Freies Internet:
Das iPad ist keine Bedrohung
In wenigen Tagen beginnt der Verkauf des iPad – zunächst in den USA, zwei bis drei Wochen danach auch in Europa. Dieses Ereignis wird – genau wie die Produktvorstellung vor einem Monat – in der Netzwelt zu widerstreitenden Emotionen führen.
Das iPad kommt: Am Samstag liefert Apple die ersten Geräte aus. Die einen freuen sich schon heute darauf, die neue Art des Umgangs mit einem Computer (und dem Internet) dann endlich selbst austesten zu können. Die anderen würden am liebsten auf die Barrikaden gehen: Weil sie im iPad eine weitere Attacke auf das “Freie Internet” sehen.
Eins ist jedenfalls klar: Folgenlos wird diese Markteinführung nicht bleiben. Der unter den “Digirati” aktuell vermutlich am kontroversesten diskutierte Trend – und das iPad ist hier nur die Speerspitze einer Bewegung, die mit den Smartphones schon ordentlich Fahrt aufgenommen hat – ist die Ver-Appisierung des Webs.
Nach dem großen Erfolg des iPhones und Apples App Store geht die Angst vor Walled Gardens um, abgeschlossenen Gärten im Internet, in denen die Gerätehersteller und Plattformbetreiber bis ins Detail kontrollieren, welche Inhalte mit welchen Anwendungen konsumiert werden.
Kritiker sprechen von Zensur, Gängelung, Enteignung der Anwender und befürchten, dass die Betreiber zu nahezu omnipotenten Big Brothers in ihren Gärten werden.
Geschürt werden solche Befürchtungen unter anderem durch die rigide Eingangskontrolle im App-Store von Apple, durch Amazons Rückholaktion bereits gekaufter Bücher von den Kindle-Lesern seiner Kunden und ähnlichen Ereignissen.
Andere Kritiker bemängeln, dass mit den Miniaturprogrammen für mobile Endgeräte das Internet wieder proprietär wird: Viele Funktionalitäten, die in den vergangenen Jahren in Form von Websites bereit gestellt wurden – die mit nahezu jedem Browser auf nahezu jedem Gerät genutzt werden können – kommen auf einmal als Mini-Programme daher, die nur auf genau einer Gerätefamilie laufen (Apple, Blackberry, Android, Microsoft, Palm …)
Diese Entwicklung macht das Leben übrigens auch für Unternehmen, die Inhalte auf mobilen Plattformen bereitstellen wollen, nicht wirklich leichter. Statt diese Inhalte im einigermaßen standardisierten Web bereit zu stellen, müssen sie nun ein halbes Dutzend Programme für die unterschiedlichen Plattformen entwickeln (lassen) und diese dauerhaft pflegen und aktualisieren.
Andere Inhalte-Anbieter (unter anderem die Verleger) freuen sich zwar einerseits über die neue Möglichkeit, Inhalte über den App-Store kostenpflichtig anbieten zu können. Andererseits sind sie besorgt, dass Apple ihn über seine proprietären und kontrollierten Distributionskanäle die Kontrolle über die Kundenbeziehung entzieht und auch in anderen Märkten eine ähnlich starke Position einnimmt wie im Musikmarkt.
Hat Apple mit den Apps also eine Büchse der Pandora geöffnet und gewollt oder ungewollt das Ende des freien Internets eingeläutet – was von jedem freiheitsliebenden Onliner bekämpft werden muss?
Ich denke nicht … und ich denke, das lässt sich sogar nachvollziehbar begründen :)
iPhone Apps sind (auch) eine Modeerscheinung
Ein ganz wichtiger Grund, warum ich mir über die aktuelle Sintflut von Apps keine wirklich große Sorge mache, ist die Tatsache, dass Apps eine Modeerscheinung sind. Durch den großen Erfolg des iPhones und den extrem hohen Coolness-Faktor des Produkts ist (war?) es für viele Unternehmen und Organisationen eine Zeit lang “irgendwie cool”, eine eigene App zu entwickeln und seinen Kunden/Lesern/Partnern anzubieten. Dieser Hype hat aber seinen Zenit bald erreicht, wenn nicht gar schon überschritten. So langsam bemerken Anwender, dass es nicht wirklich so extrem praktisch ist, für jede kleine Spielerei extra eine App downzuloaden und immer wieder einmal zu aktualisieren. Das fällt insbesondere dann auf, wenn die gebotene Funktionalität kaum (oder gar nicht) größer ist als die einer kleinen Website. Die heutige Generation von Smartphones (iPhone und iPad eingeschlossen) verfügt auch nicht wirklich über brauchbare Möglichkeiten, mehr als zwei, drei Dutzend Apps zu verwalten.
