Like-Button:
Facebooks Version der
“Thank You Economy”

Jeder Betreiber einer Website kann ab jetzt Facebooks “Gefällt mir”-Button integrieren. Der Erfolg dieses Features ist programmiert. Die Konsequenzen können weitreichend sein.

Like-Button
Like-Button

Man kann zu den von Facebook auf seiner Entwicklerkonferenz f8 verkündeten Neuerungen stehen wie man will: Sie werden das Netz verändern.

Eines der neuen Social Plugin Features, das wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit auf Zehntausenden von Websites zu finden sein wird, ist der Like- oder “Gefällt mir”-Button. Jeder, der eine Präsenz im Netz betreibt – egal ob eine gut besuchte Nachrichtensite oder ein kleines Nischenblog, kann mit wenigen Zeilen Code einen solchen Button neben seinen Artikeln platzieren.

Like-Button auf einer Website
Like-Button auf einer Website

Kommt ein bei Facebook eingeloggter Besucher auf einer mit Like-Buttons versehenen Website vorbei und findet dort einen Beitrag gut, kann er das durch einen Klick auf den Button zum Ausdruck bringen. Gleichzeitig sieht er, welche seiner Facebook-Freunde ebenfalls den Artikel mochten. Anschließend taucht die Aktion als Objekt im persönlichen Newsfeed und im Feed der Facebook-Kontakte auf.

Gefällt-mir-Aktionen im Facebook-Newsfeed
Gefällt-mir-Aktionen im Facebook-Newsfeed

Ich hatte im Februar schon einmal beschrieben, wie Facebook mit seinen Funktionen bestimmte Nutzungsmuster bei seinen über 400 Millionen aktiven Anwendern ausprägt, die anschließend zum Standard auch an anderer Stelle im Netz werden. Das Betätigen des Like-Buttons gehört dazu, wie auch Internetinvestor Fred Wilson feststellte.

Nutzer sind von Facebook so sehr daran gewöhnt, Aktionen und Inhalte mit einem “Like” zu belohnen, dass sie dies auch überall außerhalb des Social Networks machen, wo ihnen die Möglichkeit geboten wird.

Der Like-Knopf als Social Plugin trägt dem Rechnung. Er befriedigt das für manche schon zum Reflex gewordene Bedürfnis, ihr Gefallen über etwas auszudrücken. Er gibt Inhalteanbietern direktes Feedback und belohnt sie mit erhöhter Viralität durch das automatische Veröffentlichen von Likes in den Newsfeeds der Leser. Und er verrät Facebook alles über die thematischen Präferenzen und Anwendungsmuster seiner Nutzer.

Es besteht daher für mich kein Zweifel daran, dass die Integration von Facebooks Like-Button schnell zu einem Muss für viele Websites werden wird. Ungeachtet dessen, ob sie wollen oder nicht.

Damit bleibt die Frage, was dies für all die anderen Buttons und Widgets bedeutet, die Betreiber von Internetpräsenzen in Form von Twitter-, Google Buzz-, Digg- und anderen Sharing-Icons unter ihren Inhalten anzeigen können. Wird der Like-Button von Facebook die Aufmerksamkeit für andere Sharingdienste verringern sowie das Bedürfnis der Nutzer, den Link zu einem Beitrag auch noch zu twittern? Übernimmt der Like-Button aus Usersicht mittelfristig vielleicht gar die Funktion dessen, was der neue Micropaymentanbieter Flattr plant – nur ohne direkt Einnahmen für die Macher der Sites zu generieren?

Eine Milliarde Likes möchte Facebook innerhalb eines Tages auch durch Mithilfe der bereits an Bord befindlichen Partner wie CNN.com generieren. Das klingt vollmundig, ist aber bei weitem nicht unrealistisch.

Update: Im aktuellen Entwicklungsstadium lässt sich mit dem Like-Button relativ leicht Missbrauch betreiben. Es empfiehlt sich also nach jedem Betätigen des Like-Buttons, zu schauen, welcher Text im eigenen Facebook-Feed auftaucht.

