RSS-Feeds:
Eine Option für Paid Content?

Journalistische Verlagsangebote verzichten traditionell auf vollständige RSS-Feeds und bieten stattdessen lediglich Artikel-Anrisse. Dabei liegt hier eine interessante Möglichkeit zur Monetarisierung.

An einem verschneiten Sonntagvormittag saß ich gestern gemütlich auf meinem Sofa, eine Tasse Kaffee in der einen Hand, mein iPhone in der anderen. Entspannt überflog ich mit der iPhone-Version des Google Reader einige hundert Artikel der letzten Tage. Sonntagszeitung 2.0, könnte man sagen. Nur eine Sache trübte die Idylle: RSS-Feeds einiger größerer Verlagsmarken, die im Gegensatz zu den von mir abonnierten Blogs nicht den gesamten Artikel abbilden, sondern lediglich die ersten Zeilen.

Beiträge von heise oder Spiegel Online zum Beispiel muss man somit in einem neuen Fenster öffnen und vollständigen laden lassen, ehe man sie lesen kann. Das dauert nicht nur recht lange, sondern unterbricht auch den geradlinigen Prozess der Informationsaufnahme im RSS-Reader.

Über die Vor- und Nachteile von derartigen RSS-Teaser-Feeds lässt sich vortrefflich diskutieren. Doch statt dies zu tun, möchte ich einen Gedanken zur Diskussion stellen, der mir gestern in meiner hervorragenden Wochenendlaune kam: Warum bieten führende Anbieter von journalistischen Angeboten ihren Lesern nicht an, vollständige RSS-Feeds gegen ein monatliches Entgelt zu abonnieren?

Statt die existierenden kostenlosen Angebote zu beschneiden, wie es gerade Axel Springer beim Abendblatt und der Berliner Morgenpost getan hat, sollten sich Medienhäuser überlegen, wie sie ihre Gratisvarianten mit so viel Mehrwert anreichern können, dass ein Teil der Leser dafür in die Tasche greifen würde.

RSS-Full-Feeds, womöglich neben einem Gesamtfeed auch in Ressorts unterteilt oder anderweitig personalisierbar, brächten für mich – und ich könnte mir vorstellen, für viele andere RSS-Freunde auch – definitiv einen derartigen Mehrwert mit sich. Gäbe es von den oben erwähnten Beispielen wie heise oder Spiegel Online ein entsprechendes Angebot, wäre mir dies zwei oder drei Euro im Monat wert. Die Inhalte meiner bevorzugten Qualitätsmedien ohne Umwege im Google Reader konsumieren zu können, würde nicht nur Zeit sparen, sondern sich auch positiv auf meine Stimmungslage auswirken.

Natürlich wäre ein solches Premium-Angebot für Verlage kein Allheilmittel. Die Zahl der RSS-User unter den Internetnutzern ist vergleichsweise gering, und selbst bei 100.000, die monatlich zwei Euro für den Fullfeed von Spiegel Online zahlen würden, kämen “nur” 2,4 Millionen Euro Umsatz pro Jahr zusammen (zum Vergleich: 2006 betrug der Gesamtumsatz von Spiegel Online 15 Millionen Euro. Aktuellere Zahlen haben ich nicht gefunden, jedoch dürften die Erlöse heute darüber liegen).

Inhalteanbieter sollten aber nicht vergessen, dass neben der direkten Generierung von Einnahmen auch eine extrem enge Leserbindung geschaffen wird. Nutzer, die Geld für den vollständigen RSS-Feed zahlen, drücken eine enorme Loyalität zur journalistischen Marke des Absenders aus, die letztlich mit der eines Print-Abonnements vergleichbar ist. Diese Loyalität zusammen mit einer gewissen Kenntnis über die thematischen Präferenzen des zahlenden Lesers (bei personalisierbaren RSS-Feeds) kann indirekt zu weiteren Umsätzen führen.

