Das iPad kommt:
Steve Jobs als Messias einer Branche

Der jüngste Apple-Hype hat eine neue Komponente: Eine ganze Branche erhofft sich von einem Gerät die Rettung.

Allessoschönbunthier.

Allessoschönbunthier.

Ich bin seit 20 Jahren Journalist. Ich lebe seit fünf Jahren in San Francisco, und ich habe an fast allen Keynotes und Pressekonferenzen teilgenommen, die Apple in dieser Zeit abgehalten hat.

Ich war jedesmal ein wenig entsetzt.

Nein, nicht über die Gottesdienststimmung – die herrscht in den USA an jedem Anlass, ob erster Schultag, demokratischer Parteikongress oder CBS Abendnews mit Katie Couric: Fanfarenstöße und Konfetti gehören einfach dazu.

Die kreischenden Fanboys an den Keynotes im Moscone-Center sind auch nur das Tüpfelchen auf dem i, das Steve Jobs zum Popstar einer Industrie macht, die er mit mehr als gutem Design aus der staubigen Ecke von Big Blue geholt hat.

All das ist unbestritten. Man kann, muss darüber aber nicht so viele (schön arrangierte) Worte verlieren. Auch wenn einem im unterkühlten Europa die Claqueure an einer Apple-Store-Eröffnung schon ein wenig unheimlich sind.

Was mich immer befremdet hat, war das Verhalten der Presseleute – meiner Kollegen und Kolleginnen. Wenn die auf eine der sorgfältig inszenierten Ankündigungen von Steve Jobs mit Applaus oder sogar Jubel reagierten (“Boom! Copy, und Paste! Auf dem iPhone!”), als ob gerade ein Impfstoff gegen Krebs und nicht die längst überfällige Korrektur an einem Produkt präsentiert worden wäre, dann lief es mir jedesmal kalt den Rücken runter:

Das sind Leute, die (größtenteils) dafür bezahlt werden, kritisch zu denken. Dinge zu hinterfragen. Die Vergangenheit im Kopf zu haben und die Relationen zu wahren. Die dürfen sich durchaus mal mitreißen lassen oder sich für etwas begeistern. Aber an einer Monster-Produktvorstellung geht es eigentlich darum, möglichst schnell hinter die Kulissen zu blicken. Das geht schlecht, wenn man mit offenem Mund jubelt und klatscht. Es hemmt den Blick für die Details und das Ohr für das, was nicht gesagt wird. Und das ist bekanntlich bei PR-Veranstaltungen immer das wichtigste.

Der Jubel von heute abend ist seit Tagen bereits zu hören – er hat in den Blättern und Sendern längst begonnen. Und wenn auch das in den Fanblogs und Magazinen für Videogamer nichts Neues ist: In der Tages- und Wochenpresse ist es zumindest in den aktuellen Ausmaßen ungewohnt, um nicht zu sagen verantwortungslos.

Niemand hat einem der in regelmäßigen Abständen auftauchenden Häppchen an Nullinformation nachrecherchiert, die immer wieder für neue Spekulationen und ganze Branchenanalysen der IT-Feuilletonisten sorgten, bis das Crescendo gar den Bloggern mitten drin zu viel wurde (ich auch nicht, aber ich habe auch keine einzige Spekulation losgelassen).

Das Ausmaß des Hypes hat einen neuen Rekord erreicht, und alle wollen auf der Welle mitreiten, deren Höhepunkt – man erinnere sich – in der Vorstellung eines neuen elektronischen Unterhaltungsgeräts bestehen wird.

Was ist passiert?

Abgesehen davon, dass das Mitmachweb zu einem Mitschwimm-Web geworden ist, indem sogar Umfrage-Institute auf der Basis von nicht mal lauwarmer Luft im Vorfeld einer Pressekonferenz ohne deklarierten Inhalt die Blogger mit “Resultaten” beliefern, um ihren Namen publiziert zu sehen?

Ganz einfach: Den Journalisten sitzt die Panik in den Knochen, und irgendwer hat ihnen weisgemacht, dass das Tablet von Apple Computer, einer Firma aus dem fernen Kalifornien, das unterspülte Geschäftsmodell ihrer Arbeitgeber, ihre ganze Branche und letztlich ihre Jobs retten werde.

Das ist zwar irrational und idiotisch, aber es wäre verständlich – wenn es dabei nicht um Journalisten ginge. Um die Leute, die dafür bezahlt werden, kritisch zu denken, Dinge zu hinterfragen.

Statt dessen haben sie sich in ihren Büros verschanzt, fühlen sich von der Leserschaft und deren Kommentaren bedroht, kuschen, wenn ihnen der Großverlag Knebelverträge um die Ohren haut und sie zu PR-Schreiberei aufgrund von Uninformationen anhält.

