Neue Offenheit:
Facebook testet seine Grenzen aus
Facebook hat mit der Implementierung neuer Datenschutzfunktionen begonnen. Der Dienst will Mitglieder dazu bewegen, öffentlich zugängliche Inhalte zu publizieren. Wie schon häufiger formiert sich eine Protestwelle. Könnte Facebook dieses Mal zu weit gegangen sein?
Aktuell steht diese Frage im Zusammenhang mit Facebooks jüngster Neuerung im Raum.
Das Social Network hat gestern damit begonnen, neue Datenschutzeinstellungen auf den über 350 Millionen Mitgliederkonten zu implementieren. Facebook möchte dadurch mehr Nutzer zum öffentlichen Publizieren von Inhalten animieren, um in der Folge diese Informationen von Suchmaschinen indexieren zu lassen und besser vermarkten zu können.
Mit dem Schritt folgt Facebook seinem Plan, sich stärker in Richtung einer Plattform für die öffentliche Kommunikation zu bewegen. Im Oktober fragt ich, ob die damals stattfindende Abkehr vom Echtzeitfeed auch eine Abkehr von Facebooks zu Beginn des Jahres eingeleiteten Twitter-Imitations-Strategie sein könnte. Wie sich nun zeigt, zieht das Netzwerk sein Vorhaben ohne größere Kompromisse durch.
Nur zu kleineren Zugeständnissen bei der Implementierung der neuen Datenschutzregeln, die zum Teil das öffentliche Posten von Inhalten als Standard-Einstellung vorsehen, scheint man in Palo Alto bereit zu sein.
Facebook hat viel Erfahrung damit, neue Funktionen einzuführen und sich anschließend einem wütenden Mob gegenüber zu sehen, der die Veränderungen kritisiert. Bisher jedoch zahlte sich diese Strategie stets aus. Webservices setzen gerne darauf, mit neuen Funktionen weiter zu gehen als eigentlich geplant, um anschließend Raum für Zugeständnisse zu haben.
Es könnte wieder funktionieren. Facebook weiß, dass es für die Mitglieder keine wirkliche Alternative zu dem blau-weißen Netzwerk gibt – zumindest keine, bei der sie alle ihre Freunde, Bekannten und Kollegen gesammelt vorfinden würden. Das bringt Facebook in eine starke Verhandlungsposition, in der es sich sehr viel mehr erlauben kann als ein Anbieter in einem hart umkämpften Markt.
Doch auch Facebook-Nutzer haben eine Schmerzgrenze. Näher als jetzt kam der US-Dienst an diese meines Erachtens nach bisher noch nie – auch nicht beim Beacon-Debakel Ende 2007, als Facebook mit 50 Millionen Mitgliedern noch ein aufstrebender und gegen MySpace ankämpfender Neuling war. Heute muss das Unternehmen seiner Verantwortung als Massenmedium gerecht werden. Tut es das mit einer derartig tiefgehenden Transformation von einer privaten zu einer öffentlichen Kommunikationsplattform, mit allen damit verbundenen Konsequenzen für einzelne Mitglieder (z.B. versehentlich auf “öffentlich” gesetzte Partybilder)? Ich habe meine Zweifel.

















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Ich hoffe eher auf den Effekt, dass schlafende Userhunde geweckt werden und die Leute endlich begreifen, dass sie verschiedenste Einstellungen für die Privatsphäre treffen können.
Dann würde vielleicht auch nicht jeder halbsinnvolle Statuseintrag bei jedem “Freund” auflaufen.
Aber, wie schon beschrieben, der Mensch ist ein Gewohnheitstier und wird sich auch damit abfinden.
Ein Freemium-Modell wäre doch für Facebook interessant. Muss immer alles kostenlos sein?
Eigentlich lobe ich Facebook ja selten, aber die neuen Einstellungen zur Privatsphäre finde ich gut, da sie sehr übersichtlich gehalten sind.
Auch kann ich die Behauptung, Facebook wolle die Nutzer zu möglichst freien Einstellungen bewegen, hier und auf anderen Seiten (RWW, Techcrunch,…) nicht nachvollziehen. Ich habe mich gestern beim Besuch von Facebook nicht genötigt gesehen, irgendetwas allen Facebook Nutzern oder sogar für den Index von Suchmaschinen freizugeben. Vielleicht liegt es daran, dass ich zuvor bereits relativ restriktive Einstellungen gewählt hatte. Diese wurden jedenfalls automatisch übernommen. Evtl. sieht das bei Nutzern anders aus, die die Einstellungen zur Privatsphäre nicht so restriktiv gewählt hatten.
@ Walter
Wofür würdet du denn zahlen wollen?