Und auch unter dem Gesichtspunkt der Hyperdistribution lohnt sich das Anbieten eines kostenpflichtigen Full-Feeds: Gerade RSS-Freunde agieren gern als Inhaltedistributoren und empfehlen lesenswerte Artikel über Twitter, Facebook oder Blogs. Indem man dieser Nutzergruppe einen komfortablen Zugang zu seinem Content anbietet, erhöht man dessen Viralität, was zu weiteren Lesern, eingehenden Links und Zitierungen führt.

Angenommen, einige große Verlagshäuser entscheiden sich für das Einführen kostenpflichtiger Full-Feeds – bestünde dann die Gefahr, dass Schritt für Schritt auch größere Blogs versuchen würden, ihre Leser für vollständige RSS-Feeds zur Kasse zu bitten? Sicherlich gäbe es entsprechende Experimente, doch würde dies bedeuten, dass ein Blog von Full-Feed zu Teaser-Feed wechseln muss. Also genau das Gegenteil einer Strategie, bei der Geld für Mehrwert gefordert wird.

Die Konsequenz wäre nicht nur ein erheblicher Verlust von Stammlesern, sondern auch ein ordentlich ramponierter Ruf. Da Blogs zudem stärker als etablierte journalistische Medienmarken auf eine hohe Viralität im Web angewiesen sind, halte ich die Nachahmungsgefahr bei Blogs im Bezug auf kostenpflichtige Fullfeeds großer Zeitungen für gering.

Würdet ihr für den RSS-Fullfeed eurer bevorzugten Onlinezeitungen zahlen, die bisher lediglich Teaser als RSS ausliefern?

(Illustration: Flickr, CC-Lizenz)

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28 Kommentare

  1. kadekmedien
    schrieb am 21. Dezember 2009 um 16:40 Uhr (#)

    Also ich würde nicht für den Full Feed bezahlen. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil das offline Abo-Modell immer bedeutet, die Katze im Sack zu kaufen. Online gibt es dafür keinen Grund. Ich will nicht den ganzen Monat lang SPON, FAZ, Süddeutsche oder was auch immer lesen!

    Ich lese on demand! Das ist doch der Vorteil im Web. – Wenn mich ein Thema interessiert und meine Aufmerksamkeit auf einen entsprechenden Artikel gelenkt wird, von dem ich mir hochwertigen Content verspreche, wäre ich bereit, für diesen einen Artikel ein paar Cent zu bezahlen. Was sonst noch in dem betreffenden Medium steht kann, muss mich aber nicht zwangläufig interessierten.

    In Zeit/Räumen zu denken ist Industriezeitalter. Im Digitalen Zeitalter denkt der Mensch in Chunks. – Ich kaufe keine Kuh, wenn ich Lust auf ein Glas Milch habe.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 21. Dezember 2009 um 17:08 Uhr (#)

    Mir ist deine Aussage zu progressiv. Wenn du dir einen Film im Kino anschaust, zahlst du auch 10 Euro Eintritt – ohne dass du dir sicher sein kannst, den Film zu mögen. Wenn du bei zwei bis drei Euro im Monat von “ich kaufe keine Kuh” sprichst, dann klingt das übertrieben. Zudem geht es ja nicht um irgendwelche Feeds, sondern um solche von Anbietern, bei denen du genau weißt, was du dafür bekommst.

    Anders als du halte ich die Leserbindung an eine spezielle journalistische Marke auch in Zukunft für relevant – wenn auch in schwächerem Maße als früher. Das von mir vorgeschlagene Modell eignet sich daher auch nur für einige wenige, herausragende Angebote mit starker Leserbindung.

  3. kadekmedien
    schrieb am 21. Dezember 2009 um 17:39 Uhr (#)

    Wobei der Film im Kino eben nur 1 Unit ist und kein Abo auf Hollywood ;)

    Auch der einzelne (bezahlte) Artikel, kann sich beim Lesen als doch nicht so nützlich herausstellen… sei es um die paar Cent… – Aber wenn ich zig Medienfeeds mit verlässlicher Qualität für 2 – 3 Euro abonniere, ohne sie garantiert zu lesen, kommt ein unnötig hoher Preis für das nicht genutzte Gesamtangebot dabei heraus. Wozu?