Während Kollege um Kollegin auf die Strasße gestellt und der Volontär mit einer Kamera ausgerüstet wird, damit man die Fotografin einsparen kann, reden ihnen die Verleger die Ohren voll, Google und das Web seien an allem Schuld und man müsse der “Gratiskultur” mit Paywalls Einhalt gebieten. Aus purer Furcht fangen die Journalisten an, daran zu glauben, aller Misserfolge zum Trotz.

Und dann kommt Apple’s Steve Jobs, der gerüchteweise schon die Lösung für die Misere in den Händen hat, in Form einer Schiefertafel, die plötzlich das Druckerpressen-Monopol der Medienkonzerne wieder wird aufleben lassen.

Bruchteile dieser Hoffnung sind berechtigt. Vielleicht etabliert Apple ein Bezahlmodell für Medieninhalte, das akzeptiert wird. Aber so wenig, wie iTunes die Musikindustrie “gerettet” hat, wird das Tablet von Apple die Medienbranche retten. Die großen Medienkonzerne benehmen sich schlicht wie die Idioten, wenn sie sich auf die Hilfe von außen verlassen.

Die Musikindustrie hat schmerzhaft erfahren müssen, was passiert, wenn man sich um das falsche “Problem” kümmert und das Feld findigen Leuten einer vermeintlich fremden Industrie überlässt, noch dazu einer einzigen Firma mit einem kontrollsüchtigen Egomanen an der Spitze: iTunes und der iPod haben wohl den Handel mit einzelnen Songs via Internet und das Bezahlsystem gesellschaftsfähig gemacht, aber davon profitiert in erster Linie der Hersteller der Geräte, mit denen dies geschieht – und er diktiert zusehends den Preis. Das Problem der Musikindustrie ist damit eher größer als kleiner geworden.

Die Medienkonzerne – die vermeintliche Reflektierinstanz der Gesellschaft! -gehen noch weiter: Sie scheinen bereitwillig all ihre Hoffnungen in die Hände dieser Firma zu legen, auf das eine Gerät und ein – geschlossene s- Modell. Und ihre Repräsentanten, die all das kritisch hinterleuchten sollen, warten sehnsüchtig auf die Erlösung aus dem Erfolgs- und Kommerzdruck und reden die große Revolution herbei, statt zuerst auch einmal den Apple-Masterplan anzusehen.

Ein weiteres Beispiel sind die Buchverlage, die sich ein Jahrzehnt lang vor den Umwälzungen der digitalen Gesellschaft gefeit wähnten und glaubten, das gedruckte Papier sei der beste Kopierschutz. Just als sie erkannten, dass diese Einschätzung falsch ist, hat ihnen ein verhasster Konkurrent aus dem Internet die Rettung mit einem Lesegerät vorgemacht, das sich bei den Konsumenten schnell durchsetzen konnte, weil es die Dinge einfacher macht.

Bloß haben auch da die Verlage das Nachsehen und liefern Jeff Bezos von Amazon nie dagewesene Provisionen ab, während er ihnen den Preis diktiert. Also wenden sie sich an die Konkurrenz – Apple hat den Verlagen nach neuesten Informationen ein Modell für Bücher angeboten, das die soeben auch von Amazon propagierte Aufteilung 70/30 zugunsten der Verleger und Autoren enthält, den Preis für Bestseller aber bei rund 13 statt 10 Dollars ansetzt. Und schon fliegt die halbe Branche, ohne nachzudenken und die Folgen abzuschätzen, dem besseren Angebot zu.

Ich habe keine Zweifel, dass uns Apple heute ein spannendes Produkt vorstellen wird. Persönlich bin ich aber nicht sicher, dass auch eine ausreichende Nachfrage vorhanden sein wird. Wenn zehn Prozent der Spekulationen der letzten Tage zutreffend sind, wird es sich um ein Gerät handeln, das einen gewissen Einfluss auf die Print- und die TV-Industrie haben wird.

Retten aber wird das Gerät niemanden, schon gar nicht eine Industrie. Es wird höchstens ein paar lukrative Teile daraus umlegen und die Geldströme neu verteilen.

Das Tablet wird für den Journalismus, was der iPod für die Musik ist: Ein weiteres Gerät, auf dem man ihn konsumieren kann. Was man tut, wenn er gut ist – und sich sonst wieder Farmville zuwendet.

 

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41 Kommentare

  1. also dass apple den Preis für Musik-Downloads diktiert halte ich für Blödsinn. Die letzte Preisentwicklung hat doch genau das Gegenteil gezeigt. Die Großen Plattenfirmen wollten die Möglichkeit unterschiedlicher Preise. Das hatte zur Folge, dass viele Mainstream Titel jetzt einzeln 1,29€ kosten. Über die billigeren Einzeltitel bin ich irgendwie noch nicht gestolpert.
    Ich denke da war apple mit dem einen Euro für alles glücklicher.

    Die Einschätzung vom Digitalen Buchmarkt halte ich aber für nachvollziehbar. Apple hat hier durch Amazon Konkurrenz. Die gab es für den iTunes-Store seiner Zeit einfach nicht.

