Skype:
Das alternative Social Network

560 Millionen Anwender haben ein Konto beim beliebten VoIP- und Chat-Dienst Skype. Eine atemberaubende Zahl. Doch noch immer bleibt viel Potenzial ungenutzt.

Skype, der beliebte VoIP- und Chat-Client, hat beeindruckende Zahlen veröffentlicht: 560 Millionen registrierte Nutzer verzeichnete das im September von eBay abgestoßene Unternehmen zum Ende des vierten Quartals 2009, eine Steigerung von 39 Millionen im Vergleich zum dritten Quartal.

35 Prozent davon verwenden Skype für berufliche Zwecke. Zu Hoch-Zeiten sind 23 Millionen Benutzer gleichzeitig eingeloggt. Geschäftszahlen veröffentlicht das Unternehmen nicht mehr, war jedoch bereits unter eBay-Regie profitabel. Der Quartalsumsatz liegt mittlerweile bei knapp 200 Millionen Dollar und damit ungefähr auf Facebook-Niveau.

Skype hat damit in etwa genauso viele registrierte Nutzer wie Facebok (ausgehend von fast 450 Millionen aktiven Facebook-Anwendern) und deutlich mehr als Hotmail, Yahoo oder Gmail. Es erreicht mit seinem Angebot fast ein Drittel aller 1,73 Milliarden User weltweit.

Und trotzdem sind es andere Internetunternehmen, welche die Schlagzeilen dominieren. Vielleicht stört sich Skype nicht daran, immerhin hat man mit kostenpflichtigen Premium-Diensten wie SkypeIn und SkypeOut sowie mit der Lizensierung von Skype-tauglicher Hardware ein zufriedenstellendes Geschäftsmodell gefunden. Dennoch stellt sich mir die Frage, ob das alles sein soll.

Und nicht nur mir. Twitter-User Sebastian machte am Dienstag den Vorschlag eines Peer-to-Peer Social Network auf Basis von Skype. Tatsächlich klingt die Idee, ein soziales Netzwerk rund um den Skype-Client aufzubauen, äußerst spannend. Letztlich ist es das ja ohnehin bereits jetzt, nur mit einer anderen Technologie im Hintergrund (Peer-to-Peer) und einem etwas anderen Funktionalitätsschwerpunkt.

Was also könnte Skype tun? Der erste Schritt wäre eine Weboberfläche, die über die derzeit existierende Kontoverwaltung hinaus geht. Über sie müsste man Zugriff auf seine Kontakte haben, Telefonate führen und Nachrichten vom Anrufbeantworter abhören können. Jeder Skype-Anwender könnte eine eigene, nur für bestehende Kontakte zugängliche Profilseite erhalten, die mit den im aktuellen Skype-Profil gemachten Informationen befüllt würde.

Skype-User hätten dann die Möglichkeit, entweder über den Client oder die Weboberfläche einander anzurufen, Voice-Mails oder Chat-Nachrichten zu hinterlassen, die anders als derzeit auch übermittelt würden, wenn ein Nutzer offline ist.

Im Gegensatz zu den heutigen Social-Networking-Giganten hat Skype ein deutliches geringeres Bedürfnis, möglichst viele Daten der Anwender öffentlich zu machen oder für die Vermarktung auszunutzen. Denn ein funktionierendes Geschäftsmodell gibt es bereits, und mit dem bestehenden System der Skype Credits ließe sich innerhalb des sozialen Netzwerks sicherlich noch vieles anstellen.

Skype könnte eine Lücke füllen, welche die nach “Offenheit” strebenden Konkurrenten hinterlassen: persönliche Online-Kommunikation in einem sicheren, stabilen Rahmen.

Die größte Herausforderung läge für Skype vermutlich darin, dass jedwede Art von webbasiertem Social Network sowie die Funktion der Übermittlung von Offline-Nachrichten, wie man sie von anderen Instant Messengern wie ICQ oder AIM her kennt, eine Veränderung des bisher verwendeten, proprietären Skype-Protokolls erforderlich machen würde. Damit würde das bewährte Skype-Prinzip der Peer-to-Peer-Kommunikation ohne Zwischenlagerung auf einem Server aufgeweicht.