Auf der Gegenseite bemerken viele Anbieter, dass die Tatsache der Verfügbarkeit einer iPhone App keine bundesweit beachtete Pressemitteilung mehr ergibt. Und sie bemerken auch, dass viele ihrer Kunden gar kein iPhone besitzen und deshalb eine Android-, Palm-, Blackberry-, Ovi- oder Microsoft-Applikation zusätzlich sinnvoll wäre. Und nun wird die Geschichte kompliziert.
Sobald der Coolness-Faktor der Apps abgeebbt ist, werden kaufmännische Abwägungen zügig wieder einen größeren Stellenwert bekommen. Und dann wird “eine App” nicht immer erste Wahl sein.
Web-Applikationen werden wieder interessanter
Wer sich die Situation nüchtern betrachtet, wird rasch die gute alte (neue) Website als eine interessante Alternative entdecken. Das gilt umso mehr, wenn man sich einmal genau anschaut, was eine Web-Applikation auf einem guten Browser heute leisten kann. Einige dieser Anwendungen sind – bis auf die Tatsache, dass am oberen Bildschirmrand eine Adresszeile steht – kaum von einer “echten App” zu unterscheiden. Mobile Browser auf WebKit-Basis – und grundsätzlich das kommende HTML5 – sind tatsächliche eine sehr mächtige Plattform für die Entwicklung interaktiver Applikationen – und bieten Zugang zu allen wichtigen Features der mobilen Endgeräte (Location, Bewegungssensoren etc.) Googles GMail ist ein exzellentes Beispiel dafür. Dessen Web-Frontend für das iPhone ist in mancher Hinsicht besser als der eingebaute Email-Client.
Ich will damit nicht sagen, dass es keine Funktionalitäten gibt, die man nicht viel besser als App umsetzen kann. Da gibt es tatsächlich viele. Irgendwann wird JavaScript zu langsam, und der umgebende Browser schränkt zu sehr ein. Das gilt für Games, das gilt für Augmented-Reality-Anwendungen, das gilt für anspruchsvolle Productivity-Apps und vieles mehr. Aber die überwiegende Mehrzahl der heute verfügbaren Apps ließe sich genauso gut und (unter Nutzung der neuesten Browser-Generationen) genauso sexy im Web umsetzen. Und da das auf Dauer deutlich kostengünstiger ist, habe ich wenig Zweifel daran, dass das auch passieren wird – in unterschiedlichen Varianten.
Tatsächlich kann ich Unternehmen, die Applikationen und Services für das mobile Internet planen (und das wird in Kürze das größte Territorium des Internets sein), nur raten, ihre Strategie sehr sorgfältig zu entwickeln. Es gibt gute Gründe für die Entwicklung proprietärer Apps, aber auch gute Gründe für die Nutzung des mobilen Webs (auf HTML-Basis). Und es gibt clevere Möglichkeiten, seine Inhalte und Services plattformneutral im Netz zu halten und über kleine, schlanke, unaufwendig zu entwickelnde Apps auf einer Vielzahl von Plattformen anbiete zu können.
Das Dümmste, was ein Unternehmen in der aktuellen Situation tun könnte, wäre, sich mit hohen Entwicklungsaufwänden an eine Plattform zu binden, egal, ob sie von Apple, Google, Microsoft, RIM oder Nokia betrieben wird.
