Musik:
Erfolg mit Netaudio

Entertainment For The Braindead ist ein weiteres Beispiel, wie Musik künftig online Verbreitung erfahren kann und die Künstler mit wenigen Mitteln eine Fanbasis aufbauen können.

Wir haben bereits einige Male über neue Möglichkeiten für Musiker geschrieben, wie sie online Geld verdienen können und was sich nun durch das Internet (nicht nur für Musiker) verändert. Obwohl es einige Beispiele gibt, die das Gegenteil beweisen, wird immer wieder behauptet, dass etwa mit dem kostenlosen Weggeben von Musik und dem konsequenten Setzen auf das Web nur bereits erfolgreiche Musiker weiteren Erfolg haben können.

Vor einiger Zeit hatte ich mich mit Christian Grasse vom Netlabel aaahh-records über ihre Künstler unterhalten. Auf aaahh-records erschienen die ersten EPs von Entertainment For The Braindead, dem Alter Ego der Kölnerin Julia Kotowski. Interessant an ihrer Geschichte ist, dass sie als unbekannte Künstlerin auf einem unbekannten Netlabel (ihre erste EP war die zweite Veröffentlichung auf aaahh-records) veröffentlicht hat und nun weltweit in einigen Kreisen bereits relativ bekannt ist.

In relativ geringer Zeit hat sie sich eine Fanbasis erspielt. Die Songs ihres ersten Release wurde 400.000 Mal heruntergeladen. Nicht zuletzt sicher auch, weil aaahh-records die EP gemeinsam mit einem anderen Netlabel veröffentlicht haben. Diese ungewöhnliche Aktion hat ein überdurchschnittlich hohes Presseecho hervorgerufen (unter anderem Radiobeiträge auf Radio Fritz, eins live und Deutschland Radio Kultur). Der Stein, der die Medienlawine ins Rollen brachte, war allerdings die Verlinkung eines großen US-Musikblogs, so Grasse.

Entertainment For The Braindead hat außerdem die einzelnen Tonspuren des ersten Releases zum Remixen unter einer entsprechenden CC-Lizenz veröffentlicht. Über 100 Remixe von teilweiser hoher Qualität waren das Ergebnis, neben einer mit den Ergebnissen glücklichen Künstlerin und Fans und anderen Musikern, die sich kreativ betätigen konnten (und so auch vielleicht zum ersten Mal von ihr erfuhren).

Wir halten fest: Ein unbekanntes Label kann mit einer unbekannten Künstlerin, die auf begeisternde Ohren treffende Musik macht, über das Netz eine zum Verhältnis der eingesetzten Mittel große Öffentlichkeit erreichen.

Mittlerweile bekommt Kotowski, die aktuell ihr drittes Release auf aaahh-records herausgebracht hat, international Anfragen für Konzertauftritte, unter anderem aus Kanada, Australien und Polen. Wenn sie wöllte, so Grasse, könnte sie jedes Wochenende auftreten.

Das ist ein weiteres Beispiel dafür, in welche Richtung sich die Musikbranche entwickeln wird. Mit dem kostenfreien Anbieten der Musik unter einer CC-Lizenz konnten ein kleines Label und eine Musikerin, die lediglich mit Macbook und USB-Mikro bewaffnet war, eine internationale Nachfrage nach Auftritten von ihr erzeugen.

Noch müssen die Künstler und Labels, die diesen Weg gehen, gegen Skepsis ankämpfen und ohne etablierte Infrastrukturen arbeiten. Aber je mehr positive Beispiele bekannt werden, desto einfacher sollte die Zusammenarbeit mit möglichen Partnern werden. Bleibt nur zu hoffen, dass auch die Infrastruktur online schnell besser wird, so dass Startups innovativ Musiker dabei unterstützen können, sich online mit Fans zu verbinden. Denn da ist noch viel mehr möglich, als es aktuell der Fall ist.

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6 Kommentare

  1. Jürgen Ertelt
    schrieb am 1. März 2010 um 19:28 Uhr (#)

    Zu einem ähnlich erfolgreichen Beispiel wächst http://zoeleela.com/ auf http://rec72.net/

  2. Lutz
    schrieb am 1. März 2010 um 21:36 Uhr (#)

    Ein bekanntes Beispiel wie sich Fans und Musiker verbinden können ist Myspace! Vielleicht habt ihr schonmal davon gehört :-)

  3. David
    schrieb am 2. März 2010 um 00:25 Uhr (#)

    Schöner Artikel aber leider ist die Realität doch nicht immer so rosig. Sicherlich gibt es positive Beispiele, wie oben erwähnt, aber es gibt extrem viele Künstler, die ihre Werke zum kostenlosen Download zur Verfügung stellen. Auch wenn oftmals die Qualität stimmt, ist an einen Erfolg nicht zu denken.

