Twitters neuer Link-Verkürzer t.co:
Ein kleiner Schritt mit großer Wirkung

Twitter wird demnächst sämtliche über den Dienst verschickten Links mit der hauseigenen Kurz-URL t.co verpacken: Ein kleiner Schritt mit großer Wirkung, nicht nur für bit.ly & Co.

Dienste, die über Twitter verschickte Links aggregieren und nach unterschiedlichen, teilweise personalisierten Kriterien darstellen, gibt es einige. TweetMeme beispielsweise, Mister Wong oder Rivva Social. Auch die Social-News-Plattform Digg möchte sich in diese Richtung entwickeln.

Womöglich werden all diese Services bald direkte Konkurrenz von Twitter bekommen.

Der Microbloggingdienst hat in einem Blogbeitrag angekündigt, ab Sommer sämtliche in Tweets versendeten Links mit der neuen, hauseigenen Kurz-URL t.co zu verpacken. Der Einsatz externer Services zum Verkürzen von Internetadressen wie bit.ly oder is.gd ist dann nicht mehr notwendig.

Auf den ersten Blick klingt diese Neuerung nach dem Ende für besagte Anbieter von verkürzten URLs, einem “Sektor”, der durch den Aufstieg von Twitter einen recht übertriebenen Boom erlebte. Und wahrscheinlich wird der Launch von t.co tatsächlich den ein oder anderen URL-Shortener ins virtuelle Grab treiben, auch wenn das Kürzen von URLs mittlerweile selbst auf anderen Plattformen und Sites üblich geworden ist.

Auf den zweiten Blick ist die Nachricht auch aus Sicherheitsaspekten relevant, denn Twitter will mit Hilfe von t.co erreichen, dass Anwender genau sehen, welche Ziel-Adresse sich hinter einer Kurz-URL verbirgt. Derartige URLs sind berühmt-berüchtigt dafür, Usern nicht zu verraten, auf welche Site sie weiterleiten – eine Eigenschaft, die gerne von Spammern und Phishern ausgenutzt wird.

Wohin führt wohl diese Kurz-URL?

Doch die Implikationen des anstehenden Launchs von t.co haben auch noch eine dritte Dimension, und diese bringt uns zurück an den Anfang des Artikels: Twitter möchte die versendeten Links hinsichtlich Inhalt und Relevanz analysieren.

Der Microbloggingservice wird also zu jedem getwitterten Link Metadaten sammeln, die dem Unternehmen aus San Francisco mehr über populäre Themen, brandheiße Nachrichten und sicherlich auch über die Präferenzen der Nutzer verraten. Die so gewonnenen Daten sollen sowohl zur Verfeinerung des Werbeprogramms “Promoted Tweets” als auch für zukünftige Statistiktools eingesetzt werden, unter anderem im Zusammenhang mit den in Planung befindlichen Premium-Konten für Firmen.

Twitter wird über das Routing sämtlicher Links durch den t.co-”Filter” erstmalig ein vollständiges Echtzeit-Bild darüber erhalten, welche Links bei den Anwendern aktuell am populärsten sind, und die so gewonnenen Erkenntnisse auf verschiedene Weise als Basis für zusätzliche Services verwenden. Zumindest theoretisch könnte Twitter dann einen Echtzeit-Nachrichten- und Linkaggregator betreiben, der im Gegensatz zu Drittanbietern über keinerlei API-Begrenzungen verfügt und den externen Apps somit überlegen wäre.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Twitter den bisher in friedlicher Partnerschaft koexistierenden Twitter-Apps mit einem eigenen Angebot Konkurrenz machen würde – eine Strategie, die durchaus auch Risiken beinhaltet.

In jedem Fall könnte der Start von t.co als Twitters offizieller Link-Verkürzer nicht nur für mehr Sicherheit bei der Benutzung des mittlerweile zwei Milliarden Tweets pro Monat schweren Microbloggingdienstes führen, sondern die Grundlage für eine Reihe spannender Statistik-, Echtzeit- und Nachrichtentools darstellen, die das mehr als 200 Mitarbeiter zählende Startup auch bei der Monetarisierung vorantreiben würde.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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24.4.2009, 26 KommentareÜberbewertet:
Wie sähe das Web ohne Kurz-URLs aus? Genauso.

Dienste, die aus langen Webadressen kurze machen, sind das nächste große Ding. Zumindest könnte man diesen Eindruck bekommen, verfolgt man die jüngste Berichterstattung.

