Völkerverständigung per iPhone:
lookji statt Esperanto

Wie verständigt man sich mit Menschen, deren Sprache man nicht beherrscht? Wenn es nach der iPhone-App lookji geht, über Symbolbilder. Eine faszinierende Idee.

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Ob es noch immer Menschen gibt, die an den großen Durchbruch der Weltsprache Esperanto glauben? Wahrscheinlich. Wer aber die Hoffnung aufgegeben hat und sich dennoch mit Völkern rund um den Globus verständigen möchte, muss nach Alternativen suchen. Eine könnte der Einsatz von Bildsprache sein.

Genau das dachte sich die Leipziger look! GmbH und veröffentlichte mit lookji eine iPhone-Applikation, die das Unternehmen als “mobiles Bilder-Esperanto” bezeichnet. Mit der Anwendung lassen sich aus 800 unterschiedlichen Piktogrammen simple Sätzen kombinieren, die anschließend per Mail versendet oder anderen Menschen direkt auf dem Bildschirm gezeigt werden können, um sich trotz unterschiedlicher Sprachen verständlich zu machen.

Die bunten Icons mit den verspielten Symbolen sind in die drei in den meisten Sprachen etablierten Kategorien Subjekt-Prädikat-Objekt eingeteilt. Ein lookij-Satz besteht aus maximal vier Piktogrammen, idealerweise jeweils aus einem Subjekt, einem Prädikat, einem Objekt und einem Satzzeichen.

Um das schnelle Auffinden der gesuchten “Wörter” zu ermöglichen, sind diese nach Art, Tätigkeit bzw. Themenverwandtschaft gruppiert. Zu Anfang dauert das Zusammenstellen etwas länger, aber nach einiger Zeit gewöhnt man sich an das zugrunde liegende Ordnungssystem und das Kreieren des Bilder-Esperantos geht schneller von der Hand.

Nachdem man einen Satz fertiggestellt hat, wird dieser durch einen Klick auf das E-Mail-Symbol direkt als Screenshot in eine neue versandbereite Mail integriert. Wer sich stattdessen gerade irgendwo in Mexiko, Italien oder Indien aufhält, ohne die lokale Sprache zu verstehen, der kann sein iPhone im Querformat halten und so die maximal vier Piktogramme nacheinander in vergrößterter Ausführung zeigen, um beispielsweise nach einem nahegelegenen Supermarkt oder Museum zu fragen.

Ich weiß nicht, ob es bereits vergleichbare Dienste gibt. Für mich ist eine solche Umsetzung des Gedankens, Völker mit Hilfe von Symbolbildern kommunizieren lassen, zumindest neu – und begeistert mich.

Immer mehr Menschen führen ein Smartphone mit sich. Was liegt da näher, als eine Sammlung von Piktogramme in digitaler Form in der Hosentasche zu haben, um sich auch in Situationen verständigen zu können, in denen die mündliche Kommunikation an ihre Grenzen stößt oder schlicht unmöglich ist.

Ob lookji in der Praxis auch tatsächlich funktioniert, konnte ich bisher im größere Stil noch nicht testen. Ein Mehrzahl der verwendeten Symbole dürfte zwar von den meisten Menschen erkannt werden, aber die ein oder andere etwas obskure Abbildung ist mir auch aufgefallen.

lookji gibt es als Applikation auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Chinesisch und Japanisch und kann momentan auf iPhone, iPod Touch und iPad eingesetzt werden. Apps für andere mobile Plattformen sowie eine Browserversion sind in Arbeit.

Die Gratisvariante lookji free enthält 300 Icons, die Vollversion kostet eigentlich 0,79 Euro, ist aber bis Freitag ebenfalls kostenlos im App Store zu finden!

Link: lookji

Update: Stephan Dörner weist auf Twitter auf eine weitere Applikation mit ähnlicher Funktionalität hin: ICOON von der Berliner Designschmiede Amberpress.

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9 Kommentare

  1. xconroy
    schrieb am 21. Juli 2010 um 20:01 Uhr (#)

    Erinnert mich an Zlango.

    Und dürfte auch das gleiche Problem teilen: Verben, Adjektive, Präpositionen usw. lassen sich tatsächlich mit einer relativ geringen Zahl Symbole (= mit einer geringeren, als es entsprechende Wörter gibt) verständlich darstellen – aber Substantive?

    Für ne Nischen-linguafranca wird`s eher nicht reichen, dafür fehlt das Alleinstellungsmerkmal.

    (interessant wäre es, wenn eine Symbolsprache sich irgendwie organisch entwickeln würde… das wäre mmn die einzige Möglichkeit für einen Erfolg – Englisch hat sich ja auch nicht als Plansprache durchgesetzt, sondern aufgrund äußerer Umstände. Aber welche solche Umstände sollten zu einer “natürlichen” Symbolsprache führen? Dazu müßte man bestenfalls abwarten, ob und wann Chinesisch Englisch als Weltsprache ablöst und wie die Westler damit umgehen, dabei könnte sowas emergieren…)

  2. Leander Wattig
    schrieb am 21. Juli 2010 um 22:50 Uhr (#)

    Da muss ich an dieses echt nützliche “globale Bilderwörterbuch” denken, das mir schon gute Dienste geleistet hat – sehr zu empfehlen:

    http://www.icoon-book.com/icoon.html

    Die iPhone App hab ich noch nicht ausprobiert – vielleicht ist das ja auch was …

  3. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 22. Juli 2010 um 08:11 Uhr (#)

    Jep ist am Artikelende auch verlinkt.

  4. Leander Wattig
    schrieb am 22. Juli 2010 um 09:24 Uhr (#)

    Oh sorry, hab ich wohl übersehen …

  5. helga
    schrieb am 24. Juli 2010 um 13:27 Uhr (#)

    hey leute, hab die anwendung gerade ausprobiert und sie funktioniert sehr gut. es lassen sich 12 bilder in einem satz darstellen. die darstellung der substantive funktioniert auch!
    das bildesperanto weißt eine eigene grammatik auf (spo).
    finde diesen app sehr bemerkenswert!!!
    weiter so…

  6. Walter Klag
    schrieb am 27. Juli 2010 um 09:07 Uhr (#)

    Mit Leuten aus der ganzen Welt Esperanto reden ist immer noch lustiger als eine elektronische Prothese benützen.

  7. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 27. Juli 2010 um 09:09 Uhr (#)

    Das zweifel ich nicht an. Sei froh, dass du es kannst :)

  8. Marc Marius Müller
    schrieb am 16. August 2010 um 13:13 Uhr (#)

    Viele Dank Martin für einen weiteren nützlichen App-Tipp.

  9. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 16. August 2010 um 13:22 Uhr (#)

    Gern!

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