    Die Musikbranche muss umdenken (ganz klar!) und gerade das Internet schafft viele neue Geschäftsmodelle. Dennoch spielen viele Faktoren eine Rolle, die dann letztendlich zum Erfolg führen.

  4. Julia (eftb)
    schrieb am 2. März 2010 um 03:52 Uhr (#)

    Ein bisschen muss ich da relativieren: Jedes Wochenende auftreten, wenn ich wollte… das halte doch noch für ein wenig übertrieben, zumal ich selber so gar kein Händchen für Booking habe. Auch gabs aus Australien und Kanada noch keine Anfragen, leider… ;)

    Stimmt schon, was David sagt.
    Das Internet ist ne tolle Sache, es gibt sicherlich tausend Wege und Ansatzpunkte und wie’s funktioniert, wenn man’s wirklich drauf anlegt, kann ich ja gar nicht beurteilen. Aber im Endeffekt ist es wohl nicht anders als in der nicht-virtuellen Welt auch, es braucht fast immer auch eine Kette glücklicher Zufälle damit überhaupt irgendetwas ins Rollen kommt.

    Dennoch vielen Dank – es ehrt mich sehr, dass ihr gerade mich als positives Beispiel rausgesucht habt!

    Viele Grüße,
    Julia aka. entertainment for the braindead

  5. mo.
    schrieb am 3. März 2010 um 17:52 Uhr (#)

    Schöner Artikel aber leider ist die Realität doch nicht immer so rosig. Sicherlich gibt es positive Beispiele, wie oben erwähnt, aber es gibt extrem viele Künstler, die ihre Werke zum kostenlosen Download zur Verfügung stellen. Auch wenn oftmals die Qualität stimmt, ist an einen Erfolg nicht zu denken.

    Tut mir leid, aber das ist mal wieder ein wenig jammern. Nie zuvor hatten Künstler solche Möglichkeiten ohne Industrie so etwas aufzuziehen. Man muss nur wollen. Und wenn der Künstler das selbst nicht kann (Zeit oder Fähigkeiten) dann sucht er sich einen Media Manager (wie Z.B. die Jungs von aaahhh…).

    In sämtlichen meiner Seminare zum Thema kann ich immer nur Bands und Musiker darauf hinweisen, dass sie wie eine kleine Firma denken müssen, wenn sie erfolgreich sein wollen. Und das geht nur mit Fleiss.

    Die Prinzessin auf der Erbse wird niemand hören, aber die Prinzessin EFTB, die rausgeht und sich mit Engagement vermarktet. Ähnliches gilt für disrupt von jahtari.org oder wie oben erwähnt zoeleela oder zahlreiche andere DJs. Man muss nur wollen und sich mit dem Netz, den Möglichkeiten und der Realität auseinandersetzen wollen.

    du musst und darfst heute nicht mehr auf eine firma/label oder sonstwen warten. mach selbst! blogger und alle anderen machen es vor.

  6. David
    schrieb am 5. März 2010 um 10:23 Uhr (#)

    @Mo
    Du hast schon recht, dass heutzutage ein wenig zuviel gejammert wird und das ein Künstler ökonomischer denken sollte oder sich jemanden suchen sollte der dies für ihn tut.

    Ich betreibe selber einen Sparten-Musikblog, der Newcomern versucht eine gewisse Plattform zu liefern. Gleichzeitig existiert ein Zusammenschluss von Blogs, die zusammen Promo-Aktivitäten starten um Künstler breitgefächert positionieren zu können. Sprich ich bin auch ein Freund von Taten.

    Ich wollte lediglich damit ausdrücken, dass man nicht glauben muss, dass durch die vielen neuen Möglichkeiten alles einfacher geworden ist und man nur 2-3 Songs online stellen muss um bekannt zu werden. Gerade weil eben soviele Künstler sich online präsentieren, muss man erst recht hart arbeiten und sich von den anderen abgrenzen.

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