Bürgerjournalismus:
tvype startet Marktplatz
für Hobbyreporter

Das Berliner Startup tvype hat einen Marktplatz für nachrichtenrelevante Videos und Fotos gestartet. Bürgerreporter können Bilder und Clips an Redaktionen verkaufen.

Heutzutage geschieht fast kein Ereignis, ohne dass es nicht mit einer Kamera festgehalten wird. Egal ob Vorfälle von globaler oder lokaler Bedeutung, egal ob peinliche Ausrutscher oder bewusste Inszenierungen, egal ob Prominenz oder Privatperson – dank ominipräsenter Handykameras werden aus Augenzeugen immer häufiger Amateur-Reporter, und landen Bilder sowie Videos innerhalb kürzester Zeit bei YouTube, Flickr, Facebook oder Twitter.

tvype ist ein Berliner Startup, das am Dienstag mit einem Marktplatz für nachrichtenrelevante Videos und Fotos online ging. Bei tvype können Nutzer Schnappschüsse und Clips hochladen, von denen sie der Ansicht sind, dass Nachrichtenredaktionen (Print, TV, Online) an diesen Interesse haben könnten.

Nach einer einmaligen Registrierung lassen sich über das persönliche tvype-Konto Fotos und Videos mit einer Beschreibung und Tags versehen und anschließen online speichern. Zuvor muss allerdings noch der gewünschte Basispreis gewählt werden, für den das jeweilige Objekte bei tvype angeboten werden soll.

Anschließend wird das Material von der tvype-Redaktion auf seine Nachrichtentauglichkeit überprüft und der Preis entweder akzeptiert oder mit einem Gegenvorschlag beantwortet. Sofern Einigkeit besteht, landet das Material auf dem tvype-Marktplatz, zu dem ausschließlich Nachrichtenorganisationen aus Deutschland und dem deutschsprachige Ausland Zugriff haben.

Bei Schappschüssen mit besonderem Aktualitätswert wird von tvype ein eigens festgelegter Aktualitätsbonus aufgeschlagen, der im Zeitverlauf zurück auf den Basispreis abfällt. Weitere Aufschläge für den Käufer erfolgen, sofern dieser Bilder oder Videos exklusiv erwerben möchte.

Kommt es zu einer Transaktion, erhält der Bürgerreporter 70 Prozent des finalen Kaufpreises, wenn die Bilder/Videos vom Nutzer ausschließlich bei tvype bereitgestellt und nicht schon bei Flickr, Twitter etc. hochgeladen wurden. Bei nicht-exklusivem Material gehen 50 Prozent an den Urheber. Die restliche Summe verbleibt bei tvype.

Das Vergütungsmodell mit einer prozentualen Beteiligung hat den Vorteil, dass sich Bürgerreporter darauf verlassen können, von tvype stets den maximalen, der Redaktion des Dienstes realistisch erscheinenden Kaufpreis vorgeschlagen zu bekommen. Denn dann steigen auch die Einnahmen des Startups. Als beispielhafter Basispreis für ein Foto wird auf der Website eine Spanne zwischen 20 und 40 Euro angegeben.

Laut diesem Artikel von Zeit Online wurde tvype unter anderem von der EU mit 100.000 Euro gefördert. Zu lesen ist auch, wie das Berliner Unternehmen bereits zum Start mit Kritik des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) konfrontiert wird: Die Branchenvertreter befürchten, das Startup könnte zu einem Qualitätsverlust journalistischer Arbeit beitragen sowie zu Lohndumping führen.

Aufmerksame Hobby-Reportern, die sich mit offenen Augen durch ihre Stadt bewegen und regelmäßig die Kamera zücken, wird dies wohl kaum stören. tvype gibt ihnen die Möglichkeit, mit Fotos, die sie sonst vielleicht bei Twitpic hochladen würden, etwas Geld zu verdienen – sofern sich ein Käufer findet, versteht sich.

Eine iPhone-Applikation für den direkten Upload vom Smartphone ist geplant.

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3 Kommentare

  1. ugugu
    schrieb am 10. Juni 2010 um 17:47 Uhr (#)

    EU-Förder-What!? Bliebe ausserdem die Frage, weshalb Medienkonzerne auf einmal den Drang verspüren sollten, für Bilder zu bezahlen, die man bislang auch fröhlich zusammengeklaut hat?

  2. Django
    schrieb am 30. August 2010 um 23:44 Uhr (#)

    … da will gleich noch jemand mitverdienen …
    blöde idee …

  3. Kurt
    schrieb am 25. März 2011 um 14:13 Uhr (#)

    Das Portal Tvype ist beim Upload und bei der Texterstellung sehr fehlerhaft! Anfragen beim Service werden nicht beantwortet! Zeitverschwendung! Tvype schaut sehr stark nach einem Flop aus!

    So einen Dienst gab es bei Stern auch. Wurde allerdings nach kurzer Zeit wieder eingestellt.
    Wegen der schlechten Bezahlung sollte man bei Bild.de auch keine Bilder mehr einstellen.

    Redaktionen wollen nur auf Kosten der Fotografen ihre Auflage steigern, alles für “Umsonst” haben und im Schadensfall sogar alle rechtlichen Streitigkeiten auf den Fotografen abwälzen.

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