@ Carsten
Hehe ich lobe ja Facebook eher oft, aber ich habe einfach ein grundsätzliches Problem mit dem Shift in Richtung offene Kommunikationsplattform. Teilweise, weil Twitter für mich diese Aufgabe bereits sehr gut erfüllt, und teilweise, weil das einfach nicht der Grund ist, warum ich bei Facebook bin.
Ich habe heute zirka 15 Minuten meine Datenschutzeinstellungen gecheckt, aber dennoch das ein oder andere Verständnisproblem gehabt. Es ist einfach sehr komplex, und man erkennt nur schwer, welche Konsequenzen die Veränderung von z.B. “nur Freunde” zu “everybody” genau hat. Auch habe ich einige Fotoalben von mir entdeckt, die auf “everybody” gestellt waren. Aber da ich mein Profil für “Nicht-Kontakte” geschlossen habe, ist diese Option untergeordnet? Oder haben Nicht-Kontakte dennoch Zugriff auf diese Bilder? Es sind solche Fragen, die eigentlich gar nicht auftreten dürfen.
Es ist natürlich unglaublich schwer, für eine Plattform wie Facebook die Datenschutzeinstellungen einfach darzustellen. Aber das Problem bestünde nicht, würde man nicht diesen Drang zur Öffnung haben. Ich denke, auch so – als primär geschlossene Plattform für “privaten” Austausch – hat Facebook sehr gut Monetarisierungsoptionen.
So ein bisschen zweifle ich auch daran, ob die User wirklich reif für all das sind. Für uns ist das kein Problem, wir nutzen Twitter und können gut beurteilen, was öffentlich sein darf, und was lieber nicht. Aber das trifft nicht auf jeden Gelegenheitsuser zu.
Leider lassen sich bestimmte Einstellungen gar nicht mehr vornehmen – die Liste der Freunde beispielsweise ist nun öffentlich.
Mehr zum Thema in einem längeren Text der EFF: http://0x4d.ch/eff
@Martin Weigert: Detaillierte Einstellungen zur Privatsphäre stehen immer noch zur Verfügung – leider nicht mehr alle, die früher verfügbar waren (siehe dazu den oben erwähnten EFF-Text).
@ mds
Ja klar stehen die noch zur Verfügung. Hab ich das angezweifelt? ;)
Marcel hatte mir einen guten Link zukommen lassen. Ein schneller Blick drauf sollte verdeutlichen, wo das Problem liegt. Komplexität. Datenschutz darf keine Wissenschaft für die Nutzer werden.
@Martin Weigert: Richtig – und im Bezug auf Datenschutz lautet die Lösung dafür «Opt-in», nicht «Opt-out» oder gar keine «Opt-out»-Möglichkeit wie jetzt für viele relevanten Daten bei Facebook.
Na, mal sehen wie lange es dauert, bis die Datenschützer feststellen, dass Facebook gegen deutsches Recht verstößt (im Moment sind sie ja “zum Glück” genügend damit beschäftigt, Google Analytics zu verbieten).
Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Beim ersten einloggen nach der Datenänderung kann man alles ziemlich leicht auf die vorherigen “privaten” Einstellungen stellen (also quasi beibehalten). Und bei einem Status-Update ist durch einen Klick auf das “Schloß” doch sogar die Standard-Einstellung leicht auf eine privatere umzustellen. Sei es drum.
@Elmar:
Leider nicht – es sind nicht mehr alle früheren Einstellungen vorhanden. Die Liste der Freunde beispielsweise muss man nun öffentlich zugänglich machen.
@mds Die Freunde können weiter verborgen bleiben. Im Profil auf den Bleistift der Freunde Box klicken und den Haken bei “Show my friends on my profile” raus nehmen. Oder verstehe ich Dich jetzt falsch?
@Carsten Pötter:
Diese Einstellung bewirkt nur, was die Beschreibung aussagt – die Liste der Freunde ist im Profil nicht sichtbar. Sie bleibt aber öffentlich zugänglich, bloss nicht direkt über das Profil.
@mds: wenn ich mich nicht irre, war das vorher in meinem öffentlichen Profil doch auch nicht anders, oder? Gut, man konnte es vermutlich deaktivieren, aber was ist denn Sinn und Zweck des (schon vorher) öffentlichen Profiles? Das Freunde Dich finden können. Klar, anhand des Bildes geht das, aber nach 20 Jahren sind sichtbare andere Freunde durchaus hilfreich bei der Identifizierung.
Wie dem auch sei, es ist ja nicht so, dass ich Zweifel an und Probleme mit den neuen Einstellungen nicht verstehen oder gar akzeptieren könnte. Jeder hat dazu sicherlich eine eigene Meinung, und meine persönliche Meinung ist: alles halb so schlimm. Mich ganz persönlich stören diese neuen Richtlinien nicht.
@Elmar:
Ja, man konnte es deaktivieren.
Möglich – das sollte jeder einzelne Benutzer entscheiden können. Ich verwende Facebook beispielsweise nicht, damit mich Freunde von früher finden können. Wer mich sucht, wird per Google beispielsweise problemlos fündig.
