Entwicklerplattform:
Die wahre Irrelevanz
von Facebook-Apps

Facebooks App-Plattform wurde schon mehrmals für tot erklärt. Eine neue Untersuchung verdeutlicht, wie gering die Wahrscheinkeit ist, mehr als 100 tägliche Nutzer für eine Anwendung zu gewinnen.

Dass Facebooks 2007 gestartete Entwicklerplattform letztlich eher ein Marketing-Werkzeug für Facebook als eine nutzenbringende Webumgebung für Anwender darstellt, ist keine Neuigkeit. Aus einer Userperspektive liegt der Mehrwert der Plattform maximal in einer Auswahl kurzweiliger bis süchtig machender Games wie FarmVille, Mafia Wars oder Texas HoldEm Poker. Davon abgesehen spielen Facebook-Applikationen innerhalb des Social Networks eine untergeordnete Rolle.

Wie irrelevant das Gros der Facebooks Apps tatsächlich ist, zeigt eine Analyse, die Nick O’Neill vom Blog All Facebook gemacht hat. Er hat sich die durchschnittliche Anzahl täglicher Nutzer (DAU, Daily Average User) von rund 300.000 der laut Facebook insgesamt 550.000 aktiven Apps angeschaut. Das Ergebnis ist ernüchternd:

Gerade einmal 4.500 Applikationen werden von mehr als 200 Nutzern am Tag eingesetzt, und nur 1.597 von mehr als 2.000 Facebook-Mitgliedern täglich. 2.000 App-Nutzer pro Tag sieht O’Neill auch als Voraussetzung, um erfolgreich eine Applikation monetarisieren zu können. 41.000 Apps haben zwischen 1 und 100 täglichen Nutzern. Fast 250.000 Apps dagegen haben im Durchschnitt nicht einen einzigen täglichen Nutzer!

28 Prozent der Aktivitäten auf der Facebook-Plattform entfallen auf Anwendungen der vor allem durch FarmVille bekannten App-Schmiede Zynga, deren Facebook-Spielchen laut der Untersuchung von 52 Millionen täglichen Usern gezockt werden. Drei andere etablierte Entwicklerstudios, Electronic Arts, Crowdstar und Playdom, haben einen gemeinsamen Anteil von 13 Prozent an allen Aktivitäten auf der App-Plattform.

Diese Zahlen machen deutlich, wie bei Facebook sehr wenige Anwendungen einiger weniger, führender Entwickler den Großteil der Nutzer auf sich vereinen und nur rund 1.600 davon ausreichend Aufmerksamkeit von der Facebook-Gemeinde erhalten, um überhaupt die Möglichkeit zur Monetarisierung zu bieten.

Nick O’Neill schließt daraus, dass es bei Facebook keinen Long Tail gibt. Die Theorie des Long Tail besagt, dass im Internet auch Nischenprodukte erfolgreich sein und Gewinn machen können. Angesichts des verschwindend geringen Anteils an Facebook-Apps, die genug User haben, um in irgendeiner Form wirtschaftlich relevant zu sein, scheint dieser “Tail” bei Facebook tatsächlich eher kurz als lang zu sein.

Die Botschaft, die von der Untersuchung ausgeht, ist eindeutig: Kein Onlinedienst sollte auch nur einen Cent in die Entwicklung einer Facebook-Applikation stecken, sofern er nicht a) bereits zu den führenden App-Entwicklern auf der Plattform gehört, oder es sich b) zutraut, eine derartig virale, einzigartige, bahnbrechende und sensationelle Anwendung zusammenzubasteln, dass damit jede Statistik widerlegt werden kann.

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14 Kommentare

  1. sladerino
    schrieb am 14. Juni 2010 um 08:03 Uhr (#)

    Das schöne an solch studien ist, dass irgendwie nur die quantität, und nicht die qualität berücksichtigt wird.Die meißten Apps sind einfach größter mist.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 14. Juni 2010 um 08:07 Uhr (#)

    Sicherlich besteht ein Zusammenhang zwischen der Qualität der Apps und der Anzahl täglicher Nutzer. Wobei die (wahrgenommene) mangelnde Qualität nicht unbedingt auf die Apps selbst sondern auch auf die Eigenschaften der Facebook Plattform und das fehlende Bedürfnis der User, innerhalb von Facebook mit Apps zu interagieren, zurückzuführen sein könnte.

  3. Stephan Strittmatter
    schrieb am 14. Juni 2010 um 08:31 Uhr (#)

    Ich denke, dass derzeit auch die Spaß- und Spiel-Apps einfach noch zu stark dominieren. Im Social Media Marketing versucht man dann auch noch krampfhaft eine Facebook-App für die Company zu kreieren. Da kommt dann häufig nutzloser Binärmüll raus.
    So, wie mittlerweile Facebook von der Ü40-Generation erobert wird, werden auch zunehmend Applikationen mit mehr Tiefgang gefordert werden. Aus diesem Grund werden wir für http://www.garanbo.de in naher Zukunft auch eine Facebook-App anbieten. Allerdings nicht zum datteln, sondern mit einem sinnvollen Hintergrund. Es werden die Social-Apps immer mehr mit den Standalone-Apps verknüpft werden.