6.8.2008, 3 KommentareBit.ly, SnipSnap & twiturl:
In der URL-Kürze liegt die Würze

Wir stellen 3 Dienste mit unterschiedlichem Funktionsumfang zum Kürzen von Internetadressen vor.

34 Kommentare

  1. Einmal mehr gilt: Wenn sie das von Anfang an so gemacht hätten, wäre es völlig OK gewesen. So hat es einen Beigeschmack, nicht nur für die Linkverkürzer, die grösstenteils obsolet werden, sondern auch für alle Firmen, die sich eine “Corporate Shortener Domain” eingerichtet haben (wie amzn.to oder tcrn.ch; wir zum Beispiel blwk.com für uns oder c36.ch für unseren Kunden), die sie nun eigentlich wegwerfen können.

    Man kann sich nicht wirklich lauthals beschweren, denn die Vorteile überwiegen wohl insgesamt. Dass man endlich von twitter.com aus auch kürzen kann, ist jedenfalls lange überfällig.

  2. die sich eine “Corporate Shortener Domain” eingerichtet haben (wie amzn.to oder tcrn.ch; wir zum Beispiel blwk.com für uns oder c36.ch für unseren Kunden), die sie nun eigentlich wegwerfen können.

    Das kommt wohl drauf an, wie Twitter das am Ende umsetzt und ob alle Twitter-Clients da mitspielen. Zudem machen sich solche Corporate Shortener Domains ja auch bei Facebook und auf anderen Sites gut, einfach weil sie kurz sind, und trotzdem signalisieren, wohin sie führen.

  3. Es ist das Biotop von Twitter, als Dritter hat man da wenig zu melden. Dumm, wenn man sein Geschäftsmodell darauf aufgebaut hat.

    Also freut Euch, so lange ihr Twitter kostenlos nutzen könnt. Bekämpft Betrug sowie Missbrauch aktiv! Sorgt dafür, dass sich kostenlosen Services gesund weiter entwickeln! Social Media ist das, was ihr daraus macht.

  4. Das, was du andeutest in deinem Kommentar, Martin, wäre meine Frage: Gilt das für alle geposteten Links, also auch für die, die über einen Client geschickt werden, oder nur für die, die über twitter.com direkt kommen?

    Ansonsten bin ich da recht indifferent, Hauptsache, meine Links kommen unbeschadet an, aber ich verstehe deinen Ärger, Peter.

  5. So wie ich das interpretiere, wird ausnahmslos jeder Link von Twitter “intern” durch t.co verkürzt, egal ob er über die Website oder einen Client geschickt wird. Was aber nicht heißen muss, dass das fertige, für den Nutzer sichtbare Resultat auch ein Link der Form t.co/blabla sein muss. Da muss man abwarten, wie Twitter das genau machen wird, und was passiert, wenn man z.B. einen über bit.ly verkürzten Link twittert.

  6. denn Twitter will mit Hilfe von t.co erreichen, dass Anwender genau sehen, welche Ziel-Adresse sich hinter einer Kurz-URL verbirgt

    Ist bekannt, wie dem User die Zieladresse vor Klicken des Links sichtbar gemacht werden soll? Hovert der Ziellink über dem gekürzten?

  7. ähem, also da ich ab und zu noch brizzly nutze, da ist das doch auch so: ich sehe die ursprüngliche url. Daran ist also nix neu.
    Und ich bin kein Experte auf dem Gebiet, aber bit.ly trackt doch auch mit und da gibt es dann auch Statistiken, jetzt schon. Allerdings haben die den Nachteil, nur die tweets mit bit.ly shorteneer auszuwerten. Das wäre mit t.co anders.
    Oder irre ich da?

  8. @ Karsten Sauer
    Ich glaube, das ist bisher nicht bekannt. Zumindest habe ich davon nichts gelesen.

    @ Ingo
    Jup so ist es. Und ja, einzelne Clients handhaben die Ausgabe von Kurz-URLs unterschiedlich, manche auch so transparent wie Brizzly.

  9. Interessanter Artikel :).

  10. von @janole gibt auf twitter gerade die Frage, ob die mit t.co geshorteten Links nicht außerhalb von twitter verwendet werden können.
    Ist das so?
    Wenn ja, wäre das fatal(kann ichmir nicht vorstellen)

  11. Ich glaube, auf die Antwort dazu müssen wir noch warten.

    Wieso wäre es fatal?

