Übernahmen im Web:
Drei Beispiele für verpasste Chancen

Während sich manch eine Akquisition im Web als Flop herausstellt, wäre an anderer Stelle ein Zusammengehen zweier Dienste wünschenswert gewesen. Drei Beispiele für verpasste Chancen.

Übernahmen sind die Triebkraft für junge Startups. Irgendwann von Google, Microsoft oder einem anderen Internet- bzw. Medienkonzern übernommen zu werden, ist der Traum vieler Gründer. Doch nicht nur auf das Bankkonto von Investoren sowie Unternehmern wirkt sich eine Akquisition positiv aus, sondern durch Synergien und eine Kombination der Funktionen häufig auch auf die angebotenen Dienste und Produkte.

Manchmal jedoch verpassen Onlineanbieter den Exit, sprich den Verkauf. Oder sie gehen an einen Käufer, der eigentlich gar nicht zu ihnen passt. Hier sind drei Beispiele für vergebene Chancen mit deutscher Beteiligung.

Xing und LinkedIn
Xing ist Deutschlands erfolgreichster Dienst der Web-2.0-Ära und noch dazu profitabel. Dennoch wirkt das Hamburger Unternehmen mit acht Millionen Mitgliedern gegenüber seinem US-Konkurrenten LinkedIn wie ein Zwerg. LinkedIn hat über 50 Millionen Mitglieder und dominiert in den meisten westlichen Ländern den Markt der Geschäftsnetzwerke. Die Ausnahme sind einige “Inseln” in Europa, auf denen Xing vorne liegt entweder vorne liegt oder zumindest eine nennenswerte Rolle spielt. Neben dem deutschsprachigen Raum gehören dazu die Türkei und Spanien, wo Xing durch Übernahmen lokaler Anbieter gewachsen ist.

Langfristig dürfte die David-gegen-Goliath-Strategie für Xing zum Problem werden. Eine globalisierte Wirtschaft führt zu länderübergreifenden Kontakten. Während Xing in Deutschland den Ton angibt und die meisten hiesigen Geschäftskontakte dort ein Profil haben, führt für internationales Networking kein Weg an LinkedIn vorbei.

Gerüchte über ein Interesse von LinkedIn an Xing gab es zwar, aber am Ende war es der Medienkonzern Burda, der im November 2009 ein Viertel der Anteile an dem börsennotierten Unternehmen aus Hamburg übernahm. Ob LinkedIn, das sich im deutschen Sprachraum durchaus schwer tut, vielleicht doch etwas neidisch auf Burda geschaut hat, ist nicht überliefert.

Aus Nutzersicht wäre ein vereintes Xing-LinkedIn aufgrund der dann vollständig grenzüberschreitenden Networking-Möglichkeiten definitiv eine gute Sache. Aus internetwirtschaftlichen Gesichtspunkten hingegen wäre es schon etwas schade, wenn Deutschland auch noch sein Social-Web-Flagschiff “verlieren” würde. Aber vorläufig sieht es danach ja ohnehin nicht aus.

Facebook und studiVZ
Gemunkelt wurde schon oft, dass Facebook seinen deutschen Klon übernehmen könnte. Zuletzt vor rund einem Jahr, als wir einen heißen Tipp erhielten, der sich dann aber doch eher als lauwarm entpuppte. Unser Beitrag zur Übernahme war schon fertig geschrieben, um schnell reagieren zu können, Grund zur Veröffentlichung gab es jedoch bis heute nicht – und mittlerweile dürfte das Thema vom Tisch sein.

Während die VZ-Gruppe mit ihren zusammen 15 Millionen Mitgliedern nach wie vor den deutschen Social-Networking-Markt anführt und das Innovationstempo merklich angezogen hat, kann sich Facebook über das Erreichen der notwendigen kritischen Masse in Deutschland freuen. Rund fünf Millionen aktive Nutzer hat das Netzwerk hierzulande mittlerweile, und es wächst stetig. Eine Akquisition von studiVZ, die eine umständliche und mit vielen Fallstricken versehene Integration in Facebook nach sich ziehen würde, dürfte für Mark Zuckerberg als Option nicht mehr interessant sein.

