Google Buzz:
Für mehr Relevanz im Social Web

Google kann viel. Nur im Social-Web-Bereich lief es bisher stockend. Mit Google Buzz soll sich dies ändern.

Social Networking gehörte bisher nicht zu den Stärken von Google. Während das Vorzeige-Unternehmen neben der Suche in zahlreichen weiteren Sektoren Markterfolge und -führerschaften erzielen konnte (z.B. Onlinevideo, Werbung, E-Mail, Online-Textverarbeitung), verliefen Vorstöße in den Bereich sozialer Netzwerke bisher nur mäßig.

Mit dem am Dienstagabend vorgestellten Dienst Buzz startet Google einen neuen Versuch, seine Millionen Nutzer untereinander besser zu vernetzen und kommunizieren zu lassen.

Buzz ist eine Art Social Network und Microblogging-Service mit Verankerung in Gmail. Mit Buzz erhalten Gmail-Nutzer Inhalte von den Usern, denen sie folgen – nämlich die, mit denen sie am häufigsten E-Mail- oder Chat-Konversationen haben. Sowohl privates als auch öffentliches Publizieren (mit Suchmaschinenindexierung in Echtzeit) von Status-Updates oder anderen Inhalten wie Fotos oder Links ist möglich.

Wer will, kann Content von externen Services wie Flickr oder Twitter in den eigenen Buzz-Stream importieren, was Buzz gleichzeitig zu einem Lifestreaming-Dienst macht.

Jedes Buzz-Update kann von anderen kommentiert werden. Buzz-Inhalte lassen sich in der gleichen Inbox anzeigen wie E-Mails und aktualisieren sich in Echtzeit, beispielsweise bei neuen Kommentaren. User können Updates sowohl favorisieren als auch als nicht interessant markieren. Je länger sie Buzz nutzen, desto relevanter möchte Google so die Inhalte machen, die vor ihren Augen erscheinen. Wer sich gestalkt fühlt, kann einzelne Nutzer blockieren.

Großes Augenmerk legt Google auf die mobile Nutzung von Buzz. Sowohl über die mobile Google-Suchseite google.com als auch die eigene URL buzz.google.com erhalten iPhone- und Android-User von unterwegs Zugriff auf Buzz. Zudem ist eine Integration in Google Maps vorgesehen. Mit Hilfe von Angaben über den Standort des Nutzers via GPS verspricht Google Relevanz abhängig vom Aufenthaltsort. Gleichzeitig lässt sich so der aktuelle Standort als Buzz-Update verschicken.

Innerhalb der nächsten Tage erhalten sämtliche der mehr als 150 Millionen Gmail-Nutzer Zugriff auf Buzz. Eine Integration von Buzz in Google Apps ist geplant, ebenso wie ein breites Spektrum an Entwicklerschnittstellen.

Ausgehend von Googles heutiger Pressekonferenz und Buzz-Präsentation würde ich den Dienst als eine Mischung aus Twitter, FriendFeed, Facebook (bzw. Facebooks Newsstream) sowie Google Wave (und ein bisschen Foursquare/Gowalla) bezeichnen. Buzz wirkt beeindruckend, aber auch recht komplex – was zum Erfolg führen kann, jedoch nicht muss.

In den letzten Monaten hatte Google eine Reihe namhafter Social-Web-Experten und -Evangelisten rekrutiert und damit bereits angedeutet, dass es sich Facebook und Twitter nicht kampflos ergeben wird. Was ich im August schrieb, bewahrheitet sich:

Es wäre verwunderlich, wenn Google jetzt nicht um jeden Preis versuchen würde, verlorenen Boden gut zu machen, die Versäumnisse im Social Web- und Echtzeit-Bereich aufzuholen und Facebook damit das Leben so schwer wie möglich zu machen.

Wir werden sehen, ob dieser Vorstoß Früchte trägt.

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21 Kommentare

  1. Martin
    schrieb am 9. Februar 2010 um 20:56 Uhr (#)

    Momentan ist Buzz so langsam, dass man es kaum nutzen kann … wie Google in diesem Fall wohl nicht auf das bewährte Mittel der Einladungen gesetzt hat?

  2. Urs
    schrieb am 9. Februar 2010 um 23:05 Uhr (#)

    Was ist jetzt der Unterschied zwischen Google Buzz und Google Wave (und Orkut)? Gibt es da verschiedene Teams bei Google, die gegeneinander ein Socail Network Race veranstalten?

  3. smeiko
    schrieb am 10. Februar 2010 um 00:09 Uhr (#)

    Ganz klar ein Frontalangriff auf Facebook. Ob er jedoch Früchte tragen wird, wird sich noch zeigen.

    Ein Problem scheint mir die “irrelevante” Kommunikation über Googles Maildienst zu sein.
    Mit “irrelevant” meine ich die Tatsache, dass ich zwar täglich GMail zur Kommunikation nutze, doch beschränken sich diese E-Mails auf Personen mit denen ich beruflich zu tun habe. Deren Buzz interessiert mich aber nicht.