  2. also vorab: wort des tages ist für mich jetzt schon “claqueur” :)
    und zum thema apples masterplan bzw. nutznießer des moments – ob das nun so ist oder nicht, sei mal dahingestellt – für mich sind 2 dinge unbestritten:
    1. die medienindustrie ist immer noch nicht in der gegenwart angekommen, sonst müssten sie sich jetzt nicht an stevies rockzipfel hängen.
    2. wer meint, es gebe im internet keine “gatekeeper” mehr, sollte sich mal die downloadzahlen von apples iStore (und amazons kindle absatz) anschauen. es wird wohl eher eine “(p)layerverschiebung” sein.

    (sagt übrigens ein apple/amazon fanboy)

  3. Danke für diesen Artikel!

    Es ist auch meiner Meinung nach offen sichtlich, dass auch Apple nur ein rational handelndes Unternehmen ist, das Gewinne maximieren möchte. Daher wird Apple – solange es geht – über die von Apple kontrollierte Plattform die Provision der Inhalte-Anbieter bestimmen. Nichts anderes gilt für Amazons Kindle. Vielleicht erinnert sich auch noch jemand an die Welle der eBay-Verkaufsagenten, denen nach Jahren über die Kosten und die Provision die Marge abgedreht wurde?

    Die einzige Lösung für Inhalteanbieter sind offene Plattformen oder eigene Lösungen.

    Alles andere ist Kamikaze.

    Ich bin irritiert, wie wenig wirtschaftliche Grundwahrheiten in der Medienwahrnehmung beachtet werden.

  4. Hmm…ist schon irgendwie witzig, gerade die Print-Medien und die Musikbranche sind schon seit Jahren von Apple Produkten abhängig. Ich kenne kaum einen Musikproduzenten der seine Songs nicht auf einem Apple Rechner produziert und auch in der Druckvorstufe setzt man (aus gutem Grund) seit Jahren auf die Zuverlässigkeit von Apple Produkten. Ich denke das sich niemand dauerhaft an die Produkte aus dem Hause Apple bindet, weil Ihm die Keynotes davon überzeugt haben. Ich glaube vielmehr, das es die Produkte selbst sind die dann im Alltag die Innovation und Kreativität wiederspiegeln, die in Ihnen steckt.
    Mein erster iPod hat mich begeistert, weil er mich schlicht in die Lage versetzt hat meine komplette Musiksammlung jederzeit griffbereit zu haben. Dazu war zu dieser Zeit niemand anderes in der Lage.
    Microsoft bemüht sich seit Jahren immer wieder Ihr Betriebssystem an die letzte Mac OS-Version anzugleichen (ohne Erfolg). Ohne dieses würden wir uns als einfache Anwender vielleicht immer noch mit so nervigen Dingen wie C:/ abgeben. Denkt mal drüber nach…

  5. Das spannende an der Sache, ist einerseits die Verschiebung der Machtverhältnisse, also weg von den traditionellen Konzernen, die uns seit Jahrzehnten begleiten (Musik, Verlag etc), hin zu Apple, Microsoft und Google und andererseits deren Kampf um die Marktvorherrschaft. Gerade zwischen Google und Apple bildet sich da eine massive Front, wie man allein schon an den gestreuten Indiskretionen sehen kann, dass Apple eventuell demnächst auf “Bing” statt Google als Standardsuchmaschine setzt. Auch Android/ChromiumOS greift Apple an.

    Interessant finde ich dabei, dass es auch um zwei Philosophien geht. Apple setzt auf ein geschlossenes System, Google auf ein (vermeintlich) offenes, Community-basiertes. Apple macht eigentlich nichts anderes, als die “alten” Konzerne, denen es seit Jahrzehnten das Geschäftsmodell klaut. Man schafft eine Technologie und verknappt dann künstlich die Ressourcen, bzw. betreibt massives Gatekeeping (iTunes, App-Store usw.) während Google die Schleusentore aufmacht und auf Werbung setzt.

    Ich bin mir nicht sicher, wer da am Ende das bessere Modell hat. Im Moment scheint es Apple zu sein, weil die “alten” Konzerne, wie von Peter erwähnt, verzweifelt jeden Strohhalm haben wollen, um ihr Geschäftsmodell ins digitale Leben zu transportieren. Das ist aber nicht ungefährlich, denn Apple kontrolliert z.B. mit dem App-Store den Vertriebskanal der Verlagserzeugnisse. Wenn es Apple nicht mehr passt, dann werfen sie eine App halt aus dem Store (siehe Google Voice). Verlage verlieren die Kontrolle über den Vertriebskanal und werden zu normalen Lieferanten, und so geben sie einen wichtigen Teil ihres Geschäftsmodells auf. Komischerweise wehrt man sich in Deutschland genau aus diesem Grund gegen Google News, während man sich Apple freiwillig hingibt.