    Die Leserbindung ist schon relevant, aber sie ist nicht mehr so ohne weiteres über *ein* Medium oder *eine* Marke zu erreichen; sie wird viel direkter zwischen Autor und Leser stattfinden… (Las ich nicht letztens erst auf netzwertig.com, dass im Netz künftig keine Mittler mehr benötigt werden?)

  4. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 21. Dezember 2009 um 17:45 Uhr (#)

    Ja tendenziell werden es weniger Mittler. Aber einige starke Medienmarken mit herausragendem Image in Bezug auf Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit etc werden bestehen bleiben. Zudem sehe ich die Inhalteanbieter nicht als Mittler. Sie erstellen ja den Content.

    Dass man sich vermehrt von seinen Bekannten Artikel empfehlen lässt, heißt ja nicht, dass man für die “alltäglichen” tagesaktuellen Meldungen nicht dennoch seine bevorzugten Inhalteanbieter hat, denen man auch gewissermaßen verbunden bleibt.

  5. Oliver Springer
    schrieb am 21. Dezember 2009 um 17:45 Uhr (#)

    Ich bin ein starker Befürworter von Paid Content, doch dieser Ansatz überzeugt mich nicht. Ein Grund wird im Artikel ja schon genannt: die Akzeptanz von RSS.

    Genau diejenigen, die wissen, was RSS ist bzw. sogar noch intensiv nutzen (noch mal mindestens ein Level weiter) sind meiner Vermutung eher diejenigen, die Paid Content aus Überzeugung ablehnen.

    Der normale Internetnutzer dagegen dürfte viel eher bereit sein, für mehr Komfort oder bessere Inhalte zu zahlen, wenn er dadurch einen Vorteil hat.

    In der Bindung an journalistische Marken sehe ich aber ebenfalls Chancen für Paid Content. Für dieselbe Leistung Geld zu verlangen, die es gerade noch gratis gab, ist problematisch. Aber – und da folge ich der Idee teilweise – wenn ein gewisser Vorteil geboten wird für eine kleine Gebühr, gibt es bei entsprechender Bindung an die Marke die Bereitschaft, Geld zu zahlen.

    Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Es kann sogar das Bedürfnis entstehen, Geld auszugeben. Ich denke da Richtung Fans und Merchandising.

    Bei entsprechend hoher Bindung kann sogar ein Abo auf freiwilliger Basis in gewissem Umfang funktionieren. Besser wäre aber, den Abonnenten schon noch ein paar Vorteile zu bieten.

  6. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 21. Dezember 2009 um 18:16 Uhr (#)

    Ja, prozentual gibt es wenige RSS-Nutzer, absolut dürften es aber schon eine Million oder so in Deutschland sein (reine Schätzung).

    Und angenommen, davon wäre ein gewisser Teil bereit, für einen Fullfeed zu zahlen, dann wäre es schade und verschenktes Potenzial, ihnen diese Möglichkeit zu nehmen.

    Eventuell bin ich aber der einzige, der dieses Bedürfnis hat. Dann muss ich mich damit abfinden. Aber so ganz will ich das dennoch nicht glauben. ;)

  7. Manuel Medicus
    schrieb am 21. Dezember 2009 um 18:19 Uhr (#)

    Ich bin auch ein großer Fan der Combo RSS-Feeds + Google Reader. Ich weiß aber nicht, ob ich für einen entsprechenden Feed bezahlen würde, wenn es die Informationen in vergleichbarer Form über einen anderen Feed kostenlos gäbe.

    Die Chancen zur Vermarktung sehe ich daher eher in der Adaption des RSS-Modells auf digitale Abonnements, besonders in der Kombination mit elektronischen Lesegeräten. Lassen sich etwa digitale Zeitungsartikel per Mobilfunk stets aktuell auf einem komfortablen eBook Reader abonnieren, denke ich ist das Marktpotential für digitalen Paid Content gegeben.

