formspring.me:
Phänomen und Best Practice

formspring.me, ein simples Werkzeug zum anonymen Stellen von Fragen, verbreitet sich wie ein Lauffeuer in der deutschsprachigen Webgemeinde. Ein näherer Blick offenbart Überraschendes.

Derzeit ist es nahezu unmöglich, einen Blick auf meinen Twitter-Stream zu werfen, ohne in irgendeiner Form von formspring.me zu lesen. formspring.me ist ein äußerst simpler Dienst, bei dem User anonym gestellte Fragen beantworten können.

Wer sich registriert hat, kann den Link zur eigenen, mit einem Frageformular versehenen Profilseite über den persönlichen Blog, über Twitter oder Social Networks verbreiten und den eigenen Social Graph zum fleißigen Fragestellen auffordern. In der Praxis sieht das z.B. so aus.

Trotz erster Recherche ist mir bisher nicht klar, wie formspring.me in so kurzer Zeit zu einem derartigen Liebling der Twitter- und Blogosphäre werden konnte. Zumindest bei den großen US-Techblogs wie TechCrunchMashable oder ReadWriteWeb findet sich bisher keinerlei Berichterstattung über den Newcomer. Und ein Blick auf Alexa macht deutlich, dass der Dienst trotz US-amerikanischen Ursprungs ein primär deutsches sowie österreichisches Phänomen ist. Über sachdienliche Hinweise darüber, wer oder was als initialer Multiplikator gedient hat, bin ich dankbar. War es womöglich Sascha Lobo?

formspring.me - ein Phänomen in Deutschland und Österreich
formspring.me - ein Phänomen in Deutschland und Österreich

Neben der spannenden Frage über das Wie und Warum hat der “Fall Formspring” aber noch eine weitere interessante Dimension: Der Service, der von manchen sogar schon als “das bessere Twitter” bezeichnet wird, ist  ein Projekt von FormSpring.com, einem Unternehmen aus Indianapolis, das Website-Betreibern das bequeme Erstellen von Webformularen ermöglicht. Aus fünf Paketen können Nutzer auswählen, vier davon sind kostenpflichtig.

Für das Mutterunternehmen fungiert formspring.me also als Marketingwerkzeug, das User auf ein mögliches Einsatzgebiet von Webformularen hinweisen und zugleich die Markenbekanntheit erhöhen soll. Die Kosten eines solchen Projektes dürften marginal sein, die Wirkung bei hoher Viralität enorm. Auch wenn sich FormSpring.com augenscheinlich nicht an deutsche User richtet (Preise in Dollar, Site nur auf Englisch), so zeigt das Beispiel eindrucksvoll, was eine Verknüpfung des eigenen Produkts im Praxiseinsatz mit einer cleveren Marketingidee bewirken kann.

Die entscheidende Frage ist nun, ob sich die in der deutschsprachigen Webszene entfachte formspring.me-Begeisterung auf andere Länder und vor allem auf den englischsprachigen Internetmarkt überträgt. Dann wäre nicht nur die Rechnung der FormSpring.com-Macher aufgegangen, sondern es wäre auch ein Beweis dafür, dass die hiesige Twitter- und Bloggerszene Trends mit internationaler Reichweite entfachen kann – Balsam für die geschundene deutsche Bloggerseele.

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17 Kommentare

  1. René Fischer
    schrieb am 15. Dezember 2009 um 21:10 Uhr (#)

    Wie kommst du darauf, das Sascha Lobo den Trend ausgelöst haben soll?

  2. Reiner
    schrieb am 15. Dezember 2009 um 21:10 Uhr (#)

    Formspring ist blöd.

    Deutsche sind die Hauptnutzer.

    Naaaa? :-)

    #dreisatz

  3. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 15. Dezember 2009 um 22:12 Uhr (#)

    @ René
    Er hat viele Follower und am 11. Dezember einen Link zu seiner formspring.me-Seite gepostet. Allerdings war Google-Pressesprecher Stefan Keuchel sogar noch ein bisschen früher dran, sah ich gerade…

    Beide zusammen dürften jedoch ausgereicht haben, um den formspring.me-Hype anzukurbeln.

  4. Sebastian Lampe
    schrieb am 15. Dezember 2009 um 23:09 Uhr (#)

    Und was ist denn nun so gut an Formspring? Wozu muss ich so ein Formular ins Netz stellen? Es gibt doch bereits hundert andere Möglichkeiten mich anzusprechen, mir Fragen zu stellen etc..

    Und Firmen würde ich eher raten ähnliches auf Bereichen in ihrer eigenen Seite zu integrieren als die x-te Plattform zu nutzen.