    • Don: Das sind die Schlüsse, die ich noch anhängen wollte und zu faul/zu müde war, es zu tun. Es läuft am Ende wirklich vor allem auf die Modelle “offen” und “geschlossen” hinaus. Geschlossen, Apple, hat und hatte schon immer den Vorteil der Zuverlässigkeit, ist aber teuer, und die Anwender müssen Kontrolle abgeben. Offen bietet mehr Auswahl, ist weniger stabil, bringt dafür aber auch mehr Innovation von aussen.
      Eine geschickte Position in diesem Spiel nach alter Kriegsregel wäre für die Verlage eigentlich, die Player gegeneinander auszuspielen und sich in der Mitte die eigene Position zu sichern.

    • @Don: Was genau meinst Du in diesem Zusammenhang mit künstlicher Verknappung von Ressourcen?
      @All: “Offen” und “Geschlossen” existiert sowohl bei Apple (Apple verwendet zahlreiche offene Standards in OS X, setzt aber auch auf proprietäre Standards z.B. bei iWork) als auch bei Google (Google “öffnet” seine Plattform Android, bzw. sein Betriebssystem Chrome für Entwickler, wird aber nie verraten, wie genau seine Suchalgorithmen funktionieren). Ebenso gibt man bei beiden Kontrolle ab: bei Apple kann man (wenn man keinen Garantieverfall riskieren will) weniger tweaken, bei Google gibt man Informationen bezüglich des Surfverhaltens etc. preis. Die Frontstellung zwischen den beiden als Konfliktlinie “Offen vs. Geschlossen” zu bezeichnen greift zu kurz.

      PS: Kanns mir nicht verkneifen: Ich habe Ende Jahr einen Artikel über Google vs. Apple für ein traditionelles (Achtung: PDF! :) ) Medienhaus geschrieben: http://bit.ly/6i3PD6

  6. don – ist doch eigentlich nicht überraschend, dass sie eher auf ein geschlossenes system setzen. sie kennen nichts anderes, und zudem auch ein gutes argument: kontrolle = macht. und nur, wenn es wirtschaftliche “zwänge” (also mehr profitmöglichkeiten woanders) gibt, wird man die aufgeben.

  7. “offen” vs “geschlossen” ist NUR ein technischer Aspekt.

    Google macht wirtschaftlich das gleiche wie Apple: durch den Marktanteil bei Online-Werbung gibt Google die Erlöse auf Werbeumsatz vor!

    Was Apple mit Technik erreicht, erreicht Google mit Werbung.

    Eine Kooperation mit den Gorillas ist langfristig nur sinnvoll, wenn Apple die technische Plattform öffnet oder Google starke Wettbewerber bekommt.

  8. Herzlichen Dank für diesen Artikel! Es ist höchste Zeit, dass auch jemand die Apple-Medienkonferenzen und -Pläne kritisch hinterfragt. Schade genung, dass auch sonst kritisch eingestellte Journalisten bei Apple jegliche Reflektion vergessen.

  9. Oh – lustigerweise habe ich grad heute einen blogpost mit dem Titel
    Apples iSlate ist auch der Totengräber der Verlage
    http://blog.internet-brie…graeber-der-verlage/
    veröffentlicht. Die Verlage – vor allem Buch – werden sich mittelfristig noch wundern was passiert.

  10. Der vermutlich beste Artikel auf Netzwertig.
    Herzlichen Glückwunsch!

  11. Apple Besitzer leiden oft am Stockholm Syndrom und sind nicht bereit genug, Ihre gekauften Produkte kritisch zu hinterfragen. Ausserdem hat ein Apple Produkt in den Köpfen der Menschen auch den Status eines Lifestyle Gerätes, welches man mit einer bestimmten Haltung benutzt. Benutzer klassischer anderer Geräte wie bei Windows Notebooks oder normalen Handys haben zu Ihren Geräten eine eher auf den technischen Nutzen beschränkte und pragmatische Beziehung.
    Ich wette, das neue Tablet wird keinen SD Eingang haben, und somit für Fotografen als Zusatzgerät völlig ungeeignet Ausserdem wird das Tablet ein Problem haben: Wie hält man am besten das Tablet, ohne dass der Arm ermüdet, wie lässt sich das Display beim Transport am besten vor Staub, Schmutz und Kratzern schützen. Das wird dann wohl erst einige Zeit dauern, bis passendes Zubehör auf den Markt kommt. Wie ist das Akkuproblem gelöst, bringt das Tablet wirklich was, wenn es nur 5 bis 6 Stunden durchhalten kann. Ein normales Netbook hält 8 Stunden durch, ein Smartphone ebenfalls nur bei exzessivem Gebrauch.

    • wette, das neue Tablet wird keinen SD Eingang haben, und somit für Fotografen als Zusatzgerät völlig ungeeignet

      Wette verloren. Es wird ein Adapterset für SD-Karten und USB geben, speziell für Kameras. Auch ein sehr cleveres Case ist am Start, mit dem man das Pad auf zwei Arten “aufrichten” kann.

