Flipboard:
iPad-Newsreader mit der
Lizenz zum Beeindrucken

Flipboard ist ein neuer sozialer Newsreader für das iPad, der die Stärken des Apple-Tablets mit denen des Social Webs kombiniert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

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Wenn US-Blogger-Ikone Robert Scoble einen neuen Webservice in den Himmel lobt, dann hat das nicht unbedingt viel zu bedeuten, denn er macht es gerne und häufig. Bei der neuen, kostenlosen iPad-Applikation Flipboard, die er in diesem Artikel vorstellt und mit Lobpreisungen überhäuft, könnte er aber gar nicht so falsch liegen – zumal heute Morgen ohnehin die gesamte US-Tech-Szene über den Dienst aus der Facebook-Stadt Palo Alto berichtet.

Flipboard bezeichnet sich als “Social Magazine” für das iPad. Die Anwendung importiert von Freunden bei Facebook und Twitter empfohlene Artikel und stellt diese zusammen mit einer personalisierbaren Auswahl von Inhalten von Partnerseiten in Form eines aus 3×3 Quadraten (=Quellen) bestehenden Rasters dar.

Durch Antippen der bezogenen Quellen öffnen sich diese und präsentieren die verfügbaren Inhalte in einer Art Zeitungslayout, in dem sich mit den vom iPad gewohnten Fingergesten navigieren lässt. Flipboard erlaubt zudem das Abonnieren einzelner Twitter-Accounts oder ganzer Twitter-Listen – was speziell das bisher unter seinen Möglichkeiten gebliebene Listen-Feature von Twitter erheblich aufwerten könnte.

Artikel werden jeweils mit den ersten Absätzen dargestellt und lassen sich durch erneutes Antippen in ganze Länge anzeigen. Unter jedem Beitrag stellt Flipboard sämtliche Tweets dar, die auf den jeweiligen Text verweisen. Wer mag, was er liest, kann dies ebenfalls direkt twittern oder bei Facebook favorisieren.

Nach meinen ersten Tests zu urteilen sieht Flipboard nicht nur unheimlich gut aus, sondern bedient sich leicht und intuitiv. Leider scheint die momentane Aufmerksamkeit die Server des Dienstes übermäßig zu beanspruchen, einige Minuten lang enthielten alle meine Quellen den Hinweis “no content”.

Sämtliche in Tweets enthaltenen Links werden von Flipboard extrahiert und zumindest mit einigen Absätzen dargestellt . Hier könnte es zukünftig zu Konflikten mit den Contentproduzenten kommen, da Flipboard ihren Content (teilweise) importiert, aber keinen Beitrag zur Monetarisierung leistet. Das läuft bei klassischen RSS-Feeds zwar ähnlich, aber anders als diese noch immer in der Nische verharrenden Tools spricht Flipboard aufgrund seiner Aufmachung und Benutzerfreundlichkeit eine breite Masse an und könnte damit nennenswerte Veränderungen der Nutzungsmuster von Usern hervorrufen.

Andererseits werden Nutzer stehts auf die Originalseite des Inhalts weitergeleitet, sofern sie den kompletten Artikel lesen möchten, insofern bekommen die Contentersteller trotzdem ihre Seitenaufrufe und Werbeeinblendungen.

Momentan erhalten nur die etwas mehr als drei Millionen Besitzer eines iPads Zugriff auf Flipboard, weshalb die Anwendung vorläufig selbst zu einem Nischendasein verdammt ist. Unter iPad-Besitzer dürfte Flipboard allerdings sehr schnell eine signifikante Verbreitung finden, da es als erste Anwendung eine gelungene Kombination aus Echtzeit-Newsreader, Link-Aggregator, Onlinemagazin und Twitter-Listen-Tool darstellt, toll aussieht, keine Werbung enthält und zudem noch kostenlos angeboten wird – disruptivere Eigenschaften kann eine für den Konsum von Onlineinhalten gedachte iPad-Applikation kaum aufweisen.

Flipboard erinnert mich ein wenig an Paper Pile, einen RSS-Reader fürs iPad, der Feeds im Zeitungslayout darstellt, wirkt jedoch einige Zacken hochwertiger. [Update:] Parallelen in der Funktionsweise gibt es auch zu browserbasierten Twitter-Link-Aggregatoren wie The Twitter Tim.es und Paper.li, wie Leser Frank Hamm in einem Kommentar anmerkt. [Update Ende]

Ich möchte mir vorbehalten, meinen ersten, sehr positiven Eindruck nach einer längeren Testphase revidieren zu können, falls bisher nicht ersichtliche Schwächen auftauchen. Da die App aber ohnehin gratis angeboten wird und mit Sicherheit mindestens einige Minuten eurer Zeit wert ist, spreche ich hiermit eine klare Download-Empfehlung aus.

