Facebook:
Die Geister, die es rief

Zwei Tage nach der Vorstellung weitreichender Neuerungen formiert sich Widerstand gegen Facebooks Vorhaben.

Nur zwei Tage nach der Verkündigung weitreichender Neuerungen bei Facebook formiert sich angesichts der tiefgreifenden Eingriffe in die Privatsphäre der Mitglieder erster Widerstand. Zahlreichen kritischen Blogbeiträgen (z.B. hierhierhier und hier) folgen nun erste symbolische Protestaktionen bekannter Köpfe der Web-Szene.

So hat Google-Entwickler Matt Cutts es einigen seiner Kollegen gleichgetan und laut eigener Aussage auf Twitter sein Facebook-Konto deaktiviert. Das darf angesichts des zunehmenden Konkurrenzkampfs zwischen den beiden Unternehmen zwar nicht ganz neutral betrachtet werden. Dennoch ist es grundsätzlich keine gute Entwicklung, wenn einflussreiche Early Adopter einen Onlinedienst verlassen und dies auch noch lautstark verkünden.

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Eine Gruppe New Yorker Internetunternehmer und Investoren hat unterdessen OpenLike gestartet (openlike.org), eine Initiative mit dem Ziel, eine Alternative zu Facebooks webweitem Like-Button zu entwickeln.

Mein Kollege Markus beschreibt auf seinem Blog hackr.de, wie sich Twitter die Diskussion rund um Facebooks unter der Bezeichnung “Open Graph” zusammengefasste neue Funktionen zu Nutze machen und eine Alternative präsentieren könnte. Als seit jeher öffentliches Publiktionsnetzwerk müssten sich Twitter und seine Benutzer sehr viel weniger Gedanken um die datenschutzrechtlichen Konsequenzen eines solchen Schrittes machen.

Währenddessen scheint Facebook bereits auf die aufflammende Kritik reagiert zu haben: Die umstrittene Funktion, mit der Facebook bisher drei ausgewählte Partnerseiten vorab und ohne vorherige Rückfrage beim Nutzer mit einigen personenbezogenen Profilinformationen versorgen will, ist für Anwender in einigen europäischen Ländern (u.a. in Deutschland) in den Privatsphären-Einstellungen nun als Standard deaktiviert – laut bisheriger Kommunikation von Facebook und nach Aussage von US-Anwendern sollte das Feature eigentlich automatisch aktiviert werden. Am besten wäre, ihr schaut selbst einmal nach.

Achja, und yiid, Aggregator für soziale Netzwerke, verkündet die Entwicklung eines open Dislike-Buttons. Über die Ernsthaftigkeit dieses Plans darf spekuliert werden.

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4 Kommentare

  1. Marco
    schrieb am 23. April 2010 um 21:55 Uhr (#)

    Hallo Martin,

    als Insider kann ich Dir zusichern, dass uns das mit dem openDislike Button ernst ist.

    Heute in einer Woche kannst Du hin hier einbauen wenn Du möchtest.

    Grüße
    Marco

    1. Herr Voß
      schrieb am 25. April 2010 um 18:20 Uhr (#)

      Kann ich an der Idee “Dislike” klicken? Ich finde die Like-Buttons super, weil sie eine positive Atmosphäre erzeugen. Ein Buddhistisches Motto lautet: “Wenn Du nichts Positives zu sagen hast, halte lieber die Fresse.” Und ich finde, da steckt viel Weisheit drin. Der Dislike-Button ist eine Einladung an die Trolle…

  2. Christoph Kappes
    schrieb am 24. April 2010 um 12:22 Uhr (#)

    - hier korrigierte Fassung, box hatte timeout, bitte vorherigen kommentar löschen –

    Ich habe gestern mein Konto deaktiviert – und es fühlt sich richtig an. Folgende Gründe:

    1. FB loggt über den iFrame das Nutzungsverhalten auf fremden Websites (für FB-Mitglieder, die Cookies nicht ausgeschaltet haben). Das ist – abgesehen von rechtlichen Bedenken – eine Täuschung von Usern, die meinen, dass nur “Like” zu klicken zur Datenübergabe an Facebook führt.

    2. Ich bin nach längerem Nachdenken der Auffassung, dass der Einsatz des iFrames auch den beteiligten Partnern keinen Vorteil bringt, denn erstens ist es ein Nullsummenspiel, wenn alle diesen iFrame einsetzen, zweitens geben alle Betreiber so die FB-Identität ihrer Kunden an FB weiter. Ich dachte bis gestern, dass man so dumm nicht sein kann, seine Kundendaten an FB zu geben, ohne etwas zu bekommen, aber offensichtlich geht das doch.

    3. Der politische Protest *innerhalb* von Facebook ist kontraproduktiv, da die Abrufzahlen steigen. Der Zuwachs von Mitgliedern beträgt in Q1 zwischen 500.000 und ca 1.000.000 deutschen Usern MONATLICH – dagegen sind also 60.000 User in Protestgruppen “nichts”. Wenn man überhaupt symbolisch agiert, dann durch das deaktivieren.

    4. Der Opengraph ist nur hinsichtlich des Protokolls und der Datenstrukturen “open”. Solange Facebook das einzige Repository mit Userdaten ist, wird über “open” ein Datensilo gefüllt, das unter Kontrolle von Facebook ist.

    5. Mit den neuen Nutzungsbestimmungen darf Facebook die Nutzerdaten inklusive sozialem Graphen und getrackten URLs an Partner wie Bing weitergeben. Aus meiner User-Sicht mag das okay sein, wenn ich eine Suchmaschine nutze, weil ich dann als Gegenleistung bessere Suchergebnisse bekomme (-> Google). Wenn ich sie aber nicht nutze, sehe ich keinen Grund, der Datenweitergabe zuzustimmen.

    6. Das Deaktivieren setzt das Konto nur in einen passiven Zustand. Mit einem Login ist es wieder aktiv.

    7. Ich bin es leid, die Hilflosigkeit der politischen Ebene weiter zu beobachten, die von populistischem Einzelaktionismus geprägt ist, und will selber etwas tun.

    1. Manuel
      schrieb am 25. April 2010 um 14:54 Uhr (#)

      Ich habe gestern mein Konto deaktiviert – und es fühlt sich richtig an.

      Das halte ich für die beste Reaktion! Zwar wird FB kein grosses Problem haben wenn die paar zehntausend User in den Protestgruppen ihren Account deaktivieren. Aber diese User haben Freunde, von welchen einige nachfragen werden, wieso man nicht mehr über FB erreichbar ist. Dann hat man die Chance es ihnen zu erklären. Einige der Freunde werden ihr Konto dann evtl. auch deaktivieren. Umgekehrter Netzwerkeffekt sozusagen. ;-)

      Wie dem auch sei, auf jeden Fall ist es eine konsequente Haltung. Ein FB Konto zu haben und sich gleichzeitig darüber aufzuregen kommt mir etwas vor wie jene, die am Stammtisch über die Politiker schimpfen aber dann trotzdem nicht zur nächsten Wahl gehen. ;-)

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