    Zur Sonntagszeitung 2.0, im Sinne individuell abonnierbarer Ressorts, wird es aber noch einige Zeit dauern. Denn die Konsequenz wird den lokal gebundenen Zeitungsverlagen nicht schmecken, da sie nicht in allen Ressorts auf nationaler und internationaler Ebene konkurrenzfähig sind. Klar – die Wahl fällt nicht schwer zwischen einer Ressortabteilung, die sich DPA-gestützt mit einem Themengebiet auseinandersetzt, und einer spezialisierten Fachzeitschrift, die hier die entsprechenden personellen Ressourcen hat.

    Blogwerk macht es doch vor: Verschiedene, spezialisierte Angebote unter einem losen Dach. Der Nutzer wählt selbst, welche Themen ihn interessieren. Man “kauft” nicht ein Komplettpaket, bei dem man mit der Hälfte eh nichts anfangen kann.

  8. Matthias Jakel
    schrieb am 21. Dezember 2009 um 19:56 Uhr (#)

    Kurz zum Google Reader vorweg: ich nutze ihn intensiv, allerdings finde ich, dass er nicht optimal ist und ich die Artikel meistens doch lieber auf der Website lese. Zum schnellen sortieren und stöbern ist der Google Reader unschlagbar.

    Ich würde einen Full-Feed echt toll finden und wäre dafür bereit zu zahlen, allerdings sollten sich die Preise in einem realistischen Maß befinden. Allerdings wundere ich mich, warum die Publisher die Werbung nicht mit in einen Full-Feed packen. Dann sieht man sowohl die Werbung, was den Publisher finanziert als auch den kompletten Artikel und kann diesen in seinem favorisierten Feed-Reader lesen.

    Ich weiß nicht inwiefern es schon mit RSS und Atom möglich ist, aber es sollte ein neues Feed-Protokoll eingeführt werden, welches das nachladen des kompletten Textes nach der Bezahlung (direkt im Reader) erlaubt. So könnte man sich zuerst durch Anreißer blättern und nur jene Artikel kaufen, die einen wirklich interessieren.

    Ich finde, dass es insgesamt unter den Verlegern sehr an Kreativität mangelt, neue Bezahlmodelle zu schaffen. Das wird eben neuen Internetfirmen zugute kommen, die entsprechende Modelle entwickeln werden. Zum Beispiel http://iswapp.com/ an dem ich auch beteiligt bin.

  9. Sven Drieling
    schrieb am 21. Dezember 2009 um 20:02 Uhr (#)

    Beiträge von heise oder Spiegel Online zum Beispiel muss man somit in einem neuen Fenster öffnen und vollständigen laden lassen, ehe man sie lesen kann.

    Eventuell lässt sich der Feedreader so konfigurieren, dass er bei solchen Feeds automatisch den verlinkten Inhalt anzeigt.

  10. Yoav Sapir
    schrieb am 21. Dezember 2009 um 23:19 Uhr (#)

    Soweit ich weiß, sehen die existenten RSS-Protokolle keine Verschlüsselung oder Authentifizierung vor. Wer die URL eines Feeds kennt, kann es grundsätzlich uneingeschränkt beziehen. Von daher ist es wohl zunächst einfach technisch unmöglich, sicherzustellen, dass (fast) nur zahlende Kunden die Premium-Feeds bezögen.

  11. Martin Raißle
    schrieb am 21. Dezember 2009 um 23:20 Uhr (#)

    Also ich find die Idee im Prinzip ganz gut. Allerdings mach ich mir bei Digital-Abo Sachen immer Gedanken um den Preis. Wenn ich daran denke, wieviel Prozent aller erscheinenden Artikel ich lese (vor allem, weil es Tage gibt, an denen ich gar keine “klassischen” Nachrichten lese), dann müsste der Preis schon ziemlich gering sein. Damit werden sich die Verleger wahrscheinlich aber (und das oftmals völlig zu Recht) nicht zufrieden geben.

    Deswegen bevorzuge ich auch ein funktionierendes Micro-Payment-System, um einzelne Artikel zu kaufen.