Link: Flipboard, Flipboard-App (iTunes-Link)

Hier ein Video, das die Funktionsweise von Flipboard beschreibt.

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14 Kommentare

  1. Frank Hamm
    schrieb am 21. Juli 2010 um 08:48 Uhr (#)

    Erinnert mich etwas an http://twittertim.es/ oder http://paper.li/ – allerdings da “nur” im Browser, nur mit Twitter sowie nicht mit dem Look & Feel des iPad. Dort nutze ich auch die Listenfunktion z.B. http://paper.li/fwhamm/socialmediapr

    1. Khamelion
      schrieb am 21. Juli 2010 um 10:27 Uhr (#)

      Und welcher von den Diensten ist eher zu empfehlen?
      Habe bei der Recherche auch noch Rivva Social entdeckt

    2. Walter Schärer
      schrieb am 22. Juli 2010 um 10:46 Uhr (#)

      Mir gefällt Paper.li auch sehr gut, der Twitter-Stream wird visuell überraschend gut umgesetzt. Daneben ist TwitterTim.es doch eher fad.

      Und das ganze ist offen für Jedermann, nicht nur für iPads.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 21. Juli 2010 um 09:14 Uhr (#)

    Stimmt, es geht in diese Richtung. Könnt ich glatt noch in den Artikel einbauen, danke für den Hinweis!

  3. andy lenz
    schrieb am 21. Juli 2010 um 09:24 Uhr (#)

    BURNER! genau was ich brauche! die kollegen sitzen bei uns auch schon an einer news dazu, aber leider “over capacity” die kiste… tippe die app wird extrem schnell durch die decke gehen bzw. ist sie ja schon ;)

  4. Sebastian
    schrieb am 21. Juli 2010 um 10:10 Uhr (#)

    Great, beim Einloggen auf Facebook: “Flipboard os over capacity”.

  5. Annubis
    schrieb am 21. Juli 2010 um 10:25 Uhr (#)

    kann dieser dienst/app sich mit dem google reader verbinden? ich habe dort all meine 200 feeds eingespeichert und die von hand rüberzubeamen wäre ein wenig viel arbeit?

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 21. Juli 2010 um 11:10 Uhr (#)

      Nein, momentan wird kein RSS-Import ermöglicht.

      Primär geht es bei Flipboard auch definitiv um den Social-News-Charakter, sprich, die Artikel, die von deinen Fb- und Twitter-”Freunden” geshared wurden.

  6. Jan
    schrieb am 21. Juli 2010 um 10:48 Uhr (#)

    Erinnert mich auf den ersten Blick vom Aussehen her auch ein wenig an Times (Mac Newsreader). Wunderbare App!

    http://www.acrylicapps.com/times/

  7. MacMacken
    schrieb am 21. Juli 2010 um 12:38 Uhr (#)

    Schade, dass es sich um keine eigenständige App handelt, sondern offensichtlich (fast) alle Daten via Flipboard-Server fliessen … was sich nun in ungenügenden Server-Kapazitäten ausdrückt.

  8. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 21. Juli 2010 um 12:42 Uhr (#)

    Das hat teilweise damit zu tun, dass Flipboard sich Inhalte von den von Nutzern empfohlenen Sites abholt. Ich wüsste nicht, wie man das ohne zentralen Server realisieren kann.

    Ich denke mal, einen Tag mit Serverproblemen kann man bei einer App, über die innerhalb weniger Stunden quasi jeder etwas gebloggt hat, und die einen entsprechend großen Ansturm verzeichnet, durchaus entschuldigen. So viel Geduld muss sein ;)

  9. Paul
    schrieb am 21. Juli 2010 um 23:06 Uhr (#)

    Großartige App,so hab ich mir Twitter immer gewünscht. Ich hoffe die entwickelt sich gut weiter, könnte mir da auch eine Bezahlversion vorstellen, da sie ja auch recht viel über eigene Server machen.

    Was ich mir noch wünschen würde ist eine globale Timeline, die Twitter, Facebook und die andren Feeds zusammen anzeigt, die Möglichkeit dazu hab ich bisher nicht gefunden. Zudem fehlt auch die Möglichkeit Beiträge sinnvoll als gelesen zu markieren.

    Trotzdem sehr beeindruckend, bitte mehr davon!

  10. Dominik
    schrieb am 24. Juli 2010 um 10:53 Uhr (#)

    Die Musik in dem Video hört sich sehr nach Stromberg an!

  11. Robert Jacobi
    schrieb am 21. September 2010 um 11:27 Uhr (#)

    War anfangs auch begeistert, benutze es seither aber kaum mehr. Habe mir mal überlegt, warum – und hier die Ergebnisse aufgeschrieben: http://sociallymobile.wor…never-use-flipboard/

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