Wettbewerb macht Kontrolle schwierig
Ein anderer Grund, warum Apple dauerhaft keine wirkliche Gefahr für die “freie Meinungsäußerung” im Internet sein kann – wenn Steve Jobs das will, was ich stark bezweifle – ist die Tatsache, dass Apple kein Monopol auf die Distribution von Inhalten und Services im mobile Web hat und haben wird. Dass das von einigen anders empfunden wird, hat mit erfolgreicher PR und dem Unterschied zwischen Hype und Realität zu tun.
Zwar war das iPhone in vieler Hinsicht ein Riesenerfolg, hat einen interessanten Marktanteil in einem (kleinen) Segment mobiler Endgeräte und dient als Role-Model für eine ganze Generation von mobilen Telefonen. (Und ich habe wenig Zweifel, dass uns beim iPad eine ähnliche Entwicklung bevorsteht.) Das ändert aber nichts daran, dass die überwältigende Mehrzahl der mobilen Endgeräte nicht von Apple hergestellt wird. Selbst im noch kleinen Marktsegment der Smartphones hat Apple einen “ordentlichen”, aber keinesfalls dominierenden Marktanteil.
Und so langsam gelingt es den Wettbewerbern mit einem zeitlos erfolgreichen Mix aus Imitation und Innovation, veritable Alternativen zu entwickeln, die dafür sorgen werden, das Apples Marktanteil nicht in den Himmel wachsen wird. Android, die neueste Blackberry-Generation, Palm und anscheinend auch das neue Windows Mobile 7 holen bei den Endgeräten deutlich auf, und die aktuellen Patentrechts-Scharmützel werden daran nichts ändern können. Der nächste Schritt sind die “Stores”. Bislang ist es zwar keinem Wettbewerber gelungen, ein ähnlich benutzerfreundliches Ökosystem zu schaffen, wie es Apple mit iTunes/iPhone/AppStore und den zugrunde liegenden Lizenzvereinbarungen gelungen ist. Aber die Wettbewerber werden kontinuierlich besser. Auch Microsoft sollte man nicht zu früh auszählen. Der Firma gelingt es üblicherweise, im dritten oder vierten Anlauf richtig gute Lösungen zu entwickeln.
Was das mit Kontrolle zu tun hat? Alles! Jeder dieser Wettbewerber kann selbstverständlich versuchen, auf “seiner” Plattform Kontrolle auszuüben. Diese wird aber – solange die Plattform kein Monopol hat – niemals global sein können. Kein Hersteller wird in der Lage sein, den Zugang der Konsumenten zu unliebsamen Inhalten und Services zu verhindern. Und die Anbieter von Inhalten und Services werden die Wahl haben: sie werden sich entscheiden können, welchen Einfluss des Plattformbetreibers sie akzeptieren, welche Revenue-Sharing-Modelle in ihr Geschäftsmodell passen und welche nicht. Und, wenn eine andere Plattform die Wünsche der Anwender und die Geschäftsinteressen der Anbieter besser trifft als iTunes – wird Apple das Nachsehen haben und/oder sich anpassen. Tatsächlich glaube ich an eine mehr oder weniger friedliche Koexistenz ganz unterschiedlicher Ökosysteme, die teilweise extrem laissez-faire sein werden und teilweise rigiden Kontrollen unterliegen. Beides hat seine Vor- und Nachteile.
Also … ich freue mich auf das iPad und die nächste Ära des Umgangs mit Computern, die es einläutet. Und ich halte die Nachrichten vom Tod des freien Internets für deutlich übertrieben.



























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Yep, lang lebe das WebApp!
Ich denke, dass das iPad aus mehreren Gründen vermutlich lange nicht so erfolgreich sein wird, wie das iPhone. Die angesprochene Dominanz wird wohl darum auch nicht ansatzweise so groß werden. Ein Grund ist die Tatsache, dass vor der Vorstellung des Geräts bereits andere Hersteller ähnliche Hardware präsentiert haben, was aber wegen dem heiligen iPad-Hype bei vielen untergegangen ist. Die Konkurrenz ist hier also ähnlich schnell wie Apple – und in meinen Augen sogar innovativer. Lenovo hat zum Beispiel ein hybrides Notebook entwickelt, bei dem man das Display aus der Halterung nehmen kann und das dann als Tablet fungiert. In meinen Augen eine echt tolle Idee um das beste aus beiden Welten zusammenzubringen. Aber auch das scheint im heiligen iPad-Hype untergegangen zu sein.