Nun wird Holtzbrinck seine VZ-Netzwerke für immer gegen Facebook verteidigen müssen. studiVZ-CEO Markus Berger-de León sieht die Möglichkeit, dass beide Dienste friedlich koexistieren können, wie er uns vor einigen Wochen in einem Interview verriet. Besser wäre ein Verkauf meiner Ansicht nach dennoch gewesen. Aber nun ist es dafür zu spät, und studiVZ wird versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.

News Corp. (MySpace) und Last.fm
Last.fm war über Jahre hinweg das weltweit führende Social Music Network und noch dazu ein Produkt vier junger Gründer aus Deutschland und Österreich. Im Mai 2007 wurde Last.fm vom US-amerkanischen Medienkonzern CBS für 280 Millionen Dollar übernommen. Seitdem ging es für das in London ansässige Unternehmern eher bergab als bergauf. Wettbewerber wie imeem und iLike erhielten immer mehr Aufmerksamkeit und Nutzer (iLike wurde zur führenden Musikapplikation bei Facebook), gleichzeitig fiel Last.fm durch Performance-Probleme, lizenzbedingte Einschnitte in die Funktionalität sowie einen undurchsichtigen Skandal über eine angebliche Herausgabe von Nutzerdaten an die Musikindustrie negativ auf.

Zeitgleich zur Übernahme von Last.fm durch CBS begann der Niedergang von MySpace als globaler Community-Marktführer. Lange dauerte es für die MySpace-Mutter News Corp., bis sie erkannte, dass die Zukunft von MySpace nicht im Social Networking, sondern im Bereich von Musik und Entertainment liegt. In den USA ging mit Myspace Music ein kostenloser Streaming-Dienst an den Start, und vor wenigen Wochen übernahm MySpace den früheren Last.fm-Konkurrenten imeem – dank imeems schlechter wirtschaftlicher Verfassung für Peanuts (relativ gesehen).

MySpace und Last.fm hätten nicht schlecht zueinander gepasst. Zwei Netzwerke mit einer musikaffinen Zielgruppe, bei der eine Seite die Interpreten und ihre Profile mitgebracht hätte (MySpace), die andere Seite die Technologie zum “Scrobblen” sowie die zur Erstellung von Charts samt einiger Verträge mit den Labels. MySpace hätte früher den Schnitt und sich zusammen mit Last.fm zu einer internationalen Macht im Bereich der Musikplattformen machen können. Ob News Corps’ Rupert Murdoch bereit gewesen wäre, 280 Millionen Dollar für Last.fm zu zahlen, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Einen spannenden Dienst mit viel Potenzial hätte ein Zusammenschluss in jedem Fall ergeben.

(Illustration: stock.xchng)

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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20 Kommentare

  1. Richtig ist, daß Xing zwei spanische Netzwerke übernommen hat und ein Büro in Spanien unterhält (und LinkedIn nicht), aber das bedeutet nicht unbedingt, daß LinkedIn nicht mehr tägliche Nutzer in Spanien hat :)
    http://trends.google.com/…date=all&sort=0

    Steffen Klaus hat auch mal den letzten Quartalsbericht von Xing durchleuchtet, wie sich die Neuanmeldungen im detuschsprachigen Raum entwickeln:
    http://blog.suxess24.com/…der-registrierungen/

    Ich denke, ein bißchen Wettbewerb ist immer gut für die Kunden . . . wir bieten fast alle Xing Premiumdienste jetzt kostenlos an. Am Ende gewinnt der Anbieter mit dem besten Produkt zum besten Preis, und “frei” ist ein schwer zu schlagendes Angebot . . . und das Thema Qualität ist ja auch nicht unwichtig.

  2. Hast recht, das war ungenau formuliert. Hab’s leicht abgeändert.

    In der äußeren Wahrnehmung – zumindest für mich – war LinkedIn immer die teurere Alternative. Hat wohl mit den höheren Preisen der Premiumpakete zu tun.