      Stichwort Akku: Angeblich 10 Stunden mit aktivierten Wlan, d.h. im ausgeschalteten Zustand evtl sogar noch länger. Ich habe in der Vergangenheit bzgl. der Akkulaufzeit von Appleprodukten recht gute Erfahrungen gemacht.

      Das nur zur Versachlichung der Diskussion.

  12. Bin ganz Deiner Meinung. Der iSlate oder iPad wird vieles bequemer machen in der Handhabung. Das ist nun einmal die Stärke von Apple. Ein XXL-iPod-Touch wird sicherlich einschlagen bei Spielen, Filmen etc. Und als E-Book-Reader wird das Gerät vielleicht auch taugen – habe mir deswegen auch keinen Kindle zugelegt. Da werde ich dann allerdings eher Fachbücher und Belletristik bevorzugen – mitnichten Tageszeitungen, die die Tagesschau von gestern aufwärmen. Vielleicht noch einige Spezialmagazine wie brandeins oder Dummy, wenn sie denn über iTunes angeboten werden. Mal schauen. Ansonsten wird sich an den Systemfehlern der Verlage nichts ändern. Die verlorenen Anzeigen, der Immobilienteil, Partnersuche etc. werden nicht mehr in die Printwelt zurückwandern. Da ist das Internet einfach unschlagbar.

  13. @Andreas Milles:

    also vorab: wort des tages ist für mich jetzt schon “claqueur” :)

    … leider trifft es für Apple nicht zu – da wird freiwillig und völlig ohne Bezahlung geklatscht.

    @Christoph Kappes:

    Die einzige Lösung für Inhalteanbieter sind offene Plattformen oder eigene Lösungen.

    Siehst Du Anzeichen dafür? Ich sehe mich zunehmend in geschlossene Plattformen hineingezogen, beispielsweise Facebook und iTunes/iPhone …

    @Medienexperte: Wie auch immer – klar ist, dass es sich noch nie gelohnt hat, ein Apple-Gerät der ersten Generation zu kaufen. Zum Glück gibt’s genügend DAUs, die teuer dafür bezahlen, ein Apple-Produkt fertig entwickeln zu dürfen … :)

    @gsohn: iSlate oder iPad, oder vielleicht gar beides? Ich bin auch neugierig, reserviert sind die Marken jedenfalls:

    http://macmacken.com/2010…arke-in-der-schweiz/

  14. P.S.: Leerzeilen scheinen hier in den Kommentaren leider nicht zuverlässig zu funktionieren.

  15. Also, dass jemand für kritisches Denken bezahlt würde, das … wie sag ich’s bloß freundlich ? … das wäre schön. Echt jetzt.

  16. Vielleicht ist es zynisch, aber: Journalisten werden heute grösstenteils dafür bezahlt Pressemeldungen per copy&paste als Eigenleistung weiterzugeben und das richtige Umfeld für den Anzeigenkunden zu schaffen, kritisches Denken und Nachfragen ist eher selten gefragt? Ich habe gestern versehentlich ZDF “heute” geschaut, zu Afghanistan… kritisch? *muahaha*.

    • ournalisten werden heute grösstenteils dafür bezahlt Pressemeldungen per copy&paste als Eigenleistung weiterzugeben

      Meiner Beobachtung nach hat das in der Tat mit der Höhe der Bezahlung zu tun. Fast alle Verlage leiden seit Jahren Not und sind einem immer höhren Kostendruck ausgesetzt. Die Folge sind Entlassungen, Gründungen von Personalgesellschaften und erhöhter Arbeitsdruck. Kein Wunder, dass es dann nur noch für Copy&Paste reicht.
      Was die iPad-Berichterstattung angeht, sehe ich das durchaus differenziert. Hier wird (vielleicht um Peters Argumenten Lügen zu strafen) überraschend häufig “dagegen gehalten”, z.T. mit falschen Informationen über das Gerät (=oberflächliche Beschäftigung). Als wollten die Redakteure sagen, nein, wir rennen nicht jedem Hype hinterher. Eine sachliche Diskussion um Chancen und Risiken (des Gerätes, als auch der Content-Anbieter) findet jedoch eher selten statt.

    • Flinx, wenn Du Datum und Uhrzeit des Artikels ansiehst, stellst Du fest, dass er vor der Präsentation des iPads publiziert wurde – und sich im Wesentlichen auf die Vorausberichte bezieht.
      Dass im Nachhinein alles nochmals anders aussieht, liegt in der Natur der Sache und mag aber auch mit der diesmal spürbaren Geek-Enttäuschung und dem daraus resultierenden Wunsch, den Du anklingst, zusammenhängen, sich als kritisch zu beweisen. Denn spätestens seit sich das iPad als durchaus normales Tablet und kein Wundergerät mit integrierter Kernfusion erwiesen hat, ist allen bewusst, wie absurd der Hype war – vollkommen ungeachtet des Erfolgs oder Misserfolgs des Geräts.
      Die Abkühlung der Stimmung scheint auch bei den Analysten durchgeschlagen zu haben, wenn man den Apple-Kurs seit Mittwochmittag anschaut.