Andererseits speichert Skype auch heute bereits einige Anwenderdaten wie zum Beispiel Profilinformationen sowie Voice Mails auf einem zentralen Server. Eine Ausweitung dessen oder ein Hybrid-Modell aus zentraler und dezentraler Struktur wäre sicherlich vorstellbar. Ob sich dies negativ auf Skypes Kernfunktionalität auswirken würde, wissen nur die Skype-Entwickler.

Für mich ist klar, dass Skype viel ungenutztes Potenzial besitzt. Auch ist offensichtlich, dass vor allem die Transformation von Facebook zu einer Plattform für öffentliche Kommunikation die allgemeine Nachfrage nach einem alternativen Social Network erhöht. Skype könnte diese Aufgabe übernehmen. Wenn es will.

Übrigens: Wer Skype im Browser nutzen möchte, sollte einen Blick auf imo.im werfen.

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16 Kommentare

  1. Michael S.
    schrieb am 23. April 2010 um 10:17 Uhr (#)

    Ich wäre ja schon glücklich, wenn Skype endlich mal eine “unsichtbar für bestimmte Teilnehmer”-Funktion einbauen würde…

    Danke für den imo.im Link, kannte ich noch nicht.

  2. jedimax
    schrieb am 23. April 2010 um 10:32 Uhr (#)

    Worüber ich mich derzeit am meisten freuen würde: HD-Video.

    Da ich meistens nur mit anderen Anwendern telefonieren ist es für mich komplett kostenlos. Ich wäre allerdings dafür bereit zu zahlen, dass meine Videoqualität deutlich besser wird. Derzeit übermittelt Skype in 640×480. Vielleicht bin ich nur von Blueray usw. so verwöhnt, aber dafür würde ich am ehesten Geld bezahlen.

  3. Martin
    schrieb am 23. April 2010 um 10:54 Uhr (#)

    Sehr interessanter Gedankengang. Es wäre meiner Meinung nach bitter nötig, einen zweiten Player nebst Facebok zu etablieren.

  4. Baboon
    schrieb am 23. April 2010 um 11:04 Uhr (#)

    Ich glaube nicht das Skype das Ziel hätte so etwas zu machen. Ich erinnere mich letztens gelesen zu haben, dass sie sich jetzt auch verstärkt um die VoIP Dienste kümmern möchte, welche in Fernsehgeräte integriert sind. Videotelefonie übers Fernsehen ist doch einfach Klasse und ich glaube es ist auch richtig sich auf ein Kerngeschäft zu konzentrieren und sich nicht von jedem möglichen Hype anstecken zu lassen. Skype war schon immer ein Dienst zum telefonieren und das sollte es auch bleiben. Gewinn machen sie ja anscheinend, warum also umdenken?

  5. marco
    schrieb am 23. April 2010 um 11:34 Uhr (#)

    Muss denn alles “social enabled” werden? Und würde es nicht gerade dann für Business Kunden wieder weniger interessant (MA tauschen Fotos aus, anstatt zu telefonieren)?

  6. marco
    schrieb am 23. April 2010 um 11:36 Uhr (#)

    Da fällt mir gerade noch zyb.com ein, die meiner Meinung nach überflüssigerweise ihre Dienste mit Social Features angereichert haben, ich kann mir nicht vorstellen sehr erfolgreich.

  7. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 23. April 2010 um 13:17 Uhr (#)

    @ Baboon & marco

    Wie im Artikel auch beschrieben – Skype ist ja letztlich bereits “social enabled”. Nur gleichzeitig irgendwie gehandicapt.

    Sicherlich ist ein Fokus auf die Kernfunktionalität häufig richtig. Aber auch oder gerade im Internet gilt: Wer rastet, der rostet. Und ich finde persönlich nicht, dass Text-Kommunikation (Facebook) und Voice (Skype) so verschiedene Paar Schuhe sind. Zumal ja beide ansatzweise auch im jeweiligen Bereich des anderen wildern (Chat).