  12. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 21. Dezember 2009 um 23:33 Uhr (#)

    Ich sehe die fehlende Möglichkeit zur Authentifizierung nicht als großes Problem. Genau wie Nutzer die Zugangsdaten zu ihrem Premiumaccount z.B. bei Spotify nicht im großen Stil teilen, weil ihnen sonst womöglich der Account gekündigt würde, werden die meisten die einzigartige, für sie generierte URL zum RSS-Feed auch nicht öffentlich sharen. Immerhin haben sie dafür bezahlt. Und wer die Feed-URL öffentlich im Netz preisgibt, begeht ganz einfach Vertragsbruch. Ein bissl privates Sharen im kleinen Kreis lässt sich natürlich nicht verhindern, das stimmt.

    Eine Möglichkeit wäre auch, sowas direkt mit Google zu regeln – sprich, Abrechnung und Authentifizierung findet direkt über Google im Google Reader statt. Das würde dann jedoch zusätzlichen Verwaltungsaufwand mit sich bringen, zudem würde Google wahrscheinlich einen Anteil vom Umsatz haben wollen.

    @ Manuel
    Was du beschreibst, ist doch eigentlich nichts anderes als ein Full-Feed auf einem E-Book-Reader ;)

    @ Martin
    Ja klar vom Preis würde vieles abhängen.

    Micro Payments sind wohl ein anderes Thema. Worum es mir geht, ist so viel wie möglich direkt im RSS-Reader lesen zu können ;)

  13. Christian Jung
    schrieb am 22. Dezember 2009 um 00:08 Uhr (#)

    Ich habe mich etwas gewundert über den Hinweis von Oliver Springer, RSS-Leser seien gegen Paid-Content. Ganz im Gegenteil glaube ich, dass gerade RSS-Leser eine hohe Anzahl an Nachrichten pro Tag aufnehmen und ohnehin nicht zu denjenigen gehören, die für sie irrelevante Quellen aufnehmen. Viel mehr ist doch der RSS-Feed die selbst zusammen gestellte Zeitung, all das, was mich interessiert, was ich nicht verpassen will oder was mir kurze Highlights bescheren könnte.

    Für meinen Teil würde ich auf jeden Fall für einen vollen Feed bei gewissen Seiten zahlen. Für mich wäre Carta.info da so ein Kandidat, deren abgekürzter Feed mich schon häufiger gestört hat. Dabei gehört die Seite zu meinem Nachrichtentag unumstößlich dazu. Warum also den Leser zwangsweise auf die Internetseite ziehen, um damit über Werbung zu Geld zu kommen, wenn man das auch auf dem kürzeren Weg direkt über den RSS-Feed kann.

    Werbung im RSS-Feed empfinde ich grundsätzlich nicht als störend, solange ich auf meinen großen Bildschirmen am Arbeitsplatz oder zu Haus surfen kann. Wenn ich allerdings meine Feeds auf dem iPhone durchsehe, und das wird immer häufiger, dann müsste die Werbung sich auch hier an die Nutzbarkeit anpassen. Ja, ich bin bereit auch auf interessante Werbung zu klicken und mir ein Angebot anzusehen. Wenn es mir allerdings den ganzen Spaß an den Neuigkeiten verdirbt, wird die Nachrichtenquelle für mich versiegen.

  14. Matthias Jakel
    schrieb am 22. Dezember 2009 um 00:25 Uhr (#)

    Soweit ich weiß, sehen die existenten RSS-Protokolle keine Verschlüsselung oder Authentifizierung vor. Wer die URL eines Feeds kennt, kann es grundsätzlich uneingeschränkt beziehen. Von daher ist es wohl zunächst einfach technisch unmöglich, sicherzustellen, dass (fast) nur zahlende Kunden die Premium-Feeds bezögen.

