chi.mp:
Profilaggregator mit
kostenloser Domain

Profilaggregatoren und Dienste zum Erstellen von Webvisitenkarten gibt es viele. chi.mp versucht sich unter anderem durch kostenlose Domains von der Konkurrenz abzuheben.

Nachdem ich im Jahr 1999 meine ersten Schritte im Internet machte und mich dort sofort heimisch fühlte, wollte ich schnell eine private Homepage aufbauen und diese gerne unter einer vollwertigen Domain und nicht unter einem der damals üblichen Redirektoren wie come.to oder x2.nu erreichbar machen.

Glücklicherweise war die New-Economy-Blase noch nicht geplatzt. An jeder Ecke gab es Kostenloses, weshalb ich für eine .com- oder .de-Domain nicht einmal etwas bezahlen musste. Anbieter wie freecity oder Namezero boten Gratis-Domains, sofern man Werbeeinblendungen in Kauf nahm.

Zehn Jahre später ist das Internet gereift, und gängige Top-Level-Domains erhält man meines Wissens nach nirgends mehr für lau. Wer sich jedoch mit einem etwas exotischeren Länderkürzel zufrieden gibt, kann auch 2010 noch kostenlos eine persönliche Onlinepräsenz unter einer “richtigen” Domain eröffnen.

chi.mp heißt der Dienst dafür, der bereits zwei Jahre auf dem Buckel hat, mir aber bisher völlig unbekannt war. Im Kern bietet chi.mp eine Webvisitenkarte mit Lifestreaming- sowie Miniblog-Funktionalität und reiht sich damit in die Schar ähnlicher Dienste wie flavors.me, myON-ID, RealMee oder isalso.at ein.

Doch anders als bei den Konkurrenten erhalten User bei chi.mp eine eigene, vollwertige Domain mit dem Kürzel .mp, die Top-Level-Domain der Nördlichen Marianen-Inseln. Der Registrierungsprozess dauert nicht länger als eine Minute, anschließend steht die persönliche .mp-Adresse zum Einsatz bereit.

Sinnvoll ist dieser Schritt allerdings nur, wenn man anschließend die Aggregations- und Identitäts-Funktionen von chi.mp verwenden möchte. Denn dorthin gelangen Nutzer, welche die zuvor registrierte .mp-Domain aufrufen.

chi.mp erlaubt das Aggregieren der Aktivitäten von 22 externen Sites, von Facebook über Twitter, LinkedIn und YouTube bis hin zu WordPress und Flickr. Auch RSS-Streams lassen sich importieren.

Die Inhalte werden in Lifestream-Form angezeigt und lassen sich mit persönlichen Angaben, einer Biographie sowie einem Profilprofil ergänzen und optisch mit existierenden oder eigenhändig erstellten Layouts versehen.

Auf Wunsch können zudem Funktionen zum Betrieb eines Miniblogs sowie von Fotoalben aktiviert werden, die als zusätzliche Tabs oberhalb der chi.mp-Profilseite angezeigt werden. Im Blog oder im Fotoalbum veröffentlichte Inhalte lassen sich kommentieren oder als RSS-Feed abonnieren.

Fortgeschrittene Anwender können ihre chi.mp-Site mit Google Analytics und Google Webmaster Tools tracken sowie Kommentar in ihrem persönlichen Disqus-Konto verwalten. Schönes Bonusfeature: Die eigene chi.mp-Adresse fungiert gleichzeitig als OpenID-Identifier und kann für den Login auf Websites mit OpenID-Unterstützung eingesetzt werden.

chi.mp finanziert sich durch zahlende Nutzer, die für 20 Dollar im Jahr E-Mail-Adressen, Subdomains, eine Integration mit Google Apps sowie die Möglichkeit erhalten, verschiedene Profile für unterschiedliche Zielgruppe zu erstellen. Ebenfalls für 20 Dollar pro Jahr gibt es die volle DNS-Freiheit über die Domain, um sie losgelöst von chi.mp zu verwenden.

Ingesamt hinterlässt chi.mp einen positiven Eindruck und könnte durch die integrierte Miniblog-Funktion für manch einen sogar eine Alternative zu Posterous oder Tumblr darstellen.

Lediglich in einem Punkt wirkt der Service nicht ganz glaubwürdig: chi.mp beschreibt auf der Website nicht ohne stolz, wie es Usern die volle Kontrolle über ihre Inhalte gibt. Damit bezieht es sich jedoch lediglich auf die Tatsache, dass jederzeit die Möglichkeit besteht, die mp-Adresse in eine kostenpflichtige Domain umzuwandeln, die auch dann noch erreichbar wäre, wenn chi.mp den Betrieb einstellen würde. Das ist sicherlich kein schlechter Ansatz. Noch besser wäre jedoch, wenn chi.mp zusätzlich den Export der bei dem Dienst erstellten Inhalte zuließe. Ein solches Feature existiert jedoch nicht.

via twitter.com/trulytherese

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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5 Kommentare

  1. Linkwertig taucht in Deinem chi.mp-Stream auf. Funktioniert also wohl, wie jeder Lifestreaming-Dienst außer FriendFeed, nicht mit Multiautorenblogs.

  2. Ich hab einfach netzwertig.com importiert, glaube aber nicht, dass es eine Möglichkeit gibt, hier zwischen verschiedenen Autoren zu unterscheiden.

    Wahrscheinlich sind Team-Blogger in den Augen der Lifestreaming-Dienste und Aggregatoren eine Minderheit, deren spezielle Wünsche man nicht berücksichtigt.

  3. Erwähnenswert finde ich auch noch, dass die Inhalte bei chi.mp nur eine gewisse Zeit, bzw. in einer gewissen Menge vorgehalten werden. Um Serverkapazitäten zu sparen, werden ältere Inhalte der User gelöscht.

    “We found that the vast majority of requests were for the most current aggregated activity items, however we were storing well over 20 million content records, most of which were never being seen. To help stabilize the chi.mp system and improve its performance we reduced the total number of content items that we store in any given service subscription.”
    http://blog.chi.mp/2010/0…ad-for-chimp-in-2010

  4. Naja nen mehrere Wochen alter Lifestream interessiert doch aber sowieso niemanden mehr oder?

  5. Ist jetzt chi.mp kostenpflichtig?

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