwertig.com einen detaillierten Einblick in die quantitative und wirtschaftliche Entwicklung des Startups zu geben und wichtige Kennzahlen zu veröffentlichen. Er geht dabei sogar weiter, als es mir in meinem Artikel vorschwebte, und nennt konkrete Zahlen zum Gewinn.

CoboCards ging im Mai 2008 online, seit April 2009 gibt es den Service auch auf Englisch. Als Geschäftsmodell hat die junge Firma das Freemium-Konzept gewählt: In der Gratis-Variante können Nutzer maximal drei Kartensätze zu beliebigen Themen anlegen und erhalten grundlegende Formatierungs-, Export- und Druckfunktionen.

Die Pro-Variante kostet fünf Euro pro Monat und enthält bei längeren Vertragslaufzeiten Rabatte. Dafür gibt es unbegrenzt viele Kartensätze und zahlreiche Zusatz-Features rund um das Exportieren, Drucken und Tauschen mit anderen. Angeboten werden zudem Applikationen für iPhone und Android, die jeweils einmalig 2,99 Euro kosten.

Finanziert wird CoboCards durch Gelder aus der Existensförderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (96.400 Euro) sowie durch das Preisgeld aus dem Businessplanwettbewerb start2grow (25.000 Euro). Seed- oder Venturekapital wurde bisher nicht in Anspruch genommen.

Es folgt eine chronologische Übersicht über die Entwicklung des Dienstes, über Nutzerzahlen sowie wichtige Meilensteine:

  • Mai 2008: CoboCard startet als “Wir-gehen-online-und-schauen-was-passiert-Nebenprojekt” mit einem Designer und einem Informatiker.
  • März 2009: 2.500 registrierte Nutzer.
  • April 2009: 20 Prozent der Nutzer sind englischsprachig.
  • Juli 2009: 7.500 registrierte Nutzer, Kartenbestand 317.000.
  • Januar 2010: Gründung der GmbH.
  • Februar 2010: 18.000 registrierte Nutzer, eine Million Karten.
  • Februar 2010: Ende der Beta-Phase, Einführung der kostenpflichtigen Premium-Version.
  • Februar 2010: Launch der iPhone-Applikation, 60 Prozent der Entwicklungskosten wurden bisher wieder eingespielt.
  • April 2010: Launch der Android-Applikation. Die Nachfrage ist geringer als die nach der iPhone-App, bisher wurden weniger als 100 Stück verkauft – aber mit der zunehmenden Popularität von Android dürfte auch die Nachfrage nach der App zunehmen.
  • Mai 2010: Rund 700 User, die sich nie eingeloggt haben, werden im Rahmen einer Datenbankbereinigung gelöscht. 20.000 registrierte Nutzer, 1,3 Millionen Karteikarten.
  • Juni 2010: 22.000 registrierte Nutzer, 1,6 Millionen Karteikarten.
  • Juli 2010: Verlage zeigen Interesse an einer Kooperation, mit zwei wurden Verträge abgeschlossen, weitere sind in der Pipeline.

In den letzten fünf Monaten wurde ein Gewinn von 3.720,15 Euro erwirtschaftet.

Ich muss zugeben, dass ich mich bisher kaum mit der Idee von CoboCards auseinandergesetzt habe, was primär darauf zurückzuführen ist, dass ich einige Zeit vor dem Launch des Dienstes mit meinem Studium fertig war und anschließend nicht mehr zur Zielgruppe gehörte.

Doch nachdem ich im Rahmen dieses Artikels einen näheren Blick auf den Dienst geworden habe, der übrigens auch eine API für Entwickler anbietet, bleibt (trotz meiner grundsätzlichen Aversion gegenüber dem mechanischen, stumpfen Lernen von Studieninhalten) ein sehr positiver Gesamteindruck.

Wer CoboCards einfach mal ausprobieren möchte, kann im Pool das Archiv fertiger Karteikarten durchsuchen.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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5 Kommentare

  1. Ein mutiger Schritt von CoboCards, wie ich finde! Veröffentlichungen der eigenen Zahlen dürfte anderen sehr helfen, die über eine Gründung nachdenken – oder ihnen endlich vor Augen führen, dass eine Gründung viel Zeit und Durchhaltevermögen erfordert und das Konzept stimmig sein muss, damit es funktioniert.

  2. Auf jeden Fall schon mal gute Werbung. Kannte den Dienst nicht und konnte ihn prompt einer wieder studierenden Bekannten empfehlen.

    Hut ab natürlich auch für den Schritt der Veröffentlichung. Transparenz siegt langfristig immer, so meine naive Überzeugung.

  3. Yeah for CoboCards! Grandios, dass ihr diesen Schritt nun wirklich gegangen seid, Glückwunsch!

  4. Bin über diesen Artikel auf den service aufmerksam geworden! Klasse, vor allem in Kombination mit der Android-App!!

  5. ähnelt http://www.bingocardcreator.com/ von Patrick McKenzie, der auch jede Gelegenheit nutzt seine Erfahrungen und Zahlen zu teilen:

    Interview:
    http://mixergy.com/patrick-mckenzie-interview/

    Blog:
    http://www.kalzumeus.com/

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