  4. Daniel Niklaus
    schrieb am 14. Juni 2010 um 09:50 Uhr (#)

    Auf die Gefahr, dass ich wieder mit “kommt aus dem Loch” betitelt werde: der Longtail ist ein Märchen.

  5. Robert Frunzke
    schrieb am 14. Juni 2010 um 10:32 Uhr (#)

    Die Schlussfolgerung mit dem Long Tail (Märchen hin oder her) hinkt gewaltig. Facebook-Apps werden nicht wie Stückgut “verkauft”, der durchschnittliche User kommt auch nicht zur App, weil er diese in einer Art Katalog sucht.

    Facebook Apps werden genutzt, weil Freunde diese nutzen. Heißt, es kommt auf die kritische Masse an – wie so oft im Social Web.

    1. Daniel Niklaus
      schrieb am 14. Juni 2010 um 11:02 Uhr (#)

      Wie kommst du auf die Idee, dass Facebook-Apps kein Wirtschaftsgut ist? Erkläre mir doch bitte mal: diese hier oder diese da

  6. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 14. Juni 2010 um 10:34 Uhr (#)

    Ich sehe in deiner Erklärung nicht, was oder wo es hinkt.

    1. Robert Frunzke
      schrieb am 14. Juni 2010 um 10:53 Uhr (#)

      Ich glaube, die Theorie des Long Tail lässt sich nicht auf Facebook Apps anwenden:
      1. sie sind kein Wirtschaftsgut, bringen keinen direkten Gewinn, die “Nutzung” bringt dem Entwickler keinen (direkten) Gewinn (im Gegensatz dazu lässt sich die Theorie auf iPhone Apps sehr wohl anwenden).
      2. Um mit Facebook-Apps Geld zu verdienen braucht man offenbar eine kritische Masse an Usern, die Long Tail Theorie ist aber nur anwendbar, wenn man auch mit wenigen Verkäufen Geld machen kann.

  7. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 14. Juni 2010 um 10:57 Uhr (#)

    Danke, jetzt verstehe ich, was du meinst.

    Ja letztlich geht es auch wenig um den Long-Tail-Aspekt, auf dem ich auch nicht unbedingt lange rumreiten möchte, sondern um die Bedeutungslosigkeit der meisten Facebook-Apps.

  8. Michael
    schrieb am 14. Juni 2010 um 11:31 Uhr (#)

    sehr schöner Artikel, herrlich. Aber das eigentliche Problem wird immer noch nicht erkannt. Facebook hat eindeutig einen Logenplatz im Hirn des Nutzer besetzt, ganz klar: Mit Facebook kann ich alte Bekannte/Freunde wieder finden. Das Problem ist also der Verwendungszweck. Zu glauben, dass Facebook aufgrund der Millionen Nutzer alles kann – ist ein bisschen übertreiben. Facebook leistet hier eine enorm wichtige Entwicklungsarbeit. Denkt darüber nach, wie man das zentrale Problem der Bedeutung und Bewertung im Internet löst und ihr werdet erkennnen, dass Facebook nicht sprachlos aber hoffentlich in der Wahrnehmung der großen Nutzermasse als bedeutungslos eingestuft wird.

    Auf diesen Moment freu ich mich.

    beste Grüße

  9. teena
    schrieb am 14. Juni 2010 um 23:05 Uhr (#)

    naja, eins fehlt aber:

    Was, wenn eine App auf Facebook eine Webseite unterstützt?
    Also kein Game sondern eher ein: Ich nutze bla, du auch?
    zB TripAdvisor – Nutzt doch fast jeder mal.
    Ist kein Game, macht auch nicht viel aber lockt die User auf die externe Seite.

  10. Daniela
    schrieb am 15. Juni 2010 um 10:19 Uhr (#)

    Sehr schöner Artikel und genau zum richtigen Zeitpunkt. Nein, nicht jeder braucht automatisch eine App – weder bei Facebook noch auf dem iPhone.

  11. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 15. Juni 2010 um 10:26 Uhr (#)

    Wobei man Facebook und iPhone Apps nicht in einen Topf werfen sollte. Da sind Ökosysteme mit sehr unterschiedlichen Spielregeln und Rahmenbedingungen.

  12. Tim
    schrieb am 3. November 2011 um 10:04 Uhr (#)

    Naja, den letzten Teil halte ich für überholt. Die Bedeutung von Apps auch für kleine Facebook-Anwendungen ist nicht mehr von der Hand zu weisen.

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