    Aber interessant zu sehen, wie ihr jetzt Wettbewerb über den Preis (bzw. die breitere Funktionalität des Basic-Pakets) machen wollt. Ich bin gespannt!

  3. Hallo,

    ich glaube, der Neid hält sich in überschaubaren Grenzen. Stichwort sind: Opportunitätskosten –> Für 50 Mio. kann LinkedIn andere Dinge anstellen, als sich auf einen “Nebenkriegsschauplatz” zu engagieren.

    LinkedIn hat im D-A-CH Raum innerhalb eine Jahres seine Mitgliederzahlen fast verdoppelt, ohne sich eine große Marketingmaschinerie zu bedienen.

    Aber man sollte nicht nur auf die Nominale achten, sondern auch auf die Qualität. Und hier hat LinkedIn für Führungskräfte (im Angestelltenbereich ab 150K +) den Vorteil, dass man sich “einigeln” kann und nur über Vorstellungen erreichbar sind. Und mit der Führungskräfteriege kommt auch der Rest.

    Drehen wir den Gedankenspieß mal um: Wenn LinkedIn die Hälfte seines Jahresumsatzes dafür verwendet hätte, 25% von Xing zu kaufen, was hätte LinkedIn damit gewollt? Zwei GUI zu betreiben wäre ökonomisch nicht sinnvoll, somit hätte man auf eine Basis migrieren müssen. Diese wäre sicherlich LinkedIn auf Grund des Produktvorteils gewesen. Hier hätte aber die Datenbasis nachbearbeitet werden müssen, da die Daten für eine Migration nicht ausreichend gewesen wären (Bestes Beispiel: Qualifikation von Kontakten etc.). Und ob hierzu 25% gereicht hätten, sei dahingestellt.

    Meine bescheidene Meinung
    Stephan

  4. Da unsere Basisversion so umfassend ist, brauchen die meisten unserer Mitglieder kein Premiumkonto–und die, die es brauchen, zahlen gerne größere Summen, da es sich im Vergleich zum Wert rechnet. Hier ist eine Zusammenstellung der wichtigsten kostenlosen Dienste, die bei Xing Premiumfunktionen sind–darüber hinaus gibt es auch Dutzende von Basisfunktionen, die bei Xing selbst Premiummitglieder nicht bekommen:
    1. Volle Suchfunktion
    -Stichworte, Firma, Position, geografische Gebiete, potentielle Mitarbeiter, usw.
    -Suchaufträge
    2. Interessante Leute bis zum dritten Grad kontaktieren (Z. B. 7,5 Mio bei 853 direkten Kontakte)
    -Einschließlich direkte Kontakte
    -Plus Gruppenmitglieder und Premiummitglieder
    3. Besucher meines Profils
    4. Status
    5. Neues aus meinem Netzwerk (unbegrenzt)
    6. Empfehlungen bekommen und anfragen
    7. Firmenprofile mit Beschreibung, Logo, Adresse, Stellenangeboten, usw.
    8. Andere
    -Status mit Twitter synchronisieren
    -Kontaktliste als VCF Datei exportieren (und auch über 2.000)
    -Powersuche nach Kollegen, Klassenkameraden, usw.
    -Dateianhänge
    -Stellenanzeigen schalten

  5. @ Stephan
    Ich glaube nicht, dass LinkedIn DACH als Nebenkriegsschauplatz ansieht. Dafür spricht schon allein die Tatsache, dass einer der zwei LinkedIn-Gründer (Konstantin) hier kommentiert ;)

    Fakt ist: Xing verdient in DACH Geld und macht den Einstieg für LinkedIn schwerer.

    Eine Übernahme würde
    - LinkedIn einen langwierigen Konkurrenzkampf ersparen
    - Xing mit und nicht gegen Goliath arbeiten lassen
    - für Mitglieder die Notwendigkeit der Pflege zweier Geschäftsnetzwerke eliminieren

    Natürlich würde eine Integration zu diversen Herausforderungen führen. So etwas hat es bei größeren Social Networks ohnehin noch nie gegeben. Und nun ist ja ohnehin erst einmal Burda am Zug…

    @ Konstantin
    Klar, allein durch die Masse an Mitgliedern (und die damit verbundenen Werbe- und Premiumeinnahmen) könnt ihr euch jetzt eine derartige Strategie leisten.

