Die bessere Twitter-Suche:
FriendFeed, du lebst ja doch noch

Wer einen Tweet wiederfinden will, wird von Twitter hängen gelassen. Mit FriendFeed empfiehlt sich für diesen Zweck ein alter Bekannter.

Einer der größten Nachteile von Twitter ist, dass eigene Tweets nach nur wenigen Tagen bis Wochen nicht mehr via search.twitter.com durchsucht werden können. Das ist in sofern schade, als das der Dienst auch gerne als öffentliches Notizbuch verwendet wird, in dem man den ein oder anderen Link veröffentlicht, den man selbst nicht wieder vergessen möchte.

Für einen Artikel wollte ich gestern auf einen alten Tweet von mir zurückgreifen, von dem ich wusste, dass er eine Information enthielt, die ich benötigte. Nachdem ich meiner Verärgerung darüber Luft gemacht hatte, dass einmal mehr eine Kernfunktion nicht von Twitter selbst angeboten wird, verwies mich Markus Spath auf FriendFeed.

Richtig, da war doch was! FriendFeed, der von Facebook für knapp 50 Millionen Dollar aufgekaufte Lifestreaming-Dienst, dem außerhalb hartgesottener Geek-Kreise niemals der Durchbruch gelang und der nach der Akquisition – bei der es Facebook primär um die FriendFeed-Entwickler ging – schnell für halbtot erklärt wurde.

Was FriendFeed immer ausgezeichnet hat, war sein überwältigender Funktionsumfang. Dazu gehörte unter anderem das Durchsuchen des importierten Streams der Aktivitäten auf anderen Seiten. Tatsächlich hatte ich FriendFeed vor langer Zeit Zugang zu meinem Twitter-Stream gewährt. Das zahlte sich nun aus!

Nach Markus’ Tipp steuerte ich FriendFeed an und gab im Suchefeld folgende Syntax ein: “service:twitter from:martinweigert linkedin”. “service:twitter”, weil FriendFeed nur meine Tweets und keine anderen importierten Aktivitäten durchsuchen sollte, “from:martinweigert”, weil es nur meinen Lifestream scannen sollte, und “linkedin”, weil das ein Begriff war, den der von mir gesuchte Tweet enthielt.

Zweimal bekam ich eine Fehlermeldung, aber beim dritten Mal ging es dann und FriendFeed zeigte mir den betreffenden Twitter-Eintrag vom Oktober 2009 an.

Die Tatsache, dass die FriendFeed-Suche derzeit einem Glücksspiel gleicht sowie der Nutzerexodus der vergangen Monate lassen befürchten, dass Facebook sein “Testlabor” FriendFeed eines Tages vielleicht doch vom Netz nehmen könnte. So lange der kränkelnde Patient aber noch auf zwei Beinen steht und das tut, was Twitter selbst nicht beherrscht, könnte es sich für den ein oder anderen Twitter-User lohnen, sein FriendFeed-Konto zu entstauben und den persönlichen Twitter-Stream dort zu importieren.

Wer nach Alternativen sucht, seine Tweets zu archivieren, findet diese womöglich in diesem ReadWriteWeb-Artikel.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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6 Kommentare

  1. Das ist ja mal ein skurriler, aber äußerst nützlicher Tipp! Da wäre ich ja im Leben nicht drauf gekommen, geschweige denn dass es diese Suchoperatoren auf Friendfeed überhaupt gibt. Friendfeed läuft bei mir eigentlich nur noch so nebenbei mit – aggregiert halt automatisch meine sonstige Social Media Dienste. Mal sehen wie lange FF noch online bleibt.

  2. Super hilfreich der Tipp! FF hatte ich wie mein Vorredner nur nebenbei am Laufen, wieder vergessen und nun habe ich es auch wieder sowas wie wiederentdeckt.

    Es empfiehlt sich wirklich als guter Web 2.0 Aggregator und Tracker für andere, die mitlesen.

    Danke für den Reminder! (bei den vielen Web 2.0 Anmeldungen verliert man schnell den Nutzen einer Applikation)

    gr. Alex

  3. Besten Dank für den Tipp, werde ihn über’s Wochenende ein wenig verbreiten..

  4. Da FriendFeed (glaube ich) nur Tweets indiziert von Nutzern, die dort auch angemeldet sind reicht dies manchmal nicht aus…

    Da hilft aber Good-Old-Google … dort bekommt man per “site:twitter.com inurl:BENUTZERNAME Suchbegriff” auch so ziemlich alles was man will…

  5. Gerade getestet. Auch Google scheint aber nur Tweets einige Tage oder Wochen zu indizieren. Zumindest gab’s bei meiner Suche nach “site:twitter.com inurl:martinweigert linkedin” nur ein einziges Resultat – vom 30. April.

    Insofern ist FriendFeed da für den eigenen Stream die bessere Lösung. Aber du hast recht, es indiziert nur die Streams der Nutzer, die bei FF angemeldet sind.

  6. Ich finde Friendfeed besser als den ziemlich behäbig handhabbaren Google Reader. Trotzdem er schon ganz gut entwickelt ist, wird er leider auch nicht weiter entwickelt. Etwa mit mehr Möglichkeiten zum Ordnen der Gruppen oder Anlegen von Lesezeichen.

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  1. [...] via Die bessere Twitter-Suche: FriendFeed, du lebst ja doch noch » netzwertig.com. [...]

  2. [...] Vor einigen Wochen beschrieb ich, wie sich das schon fast tot geglaubte FriendFeed dafür einsetzen lässt, ältere Twitter-Streams zu durchsuchen – eine Funktion, die Twitter selbst nicht anbietet. [...]