    Hingegen befinden sich meine interessanten Kontakte die mich mit relevantem Input versorgen alle bei Twitter (Socialmedia-Geeks) oder Facebook (Freunde). Von all diesen Kontakten gibt es max. 5 mit denen ich auch über GMail kommuniziert habe..

    Wahrscheinlich sieht es im englischsprachigen Raum anders aus, doch hier in Deutschland nutzen die wenigsten meiner Kontakte GMail. Die meisten sind bei gmx oder web.de – Solange sich da nichts ändert, wird der Dienst für mich leider ohne Nutzen bleiben.

    Gruss, smeiko

  4. Alex L.
    schrieb am 10. Februar 2010 um 01:39 Uhr (#)

    Davon habe ich noch nichts mitbekommen, wobei ich gerade in meinem GoogleMail-Account nachschaute. Es stand, man müsse sich noch etwas gedulden, bis man darauf zugreifen kann. Ich nutze GoogleMail zwar sehr selten, aber allein schon aus reiner Neugier könnte man sich den erwähnten Dienst näher ansehen.

    Wenn Google dabei Facebook als einen Konkurrenten ansieht, gibt es demnach eine Menge zu tun und ich glaube nicht, dass FB noch zu toppen wäre.

  5. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 10. Februar 2010 um 08:52 Uhr (#)

    Ich nutze eigentlich kein Gmail, aber habe natürlich einen Account. Dort taucht Buzz noch nicht auf, aber wenn ich auf dem iPhone zu buzz.google.com gehe, funktioniert es bereits.

    Automatisch folge ich auch den rund 30 Personen, deren “Shared Items” ich in Google Reader abonniert habe. Und alle, die meine Items abonniert haben, folgen mir. Womit sich das von smeiko angesprochene Problem für mich erübrigt: Denn ich habe ohnehin keine Gmail-Kontakte, aber dafür Kontakte im Google Reader – und das sind alles User, denen ich durchaus auch via Buzz folgen möchte.

    Dummerweise scheint Google Reader automatisch die Shared Items von sämtlichen Nutzern zu abonnieren, denen ich nun neu über Buzz folge. Was nicht meine Intention war.

    Was mir fehlt, ist eine ordentliche, webbasierte Buzz-Funktion, im simplen Twitter-Stil. Schon weil ich eben kein Gmail nutze und nicht immer mit meinem iPhone hantieren möchte, sobald ich buzzen will.

  6. sprain
    schrieb am 10. Februar 2010 um 09:25 Uhr (#)

    «Innerhalb der nächsten Tage erhalten sämtliche der mehr als 150 Millionen Gmail-Nutzer Zugriff auf Buzz.»

    Genau da liegt ein Hauptproblem. Der Buzz um Buzz findet genau JETZT statt. Ob ich in einer Woche, wenn ich endlich auch darf, reinschauen werde, vor allem falls die ersten Feedbacks der User eher zurückhaltend ausfallen?

    1. blogstone
      schrieb am 10. Februar 2010 um 10:58 Uhr (#)

      Ich kann Martin und sprain nur zustimmen. Solange es keine webbasierte Plattform gibt wird der Buzz nicht funktionieren und vor allem nicht, wenn wir noch Tage darauf warten müssen.

  7. Manuel
    schrieb am 10. Februar 2010 um 11:59 Uhr (#)

    Was ich bis jetzt über Buzz auf Screenshots gesehen und im Netz gelesen habe hinterlässt einen etwas zwiespältigen Eindruck. Einerseits freut mich jede Konkurrenz zu “vielleicht bald” Monopolisten wie Facebook und Twitter, noch dazu wenn die Konkurrenz wie Buzz auf offenen Standards (RSS etc.) basiert.

    Andererseits sehe ich nicht recht was ich mit Buzz anfangen soll. Mir fehlt ein per URL erreichbarer Feed wie bei Twitter und Konsorten. Falls das funktioniert könnte ich mir vorstellen meinen Twitxr-Account abzulösen, über den ich Fotos mit Freunden teile.

    1. Goo
      schrieb am 10. Februar 2010 um 12:16 Uhr (#)

      Möglicherweise liegt die fehlende URL am schwierigen RSS und nicht an Google: siehe hier

  8. Kai
    schrieb am 10. Februar 2010 um 13:47 Uhr (#)

    finde google buzz trifft wirklich den nerv des internets. mit diesem angriff auf facebook kann wirklich noch was gemacht werden.

  9. Herzkoenig
    schrieb am 10. Februar 2010 um 19:23 Uhr (#)

    Würde den Dienst zwar gerne ausprobieren, habe aber keine “Freunde”, denen ich folgen könnte. Meine Motivation, selbst etwas einzustellen, hält sich auch in Grenzen.
    Deaktivieren und vergessen?