Wird das iPad eine neue Ära einläuten? Nein, denn derartige Geräte gibt es schon seit Ewigkeiten, wenn auch nicht erfolgreich. Und auch ein sehr kleines nein mit Fragezeichen, weil in diesem Fall doch sehr viel vom Apple-Hype mitzuspielen scheint (und bei den Verlagen die Hoffnung auf ein paar Einnahmen). Aber ich lasse mich trotzdem mal überraschen.
Die Zukunft ist immer voller Überraschungen ;-)
Man sollte in diesem Zusammenhang aber zumindest berücksichtigen, dass es auch schon jede Menge SmartPhones gab, bevor Apple das iPhone auf den Markt brachte. Und heute wollen aller Smartphone-Hersteller Geräte bauen (oder tun das bereits), die im Prinzip “iPhones aber mit …” sind ;-)
Tablets gibt es ebenfalls bereits seit mehr als 10 Jahren. Die waren aber bislang alle Mist – abseits spezieller Anwendungssituationen. Entscheidend für den Markterfolg sind unter Umständen nicht Hardware-Features sondern eine Platform bzw. eine Systemlösung, die in ihrer Gesamtheit den Bedürfnissen einer hinreichend großen Anwendergruppe entspricht. Mal sehen …
Übrigens: bin gerade über einen Artikel von Techcrunch gestossen, nach dem anscheinend Gruner + Jahr und ein paar andere Verlage ihren Content auf dem sogenannten WePad anbieten werden. Ich dachte erst, das sei ein schlechter Witz, aber anscheinend ist gerade tatsächlich ein deutsches Tablet in der Mache. Der Rausschmiss des Spiegel-Apps aus dem Store wegen etwas zuviel Haut war also am Ende wohl keine gute Idee von Apple, da der Artikel auf diesen Punkt und die Preispolitik Apples eingeht.
Ich kann mir sehr gut vorstellen (bzw. bin mir sicher), dass Gruner + Jahr (und andere Verlage) mehr Plattformen als das iPad unterstützen werden. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass diese Verlage dauerhaft ein einzelnes Ausgabegerät (exklusiv) unterstützen – und dann noch eins, dass zunächst eine sehr geringe Marktdurchdringung hat. Das wäre Selbstmord.
Davon ab: trotz des “iPad” im Titel dieses Beitrags, geht es hier nicht um iPad und iPhone allein sondern um die grundlegende Frage, ob mobile Endgeräte mit proprietären App-Plattformen eine ernsthafte Gefahr für das “freie”, weitgehend standardisierte Web sind. Und das glaube ich – in mittelfristiger Perspektive – nicht.
Ich muss sagen, als das iPhone raus kam fand ich es echt scheiße. Dann hab ich es mir gekauft, kurz darauf wurde es mir geklaut und heute weiß ich, es geht auch ohne.
Genau so ist es mit dieser neuen Spielerei. Wobei, ich glaube, die Menschen werden es lieben oder hassen. So oder so!
Bei der Beurteilung der Erfolgschancen des iPad darf man nicht vergessen, dass bereits Millionen von iPhone-Nutzern auf diesen Gerätetyp konditioniert und mit diesem vertraut sind. Das iPad ist dem iPhone ähnlich, aber hat durch seine Größe einen anderen USP. Und genau deshalb prognostiziere ich, dass sich eine große Zahl an iPhone-Besitzern früher oder später auch ein iPad anschaffen wird.
Hinzu kommen Konsumenten, die bisher kein iPhone haben, aber neugierig werden. Wie viele das sein werden, lässt sich wohl nur schwer schätzen.
Ich zweifle jedenfalls nicht am Erfolg des iPad. Ob das WePad einen Stich gegen Apple sehen wird, muss man sehen.
Woher kommt die Behauptung, Apps hätten ihren Zenit erreicht und die Mehrheit fände sie unpraktisch? Habt ihr Zahlen oder ist das einfach eine waghalsige Theorie?