    • Peter, sorry, da habe ich nicht aufgepasst.
      Dass sich nicht alle Wünsche erfüllen liegt natürlich in der Natur der Sache. Ich persönlich war am Mittwoch nur über eine Sache überrascht, nämlich über den (Kampf-)Preis, der es potentiellen Konkurrenten imho sehr schwer machen wird, vergleichbare Geräte auf dem Markt durchzusetzen.
      Auch das mit der Kursentwicklung ist nicht überraschend, die war nach Vorstellung des iPhones ähnlich, wenn ich mich recht entsinne. Keine 4 Wochen später war der Verlust wieder wettgemacht, und schau Dir jetzt mal die Entwicklung der letzten 13 Monate an.
      Mein Punkt ist, dass bislang nur wenig vernünftige Berichterstattung über das Gerät stattfindet, egal welcher Art (euren Blog sehe ich da als Ausnahme, danke dafür).

  17. Auch wenn ich wirklich *nicht* überrascht bin, dass die Präsentation eines irgendwie gearteten “Computers” bei fast allen Online-Nachrichtenportalen an erster oder zweiter Stelle steht (Haiti? Häh? war da was? Egal…Steeeev..ie Wonder!!), so überrascht es mich doch ein wenig, dass die bei Apple-Themen sonst so blinden Journalisten wenigstens ein wenig den Hype wieder auf Normalmaß stutzen und damit auch einen Funken kritischen Journalismus durchblicken lassen. Zumindest ansatzweise.

    • so überrascht es mich doch ein wenig, dass die bei Apple-Themen sonst so blinden Journalisten wenigstens ein wenig den Hype wieder auf Normalmaß stutzen

      Wo das?

  18. @gsohn: Leider wird das iPad nicht sehr gut als Lesegerät für Bücher geeignet sein. Die Displaytechnik des iPads ist nicht für das längerfristige Lesen geeignet, dieses ist aber eine stärke der eInk-Technik. Der einzige Vorteil in diesem Segment ist das durch die Marktpräsens von Apple, die eInk-Geräte im Preis sinken müssen und auch eine schnellere Markteinführung für farbiges eInk kommt.

    PS: Kann das iPad eigentlich PDF-Dateien öffnen?

    • Ja, das iPad kann, wie auch das iPhone PDF-Dateien einwandfrei darstellen.

      Die Displaytechnik ist für langes Lesen bestimmt nicht so geeignet, wie eInk. Allerdings sehe ich das gar nicht als so starkes Problem an. Erstens werden auf dem iPad bestimmt eher Magazine, Zeitungen, kurze Bücher, info-Material, Webseiten, Blogs etc. gelesen als dicke Belletristik-Wälzer. Zweitens hat man sich doch langsam an das Lesen am Display gewöhnt (ich gucke täglich 10 Standen auf mein TFT) und drittens gibt es ja auch einen Mehrwert gegenüber eInk: Farbe und Bewegung. Ich glaube, wenn die Morgenzeitung auf dem iPad so ähnlich aussieht, wie bei Harry Potter (mit sich bewegenden Fotos), werden nur noch Wenige eInk eine Träne nachweinen.

  19. Den Apple-Hype auf die vermeintliche Hoffnung auf kommerzielle Rettung der Branche zu beziehen ist eine nette Unterstellung um den vermeintlichen Blogger-Journalisten-Grabenkampf weiterzuführen, aber zum Glück ohne Substanz. Denn wie jeder nachprüfen kann, war dies bei anderen Apple-Produktankündigung nicht viel anders.

    • Mit Verlaub, Torsten: Deine Unterstellung ist Quark. Ich mache keine Unterscheidung zwischen “Bloggern” und “Journalisten”. Ich wünsche mir persönlich nichts mehr als die Rettung der Branche in irgendeiner Form, weil ich weiss, wie teuer guter Journalismus ist.
      Du wirst kaum bestreiten, dass der Hype um dieses Produkt absolut jeden bekannten Rahmen gesprengt hat, obwohl – oder eben weil – sich niemand die revolutionäre, disruptive Wirkung eines iPads vorstellen konnte und kann in der Art, wie iPod und iTunes die Musikindustrie oder das iPhone das mobile Surfen verändert haben. Entsprechend kam es dann gestern auch zu einer leisen Enttäuschung. Wenn Du das in Relation zum Bezug des Produkts zu den Medien setzt, ist der Zusammenhang offensichtlich; und man muss noch nicht mal zwei und zwei zusammenzählen: In Blogs und Zeitungsartikeln zugleich ist das iPad in den letzten Wochen als Hoffnungsträger der Medien dargestellt worden.