    OK. Ich muss mich korrigieren. Ich hatte mich falsch ausgedrückt. RSS ist ein Format und kein Protokoll und wird via http-Protokoll ausgeliefert. Was ich meine ist, dass soweit ich weiß keine Inhalte in einem Feed nachgeladen werden können. Beispiel: Ich bezahle im Google Reader und mir wird mit der Zahlungsbestätigung ein Zugangskey geben. Mit diesem in der URL wird der Feed neu geladen und ich erhalte den bezahlten Artikel im Feed komplett angezeigt statt nur den Anreißer.

    Ich werde mal testen wie der Google Reader darauf reagiert, wenn in einem bestehenden Artikel neue Inhalte beim Neuladen enthalten sind. Wenn ich meinen Testversuch abgeschlossen habe, werde ich berichten.

  15. René Fischer
    schrieb am 22. Dezember 2009 um 10:36 Uhr (#)

    Auch ich wäre nicht bereit für einen Fullfeed zu bezahlen. Warum? Warum sollte ich? Der vollständige Artikel ist doch nur einen Klick entfernt.

  16. SheephunteR
    schrieb am 22. Dezember 2009 um 10:54 Uhr (#)

    Ja, auch ich wäre bereit für Full RSS-Feeds etwas zu bezahlen. Zu mal ich meinen Feed-Reader öfter auch offline durchblätter (Wenn der Google Offline Reader ausnahmsweise mal funktioniert) und mich dann über Teaser noch mehr ärgere, da ich ja keine Chance habe die Nachrichte nachzuladen. Aber auch ich mag das Feedreader erlebnis, zu mal ich noch das feedly Frontend nutze, das einem eigentlich erlaubt alles von dort aus zu machen. Da ist es schade, wenn man den Reader wegen eines Teaser Feeds verlassen muss.

    Warum die Verlage es nicht machen? Wahrscheinlich erstmal weil sie unkreativ sind.
    Dann gibt es aber dazu noch die diversen technischen Probleme. Eben, wie soll eine Authentifizierung stattfinden? Soweit ich weiß ist dieses Format nicht groß auf Interaktivität ausgelegt ist. Nachladen neuer Inhalt (@Matthias du kannst deinen versuch sparen) ist zum Beispiel nicht möglich.
    Das heisst, man müsste eventuell ein neues Format entwickeln oder sonst einen Haufen Programmierer beschäftigen, die sich, am Ende noch mit Google zusammen, um eine Lösung bemühen. Das bei der schon erwähnten geringen Zielgruppe und Nutzerzahl? Das würde sich lange nicht amortisieren.

  17. Sven Drieling
    schrieb am 22. Dezember 2009 um 12:49 Uhr (#)

    @Yoav Sapir

    Soweit ich weiß, sehen die existenten RSS-Protokolle keine Verschlüsselung oder Authentifizierung vor

    Authentifizierung geht bei RSS Feeds wie allgemein bei HTTP per HTTP-Authentifizierung (http://de.wikipedia.org/w…TP-Authentifizierung). Dürfte auch von den meisten Feedreadern unterstützt werden.

    - Abstract Feed — Freier Zugang
    - Fullfeed — Beim ersten Aufruf des Feeds erscheint im Feedreader eine Abfrage von Loginname plus Passwort.

    Andere Bezahlmöglichkeit: Warum unter frei zugänglichen Artikeln kein 0,50 EUR [Bezahlen] oder ein [Zum Bezahlen vormerken] Button?

    Ich lese den Artikel. Sehe darunter den Button und weil mir der Artikel gefallen hat bezahle ich ihn oder ich merke ihn mir zum Bezahlen vor und nutze dann ein-, zweimal im Monat die auf meinem Rechner gespeicherte Liste, um die Zahlung auszuführen.

  18. FLHH
    schrieb am 22. Dezember 2009 um 13:22 Uhr (#)

    RSS wird nächstes Jahr wieder ganz gross rauskommen, dessen bin ich mir absolut sicher. Stichwort Apple, Tablet, etc. Eine Möglichkeit für News-Abos wäre ein modifiziertes iTunes-LP-Format. Ein anderes… Richtig, der gute alte RSS-Feed. ;-)

  19. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 22. Dezember 2009 um 13:32 Uhr (#)

    @ René
    Die Frage “warum” beantworte ich ja im Artikel ;)

    @ SheephunteR
    Am besten wäre es, irgendein Verlag probiert es mal ganz unbürokratisch für ein paar Monate, mit RSS, einer uniquen Feed-URL, Zahlung über Paypal auf Monatsbasis, und schaut dann mal, ob es nicht auch ohne die Entwicklung eines neuen Formats geht.