  12. Laut der bisherigen Infos von Twitter werden die Nutzungsbedingungen der Twitter API abgeändert: “We will be updating the TOS to require you to check t.co and register the click.”

    Ob das im Endeffekt bedeutet, dass man die Links nur über t.co öffnen darf, ist ein bisschen unklar.

    Der “gewünschte” Effekt, dass Twitter die Nutzer vor bösartigen Links schützen will, wird aber nur gewährleistet, wenn man t.co auch benutzt.

    Damit ist t.co nichts anderes als eine Zensurplatform.

    Vermutlich wird Twitter lediglich eine Zwischenseite einblenden a la “Diese Seite ist gefährlich. Wollen Sie wirklich weiter …”.

    Mal sehen …

  13. Und schon haben wir das gefährliche Z-Wort… ;)

  14. Immerhin, erst als zwölfter Kommentar …

  15. Ja, wirklich erstaunlich. Aber das liegt daran, dass ich als Entwickler den Sachverhalt verstehe, lol :-)

    - Nutzer aus China, Iran, … können ab der Einführung von t.co keine Links mehr über Twitter benutzen.

    - Sollte t.co einmal nicht mehr funktionieren oder nicht erreichbar sein (“Twitter Over Capacity”), sind alle Links aus Tweets tot.

    - Sollte Twitter sich einmal entscheiden, Links komplett zu blocken, liegt diese Entscheidung nicht beim BND oder einem Gericht, sondern in der Hand eines kommerziellen Anbieters.

    - Twitter wird sicherlich eine Klick-Statistik für Nutzer führen, die t.co von der Webseite Twitter.com aufrufen. (Möglicherweise wird das auch von Twitter-Clients gefordert, kann ich mir aber momentan nicht vorstellen. Technisch ist das aber leicht lösbar.)

    - Die Nutzung von t.co wird häufig einen zusätzlichen Web-Zugriff notwendig machen, d.h. Zeit und Kosten verursachen.

    Kann man alles sehen wie man will. Wir sind ja nicht in China und wenn Twitter mal down ist, was solls. Ist nicht weiter wichtig.

    Aber um das Prinzip mal zu verdeutlichen: was wäre, wenn Google ab sofort verlangen würde, dass alle Links die man per Google Mail verschickt nur über http://goo.gl/xyz aufgerufen werden dürfen – und zwar egal ob man die eMail auf mail.google.com liest oder in Outlook oder Thunderbird?

    Kein Problem!? Naja …

    Für mich zeigt das lediglich, wie verzweifelt Twitter nach einem Geschäftsmodell oder wenigstens einer Einnahmequelle sucht.

  16. Den ersten Punkt versteh ich nicht. Sind .co-Domains grundsätzlich gesperrt aus China und dem Iran, oder wieso? (Sorry, das Schicksal hat mir keine Entwickler-Karriere beschert)

  17. Nein das sind auf jeden Fall berechtigte Kritikpunkte. Nur es gleich als Zensurplattform zu bezeichnen, halte ich für voreilig. Aber davon abgesehen zeigen die von dir genannten Beispiele einige Schwächen des Systems auf… wobei wir ja wiegesagt noch nicht genau wissen, wie t.co in der Praxis tatsächlich eingesetzt wird. Womöglich tritt es nach außen hin gar nicht so präsent auf und wird eher für die interne Behandlung von Links eingesetzt.

    • Martin: Okay, ich wusste nicht, dass Ihr hier so schnell auf das Wort Zensur anspringt.

      Ich habe nichts mit der Piratenpartei oder der Zensursula-Bewegung zu tun.

      Ich beurteile das nur von technischer Sicht aus.

      Es ist eindeutig eine Zensurplatform.

      Aber natürlich ist es gleichzeitig auch eine Platform für Statistiken – um Nutzern bessere Informationen zu geben und vielleicht den ein oder anderen Euro zu verdienen.

      Wie das ganze letztlich verwendet wird, sehen wir ja bald.

      Der Punkt der “Sichtbarkeit” ist genau das, was mich stutzig gemacht hat:

      Twitter erhofft sich, dass wir Twitter-Client Entwickler dem Nutzer nur die vollständige URL (z.B. bit.ly oder auch den originalen Link netzwertig.com/xyz) zeigen.

      Wenn der Nutzer diese vollständige (ursprüngliche) URL aufrufen will, müssen wir t.co/… benutzen!

