Begeisterung für Social Networks:
Sind Brasilianer
doch nur Stubenhocker?

Menschen aus Brasilien, Spanien und Italien – Länder, die als Synonym für Lebenslust und Temperament stehen – sind laut einer Untersuchung die aktivsten Onlinenetzwerker. Dabei führte die Nutzung von Social Networks doch eigentlich zur sozialen Isolation…

Jeder von euch hat es wahrscheinlich schon einmal in einem Gespräch gehört: “Statt mich die ganze Zeit online in Social Networks herumzutreiben, gehe ich lieber raus, genieße das richtige Leben und treffe ‘echte’ Menschen.”

Man kann sich in solchen Situationen schön vorstellen, wie diese Aussage bei der betreffenden Person mit einem gedanklichen Bild begleitet wird, das einen klischeehaften Computerfreak in einem abgedunkelten Raum bei Chips und Cola zeigt, der sich stundenlang bei Facebook oder studiVZ aufhält, während sie selbst draußen mit Freunden in der Sonne sitzen und das “richtige” Leben genießt.

Dass diese Vorstellung kaum weiter von der Realität entfernt sein könnte und dass Social Networking in der Regel den realen Freundes- und Bekanntenkreis eher vergrößert als zerstört, wissen alle, die sich die Vorzüge des Social Webs zu nutze machen und einfach mal über einen längeren Zeitraum vorurteilsfrei Social Networking betrieben haben.

Beim Betrachten dieser aktuellen Statistik der Marktforscher von Nielsen zur Nutzung sozialer Netzwerke fühlte ich mich irgendwie an die eingangs erwähnte Aussage erinnert.

Nielsen veröffentlichte unter anderem ein Länder-Ranking zum prozentualen Anteil der Nutzer sozialer Netzwerke an der Gesamtzahl aller Internetanwender. Von den zehn untersuchten Ländern stehen drei Nationen an der Spitze des Rankings, die nicht so richtig zu dem Klischee des sozial inkompetenten, isolierten Internetfreaks passen:

In Brasilien sind laut Nielsen 86 Prozent aller Menschen mit Internetzugang aktive Mitglieder in sozialen Netzwerken. Es folgen Italien mit 78 Prozent und Spanien mit 77 Prozent. Brasilien, Spanien, Italien? Das sind doch Länder mit temperamentvollen, lebensfrohen und die Gemeinschaft suchenden Menschen, die bis tief in die Nacht auf den Straßen Samba oder Salsa tanzen… (was macht man eigentlich in Italien?)

Entweder haben uns Südeuropäer und Südamerikaner jahrelang an der Nase herumgeführt und sind in Wirklichkeit genau solche langweiligen Stubenhocker wie wir Mittel- und Nordeuropäer, oder Social Networking lässt sich doch sehr gut mit gemeinsamen Unternehmungen mit Menschen aus Fleisch und Blut vereinbaren.

Von den zehn in der Nielsen-Statistik aufgeführten Ländern belegen Deutschland und die Schweiz übrigens die letzten Plätze. In Deutschland sind demnach 63 Prozent der Internetnutzer in sozialen Netzwerken aktiv, in der Schweiz 59 Prozent.

(Foto: Flickr, CC-Lizenz)

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5 Kommentare

  1. Wolf
    schrieb am 16. Juni 2010 um 14:27 Uhr (#)

    Will hier jetzt gar nicht erst das ‘positiver Rassismus’-Fass aufmachen, sondern beende einfach das Abo vom Netzwertig-Feed. Das hier ist ein neuer Tiefpunkt, nicht nur was Belanglosigkeit betrifft.

  2. Marco
    schrieb am 16. Juni 2010 um 14:32 Uhr (#)

    Herrlich, es wird ein Vorurteil mit einem anderen Vorurteil widerlegt, Bravo!

  3. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 16. Juni 2010 um 14:34 Uhr (#)

    Muss ich wirklich auf die Ironie im Artikel hinweisen?

    Wolf, was die angebliche Belanglosigkeit betrifft: War dir die Nielsen-Statistik schon bekannt?

  4. Meinereiner
    schrieb am 16. Juni 2010 um 15:52 Uhr (#)

    witzig, man könnte auch meinen, in Ländern in denen man eh aufm Marktplatz und vor dem Haus wohnt, tut man das auch virtuell, dann wäre Afrika der Boommarkt für social networks …

  5. Steve
    schrieb am 16. Juni 2010 um 17:13 Uhr (#)

    Heftiger Beitrag *fg* Immer diese Vorurteile.

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