    @ Sven
    Passwortabfrage bei Fullfeed wäre auch eine Möglichkeit, stimmt. Fragt sich jedoch, wie RSS-Reader damit klar kommen. Könnte Probleme geben.

    @ FLHH
    Ich denke auch, dass das Potenzial von RSS noch lange nicht ausgereizt ist. Auch wenn einige Obergeeks in den USA ja seit einiger Zeit den Tod des Formats herbeireden wollen.

  20. karl
    schrieb am 22. Dezember 2009 um 13:35 Uhr (#)

    Meine Reden, das poste ich schon seit Monaten immer wieder unter Blogeinträge und Artikel, die das Thema mit der Monetarisierung beinhalten. Es gibt tatsächlich zwei, drei Feeds, die ich gerne als Fullfeed haben würde, und für die auch Geld drin wäre.

    Aber dazu zählen definitiv nicht die Schmierblätter vom Axel-Springer-Verlag und anderen, die am lautesten jammern.

  21. Herr Voß
    schrieb am 22. Dezember 2009 um 14:27 Uhr (#)

    Da man nicht nur mit Yahoo Pipes, sondern auch mit beliebigen eigenen Skripten selbst Full-Feeds von Seiten erstellen kann, die keinen Full-Feed bieten, wird das nicht sooo gut funktionieren…

    Meine Meinung zu dem Thema: http://kaffeeringe.de/Blo…icht-selbst.553.html

  22. Thomas
    schrieb am 22. Dezember 2009 um 15:47 Uhr (#)

    Ich weiß nicht, ob’s schon gesagt wurde (hab mir die ganzen Kommentare jetzt nicht durchlesen können): Von maximal 20 Spiegel-Online-Artikeln, die im Feed auftauchen interessiert mich vielleicht einer so sehr, daß ich für ihn bezahlen wollte. Das reicht nicht für ein Feed-Abo – insbesondere, wenn ich diesen Artikel auch noch kostenlos auf der Webseite lesen kann. Ich lese Artikel meistens ohnehin nicht im Reader. Halte das also für keine gute Paid-Content-Idee. Mir fällt nix Besseres als “pro Artikel einen Mini-Betrag bezahlen” ein (evtl. ausbaubar zu einem Abo-Modell, wenn eine bestimmte Sorte von Artikeln immer interessant ist).

  23. David
    schrieb am 22. Dezember 2009 um 23:35 Uhr (#)

    Wenn man einzelne Autoren, Orte und spezifische Themen individuell abonnieren könnte, wär ich für ein Bezahlabo sofort zu haben. Der Filter ist fast ebenso wichtig wie der Inhalt.

  24. Thorsten Zoerner
    schrieb am 23. Dezember 2009 um 00:59 Uhr (#)

    Mit ziemlicher Sicherheit würde ich für “Schlagzeilen” also aktuelle Nachrichten nichts zahlen. Jedoch würde ich für den Zugang zu den (Web-)Archiven Geld bezahlen. Gerade wenn man sich in ein Thema wissenschaftlich einarbeiten möchte lernt man die Qualität einer einheitlichen Berichterstattung zu schätzen. Leider sind in den RSS Feeds die Permalinks meist keine – und schon nach einigen Tagen verschwinden Beiträge wieder aus dem Netz.

  25. Nico Luchsinger
    schrieb am 23. Dezember 2009 um 11:41 Uhr (#)

    Ich wäre allenfalls bereit, für einige wenige Full Feeds zu bezahlen. Der Preis hängt dabei einerseits davon ab, wie wichtig die Quelle für mich ist, und andererseits, wie ausgebaut die Filter-Möglichkeiten sind. Insgesamt glaube ich aber, dass die Verdienst-Möglichkeiten mit einem solchen Angebot für Privatkunden eher gering sind.