Die Aussage war nicht: “Apps haben ihren Zenit erreicht”. Tatsächlich glaube ich, dass demnächst noch eine Menge sehr coole Apps erscheinen werden und speziell auf dem iPad Apps eine ganz neue Dimension erreichen werden (weniger “kleine Widgets”, näher an Anwendungssoftware wie auf Win oder OS X). Die gestern online gestellten Videos zu den Apple-eigenen Apps fürs iPad sind da ein sehr interessanter Ausblick.
Stattdessen wurde oben gesagt “Dieser Hype hat aber seinen Zenit bald erreicht, wenn nicht gar schon überschritten.” Damit ist gemeint, dass die öffentliche Aufmerksamkeit für zum Beispiel eine iPhone App nicht mehr allein dadurch gesichert ist, dass eine solche App erschienen ist. Anders formuliert: eine überschaubare, nicht besonders erwähnenswerte Funktionalität wird nicht mehr dadurch spektakulär, dass man eine iPhone oder Android-App drum herum wickelt. Das war im letzten Jahr anders ;-)
Aus diesem Grund haben Unternehmen und Entwickler keinen großartige Veranlassung mehr, eine Anwendung als proprietäre App für eine Reihe spezieller Mobil-Plattformen herauszubringen, wenn sich die entsprechende Funktionalität genau so gut – oder besser – als generische Web-App erstellen läßt, die auf einer Vielzahl mobiler Plattformen läuft.
Sehr schöner Artikel und wirklich gute Argumente.
Völlig überzeugt von der Harmlosigkeit des iPads bin ich nicht.
Das iPad soll in vielen Bildungseinrichtungen gerade in den USA zum Einsatz kommen. Nicht nur an Unis sondern schon in Schulen. Daber besteht natürlich die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche so sozialisiert werden, dass sie nur Walled-Gardens kennen.
Etwas kurzfristiger betrachtet ist aber der erzwungene Einsatz von Appleprodukten selbst problematisch. Und derzeit sieht es nicht so aus, als ob Apple den Nimbus des Coolen und Stylischen verlieren würde.
Offen gestanden verstehe ich das Problem gar nicht. Wieso sollten Apps eine Gefahr darstellen? Habe ich irgendwas verpasst? Bringt nicht jedes Mobil-OS mindestens einen Browser mit, der die vereinbarten Webstandards unterstützt? Und ist das nicht auch Voraussetzung dafür, dass ein Gerät überhaupt erfolgreich sein kann?
Wo liegt der prinzipielle Unterschied zwischen mobilen und stationären Geräten, der bei ersteren eine wie auch immer geartete Gefahr bedeutet, bei letzteren aber nicht? Auf meinem Mac läuft auch nur Anwendungssoftware, die für Mac OS X entwickelt wurde, auf meinem Windows-Netbook laufen nur Windows-Programme und auf dem iPad wird nur iPad-Software funktionieren.
Mit allen drei Geräten kann ich aber die selben Web-Anwendungen nutzen. Vorausgesetzt, ich habe einen ausreichend schnellen Internet-Zugang. Und genau da liegt das ganz profane Problem: Infrastruktur. Da ich nicht überall eine Internet-Verbindung habe, bin ich bei den mobilen Geräten eben doch auf Software angewiesen, die auch offline funktioniert und muss mich deshalb für ein System entscheiden. Diese Vielfalt mag man bedauern, aber das ist weder ein neues Problem noch eine Gefahr für das „freie Internet“.
Und was die diversen Medien-Apps betrifft, so gibt es auch dafür eine ganz profane Erklärung: Der Vertrieb über App-Stores scheint für die Verlage im Moment der einzig gangbare Weg zum Paid-Content zu sein. Aber das ist wieder ein ganz anderes Problem (Stichwort Bezahlsysteme).
Wenn man also schon über „Freiheit“ spricht (die ich ohnehin anders definiere), dann sehe ich es eher so, dass jede neue Technologie, jedes weitere Gerät, die uns Zugang zum Internet ermöglichen, mehr Freiheit bedeutet und nicht weniger.