  5. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 15. Dezember 2009 um 23:11 Uhr (#)

    Jep, formspring.me als solches reizt mich auch nur bedingt. Aber vielen Teilnehmern der aktiven Netzgemeinde scheint es zu gefallen.

  6. René Fischer
    schrieb am 15. Dezember 2009 um 23:25 Uhr (#)

    Ja, kann schon sein das Sascha und Stefan dem Trend den notwendigen Anschub gegeben habe. Ich persönlich habe am 8.11 von @danielleicher davon erfahren und mir meinen Account 2 Tage später geholt.

  7. Moritz
    schrieb am 16. Dezember 2009 um 10:04 Uhr (#)

    Was sicher super ist, ist die Usability. Total schlank und easy zu nutzen + Facebook Connect.
    Was Formspring aber so spannend macht ist dieses “endlich fragt mich mal jemand was”. Ich glaube, dass ist so ein Ego-Ding. Interviewt werden ist eben spannend. Und die Anonymität machts noch mal interessanter, das hab ich bei Twitter halt nicht (ausser mit irgendwelchen Fake-Accounts).

    Eigentlich sollte sich der Hype bei so einem banalen Dienst schnell legen. Aber wer weiss…

  8. mrvn
    schrieb am 16. Dezember 2009 um 10:26 Uhr (#)

    Mir war doch, dass da einer um die Ecke noch viel eher damit angefangen hat….
    Woher er das nun hat, weiß ich nun nicht, aber vielleicht wäre hier Quellenforschung mal gar nicht so uninteressant?

  9. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 16. Dezember 2009 um 10:32 Uhr (#)

    Thx, damit sind wir beim 8. Dezember als Tag für das erste “Seeding”…

  10. David
    schrieb am 16. Dezember 2009 um 10:40 Uhr (#)

    Formspring war doch schneller wieder uninteressant, als Google Wave. Spaß für 1-2 Tage und das war’s dann.

  11. Rob
    schrieb am 16. Dezember 2009 um 14:57 Uhr (#)

    @Martin

    Mich würde mal interessieren, wo die deutsche Bloggerszene im Vergleich zu anderen europäischen Ländern (UK excluded) steht?

    Bin immer wieder beeindruckt was in den kleinsten Nischen im engl.-sprachigen Raum so abgeht.

    Rob

  12. Doris
    schrieb am 17. Dezember 2009 um 10:28 Uhr (#)

    Formspring.me ist wirklich einfach zu benutzen – jeder Internet-Nutzer kann eine Frage eintippen. Denn – wie auch gestern wieder auf einer Veranstaltung erlebt, nicht jeder kennt Twitter und ohne angemeldet zu sein, kann man auch keine Frage an jemanden stellen. Das ist bei Formspring.me super enfach möglich.

    Mal weg vom “Ego-Trip”, der den Early Adopters mal schnell unterstellt wird: Das Tool integriert in eine Unternehmens-Website halte ich für ein klasse Instrument zum Aufbau einer lebendigen FAQ-Liste. Bin gespannt, was sich daraus künftig entwickelt!

  13. M.
    schrieb am 17. Dezember 2009 um 15:46 Uhr (#)

    Sorry für meine Ignoranz, aber was unterscheidet das von einem anonymen Formular auf einer eigenen Seite?

    Wieso sollte ich, um eine “lebendige FAQ” aufzubauen auf Fremddienste setzen, die dann ggf. auch noch mehr kosten als die wenige Zeit, die man für die Integration “per Hand” braucht?

  14. Tiko
    schrieb am 21. Dezember 2009 um 08:15 Uhr (#)

    Anonym Fragen beantworten?
    Sagt mal, habt Ihr keine Freunde, oder Familie? Wie weit ist es schon gekommen.
    Das solche Dienste Erfolg haben macht mir Angst um unsere Gesellschaft. Ist erschreckend wie beeinflussbar so alle sind.

  15. Volker Remy
    schrieb am 3. Januar 2010 um 22:14 Uhr (#)

    ….leider ist der Dienst jetzt abgesegelt…weiss jemand was genaues? Schade, ich hatte mich gerade dran gewöhnt.

  16. Rudi
    schrieb am 14. Januar 2010 um 12:17 Uhr (#)

    Danke für den Tipp! Kannte ich noch gar nicht. Persönlich finde ich es schwierig. Warum will jeder alles von sich preisgeben. Bei Firmen finde ich es allerdings ganz spannend. Gibt es da gute Beispiele. Bisher habe ich nur den Account von einem Escortsservice gefunden: tp://www.formspring.me/EXCELLENTESCORT

  17. Sabine
    schrieb am 15. Januar 2010 um 15:05 Uhr (#)

    @Rudi: DM Alverde nutzt Formspring http://www.formspring.me/alverde

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