    Am Ende hängt wohl vieles, wenn nicht alles vom Erreichen des Netzwerkeffekts ab.

  6. Zum Gewinn: Burda hat 46 Mio, ausgegeben um anteilig 75.000 € Gewinn zu erhalten? Unter diesem Aspekt wäre ein Sparbuch besser gewesen…..also ist das eher ein strategischer Kauf von Burda gewesen. Burda ist eher am Datenhaushalt interessiert.

    Wenn DACH so strategisch für LinkedIn gewesen wäre, warum kam die deutschsprachige Version erst am 04.02.2009? Ich glaube kaum, dass Xing wirklich als Konkurrent wahrgenommen wird. Xing steht in Konkurrenz zu Wer-kennt-Wen und lokalisten.

  7. …weil US-Dienste häufig erst ihren eigenen Markt penetrieren und wenn sie sich dann auf andere Sprachen fokussieren, ist in den lokalen Märkten eben manchmal schon ein lokaler, stärker verwurzelter Konkurrent vorhanden.

    Xing Konkurrent zu WKW und lokalisten???! Ich sehe da null Überschneidung.

  8. @ Martin:

    Das Grundkonzept: Man kann nicht jeden irgendwie kontaktieren. LinkedIn ist das einzige SN, wo Kontaktanfragen qualifiziert werden. Wenn Sie mehrfach abgewiesen werden (“Kenne ich nicht”), dürfen Sie keine Kontakanfragen mehr stellen. Dieser kleine Unterschied hebt LinkedIn jedoch signifikant von anderen ab. Auch die Hürden bei InMails heben die Grenzen für Kaltakquiesen an. Somit bekommt bei LinkedIn keine Anfragen, ob man dich doch Pokern möchte oder lieber eine Stretchlimousine.

    Liebe Grüße
    Stephan

  9. Solche Anfragen hab ich persönlich bei Xing auch noch nie bekommen. Seltsam eigentlich, wenn man genaue darüber nachdenkt.

  10. Ich habe im letzten Jahr ein Zusammengehen von Xing und LinkedIn ebenfalls positiv beurteilt (Siehe: http://network-relations.…-prioritat-bei-xing/ ). Heute sehe ich das anders. Neben den wirtschaftlichen Aspekten unterscheiden sich beide Netzwerke stark in Mentalität und Charakter, das wäre nicht ohne weiteres zusammen gegangen. Das lässt sich auch an der Integration der akquirierten Netzwerke bei XIng erkennen, denn hier entstanden durchaus nennenswerte Spannungen.

    Heute begrüße ich den Wettbewerb zwischen Xing und LinkedIn, denn es zwingt beide Anbieter ihre Produkte zu verbessern. Davon profitiert letztendlich der Nutzer. Und hier hat LinkedIn aus meiner Sicht mit seinem starken Fokus auf Qualitätsaspekte im Moment die Nase vorn. Auch der Relaunch des Frontends war ein wichtiger Schritt im Bezug auf die Usability.

    Xing dagegen hat in den letzten Monaten ziemlich durch das unbedingt gewollte Wachstum gelittenen und zu viel Wert auf quantitative Aspekte gelegt. Ich bin gespannt, ob man das wieder in den Griff bekommt oder LinkedIn hier freiwillig das Feld als Qualitätsanbieter überlässt. Insbesondere die Tendenz zu plattforminternen Spam muss in den Griff bekommen werden (z.B. ungewünschte Termineinladungen, Veranstaltungen etc.)