  10. robrob
    schrieb am 10. Februar 2010 um 21:26 Uhr (#)

    @Herzkoenig:
    Hab ich anfangs auch gedacht. Bis ich auf meinem Android bzw. iPhone Handy Buzz ausprobiert habe!
    Auf der Maps-Karte sehe ich jetzt all die Tweets äh.. Buzz’s von Leuten um mich herum! Oft sogar noch mit deren geschossenen Bildern! :D

    Bin echt schwer begeistert von dem Mobile-Dienst!
    Meiner Ansicht nach kann Twitter jetzt schon einpacken!!

  11. Thomas Television
    schrieb am 10. Februar 2010 um 21:56 Uhr (#)

    @smeiko:

    “Ein Problem scheint mir die “irrelevante” Kommunikation über Googles Maildienst zu sein.”

    Same here. GMail ist bei mir eher eine administrative E-Mail: Blogkommentare abbonieren, Anmeldung bei irgendwelchen Diensten usw. Insofern hatte ich, als Buzz freigeschaltet wurde, da gar keine Kontakte zur Auswahl denen ich folgen könnte. Blöder Einstieg.

    Ich finde es insgesamt auch superkompliziert, die zentralen Funktionen zu finden und zu nutzen, wie Leute finden oder Twitter einbinden usw.

  12. Herzkoenig
    schrieb am 10. Februar 2010 um 22:04 Uhr (#)

    @robrob: Hört sich wirklich interessant an! Dann muss ich mir also doch noch ein Smartphone zulegen ;-)

  13. steroids
    schrieb am 5. April 2010 um 14:33 Uhr (#)

    Denn ich habe ohnehin keine Gmail-Kontakte, aber dafür Kontakte im Google Reader – und das sind alles User, denen ich durchaus auch via Buzz folgen möchte.

  14. ole
    schrieb am 14. Mai 2010 um 22:08 Uhr (#)

    Jetzt will man mal „Google Buzz“ als Social Sphere Komponente in die eigene Webseite als „Buzz(er)“ Einpflegen, und dann das… „3“ Fehler im W3C Markup Validation Service>> NEIN…. Kotz, denn ich hab mir doch sooooo viel Mühe gegeben die letzten 90 oder waren es 120??? Fehler auszumerzen…. kann mir jemand ernsthaft erklären aus welchem Grund Google einen solchen fehlerhaften, (aus W3C Sicht) CODE für ein Gadget zur Verfügung stellt ?? Ich sage häää… und will es nicht verstehen.
    Muss ich mir jetzt ernsthaft darüber Gedanken machen wie dieser von Google bereitgestellte „Google Buzz“ Code Snipe so zu verändern ist, dass er eben auch noch angezeigt wird???
    Ich finde Google Buzz sinnvoll da sowieso viele ein Google Account unterhalten und Inhalte also Content somit leicht zu transferieren ist. Die W3C Fehler nerven hat jemand eine Idee… oce

  15. steroids
    schrieb am 6. August 2010 um 12:02 Uhr (#)

    Ik denk dat Google Buzz toch zinvol, omdat veel onderhouden van een Google-account en de inhoud dus de inhoud is dus gemakkelijk te dragen.

  16. steroids
    schrieb am 8. Oktober 2010 um 14:38 Uhr (#)

    finde google buzz trifft wirklich den nerv des internets. mit diesem angriff auf facebook kann wirklich noch was gemacht werden.

  17. Daniel
    schrieb am 22. Oktober 2010 um 10:31 Uhr (#)

    Noch mehr Informationen für google – ein wenig skeptisch bin ich ja noch was das angeht.

  18. Meeresbiologe
    schrieb am 22. Oktober 2010 um 13:15 Uhr (#)

    Der entscheidende Systemfehler von Buzz ist leider, dass der Dienst nicht offen wie Twitter eingerichtet wurde, sondern nur mühsam über die eigene Mailadresse gefunden werden kann. Was derart versteckt wird, kann natürlich nicht ins Laufen kommen – selbst wenn es eine gute Idee wie Buzz ist. Es besteht durchaus ein Bedarf an einem offenen, leicht bedienbaren Blogsystem wie Buzz, in das man schnell unkompliziert Lesens- und Wissenswertes reinpacken und veröffentlichen kann – quasi ein Bedarf an einem großen schnellen “Blog-Twitter”. Hätte man das direkt mit einem Link in der Google-Suche als eigenständigen Dienst (wie Maps, Groups, News usw.) mit umfangreichen Community-Funktionen (wie Profile usw.) aufgezogen, wäre es vermutlich ein Renner geworden.

  19. Seo Butze
    schrieb am 26. Februar 2011 um 12:17 Uhr (#)

    Da hat der Biologe in der Tat recht, das steht im Grunde auch der google eigenen Dogmatik entgegen.

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