      Der Nutzer soll möglichst gar nicht mitbekommen, dass er über t.co geleitet wird.

      Das finde ich fragwürdig.

      Ob Twitter wirklich die Nutzungsbedingungen der API entsprechend ändert, weiss ich natürlich nicht. Aber es sieht ganz danach aus.

      Bei knapp 30%-40% Nutzungsanteil der Clients würde alles andere auch keinen Sinn machen, oder?

    • Hat Twitter diese Möglichkeiten zur “Zensur” nicht schon heute? Wäre es z.B. möglich, dass Twitter heute aus sämtlichen versendeten Tweets einfach alle Links automatisch entfernt? Dazu fehlt mir das technische Know-how, aber du kannst das vielleicht besser beurteilen?

      Wenn ja, ist t.co eigentlich keine Verschlechterung. Außer womöglich hinsichtlich des Aspekts der Option zur Blockade von t.co in anderen Ländern, was dann das Versenden von Tweets z.B. aus China erschweren würde. Wobei – wenn – dann doch ohnehin Twitter komplett blockiert wäre, also sowieso ein VPN- /Proxy-Einsatz stattfinden müsste.

    • Gutes Argument! Twitter könnte sicher mit Leichtigkeit alle Tweets löschen (oder “sperren”), die eine bestimmte URL enthalten.

      Aber was würde wohl passieren, wenn Twitter tatsächlich Tweets löschen würde …

      Technisch ist es (mit größter Wahrscheinlichkeit) viel komplexer, URL’s oder ganze Tweets zu löschen.

      Das blockieren eine Kurz-URL sollte sehr viel effektiver und einfacher gehen.

      Sonst könnte man ja den “Vorteil”, das t.co Nutzer vor bösartigen Links schützen soll auch dadurch erreichen, dass diese Links gleich in den Tweets gelöscht oder die Tweets gleich ganz gelöscht werden.

      Wie man sieht ist dieses “blockieren von bösartigen Links zum Schutze der Nutzer” gar nicht so einfach.

      Ein bösartiger Link kann ja so aussehen: sehr-boese.de/… oder bit.ly/123 oder is.gd/abc oder tinyurl.com/xyz oder …

      Selbst wenn man die URLs auflöst, reicht das nicht aus. Man muss ja nur mehrfach URLs verkürzen …

  18. Mmmatze: Noch ist t.co nicht gesperrt. Warum auch? Benutzt ja noch keiner ;-)

    Gesperrt sind twitter.com, facebook.com, bit.ly, … und was weiss ich nicht alles.

    Als ich bit.ly in meinen Twitter-Client einbauen wollte, bin ich von Nutzern aus China gebeten worden, auch andere “Shortener” als Alternative zu benutzen. bit.ly ist halt gesperrt, aber is.gd, etc. (noch) nicht.

    Sollte es nur noch einen “Anbieter” geben, t.co zum Beispiel, ist ein komplettes Sperren natürlich viel einfacher als wenn man alle tausend “Shortener” einzeln sperren wollte.

    Als “workaround” wird im Regelfall ein Proxy oder ein spezieller API-Proxy verwendet (funktioniert auch gut in der Firma, wenn dort twitter.com blockiert ist.)

    So etwas für t.co-Links anzubieten, ist natürlich eine Lösung. (Also das t.co-Links über einen Proxy oder API-Proxy aufgelöst werden.)

    Für Länder mit bestehender Internet-Zensur ist es aber einfacher, wenn die Nutzer selbst bis zu einem gewissen Grade nach Alternativen suchen können (also einen Shortener benutzen, der noch nicht geblockt ist.)

  19. Alles klar, den Punkt sehe und verstehe ich.

    Dennoch bin ich der Meinung, du solltest vorsichtig mit dem Zensurvorwurf sein. Wenn du sagst, “Es ist eindeutig eine Zensurplatform.”, dann sagst du eigentlich, dass du weisst (aus gesicherter Quelle), dass Twitter diese Kurz-URL nutzen wird, um Inhalte, die über Tweets verschickt werden, die diese Kurz-URLs beinhalten, zu verändern oder zu unterschlagen um eine Desinformation des oder der Tweet-Rezipienten zu erreichen. Denn das ist Zensur (das liegt daran, dass ich als Politikwissenschaftler den Sachverhalt verstehe). In dem Fall hätte ich dann gerne noch genauere Angaben, was diese gesicherten Quellen sind bzw. ob du im Notfall belegen könntest, dass diese Quellen tatsächlich existieren. Ansonsten ist t.co erstmal keine Zensurplattform, sondern nur ein (sicherlich kritikwürdiger) Kurz-URL-Dienst eines Unternehmens.