    Ungeachtet dessen sollten beide Netzwerke eine Existenzberechtigung und Zukunftsperspektive in Deutschland haben. Dazu müssen sie es schaffen sich stärker auf ihren USP zu konzentrieren und nicht versuchen zur eierlegenden Wollmilchsau zu werden. Das versucht schon Facebook ;-)

  11. Interessant, dass du das Argument “Nutzer profitieren vom Wettbewerb” erwähnst. Zum Teil stimmt das sicherlich, aber es bringt bei Diensten, deren Nutzwert mit einer steigenden Zahl (zur Zielgruppe gehörender) User zunimmt, gleichzeitig das Problem der erwähnten Zersplitterung mit sich – im Falle von LinkedIn und Xing eine Zersplitterung nach Ländern. Ich sehe nicht unbedingt, dass ich davon profitiere, dass ich zwei Netzwerke verwenden muss statt einem, um länderübegreifendes Networking zu betreiben.

    Zudem fehlt in den meisten Ländern auch heute schon der Wettbewerb – in den meisten Ländern ist schon heute LinkedIn quasi allein auf weiter Flur.

    Angenommen, es gäbe lediglich ein Geschäftsnetzwerk, dann denke ich nicht, dass dieses seine Monopolstellung ausnützen könnte – denn natürlich gibt es gewisse Schnittmengen mit anderen Social Sites, z.B. mit Facebook, das durch seine Privatsphären- und Gruppenfunktionen auch professionelles Networking erlauben würde…

    Insofern denke ich, dass der Wettbewerbsaspekt hier nicht ganz die Relevanz hat wie z.B. im Handel.

  12. Die meisten sind doch bei Xing wegen den Headhuntern.

    Die kostenlos angebotenen Features von LinkedIn bringen einem wenig, wenn nur die wenigsten Geschäftskontakte drin sind.

    Bei Xing sind (fast) alle drin. Die wenigsten werden anfangen ihre 500 Kontakte bei LinkedIn wieder neu zu sammeln.

    Auch wenn es in anderen Ländern keine Alternative zu LinkedIn gibt, bin ich froh, dass es in DACH Xing gibt.

    Mit der Xing iPhone-App, kann man übrigens auch als Basismitglied Nachrichten verschicken und sehen, wer sein Profil besucht hat.

  13. Holtzbrinck scheint zur Zeit wohl eher mit sich selbst beschäftigt zu sein, als Zeit für die Nachbarn zu haben.

    Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Mitarbeiter der VZnet Netzwerke Ltd. (SchülerVZ/Holtzbrinck) zum Verdacht einer falschen uneidlichen Aussage gem. § 153 StGB, zum Verdacht der falschen Verdächtigung gem. § 164 StGB, Platinnetz (79% Holtzbrinck) geht laut Google Trends kontinuierlich den Bach runter und eLab (Holtzbrinck) und Holtzbrinck Ventures reißen sich alle möglichen PlatinVZ-Domains unter den Nagel. Wozu auch immer.

    Da fragt sich der außen stehende Betrachter, ob die den roten Faden verloren haben oder ob es sich nur um eine vorübergehende Verwirrtheit handelt.

  14. Xing hat laut ihrem aktuellstem Quartalsbericht 3,6 Mio Mitglieder im deutschsprachigen Raum (und Neuanmeldungen mit abfallender Tendenz)–das entspricht einer Penetrationsrate von 3,7%. Das ist im europäischen Vergleich eher gering. In England sind über 5% der Bevölkerung bei LinkedIn und in den Niederlanden schon über 9%. In den USA sind auch über 9% der Bevölkerung bei LinkedIn (und ca. ebenso viele monatliche Nutzer).

    Es gibt verschiedene Theorien, warum sich Businessnetzwerke in Deutschland bisher nicht so wie in benachbarten Ländern durchgesetzt haben, aber es gibt für LinkedIn sicher ein Potential von Personen, denen die Ausrichtung auf Qualität, Schutz der Privatspäre und Effizienz bei LinkedIn gefällt.

    Für deutsche Fach- und Führungskräfte, die den Wert von Online Business Netzwerken schätzen, machen wir es möglichst schnell und unkompliziert, sich bei LinkedIn ein zweites Standbein aufzubauen. Eine Premiummitgliedschaft ist nicht nötig, da die Basisfunktion alle wesentlichen Funktionen enthält.