  20. Vielen Dank! Sie sprechen mir aus der Seele!

  21. Im grossen Zusammenhang geht es nur um eines: Den Kampf um Konsumenten. Der entscheidet sich bei den Endgeräten. Mit den dahinter stehenden Verkaufsplattformen. Wer in dieser Kombination die Nase vorne hat, der dominiert den Markt. Diese Dominanz kann man erreichen über Design, Funktionalität und natürlich immer wieder den Versuch einer Monopolisierung. Was Apple tut. Wo Konkurrenten mit offenen Systemen versuchen, eine Gegenposition aufzubauen. Schön, wenn Apple von Google, Microsoft, Nokia, Amazon und immer wieder anderen zu mehr Offenheit gezwungen wird.

  22. Also Peter: Das ist ja alles ganz interessant (obwohl mir die steile Verallgemeinerung hinsichtlich angeblicher Erlösungserwartungen der Journalisten ein bisschen übertrieben scheint).

    Wirklich stussig ist aber die Bemerkung, die Journalisten “fühlen sich von der Leserschaft und deren Kommentaren bedroht”. So, wie gerade auf Zeitungswebsites (im Gegensatz zu vielen Blogs) ahnungslose Wirrköppe und Querulanten die Leserkommentare dominieren, kann man nur sagen: die Redakteure räumen durchgeknallten anonymen Leserkommentaren auf Zeitungswebsites zu viel sichtbaren Platz ein, nicht zu wenig!

    • base rate: “Simplify, then exaggerate” ist das Rezept im Journalismus, und dem kann ich mich nicht entziehen.
      Was die Furcht vor der Leserschaft und den Kommentatoren angeht: Es sind eben nicht die Redakteure, die der Leserschaft in den Kommentarspalten irgendwas durchgehen lassen, sondern “Webmaster”. Genau daran, dass die Journalisten der alten Medien sich nicht in den Diskurs ihrer Leser einschalten, ist abzulesen, dass sie den Schritt in die neue Medienwelt nicht machen wollen/können. Und diese Katze beisst sich in den Schwanz, denn es wirkt arrogant und abgehoben – denn wie einzelne Beispiele beweisen, sorgt die Teilnahme an der Diskussion dafür, dass Trolle sich nicht hineinwagen oder von der Community verscheucht und die Kommentare zu häufig lesenswerten Ergänzungen oder gar Korrekturen des Artikels werden.
      Interessanterweise haben viele Marketingleute inzwischen erkannt, dass sie die vertereter ihrer Marke in die öffentliche Diskussion einbringen und sich dem direkten Dialog aussetzen müssen. Die meisten Medienbetriebe dagegen behandeln ihre Leserschaft noch immer wie eine anonyme Masse, die zu einem Grossteil aus Trollen besteht.

  23. Klasse Artikel! Highlight der letzen …mmmm… 3 Monate oder so. Bitte mehr davon!

  24. Guter Artikel!

    Diese Keynotes sind Verkaufsveranstaltungen, die den Kaufimpuls bei den Zuschauern auslösen sollen. Informationen bekommt man woanders.

    Journalisten sind da doch nur Mobiliar, das den Herdentrieb auslösen und der Herde die Richtung vorgeben soll.

    Und so bekommt das eine Eigendynamik.

  25. Das neue Teil von Apple brauche ich bestimmt nicht. Wieder kein USB-Anschluss und nur W-LAN, also kein UMTS. Also fast nur zuhause internetfähig. Da reißt es die E-Bookheschichte auch nicht raus. Dann wieder die erzwungene Bindung an ein weiteres Shop-System bzgl. der e-BOOKs. – Nicht zum Aushalten diese Geschäftspolitik. – Smartes Teil, aber leider nicht wirklich sinnvoll als Onlinegerät zu gebrauchen. Und dafür dann 500 €! – Nein!

    • Also, am 31.1. sollte man doch so langsam wissen, dass das iPad neben WLAN auch Blutooth und optional UMTS beherrschen wird. Und letzteres angeblich SIM-lock-frei, also ohne Providerbindung und ohne Vertrag. In USA wird AT&T einen günstigen Prepaid-Tarif anbieten, der aber nicht zwingend ist.

      Und natürlich werden eBooks über einen Shop vertrieben, das ist doch überall so. Amazon kann die gekauften Bücher sogar nachträglich von deinem Kindle herunter löschen. In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts hätte dass das Verbrennen überflüssig gemacht! Was für eine Vorstellung. Das ist halt die Gefahr, die von proprietären Lösungen ausgeht. Aber wie soll man sich offene Vertriebswege vorstellen, bei denen trotzdem gesichert ist, dass Autoren etc. für ihre Werke bezahlt werden?