Also in der Vorschau meines Profils tauchen die dann nicht mehr auf. Ändere das mal und gehe dann in den Privacy Settings auf Vorschau des Profils. Oder ich verstehe es wirklich nicht.
@Carsten Pötter:
Wie gesagt: Die Einstellung bewirkt genau, was in der entsprechenden Beschreibung steht. Deine Freundesliste erscheint nicht mehr im Profil, ist aber auf anderen Wegen weiterhin zugänglich.
Zur Erinnerung:
OK, ich gebe mich geschlagen. :)
@mdk: wie gesagt, auch wenn meine eine andere ist, ich akzeptiere andere und somit natürlich auch Deine Einstellung dazu.
Meine persönliche Meinung ist dennoch: Facebook steht für “Buch der Gesichter” nicht für “Buch von anonymen Avataren”. Wer Facebook dennoch eher anonym oder anders nutzen möchte, sollte dies natürlich gerne tun. Wenn eine Seite dies aber nicht mehr zulässt, muss man sich als User überlegen, ob man das akzeptieren und / oder ändern kann.
Ich will dich damit sicherlich nicht aus Facebook vertreiben. Wie gesagt, ich akzeptiere Deine Einstellung dazu, wie DU es nutzen möchtest. Die Frage ist, welche Möglichkeit Du siehst, Facebook zu einer Änderung zu bewegen.
@Elmar:
Richtig – und deshalb hätte Facebook deutlich darauf hinweisen müssen.
So, da ihr euch im gegensatz zu mir hier super auskennt hier meine Frage (bin am verzweifeln). Bei “Vorschau für mein Profil” werden meine Gruppen angezeigt!!! Das möchte ich aber nicht. Ich möchte, dass stattdessen meine Freundesliste angezeigt wird. Aber zumindest, dass wie gesagt die Gruppen-wegkommen, die gehen nicht-Freunde nichts an. Die neuen Privatsphäreeinstellungen helfen nicht weiter….
Danke!:)
@ Carsten, mds, Elmar
Gemütliche Runde ;)
@ HILFE!!
Du meinst Pages, oder? Diese zeigt Facebook jetzt grundsätzlich an, ohne dass du das beeinflussen kannst. Auch so ne fragwürdige Sache…
Wobei, für Gruppen finde ich auch keine Möglichkeit zum Deaktivieren des öffentlichen Anzeigens.
Tja, man sollte sich jetzt überlegen ob man der Gruppe “mein Chef ist ein A**” beitritt ;-)
Ja also ich meinte quasi bei”Privatsphäre-Einstellungen” kann man sehen wie das Profil für außenstehende nicht-Freunde aussieht. Und da stehen halt die Gruppen drin. Dafür hätte ich aber gerne meien Freundesliste für alle sichtbar drin(“gemeinsame Freunde”) Wie geht das?
Damke:)
@Martin: na klar. Alles ganz gemütlich. Und gerade lese ich bei Facebook, dass die Einstellung bezüglich der immer sichtbaren Freunde nun geändert wurde, und man es deaktivieren kann. Also: alles halb so wild, oder nicht? ;-)
Jep, typisch Facebook eben. Grenzen austesten und in den kritischen Punkten zurückrudern :)
Was ist daran erfreulich?
Bislang übrigens kann ich dieses Zurückrudern bei Facebook noch nicht nachvollziehen.
Für mich persönlich bedeutet facebook schon seit längerem ‘media overload’. Fände ich gut, wenn die das jetzt noch steigern könnten …
Das bedeutet für alle Benutzer: Einfach nur Dinge hochladen, die sowieso öffentlich sind und die eigentlich jeder wissen dürfte. Und damit hat sich’s. Seid mal nicht so paranoid.
Ich erschrecke mich immer wieder was mansche Leute von sich so ins Internet stellen. Da sind solche Hinweise oft nochmal sehr hilfreich um überhaupt zu realisieren was jemand von meinem Profil sehen kann der mich evtl garnicht richtig kennt. Anderseits find ich diese Zwangseinstellung auch etwas angreiffend, ich bin mir inzwischen garnicht mehr so sicher ob meine Einstellungen wirklich so sind wie sie sein sollen. Niemand kann mir garantieren das nicht doch irgendn ein Album im Google Index landet. Bei der heutigen Gesellschafft wären so ein paar Fotos schon ein großes Problem in der Karriere.
Richtig. Problematisch bei Facebook ist aber, dass Angaben, ohne die Facebook gar nicht genutzt werden kann, zwingend öffentlich werden. Das wäre nicht notwendig, zeigt aber klar, wohin sich Facebook entwickeln wird.
Richtig – und entsprechend ist es auch schon mehrfach geschehen, bei Facebook und anderen entsprechenden Diensten.