    Anders könnte es auf der Business-Seite aussehen: Ich könnte mir vorstellen, dass so manche Firma Geld für einen (vermutlich nach bestimmten Kriterien gefilterten) Content-Feed bezahlen würde, den sie zb. in ein Intranet einbinden kann.

  26. Lukas
    schrieb am 24. Dezember 2009 um 00:58 Uhr (#)

    Die Idee für einen Fulltextfeed Geld zu verlangen kann ganz theoretisch funktionieren. Ich glaube sogar, dass es viele Leute gibt, die dafür bezahlen würden. Nur: Bereits jetzt gibt es genug Möglichkeiten, den Inhalt einer Webseite (bzw. von Artikeln) automatisiert auslesen zu lassen – zB Yahoo hat da ganz interessante Ansätze (quelltext-scans etc.) – in denen es einfach nur darum geht, Inhalte zu aggregieren. Sobald also jemand seinen Fulltext-Feed nur gegen Kohle rausrücken will, mach ich (oder irgend ein anderer verrückter Programmierer :-) nen kleinen Webservice auf, dem ihr alle eure Fulltext-Feed-für-Geld-Seiten einwerft. Der Service generiert dann nen neuen Feed, der Fulltext liefert und der wandert dann in den Google-Reader. So einen Service zu schreiben würde wahrscheinlich nichtmal länger als ein paar Stunden dauern. Und dann sind wir wieder bei: Ist doch auch gratis verfügbar, warum sollt ich dafür zahlen?

    UPDATE: Herr Voß(21) hats eh schon gesagt…das kommt davon, wenn man nicht vorher alle Kommentare ließt…

  27. Meeresbiologe
    schrieb am 24. Dezember 2009 um 15:25 Uhr (#)

    Fullfeed kostenlos wäre eine interessante Sache. Das könnten die einzelnen Anbieter von Onlinenews auch selbst anbieten, indem sie sämtliche Artikel aus einer Sparte (wie Politik, Sport usw.) hintereinander voll anzeigen. Sogar die gewünschte Menge der Artikel könnte man den Lesern mit entsprechenden Einstellungen überlassen.

    Allein für diese Funktion Geld zu verlangen halte ich für aussichtslos, weil die kostenlosen Einzelversionen in der Tat einen Klick entfernt lägen.
    Ich finde außerdem überhaupt, dass die Onlinemedien ihr natürliches formatbedingtes Defizit an Übersicht über sämtliche Artikel besser ausgleichen müßten in der Form, dass aus den Verweisen auf einzelne Artikel in den Übersichtsseiten mehr über den verlinkten Artikel hervorgehen müßte.

  28. Jack
    schrieb am 29. Dezember 2009 um 02:39 Uhr (#)

    Letztendlich machen Sie das doch schon: Bild z.b. brachte mit viel Brimborium eine Bild-App raus, die letztendlich auf nen RSS-Reader rauslaufen dürfte (von der Funktion IPhone-Schütteln -> Frau zieht sich aus abgesehen, falls es die nicht nur in der Werbung gibt).
    Die Frage ist also:
    Warum steckt z.b. der Springerverlag (viel) Geld in eine App, die nur aufm IPhone läuft, wenn es für fast kein Geld nen RSS-Reader gibt (Oberfläche kurz anpassen und gut ist)? Alternativ kann dann jeder eine andere Software verwenden wenn diese ihm lieber ist…
    Interessanter wäre da allerdings ein Medienaggregator:
    Bild-Leser lesen ihre Bild (boar, geile Titten), rss-nutzer nutzen eher viele unterschiedliche Medien – wenn sich viele Verlage zusammentäten und gemeinsame RSS-Feeds mit allen erdenklichen Filter-Optionen anbieten würden, könnten sie der Zielgruppe ein wesentlich interessanteres Angebot anbieten – wobei Yahoo anscheinend schon sowas macht?

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