Whapee:
Globale Datenbank von Echtzeitbildern

Whapee möchte mit Hilfe von Internetnutzern eine globale Echtzeit-Fotodankbank aufbauen. Uploads geschehen anonym und ohne, dass ein Konto benötigt wird.

Wäre es nicht toll, jederzeit Zugriff auf aktuelle Fotos von beliebigen Orten dieser Welt zu haben? So ließe sich zum Beispiel das tatsächliche momentane Wetter für eine naheliegende Stadt ermitteln oder ein Blick auf einen nachrichtenrelevanten Platz auf der anderen Seite des Globus werfen.

Whapee, ein junges Startup aus Mittenwalde bei Berlin, hat sich diesem ambitionierten Vorhaben verschrieben und dazu vor wenigen Tagen seine Website und eine dazugehörige iPhone-Applikation gelauncht.

Whapee ist eine Datenbank von Echtzeitbildern, die Nutzer vom iPhone aus hochladen und die sowohl über die mobile Applikation als auch die Website abrufbar sind.

Whapee auf dem iPhone
Whapee auf dem iPhone
Nun herrscht im Netz nicht gerade eine Knappheit an Bilderdiensten, und Flickr, die wohl bekannteste aller Fotoplattformen, bietet selbst einen Modus an, bei dem man sich per Klick auf eine Weltkarte Fotos von einem spezifischen Ort anzeigen lassen kann, auch sortiert nach Aktualität.

Whapee möchte sich unter anderem durch niedrigste Einstiegshürden sowie durch ein extrem fokussiertes Produkt vom Wettbewerb differenzieren. Wer Fotos über die Whapee-App hochladen will, benötigt dafür kein Konto, der Upload geschieht anonym. Bilder, die sich fakultativ mit einem Kommentar versehen lassen, werden von Whapee mit Geodaten getaggt und dem aktuellen Standort zugeordnet. Dafür setzt Whapee auf den freien Kartendienst OpenStreetMap.

Um aktuelles Bildmaterial zu gewährleisten, werden von Nutzern hochgeladene Bilder nach einigen Tagen automatisch wieder gelöscht. Whapee ist nicht an Bildern vom Eifelturm aus dem Frühjahr 2003 interessiert, sondern will ein Abbild des Lebens auf der Erde in Echtzeit realisieren.

Wer dieses Abbild auf der Whapee-Website betrachten möchte, kann dazu entweder einen Ort von der Weltkarte auswählen oder namentlich nach ihm suchen. Auch eine Suche nach Stichwörtern in Kommentaren ist möglich. Die iPhone-App erlaubt zusätzlich das Anzeigen von Echtzeit-Fotos aus der aktuellen Umgebung.

Whapee steht wie viele andere junge Social-Web- und Echtzeit-Dienste vor der Herausforderung, eine kritische Masse erreichen zu müssen, um sein Nutzerversprechen einzulösen – momentan hält sich die Zahl verfügbarer Fotos nämlich noch in Grenzen, und die wenigen, die bereits hochgeladen wurden, sind Stunden oder gar Tage alt.

Whapee-Gründer Sebastian v. Ulmenstein hofft darauf, dass die geringen Einstiegsbarrieren und das pressewirksame “Feature” der Anonymität zu einer schnellen Verbreitung des englischsprachigen Dienstes führen. Dass Millionen von Usern gerne bereit sind, Webservices mit Inhalten zu befüllen, ist belegt.

Nun muss sich zeigen, inwieweit Anwendern der alleinige Fakt, an der Entstehung einer Echtzeit-Bilddatenbank beteiligt zu sein, als Anreiz für die Nutzung ausreicht. Die Tatsache, dass Schnappschüsse nach einiger Zeit wieder gelöscht werden und der Dienst damit quasi erneut bei null steht, macht das Erreichen einer kritischen Masse nicht einfacher. Ohne enorme Medienaufmerksamkeit und Kooperationen mit anderen Onlineangeboten dürfte es für das Startup schwierig werden, das eigene Ziel zu erreichen.

Sebastian v. Ulmenstein scheint Whapee deshalb auch selbst vorerst als eine Art Experiment zu verstehen. Ein Geschäftsmodell gebe es derzeit nicht, stattdessen wolle er schauen, wie sich der im Augenblick werbefreie Dienst entwickle und dann davon ausgehend mögliche Einnahmequellen evaluieren. Gleiches gilt für die Entwicklung von Apps für andere mobile Plattformen, die er frühestens nach einem initialen Erfolg angehen möchte.

Die Idee von Whapee klingt bestechend. Wie realistisch der Gedanke ist, dass sie von einem völlig neuen Startup statt von einer etablierten, über eine breite Anwenderschaft verfügenden Fotoplattform verwirklicht wird, werden wir sehen.

Link: Whapee

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1 Kommentar

  1. Fabian
    schrieb am 12. Juli 2010 um 19:25 Uhr (#)

    Coole sache. Schade, dass ich die Idee nicht hatte. :) Aber ich denke, die Datenschutz-Hysteriker werden irgend einen Vorwand finden, den Dienst in Deutschland verbieten zu lassen.

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