    Und man kann auch innerhalb von wenigen Minuten seine Kontakte bei Xing exportieren und bei LinkedIn importieren, um zu sehen, wer schon bei LinkedIn Mitglied ist. Interessant ist auch ein Abgleich mit Adressbüchern aus Outlook, GoogleMail, Web.de, usw.–dann sieht man, wer alles bei LinkedIn ist und nicht bei Xing.

    Die meisten Xing Mitglieder sind Basismitglieder und können daher nur wenige der wesentlichen Funktionen nützen–denen hilft daher die Anzahl der Mitglieder in Deutschland herzlich wenig. Da kann man bei LinkedIn wesentlich mehr erreichen–auch wenn man noch keine internationalen Geschäftspartner oder Kontakte hat/sucht.

  15. @Konstantin Guericke: Apropos «Headhunter» – verstehe ich richtig, dass sich die kostenpflichtigen LinkedIn-Konten vor allem an diese Zielgruppe richten?

  16. Headhunter, Marktforscher und Investment Manager sind häufig tägliche Nutzer. Ich würde mal so grob sagen–wenn man täglich bei LinkedIn was tut (vor allem aktiv sucht und nicht nur Gruppendiskussionen/Netzwerkupdates liest), dann kommen die Premiumdienste in Frage, aber wer nur wöchentlich hingeht, wird idR alles was er/sie braucht, mit der kostenlosen Version machen können.

  17. Die drei Beispiele zeigen sehr anschaulich, was Sinn machen würde bzw. Sinn gemacht hätte. Bei LinkedIn und XING bin ich ganz Deiner Meinung. Die Situation im Thema StudiVZ und Facebook hat sich ja ziemlich gedreht im vergangenen Jahr. Evtl. wäre eine Wer Kennt Wen-Übernahme durch Facebook ein alternativ sinnvoller Schachzug?
    Zum Glück gibt es mehr sinnvolle Übernahmen als verpasste Chancen. Aus meiner Zeit bei eBay erinnere ich mich an die Volltreffer PayPal und mobile.de, die das eBay-Kerngeschäft (in DE und weltweit) heute maßgeblich stützen.

  18. Stephan schrieb:

    [...] Ich glaube kaum, dass Xing wirklich als Konkurrent wahrgenommen wird. Xing steht in Konkurrenz zu Wer-kennt-Wen und lokalisten.

    Ohne die Beispiele zu kennen kann ich Stephans Meinung in dem Pukt unterstüzten, dass xing eine etwas andere Klientel bedient als LinkedIn. Im Anspruch gibt es durchaus Überschneidungen und in definierten Ebenen der Firmenhirarchien und bei den Selbstständigen in der DACH-Region hat xing ohne Zweifel die Nase vorn.

    Dies führe ich jedoch auf die Besonderheit der deutschen Benutzer zurück. Es gab – anders als in der englischsprachigen Welt – kein privates soziales Netzwerk wie facebook. facebook deckt den privaten Austausch ab, LinkedIn den in der Geschäftswelt repräsentativen. Daher rühren meiner Meinung nach auch die geringen Verweilzeiten auf den Webseiten des LinkedIn-Angebotes. Ich z. B. melde mich an, steuer einige Fixpunkte an, bearbeite die Anfragen und melde mich wieder ab; den Rest erledigen E-Mail-Benachrichtigungen.

    Xing hingegen war seit dem Start im Jahre 2003 in der Position, den professionellen UND privaten Bereich für deutschsprachige Benutzer abzudecken, die Gruppen- und Forenstruktur zeigt dies – besonders nach der Änderung der Gruppenzulassungpolitik – deutlich. Es gab kein allumfassendes privates SN a la facebook, dass diesen Austausch aufnehmen konnte. Daher erscheinen bei Auswertungen der Benutzer-Verweildauer auch um Zehnerpotenzen höhere Zeiten. Man nutzt xing nicht nur für den geschäftlichen Austausch, man menschelt.

    Das ist für unseren “Kulturkreis” kein Manko, daraus resultieren weitere soft skills von xing, z. B. die schnellere off site-Vernetzung der Teilnehmer. Ich würde dies daher als regionale Besonderheit hervorheben.