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob nun ein Social Network auf Skype-Basis am Ende wirklich sinnvoll ist. Zumindest mal ins Auge fast sollte man es aber, finde ich. Potenzial gibt es.

  8. Gerd
    schrieb am 23. April 2010 um 13:28 Uhr (#)

    Es wäre DRINGEND nötig eine zweite große Kiste neben Facebook zu etablieren. Internet, Kommunikation, Datensammlerei nur einem einzigen Unternehmen weltweit zu überlassen halte ich für die größte Gefahr ÜBERHAUPT.

    1. Manuel
      schrieb am 23. April 2010 um 14:00 Uhr (#)

      Die Dominanz von Facebook macht mir auch Sorgen, aber so schwarz sehe ich nicht. Der Grossteil des Web und Kommunikationsdienste wie Mail sind unabhängig von Facebook. Ohne Facebook bekommt man vielleicht nicht mit was seine Freunde gefrühstückt haben oder dass $heimliche_Liebe den Beziehungsstatus in “Single” geändert hat, aber in Kontakt bleiben kann man trotzdem. ;-)

      Als Gegenspieler sähe ich lieber Google. Skype ist für mich nicht gerade Sympathieträger mit ihrer proprietären Technologie. Oder natürlich einen offenen Standard, mit dem jeder einen Server betrieben kann und man trotzdem verbunden ist. Aber das wird wohl ein Wunschtraum bleiben.

  9. marco
    schrieb am 23. April 2010 um 14:06 Uhr (#)

    “Oder natürlich einen offenen Standard, mit dem jeder einen Server betrieben kann und man trotzdem verbunden ist. Aber das wird wohl ein Wunschtraum bleiben.”:

    http://code.google.com/intl/de-DE/apis/opensocial/

    Nur ists halt nicht so lustig, wenn alle auf Facebook sind und die es nicht unterstützen.

  10. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 23. April 2010 um 14:28 Uhr (#)

    Ja das mit dem offenen Standard und dem dezentralen Netzwerk ist eben so ne Sache. So gut die Vision klingt, so viele praktische Probleme stehen ihr im Weg.

  11. Albert
    schrieb am 23. April 2010 um 14:56 Uhr (#)

    und ich hab allein 3.

  12. Christoph
    schrieb am 23. April 2010 um 15:01 Uhr (#)

    Ich bin ganz froh, dass Skype nicht auf den Social Networking Gedanken mit aufgesprungen ist. Schließlich haben wir mittlerweile mehr als genug soziale Netzwerke und dank Ning und Mixxt kommen ja auch ständig neue dazu. Der Weg den sie gehen ist schon richtig und die hier gewünschte HD Telefonie wird es ja schließlich auch bald geben.

  13. Ulrich
    schrieb am 26. April 2010 um 15:58 Uhr (#)

    Ich denke auch, dass skype noch große Potenziale ungenutzt lässt, unter anderem den Social Network Gedanken.
    Ich habe auf meiner skype Liste Leute die im Leben facebook nicht nutzen würden, aber ich sehe sie regelmäßig online in skype.
    Und um die in den obigen Kommentaren teilweise geäußerten Wunsch-Features von skype zu ergänzen:
    - ordentliche History (inkl. Tagebuchdruckfunktion à la myfamebook ;)
    - History zwischen Rechnern synchronisieren
    - Online-Speicher für übertragenen Dateien + Vertaggung + Zeitlinie ähnlich der beim Thunderbird
    - deutlich verbesserte Suche
    - etc.

  14. Martin
    schrieb am 28. April 2010 um 12:46 Uhr (#)

    Erstmal wär ja spannend zu wissen, wieviel aktive Nutzer Skype wirklich hat. Man kann Accounts nicht löschen, daher hab ich inzwischen so 5-6 gesammelt, von denen ich einen eher sporadisch benutze und den Rest gar nicht.

  15. Ulrich
    schrieb am 10. Mai 2010 um 20:23 Uhr (#)

    Jetzt monetarisieren sie über Werbung: http://readwriteweb.com/a…_considering_ads.php

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