Errungenschaft oder Albtraum:
Check-In per Gesichtserkennung
Was erhält man, wenn man Check-In-Dienste mit Technologien zur Identifikation von Gesichtern kombiniert? Die Möglichkeit zum Check-In per Gesichtserkennung. Zumindest glaubt das Investor und Milliardär Mark Cuban.
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Ende Juni beschrieb ich, wie mit Hilfe von Multitasking und Geofencing mobile ortsbezogene Internetanwendungen in Zukunft womöglich nicht mehr auf den manuellen Check-In der Nutzer an bestimmten Orten angewiesen sein werden, sondern stattdessen einfach im Hintergrund laufen und den aktuellen Aufenthaltsort der User überwachen – der manuelle Check-In-Prozess hat ohnehin den Nachteil, von Anwendern ein zu großes und vorem regelmäßiges Engagement zu erfordern, was ein Grund für die verschwindend geringen Nutzerzahlen von Check-In-Pionier foursquare in Deutschland sein könnte.
Eine Woche später beleuchtete ich die potenziell tiefgreifenden Auswirkungen auf die Gesellschaft, die Innovationen im Bereich der digitalen Gesichtserkennung nach sich ziehen können. So ist es bereits heute theoretisch möglich, durch einen Abgleich der auf einem Foto abgelichteten Person mit Profilbildern bei Social Networks einen Namen zum Gesicht auf dem Originalfoto zu erhalten. Ein praktischer Einsatz findet bisher jedoch noch nicht statt, oder ist zumindest nicht öffentlich bekannt.
Was geschieht nun, wenn man diese zwei Konzepte – ortsbezogene Check-In-Dienste sowie die digitale Erkennung von Gesichtern – miteinander kombiniert? Richtig, der automatisierte Check-In mit dem eigenen Gesicht.
Genau diese Idee beschreibt US-Milliardär, Dallas Mavericks-Besitzer und Internetunternehmer Mark Cuban in einem Blogeintrag rund um ein aktuelles Investment, das er gerade getätigt hat.
Das von Cuban mit Kapital ausgestattete, namentlich nicht genannte Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, die anhand eines Kamerabilds aus dem Stand die darauf versammelte Anzahl an Menschen bzw. Objekten beziffern kann. Hilfreich sei das beispielsweise im Kontext von Verkehrs- oder Sicherheitsüberwachung, so der erfahrene Investor. Nun arbeite das Startup darauf hin, im Rahmen der Kameraaufnahmen an wichtigen Verkehrsknotenpunkten eingesetzt zu werden.
In den folgenden Ausführungen spannt Cuban den Bogen zu Location Based Services und erläutert, wie mit Hilfe einer derartigen Infrastruktur und Technologie (Kamera plus Objekt- und Gesichtserkennung) der manuelle Check-In über foursquare & Co an einem beliebigen Ort bald Geschichte sein könnte – stattdessen gäben Nutzer einem entsprechenden Dienst ihr Einverständnis, sich per Videobild und Gesichtserkennung identifizieren und in der jeweiligen Location einchecken zu lassen.
Eine tragende Rolle in einem solchen Prozess sieht Cuban bei Facebook, welches seiner Ansicht nach als Datenbank mit 500 Millionen Nutzerprofilen der ideale Partner wäre, um bei der Identifizierung der aufgenommenen Gesichter zu helfen.
Wer häufiger hier vorbeischaut, weiß, dass ich nicht zur Kategorie derjenigen gehöre, die Datenschutz allein aus Prinzip als die größte Errungenschaft der Menschheit verteidigen. Einen entsprechenden Mehrwert vorausgesetzt bin ich für viele technologische Spielchen offen, selbst wenn sie (freiwillig in Kauf genommene) Einschränkungen der Privatsphäre erfordern.
Trotzdem fühle ich mich bei dem Gedanken an einen Gesichts-Check-In überhaupt nicht wohl. Einerseits, weil er allgegenwärtige Kameras voraussetzt, andererseits, weil er das Gefühl eines zu großen Kontrollverlusts mit sich bringt. Im Vergleich zu Cubans Vision wirkt eine Smartphone-App, die im Hintergrund meinen Aufenthaltsort überwacht und die ich per Knopfdruck deaktivieren kann, unglaublich harmlos. Vielleicht ist der Blogeintrag auch nur Mark Cubans subtile Art, eine derartige “Background-Location”-Funktion als friedlichen Heilsbringer zu etablieren. Eventuell hat er ja selbst bei einem entsprechenden Dienst seine Finger oder zumindest sein Geld mit im Spiel.
(Foto: stock.xchng)


















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Erinnert mich sehr an die Ad-Szene aus Minority Report, personalisierte Werbung durch Netzhautscan: http://www.youtube.com/watch?v=nQbVD5hlddk
Erschreckend, dass manche Menschen aus Profitversprechen solche Gedanken wirklich in die Tat umsetzen.
Hoffen wir mal, dass die Firma einen bescheidenen Erfolg hat…
Anwendungen mit Gesichtserkennung halte ich für unvermeidlich und für eine logische Weiterentwicklungen. Deshalb rege mich darüber nicht auf.
Für Check-In-Dienste ist ein solches Verfahren aber nicht nur unnötig aufwendig, sondern birgt die Gefahr der Verwechslung in sich. Über eine im Hintergrund laufende App auf dem Smartphone lässt sich das einfacher und genauer realisieren.
Nebenbei: Aktives Check-in hat keine Zukunft, weil es unnötigen Aufwand bedeutet, den man sich spart, sobald die Begeisterung für einen Service verflogen ist.
@ Michael
Hab den Film nie gesehen. Aber muss ich wohl mal ändern.
@ Oliver
Ja denke ich auch.
Minority Report läuft HEUTE Nacht um 23:50 Uhr in der ARD.
Sehr empfehlenswert!
Der Film ist heute leider näher an unserer möglichen Zukunft dran denn ja.
In etwa so dachten die Web 1.Nuller über das 2.0 nach… Martin, du wirst älter ;-)
Freu dich nicht zu früh.
Das das kommen wird, ist doch klar, Leute.
Es ist nicht mal mehr ne Frage wie man damit Geld machen kann, sondern eine Frage der Sicherheit und von daher werden dies mit der Zeit immer mehr Regierungen von sich aus installieren lassen um im Falle des Falles, auch sofort Verbrecher und Co in Zukunft keine Chance mehr zu geben.
Es ist auch nichts beunruhigendes, da es heute ja bereits auch möglich ist über GEsichter und Fotos (Ausweis), jederzeit bei einer Verkehrs oder Polizeikontrolle seine Daten zu erhalten, nur mit dem Unterschied das in Zukunft man deshalb nicht angehalten werden muss, sondern man jederzeit sofort weiss wo sich wer genau aufhält.
Ist einfach nur praktischer und man ersparte sich damit viel Zeit – es wird eben alles automatisiert werden.