    Was jedoch wenn facebook oder ein ähnliches SN in Deutschland eine führende Rolle übernimmt? Tauschen sich die Nutzer von xing dann weiter bei xing über private Dinge aus oder wandern sie ab? Wenn sie abwandern, dann ist es meine Annahme, dass sie mittelfristig ein weiteres Profil auch bei LinkedIn pflegen und dort die restriktiveren Kontaktmöglichkeiten schätzen lernen (nicht jeder kann jeder kontaktieren, Nachrichtenaustausch ist von Netzwerken abhängig, nicht von bezahlten Gebühren).

    Damit hätte Xing das Alleinstellungsmerkmal in DACH verloren. Und dieses Alleinstellungsmerkmal ist für mich auch der Grund, warum LinkedIn auf die stille Migration setzt und Xing daher nicht “gekauft” hat. Es hätte doch nur zu Unmut unter den übernommenen Mitgliedern geführt, da LinkedIn diese Art der Nutzung eines Businessnetzwerkes in meinen Augen umsetzungstechnisch schlecht erfüllt. Und das ist gut so.

    Einen weiteren Punkt möchte ich noch anführen, xing hat es sich immer noch nicht nehmen lassen, neben jeden Foreneintrag Datum und Uhrzeit zu notieren. Nutzen von xing während der Arbeitszeit (die dienstrechtliche Regelung zum Thema privates Surfen gilt es stets zu respektieren.) ist auf diese Weise minutengenau protokolliert, dank Suchmaschinen in einigen Gruppen auf ewig. Wenn schon Maultaschen zur Kündigung führen, ist das Aneinanderreihen von Begriffen oder das Austauschen über Heilsteine sicher nicht minder gefährlich.

  19. @ Christian
    Mhh Wkw als Übernahmekandidat für Facebook… ist mir nie in den Sinn gekommen… Ich glaube, Facebook braucht in De keine Akquisition mehr, das Ding wird nun von alleine laufen.

    Was Paypal und eBay betrifft, ganz klar Perfect Match.

    @ Ralph
    Sehr interessante Analyse. Da ist wohl was dran. Persönlich nutze ich zwar Xing in keiner Weise privat, aber die aktiven Gruppen, Xing-Events usw zeigen in der Tat, dass es da nicht NUR um das Professionelle geht.

    Dennoch würde ich sagen, die Schnittmenge zwischen Xing und LinkedIn ist groß – größer als zwischen anderen sozialen Netzwerken.

  20. @Martin

    [...] Dennoch würde ich sagen, die Schnittmenge zwischen Xing und LinkedIn ist groß – größer als zwischen anderen sozialen Netzwerken.

    Dann kann Xing aber froh sein, dass LinkedIn sich so viel Zeit läßt, den deutschen Markt zu überzeugen. Denn als Teil der Schnittmenge finde ich es wichtig, dass ich in mich meinen verschiedenen, bei LinkedIn abgebildeten Netzwerken kostenlos austauschen kann. Ob über Kontakte oder über Gruppen, ein für die Alumni-Arbeit wichtiger Punkt (Benefit für Gruppenangehörige der Hochschulgruppe).

    Zudem ist Anonymisierung bei LinkedIn möglich (Profilbesuche, Suchergebnisse, Abkürzen des Nachnamens, “Verstecken” des Premium-Status, etc.), was bei xing nicht möglich ist – aber oft auch nicht gewünscht scheint, was vielleicht auch der Mentalität in DACH entspricht.

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  1. [...] Aufgrund der bereits recht guten Etablierung des lokalen Klons gestaltet sich dieser Schritt schwieriger als gedacht. Aus Sicht des US-Anbieters geht wertvolle Zeit verloren. Das war so bei studiVZ und Facebook und auch bei Xing und LinkedIn. [...]

  2. [...] hat selber Erfahrungen sammeln dürfen in der Migration akquirierter Netzwerke. Sowohl das Ankaufen des spanischen eConozco als auch des türkischen Cember.net hat XING nicht geholfen, in den beiden [...]