(Foto: Flickr, CC-Lizenz)

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10 Kommentare

  1. Thorsten S.
    schrieb am 22. April 2010 um 10:34 Uhr (#)

    … und nun wird damit auch endgültig klar, warum Facebook beim letzten Redesign den Logout-/Abmelden-Link so gut versteckt hat! (Dein Artikel vom 06. Februar 2010)

  2. Tom
    schrieb am 22. April 2010 um 13:07 Uhr (#)

    Es wird nicht lange dauern bis darauf ein Zahlungsservice ala http://flattr.com/ aufgebaut wird. FB würde sicher liebend gerne eine eingetragene Kreditkarte im Profil haben. Und die Idee von http://flattr.com/ ist bestechend einfach und auch gut.

  3. Andre S.
    schrieb am 22. April 2010 um 13:22 Uhr (#)

    Ein sehr intereressanter Gedanke, den “Like” Button mit dem wirtschaftlichen Aspekt in Verbindung zu bringen und den Link zu Flattr und Co zu machen! Und da Facebook ja auch sein Credit System im Köcher hat, könnte sich theoretisch auch aus “Like” und einer Facebook Währung ein monetäres Vergütungssystem für die Macher der Sites entwickeln.

    Schlussendlich sind “Like” oder Micropayments aber m.E. Konzepte, die nicht in mehr oder weniger geschlossenen Silos stattfinden, sondern auf offenen Standards basieren und sich im Browser abspielen sollten, wie ich gerade gestern in meinem Blogbeitrag dargelegt habe.

    Die Diskussion um die verwandten Themen wie “Thank you economy”, Vergütungsmodelle für die Autoren von Inhalten und Paid Content werden sicher weitergehen und sind höchst spannend!

  4. Manuel
    schrieb am 22. April 2010 um 14:32 Uhr (#)

    Ein paar Zeilen Code? Hm, wenn das so einfach wäre, würde ich das machen, aber die developers-beschreibung von Facebook klingt dann doch sehr sehr kompliziert.

  5. Alyeti
    schrieb am 22. April 2010 um 15:05 Uhr (#)

    Der “Like”-Stream wird uns erst erschlagen und dann ausgeblendet, denn die News kommen meistens zu einem Zeitpunkt an dem wir uns gerade nicht für die Entdeckungen unserer durchschnittlich 130 Friends interessieren.
    Da ist Google besser dran, wer sucht, ist offen.

  6. wolfgang
    schrieb am 22. April 2010 um 15:55 Uhr (#)

    Hm, wenn das so einfach wäre, würde ich das machen, aber die developers-beschreibung von Facebook klingt dann doch sehr sehr kompliziert.

    Verstehe ich nicht. Das ist doch wirklich dead simple.

  7. zrendavir
    schrieb am 23. April 2010 um 05:02 Uhr (#)

    Ich habe wie Alyeti auch eher die Befürchtung, dass der Like-Stream zu nerviger Überflutung führen wird. Ob ein aggregierter Like-Stream was bringen wird? hmm. Aber als Power-User hätte ich eh Hemmungen, zu viel zu liken, und damit meine Freunde zu spammen.

  8. Manuel
    schrieb am 23. April 2010 um 23:35 Uhr (#)

    Muss man die Seiten auf denen man den Button haben will zuerst anmelden bzw. werden die geprüft? Oder kann man eine Seite mit üblem Inhalt erstellen, Button einbinden (per Javascript ausgelöst) und dann Opfer auf die Seite locken? Und die haben dann “Otto Müller likes http://www.schwulenporno.de” im Profil?

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 24. April 2010 um 09:02 Uhr (#)

      Websitenbetreiber können das machen wie sie wollen, eine vorherige Anmeldung bei Facebook ist nicht notwendig.

  9. Thomas
    schrieb am 3. Mai 2010 um 12:11 Uhr (#)

    Muss man mal testen, denke man kann auch einige Freunde dadurch verlieren!

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