Apps Marketplace:
Google macht Ernst
mit Cloud Computing
Bisher waren Googles Anwendungen für Unternehmen eine ziemlich isolierte Angelegenheit. Das wird sich jetzt ändern: Mit dem Apps Marketplace stellt Google einen einfachen Weg vor, kompatible Software zu finden und mit Google Apps zu integrieren. Und damit tritt der Suchmaschinenriese frontal gegen Salesforce.com und Microsoft an.
App Stores sind gross in Mode: Nach zahlreichen Mobiltelefonanbietern greift nun auch Google das Konzept des einfach zu nutzenden Applikations-Marktplatzes für sein Enterprise-Segment auf. Der gerade vorgestellte Apps Marketplace konzentriert sich ganz auf die Sphäre der Geschäftsanwendungen, wo bisher Player wie Salesforce.com dominiert haben.
Damit heizt sich der Kampf um die dominierende Plattform für Cloud Computing weiter auf.
Seit gut drei Jahren vertreibt Google nun schon Google Apps, seine webbasierte Office-Lösung für Unternehmen. Nach Googles eigenen Angaben arbeiten schon zwei Millionen Unternehmen mit dieser Cloud-Lösung, die im Prinzip als billigere Alternative zu Microsoft Office positioniert ist.
Neben den üblichen Argumenten gegen Cloud Computing wie Verfügbarkeit und Datenschutz sprach bisher aber ein weiterer Grund gegen Google Apps: Die Plattform war ziemlich isoliert. Wer Daten mit cloudbasierten CRM-Anwendungen, Projektmanagementplattformen oder Buchhaltungsdiensten austauschen wollte, konnte das nur per File-Export machen. Und die User mussten getrennte Accounts auf jeder dieser Anwendungen unterhalten, was reichlich mühsam werden kann.
Der Apps Marketplace soll das nun radikal ändern. Nicht nur können Benutzer von Google Apps damit einfacher und schneller geprüfte Cloud-Applikationen finden. Sie können ihre Firma auch auf simple Art für die angebotenen Dienste registrieren, und zudem wird der Datenaustausch erheblich erleichtert. Dank Single-Sign-On brauchen die User des Unternehmens nur ihr Google-Apps-Passwort, um diese externen Dienste zu nutzen.
Eine ähnliche Plattform für Cloud-Computing gibt es schon im Markt: AppExchange von Salesforce.com, dem bisherigen Marktführer im Software-as-a-Service-Geschäft. Googles Apps Marketplace unterscheidet sich davon aber in drei wichtigen Aspekten:
- Anwendungsfokus: Salesforce.com konzentriert sich primär auf Ergänzungsmodule zum hauseigenen CRM-System, während Google eine deutlich breitere Palette von Applikationen anziehen will.
- Technische Plattform: Die meisten AppExchange-Applikationen sind auf Salesforce.coms eigener technischer Plattform entwickelt und integrieren sich tief mit dem CRM-System. Salesforce stellt vielen Entwicklern auch die Infrastruktur zur Verfügung, auf der die Applikationen laufen. Google integriert hingegen Applikationen auf beliebigen anderen technischen Plattformen durch ein paar einfache APIs. Der Datenaustausch ist relativ simpel und bisher eher oberflächlich gehalten.
- Geschäftsmodell: Salesforce verrechnet Entwicklern fix 5000 Dollar “Listing Fee” pro Jahr, damit ihre Applikationen auf dem AppExchange-Marktplatz erscheinen können, plus Gebühren für die Nutzung der Hosting-Infrastruktur. Googles Eintrittsgebühr ist hingegen mit 100 Dollar viel niedriger, dafür kassiert Google aber 20% des Umsatzes, den ein Entwickler mit Google-Usern erzielt. Das ist vorteilhaft für kleine Anbieter, grössere Softwarehersteller werden das hingegen kaum sehr attraktiv finden.
Google will sich also differenzieren durch mehr Offenheit, niedrigere Einstiegshürden für Entwickler und das schiere Volumen der existierenden Google-Apps-Userbasis. Etwas später will Google den Applikationsentwicklern auch noch ein Billing-System anbieten, mit dem diese ihren zahlenden Kunden direkt die monatlichen Gebühren verrechnen können. Der eine oder andere Entwickler wird mit der Zeit vielleicht auch Googles eigene Hosting-Umgebung App Engine für seine Applikation nutzen wollen, denn die reift auch langsam zur Brauchbarkeit heran. Damit würde Google im Prinzip zum bequemen One-Stop-Shop für Anbieter von Software-as-a-Service-Anwendungen, die sich voll auf die Anwendungsentwicklung statt auf Infrastruktur und Vermarktung konzentrieren könnten.
So weit die Theorie. Die aktuelle Realität dieser frisch veröffentlichten Plattform sieht noch etwas ernüchternder aus. In unserem heutigen Test mit einigen der gut 50 schon auf dem Apps Marketplace angebotenen Anwendungen präsentierte sich die versprochene Integration noch reichlich holprig. In die CRM-Anwendung von Zoho konnten wir uns zwar von Google Apps aus einloggen, aber damit endete die Verbindung der zwei Applikationswelten auch schon. Nicht mal Kontakte konnten direkt importiert werden. Die Projektverwaltung Manymoon konnte immerhin auf Google Docs, Kalender und Kontakte zugreifen, so richtig intuitiv funktioniert das aber auch noch nicht. Mit ein bisschen Reifungszeit muss man also wohl noch rechnen.
Vermutlich strebt Google drei Dinge mit dieser neuen Plattform an: Erstens will man wohl endlich das Enterprise-Geschäft zu einem echten Standbein ausbauen, denn bisher sind die Umsätze mit Google Apps im Vergleich zum Kerngeschäft gerade mal ein Rundungsfehler. Eine Marktplattform, die zusätzliche Umsätze von Partnerapplikationen bringt, könnte da sehr helfen. Zweitens ist der Apps Marketplace eine klare Kampfansage an die anderen grossen Player im Cloud-Computing. Bisher dominierten Salesforce bei den Geschäftsanwendungen und Amazon bei der reinen Infrastruktur. Im Hintergrund lauert Microsoft mit einer webbasierten Version von Office und der Azure-Plattform. Google kann nun mit der Kombination von Apps, dem neuen Marketplace und App Engine den meisten dieser Angebote eine starke Alternative entgegensetzen.
Drittens und wichtigstens: Google fängt mit dem Apps Marketplace endlich an, auch im Businessbereich gezielter ein Ökosystem von Partnern aufzubauen. Bisher verfolgte Google im Enterprise-Umfeld eine ziemlich monolithische Philosophie. Gewinnen kann man im Markt für Geschäftssoftware aber nur, wenn man starke Gesamtlösungen für Unternehmen bieten kann, und das geht nur mit Partnern zusammen. Auch Microsoft verdankt seine Dominanz nicht zuletzt dem gekonnten Aufbau eines starken Partnernetzwerks. Google scheint davon nun endlich gelernt zu haben.
Ganz offensichtlich will sich Google also in Position bringen, auch das geschäftsorientierte Cloud-Computing zu dominieren. Es wird sich zeigen müssen, ob das klappt, denn Googles bisherige Anläufe waren eher halbherzig. Aber der Apps Marketplace ist ein grosser Schritt in die richtige Richtung.























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Da fehlt aber gerade aus Datenschutzgesichtspunkten noch etwas entscheidendes: Die Möglichkeit, Google Apps selbst zu hosten (ähnlich, wie es bei Wave wohl vorgesehen ist). Viele Firmen möchten sensible Dokumente nicht außerhalb des eigenen Hauses gespeichert haben.
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