  26. Guter Artikel, bringt es auf dem Punkt. Nichts Neues aus dem Hause Apple. Das Interesse ist jedoch riesig. Warum?

    Viele von Euch werden sich sicherlich an den im Herbst 2007 in der ARD um 20:15 verkündeten Zusammenbruch des Internets erinnern, der im Jahr 2010 erfolgen sollte. Wie kommt so etwas zustanden? Nun, Cisco kam damals in einem White Paper “The exabyte era” zu dem Ergebnis, dass falls sich der sich IP-Verkehr jährlich verdoppelt, das Backbone-Netz hierfür im Jahre 2010 nicht mehr ausreichen könnte. Ein sog.”unabhängiges Institut”, Nemetres, machte im selben Jahr eine “Studie”, die sich im wesentlich auf den Forecast von Cisco stützte. Diese sog. “Studie” verbreitete sich in Windeseile, die Journalisten stützten sich auf das Katastrophenszenario und selbst die Bundeskanzlerin versprach Millionen für den weiteren Ausbau des Internet. Marketing/Lobbying vom Feinsten. Cisco freute sich über diese nachfragesteigernde Resonanz als Hauptanbieter für Netzzugangstechnologie, obwohl ihr Name nie in der Tagesschau gefallen ist.
    Letztlich wird in der Tagesschau vieles von nicht Experten nicht als Werbung wahrgenommen wird, sondern als Nachricht. Es ist eben der gefragteste Platz für Werbung im TV und kostenlos obendrein. Die darin platzierte Werbung, erhält erhöhte Aufmerksamkeit, sie vermittelt eine größere Relevanz beim Kunden und mindert gleichzeitig die Abneigung gegen das beworbene Produkt, von den fantastischen Einschaltquoten mal abgesehen.

    Trotzdem erstaunt mich immer wieder die Leichtgläubigkeit/Dummheit vieler Journalisten, denn selbst bezahlte Wissenschaftler zitieren meistens korrekt und verweisen im Zweifel auf ihre (Geld)Quellen.

    Bei Apple liegt die Sache anders. Da braucht es keine Hintertürchen, um Gratiswerbung um 20:15 zu plazieren. Apple hat nämlich einen “Steve Jobs als Messias einer Branche” und einem Messias gibt man gerne den Sendeplatz, um sein frohe Botschaft zu verkünden. Was vielleicht noch Bill Gates mit seinem Windows-Imperium schafft, könnten nur wenige Pop-Größen der Musik- oder Filmbranche schaffen, also absolute Superstars. Und genau dieses Phänomen macht den Unterschied, oder kennt jemand den CEO von Samsung aus dem Fernsehen? In der Wissenschaft werden diese Phänomenen ebenfalls untersucht und in sog. Super-Star- Modellen ausführlich betrachtet. Im wesentlichen geht es dabei dem rationalen Individuum darum, Suchkosten zu minimieren, um eine gute Qualität zu bekommen. Ein Kinobesucher geht also in einen bestimmten Film, ohne sich großartig zu informieren, weil ein bekannter Schauspieler mitspielt, der sicherlich ein schlechtes Drehbuch ablehnen würde. Auf der anderen Seite bürgt der Star mit seinem Namen für Qualität und verdient letztlich überproportional. Zumindest ist es im Idealfall so. Wie oft hat man jedoch einen schlechten Film gesehen, obwohl XY mitgespielt hat, der eine fette Gage für seien mittelmäßigen Auftritt kassiert hat. In der Wissenschaft würde man dies milking the reputation nennen. Die Zuschauer gingen hin, bekamen aber nicht die gewohnte Qualität geliefert. Auf die Dauer kann so etwas nicht gut gehen, zumindest würde die Karriere darunter leiden.

  27. Starkult ist eine weitere Form der Vereinfachung. Menschen mögen einfache Leitfiguren, Botschaften, Orientierung. Nicht nur, aber immer öfter. Je verwirrender Wahlmöglichkeiten und Infoschnipsel werden, desto mehr Chancen für reduzierte Auswahlkriterien. Ganz einfach wirds dann in monopolistischen Strukturen, was eben auch Gefahren mit sich bringt – mehr dazu auch hier: http://bernetblog.ch/2010…it-apple-gegen-alle/

  28. Also wir haben uns gerade einen iPad gekauft. Ich weiss zwar noch nicht wie ich damit php fuer meine Blogs programmiere, aber das Teil ist sehr gut.

    Wir haben nun die Idee bzw. wurden von einem Cafe inspiriert, dass in unserem co-worker Cafe oder im Betahaus Cafe statt Zeitungen und Zeitschriften iPads ausgelegt werden sollen.

    Wer sich informieren will was in der co-worker Szene in Zuerich passiert, dem empfehle ich http://www.startwerk.ch und http://www.co-working.ch/blog zu lesen.

    Jedenfalls wuerde ich genre wissen wie ihr die Idee findet. Ich meine Zeitungen gibt es genug und irgendwie muss das Cafe doch mal anders sein, oder?

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