    • Mmmatze: Oh, cool! Politikwissenschaftler. Gibt’s dich auch auf Twitter?

      Ich habe natürlich nur eine ungefähre Vorstellung, was man als Zensur bezeichnet oder bezeichnen darf.

      Aus technischer Sicht stehe ich aber dazu: t.co soll verwendet werden um den Nutzer vor “bösartigen” Links zu schützen.

      Technisch könnte man beliebige Seiten blockieren.

      Ich sag’ mal jetzt so aus dem Bauch heraus: Links zu Facebook könnten ja manchmal länger brauchen oder vielleicht auch mal fehlschlagen. Links zu einem Twitter-Dienst, der Spam verschickt könnte blockiert werden.

      Da wird es dann schon “haarig”. Es gibt eine Menge an unseriösen Twitter-API Clients. Echt übles Zeug. Aber die Entwickler dieser Dienste sind da natürlich ganz anderer Meinung. Eine Grauzone …

      Wenn jetzt ein deutsches Gericht anordnet, dass Twitter einen bestimmten t.co-Link sperrt, ist das sicher keine Zensur. Aber Twitter kann eben auch selbst entscheiden, ob es Links sperrt. Die Sperrmöglichkeit ist offensichtlich Teil des Kurz-URL Dienstes.

      Um das nochmal klarzustellen, noch hat Twitter die Nutzungsbedingungen der API nicht geändert. Noch ist gar nicht klar, ob Twitter Links komplett blockt oder nur eine “Warnungs-Seite” dazwischen schaltet.

      Müssen wir mal abwarten …

  20. @mmmatze is my twitter name. ;)

    Ich verstehe deine Argumentation natürlich auch, aber mich (generell) stört diese negativistische Herangehensweise, dass ein Dienst immer erst einmal potentiell schlecht ist, und nicht potentiell gut. Das ist imo ein Hemmschuh für den Fortschritt.

    Ich bin gewiss niemand, der übermässig tolerant ist gegenüber allem und jedem, aber ich bin schon der Meinung, dass wir die Entwicklung erst einmal abwarten sollten (mal abgesehen davon, dass wir Twitter eh nicht aufhalten können), bevor wir urteilen.

  21. ich danke Euch für die inhaltliche Diskussion.
    Aber sagt mal, alles das, was Jan hier berechtigterweise anmerkt, weil das die Schwachstellen sind, die Mißbrauch ermöglichen, alles das trifft doch auch auf Apps zu – oder?

  22. Ohh, erste Kritik an Twitter aus der Techszene. Twitter hat wohl den Erfolgspunkt erreicht, wo es von gut zu böse wird.

  23. Ja Daniel, da kommst du natürlich sofort aus deinem Loch gekrochen ;)

    @ all
    Ich habe einfach mal ein paar der offenen Fragen an Twitter geschickt. Mal sehen, ob sie antworten.

  24. Schade, dass Twitter nun auch dort verkürzt, wo es gar nicht notwendig ist – sichere URLs erreicht man nicht primär durch einen weiteren Filter, sondern durch URLs, deren Ziel erkennbar ist.

    • Twitter wird die Links auf Twitter.com vollständig oder zumindest abgekürzt darstellen (z.B. “http://www.spiegel.de/artikel/…”)

      Der Nutzer merkt von der “Zwangsverkürzung” auf t.co bzw. der Click-Statistik nichts oder nur wenn er genau hinguckt beim Draufklicken.

  25. Vielleicht führt t.co ja auch dazu, dass wieder die ursprüngliche Idee von Twitter in den Vordergrund rückt?!

  26. Hallo,

    es stellt sich die Frage, ob man bei seinem bisherigen Shortener bleiben oder zum Verkürzer von Twitter wechseln sollte?

    In Anbetracht der Tatsache, dass insbesondere kleinere Anbieter ihre Pforten bald schließen könnten, sollte man zumindest als noch neuer Twitter-Nutzer meiner Meinung nach den Twitter-Shortener verwenden.

    Da mit Schließung eines Anbieters womögliche sämtliche dort in der Vergagenheit verkürzte Links futsch sind, sollte man es sich wirklich gut überlegen…

    Grüße

    Gretus

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