“Twitter for iPhone”:
Twitter kauft Tweetie

Bisher hat sich Twitter mit Akquisitionen zurückgehalten. Vor wenigen Stunden jedoch verkündete der Dienst die Übernahme der populären iPhone-Applikation Tweetie. Aus ihr wird nun “Twitter for iPhone”.

TweetieEs war ein aufgeregter Freitagabend/ Samstagmorgen für die Twitterwelt: Vor wenigen Stunden gab der Microbloggingdienst aus San Francisco bekannt, Atebits, das Unternehmen hinter der iPhone-Applikation Tweetie, gekauft zu haben. Eine Summe wurde nicht genannt.

Tweetie ist eine der beliebtesten Twitter-Anwendungen für Apples Smartphone und wurde bisher in einer Gratis- und einer Bezahlversion angeboten. In einem Blogbeitrag kündigt Twitter an, die Applikation in “Twitter for iPhone” umzutaufen und fortan kostenlos bereitzustellen. Tweetie-Entwickler Loren Brichter wird Teil des Twitter-Teams.

Als Grund für die Akquisition gibt Twitter an, dass Nutzer im iPhone App Store nach einer offiziellen Anwendung von Twitter suchen würden, aber stattdessen nur Software von Drittanbietern finden. Mit Twitter for iPhone ändert sich das. Was mit der von Atebits ebenfalls angebotenen Tweetie-Software für Mac geschehen wird, ist unklar.

Die Übernahme hat bereits rege Diskussionen in der Entwicklercommunity ausgelöst. Betreiber von Applikationen müssten sich nun stets Sorgen machen, von Twitter selbst Konkurrenz zu bekommen, so der Tenor. Als Indiz hierfür könnte auch der Start einer eigenen, von Twitter veröffentlichten Blackberry-App gewertet werden.

Bisher verhielt sich Twitter zurückhaltend, was Akquisitionen betraf. Nur der Such-App Summize konnte Twitter nicht widerstehen, übernahm sie und machte sie zur offiziellen Twitter-Suchmaschine. Ebenfalls von Twitter einverleibt wurde im Dezember GeoAPI, eine Plattform für ortsbasierte Dienste.

Gemunkelt hat man über potenzielle Übernahmen fleißig, und im November kündigte Twitter-Gründer Biz Stone auch eine entsprechende Offensive für 2010 an.

Welche Auswirkungen der jüngste Schritt letztlich auf das Ökosystem von Twitter-Applikationen haben wird, bleibt abzuwarten. Wie immer lässt sich das Glas sowohl als halbleer als auch als halbvoll betrachten. Während manch ein Entwickler jetzt fürchtet, Twitter würde Schritt für Schritt immer mehr eigene Produkte rund um seinen 140-Zeichen-Service anbieten, dürften andere sich angespornt fühlen, ein derartig gutes Angebot auf die Beine zu stellen, um anschließend von Twitter übernommen zu werden. Immerhin ist das auch ein schlauer Weg, um bei dem populären Dienst aus San Francisco einen Job zu erhaschen.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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3 Kommentare

  1. Ich weiß noch nicht ob ich glücklich oder traurig sein soll. Ich nutze Tweetie auf dem iMac und Tweetie2 auf dem iPhone. Ich befürchte dass das Produkt unter dem Wechsel leiden könnte. Könnte aber hoffentlich auch eine Fehleinschätzung sein. Nur ist es ja so, dass die wenigsten Arbeitnehmer weiter echtes Herzblut in ihr verkauftes Produkt stecken.

    Da zahl ich lieber $2.99.

  2. Ähm, Tweetie gab es nie in einer Gratisversion!

    • @jimmy Die “Tweetie” die “Mac OS”-Version schon. Die iPhone-Variante “Tweetie²” hingegen gibt es nicht kostenlos.

5 Pingbacks

  1. [...] Martin Weigerts Ansicht kann ich mich nicht ganz anschliessen: [...]

  2. [...] StatusNet nutzt die Gunst der Stunde und erinnert Entwickler daran, dass es auch Alternativen zu Twitter [...]

  3. [...] hat die iPhone-Applikation Tweetie übernommen und damit in Teilen der Entwicklercommunity Besorgnis ausgelöst. Betreiber von externen Anwendungen befürchten nun, dass der Microbloggingdienst ihnen zukünftig [...]

  4. [...] gegensätzliche, auf netzwertig geäußerte Annahme, die Übernahmemöglichkeit durch Twitter könnte von Entwicklern wohlwollend [...]

  5. [...] den bisher in friedlicher Partnerschaft koexistierenden Twitter-Apps mit einem eigenen Angebot Konkurrenz machen würde – eine Strategie, die durchaus auch Risiken [...]